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Die Sprache der Angela Merkel

Tipp von Redaktion
Die amtierende Bundeskanzlerin Deutschlands liegt den meisten Menschen nicht als emotionale und mitreißende Rednerin im Ohr. Ihre Art zu sprechen, wird von Kritikern und Gegnern gerne als schwammig und distanziert betrachtet, während Befürworter ihrer Person in ihrem Sprachverhalten vor allem ein Widerspiegeln ihres Verantwortungsbewusstseins sehen, da Frau Merkel weitestgehend auf Versprechungen und direktes Zugehen auf Menschen - und somit auf Einzelschicksale - verzichtet.

Ihre Sprache ist wahrlich nicht die eines Rhetorikprofis, aber ein genaueres Hinschauen lohnt sich. Von Angela Merkel kann man vor allem Aspekte eines Technokratendeutschs voller Substantivierungen und endloser Schachtelsätze erlernen. Ihr sprachliches Bild ist dabei geprägt von Feststellungen, die aufgrund der wenigen emotionalen Inhalte, die sie ausspricht oder ausstrahlt, stets wie Tatsachenberichte wirken. Dennoch beherrscht sie die Kunst des Einstreuens kurzer, prägnanter und klar gemeinter Sätze sehr wohl.

Anhand einiger Beispiele soll auf Angela Merkels Sprache hier eingegangen werden.

Substantivierungen und Passivkonstruktionen



Auffällig ist bei Angela Merkels freieren Reden: Sie neigt dazu, aus Verben und Adjektiven neue Substantive zu kreieren, die eher improvisiert und manchmal unfreiwillig komisch wirken. Taten und Umstandbeschreibungen werden dabei sprachlich zu Dingen, was ihre Sätze mit Objekten anreichert - entsprechend entfallen Subjekte (handelnde Personen und Gruppen) besonders häufig.

Beispiel 1: "Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf kochen nicht zu kurz kommen."

Beispiel 2: "(...) wieder einmal im Rahmen dieses Hierseins in der Bundespressekonferenz Rede und Antwort zu allen Themen zu stehen, (...)"

Besonders das zweite Beispiel wirkt umständlich, während das erste ihren besonderen Sinn für die Entwicklungen unserer Zeit unterstreicht. Dadurch, dass diese Substantive verwendet werden, ändert sich die gesamte Syntax des Satzes und dem Zuhörenden wird der Fokus auf genau jene Dinge gelegt. Zudem stellt das Verwenden von Substantivierungen klar, dass hier davon ausgegangen wird, dass es sich um äußere Umstände handelt, an denen man persönlich weniger beteiligt ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch geht das den meisten Menschen ab, denn sie stellen - auch sprachlich - einen Bezug zwischen sich, anderen Menschen und der Welt her.

Auch Passivkonstruktionen werden von der Kanzlerin gerne gewählt. Dabei zieht sie sich selbst und andere Beteiligte rein sprachlich aus der Verantwortung, denn: "(...) die Entscheidungen wurden gestern getroffen (...)".

Dieses sprachliche Bild vermitteln Zuhörern vor allem: Dinge wurde getan. Von wem und wie genau, erschließt sich nicht. Man kann nur spekulieren, inwiefern wer und mit welcher Überzeugung beteiligt war. Auch spricht Angela Merkel generell selten von einem "wir" (im Bezug auf das Volk und auch auf ihre Arbeit in der Regierung). Stattdessen werden Themen schlicht abgehandelt.

Man-Formulierungen, Sinnsprüchlein und Wiederholungen



Man kann der Kanzlerin durchaus vorwerfen, übermäßig oft diese Krücken der Deutschen Sprache anzuwenden. Schließlich sind besonders Man-Formulierungen immer schwammig und deshalb nie völlig inkorrekt.

Beispiel 1: "Wenn man Verschiedenes denken will, braucht man vor dem Reden eine Phase des Schweigens."

Beispiel 2: "Was ein Gewinner- oder Verliererthema ist, kann man nicht nach Umfragen zuordnen."

Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass Angela Merkel gerne vermeintliche Sinnsprüche einwirft, die oftmals gehaltvoll wirken. Allerdings entpuppen sich viele dieser Sprüche nach genauerem Hinsehen als ungünstig formulierte Sätze, deren Inhalt so selbsterklärend ist, dass sie eigentlich keiner poetischen Umschreibung bedürfen. Auch das ist eine Kunst für sich.

Beispiel 3: "Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist."

Beispiel 4: "Denken beim Reden ist auch nicht so einfach."

Eine weitere Qualität der Merkel'schen Rhetorik sind Wiederholungen, derer sie sich besonders in Talkshows gerne bedient. Dabei werden vor allem Faktoren für ihre Entscheidungen (gerne auch Zahlen) und Verben, die ein Handeln signalisieren, genutzt.

Prägnante Formulierungen



Generell wirkt Merkels Sprache deshalb unterkühlt, umständlich, schwammig und emotional erstaunlich distanziert. Oftmals ist es dem Zuhörendem auch nicht ersichtlich, was genau sie denkt, während sie spricht.

Dennoch ist sie dazu in der Lage, scheinbar im Alleingang sehr prägende Sätze von sich zu geben, die dann auch eine emotionale und inhaltliche Wirkung entfalten.

"Wir schaffen das."

Dies ist wohl der derzeit bekannteste Satz. Er ist kurz, er ist bündig und setzt voraus, dass alle mitmachen, die zu dem "wir" gehören wollen. Merkel meinte die Gesellschaft als solche und bezog auch mit ein, dass Deutschland ein wirtschaftlich starkes Land ist. Letzteres erschließt sich einem ohne den Kontext nicht zwingend.

Da das Gesagte eher einer Feststellung denn einem Aufruf gleicht, kann der Satz als Maxime verstanden werden. Aufgrund des Bezugs zur Flüchtlingskrise und des eher überraschenden Timings, hebt er sich vom sonstigen umständlichen Sprachgebrauch der Kanzlerin durch seine eindeutige Botschaft und Verständlichkeit ab.

"Scheitert der Euro, scheitert Europa."

Das Warum ist hier gar nicht so wichtig. Merkel wiederholt diesen Satz gern und erspart sich damit eine Debatte darüber, wie die genauen politischen finanziellen Zusammenhänge denn nun aussehen. Da sie - mit anderen - de facto bereits entschieden hat, musste ein Satz her, der direkt die Marschrichtung angibt. In Merkels Sprachgebrauch finden sich diese Maximen selten - aber durchaus bei allen größeren Themen.

"Was jeder Einzelne von uns im Kleinen erreicht, das prägt unser Land im Ganzen."

Wer will da widersprechen? Allerdings lässt auch ein solcher Satz offen, was dies denn für den Einzelnen bedeuten mag. Wird er im Stich gelassen und kann dennoch etwas erreichen? Und wie sieht es mit der Chancengleichheit aus?

Fazit



Merkels Sprache ist zuweilen ungelenk, unglaublich technisch und meist frei von Emotionen. Mitreißend wirkt sie nicht, aber sie wirkt vorsichtig und versucht offensichtlich, nicht zu stark anzuecken.

Ihre wenigen Alleingänge, die dann von prägnanten Sätzen geprägt sind, sind meist auch die einzigen Sätze, über die viel gesprochen wird.

Passivkonstruktionen und Man-Formulierungen lenken von den Menschen ab, die an Prozessen beteiligt sind. Bezugnehmender auf die eigene Meinung und auch andere Menschen sind daher immer Ich- und Wir-Formulierungen. So gesehen kann man Angela Merkels Sprache durchaus als Distanzierung zum Gesagten selbst verstehen.


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