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Sprachen in Südamerika

In der Regel werden unter dem Begriff "Südamerika" die Festlandsgebiete südlich der Grenze von Kolumbien zu Panama zusammengefasst. Ebenfalls unstrittig zum südamerikanischen Kontinent und Sprachraum zählen die dem Erdteil an seinen Atlantik- und Pazifik-Küsten vorgelagerten relativ wenigen Inseln wie die zu Ecuador gehörende Galapagos-Inselgruppe oder die britischen Falkland Islands. Strittig ist dagegen, ob alle Inseln im pazifischen Nebenmeer Karibik Mittelamerika und damit dem nordamerikanischen Kontinent zugerechnet werden können. Unter Hinweise auf ihre Lage auf dem südamerikanischen Festlandssockel werden nicht selten einige vor der Nordküste Südamerikas liegende karibische Inseln wie Isla de Margarita (Venezuela), der Inselstaat Trinidad und Tobago sowie die niederländischen „ABC-Inseln“ Aruba, Bonaire und Curaçao ebenfalls zum Südkontinent gezählt.

Aus europäischer Sicht wird Südamerika oft als spanischsprechender Kontinent wahrgenommen. Das ist nicht ganz richtig, aber auch nicht vollkommen falsch. Tatsächlich gilt in den meisten südamerikanischen Staaten als Erbe der Kolonialzeit Spanisch als Amtssprache. In Brasilien, dem flächenmäßig größten und einwohnerstärksten Land Südamerikas, wird das wie Spanisch, Katalanisch und Galicisch zur iberoromanischen Sprachfamilie gehörende Portugiesisch gesprochen. Trotz etlicher Unterschiede sind die Übereinstimmungen so groß, dass Brasilianer Südamerikaner mit der Muttersprache Spanisch in der Regel ausreichend verstehen können und umgekehrt. Zudem wurde im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von portugiesischen und spanischen Lehnswörtern von den jeweils anderen Sprachen in Südamerika aufgenommen.

Eine weitere Folge der wegen der Entfernung zu den Mutterländern und anderer Faktoren zu beobachtenden linguistischen Sonderentwicklungen waren bestimmte Lautverschiebungen, die die zahlreichen Regionalvarianten beim südamerikanischen Spanisch und beim brasilianischen Portugiesisch weicher als ihre europäischen Urformen erscheinen lassen. Typisch für das südamerikanische Spanisch ist das „Seseo“ genannte Phänomen, anders als im kastilischen Standard-Spanischen bei der Aussprache keinen Unterschied zwischen „s“, „c“ und „z“ zu machen: Auch bei Wörtern mit „c“ und „z“ wurd das Phonem „s“ verwendet. Das Brasil-Portugiesisch unterscheidet sich vom europäischen Portugiesisch nicht zuletzt durch seine phonetische Betonung der Vokale.

Auch wenn Trinidad und Tobago und die ABC-Inseln mit einbezogen werden, so umfasst das Gesamtgebiet, in dem keine iberoromanische Sprache dominierend ist, nur einen kleinen Teil Südamerikas. Und auch dort verfügen viele Einwohner zumindest über Grundkenntnisse im Spanischen beziehungsweise im Portugiesischen.

Abgesehen von den die Sprache der Politik, Verwaltung und Medien bestimmenden Amtssprachen Spanisch und Portugiesisch sowie Englisch (Guyana, Trinidad und Tobago, Falklands), Niederländisch (ABC-Inseln, Suriname) und Französisch (Französisch-Guayana) spielen in vielen Ländern Südamerikas indigene Sprachen und Kreolsprachen im Alltagsleben insbesondere, aber nicht ausschließlich, unterer oder marginalisierter Bevölkerungsgruppen eine überragende soziale und kulturelle Rolle. Auch sprechen viele Südamerikaner mit Migrationshintergrund ihre Muttersprache zumindest noch als Zweitsprache, so zum Beispiel Deutsch in einigen Gemeinschaften in Chile oder in Argentinien.

Ein Beispiel für eine wichtige Kreolsprache, also für eine Sprache, die aus Elementen verschiedener Sprachen in relativ schneller Zeit entstanden ist, ist das in der seit 1975 von den Niederlanden unabhängigen Republik Suriname gesprochene Sranantongo. Diese Kreolsprache wird von ungefähr 90 % der Surinamesen als Erst- oder Zweitsprache neben der Amtssprache Niederländisch benutzt und ist die häufigste Alltag des Landes. Das seit dem 18. Jahrhundert in Gemeinschaften von afrikanischen Sklaven entstandene Sranantongo basiert wie die verwandten surinamesischen, heute nur noch wenig gepflegten Kreolsprachen Aukaans und Saramaccaans vor allem auf englischem und portugiesischem sowie westafrikanischem Wortschatz, der in den letzten Jahrzehnten zunehmend durch niederländische Lehnswörter ergänzt wurde. In Suriname gibt es ferner starke Minderheiten (40 %) mit indischen („Hindustanen“) und indonesischen Abstammungshintergrund, die eigene Sprachtraditionen wie den Hindi-Dialekt Sarnami Hindi pflegen.

Eine weitere bedeutende südamerikanische Kreolsprache ist das auf den ABC-Inseln gesprochene, hauptsächlich auf Spanisch und Portugiesisch basierende und durch afrikanische, englische und niederländische Elemente ergänzte Papiamentu (ca. 250.000 Sprecher). Papiamentu ist wie Sranantongo als Folge des Verbots der niederländischen Kolonialherren, Sklaven das Sprechen von Niederländisch zu erlauben, entstanden.

Eine andere kulturhistorische Sonderheit stellt die kolumbianische Kreolsprache Palenquero dar, die lediglich von den etwa 3.000 mehrheitlich afrokolumbianischen Einwohnern des abgelegenen, im 17. Jahrhundert von entlaufenen Sklaven gegründeten nordkolumbianischen Dorfes San Basilio de Palenque („Das erste freie Dorf Südamerikas“) gesprochen wird. Diese spanisch-bantu-basierte Kreolsprache ist zentraler Faktor des von der UNESCO durch Aufnahme in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ 2005 besonders hervorgehobenen afroamerikanischen Kulturraums des Ortes.

Von den vermutlich 1.500 Sprachen, die es in vorkolumbischer Zeit in Südamerika gegeben haben könnte, sind heute mehr als 300 existent. In den meisten südamerikanischen Ländern beträgt der Anteil der indigenen Menschen an der Bevölkerung weniger als 3 %. Entsprechend gering ist dort zumeist die Bedeutung indigener Sprachen. Eine Ausnahme stellt Paraguay dar, in der die Sprache der Ureinwohner, der Guarani (1 % der Bevölkerung), von vier Fünftel der Bevölkerung gesprochen wird und neben Spanisch Landessprache ist. Im benachbarten Bolivien, in dem ungefähr die Hälfte der Einwohner zu indigenen Völkern wie Aymara oder Quechua zählt, gelten Indianer-Sprachen regional neben Spanisch als Amtssprachen. Ähnliches gilt für Peru, wo etwa 15% der Bürger Quechua sprechen und für Chile, wo ungefähr 1,5 Millionen Mapudungu sprechende Mapuche-Indianer und andere größere indigene Ethnien leben.


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