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Die Sprache des Cem Özdemir

Tipp von Redaktion
Der türkischstämmige Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, erinnert hinsichtlich seiner Sprache ein bisschen an einen Paradiesvogel im Vergleich zu den oft nüchtern und bürokratisch formulierenden Politikern. Er scheint so zu reden, wie ihm der "Schnabel" gewachsen ist, und bringt dennoch hochkonzentriert seine Anliegen auf den Punkt. Sich selbst bezeichnet der 1965 als Sohn türkischer Gastarbeiter in Urach geborene Grünen-Politiker gerne als "anatolischen Schwaben".

Özdemir hielt 1994 als erster Abgeordneter mit türkischen Wurzeln Einzug in den Deutschen Bundestag. 2002 erlitt seine politische Karriere wegen privater Verfehlungen einen Knick, aber bereits zwei Jahre später gelang ihm ein Comeback. Von 2004 bis 2009 war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 2008 ist er Bundesvorsitzender von Bündnis 90/die Grünen, für die er als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2017 antritt.

Auffallend am öffentlichen Auftreten Özdemirs ist, dass er seinen Argumente durch ein harmonisch aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Körpersprache und Rhetorik Nachdruck zu verleihen sucht. Mit dieser Art der Selbstdarstellung bleibt beim Rezipienten der Eindruck haften, es mit einer Persönlichkeit zu tun zu haben, die sich mit Leidenschaft für ihre Ziele einsetzt.

Die Sprache dieses Politikers hat immer wiederkehrende Stilelemente und charakterisiert sich in ihren Grundzügen folgendermaßen:


Bilder, Metaphern, Vergleiche

Cem Özdemir hat eine Vorliebe für die Macht bildlicher Anschauung, die abstrakte Probleme auf konkrete Situationen überträgt. So sagte er beispielsweise am 04.09.17 im vom ZDF ausgestrahlten "TV-Fünfkampf" im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre: "Mein siebenjähriger Sohn ist ungefähr auf Augenhöhe mit Auspuffrohren. Der atmet diese Luft ein."

Auch zieht der Grünen-Politiker gerne Vergleiche heran, die die Brisanz bestimmter Themen noch drastischer verdeutlichen sollen. In einem Exklusiv-Interview mit web.de hebt er etwa hervor, dass China - ein Land, das lange Zeit den Umweltschutz extrem vernachlässigte - inzwischen bei der Entwicklung emissionsfreier Autos viel weiter sei als die deutsche Industrie. (https://web.de/magazine/politik/wahlen/bundestagswahl/kanzlerkandidaten/bundestagswahl-2017-gruenen-spitzenkandidat-cem-oezdemir-exklusiv-interview-32446840)

Özdemirs Sprache ist ebenfalls reich an doppeldeutigen Metaphern, wenn er - wie im "Berlin direkt"-Sommerinterview vom 06.08.17 - davon spricht, dass manche Politiker den Automobilproduktionsstandort Deutschland an die Wand fahren würden oder dass es ein Handel mit Zitronen sei, Elektromobile mit schmutzigem Kohlestrom zu speisen.

Vokabular, Satzbau, Grammatik



Özdemir hebt sich von vielen anderen Politikern dadurch ab, dass er um eine verständliche Ausdrucksweise bemüht ist. Kompliziert verwobene Schachtelsätze finden sich so gut wie nie in seinen Äußerungen. Auch vermeidet er weitestgehend den Gebrauch von Fremdwörtern. Stattdessen spickt er seine Aussagen häufig mit Vokabeln aus der Umgangssprache, wenn er zum Beispiel im web-Exklusivinterview von der "Blödheit" Donald Trumps oder dem "Schwachsinnsprojekt" der Maut spricht. Dabei geht er allerdings nie so weit, andere aufs Übelste zu beleidigen oder unhöflich aus der Rolle zu fallen.

Charakteristisch für Özdemirs Sprache ist auch der Einsatz vieler Adjektive, die der Politiker oft kontrastierend in seine Formulierungen einfließen lässt. Im Interview mit web.de stellt er beispielsweise die "kleinen Bauern" den "Agro-Riesen" gegenüber. Generell finden sich zahlreiche Reden und Statements, in denen er die "kleinen Leute" erwähnt, auf deren Seite er sich stellt und die er gegen einflussreiche Mächte und Konzerne in Schutz nehmen möchte.

Transparenz, Glaubwürdigkeit, Authentizität



Ein weiterer Aspekt bei der Analyse der Sprache Özdemirs ist dessen Betonung der Entschlossenheit seines Willens und der Ehrlichkeit seiner Worte. So hält er im "Berlin direkt"-Sommerinterview fest, dass die Grünen "glasklar" bei den Menschenrechten seien, während er andere Politiker dazu auffordert, "nicht großmäulig reden" (DLF, Interview der Woche, 20.08.17) zu sollen.

Im selben DLF-Interview sagt er, dass es schon immer seine politische Einstellung gewesen sei, dass das Mittel nicht immer den Zweck heilige und dass sich im Programm von Bündnis 90/Die Grünen nur das wiederfinde, wovon die Partei auch überzeugt sei. In eine ähnliche Richtung zielt seine Aussage im "Berlin direkt"-Gespräch, in dem er den Bürgern Zuverlässigkeit und eine deutliche, transparente Zielsetzung zusagt: "Wer Bündnis 90/Die Grünen wählt, wählt 100 Prozent Erneuerbare, Ausstieg aus der schmutzigen Kohle."

Glaubwürdigkeit versucht Özdemir darüber hinaus dadurch zu vermitteln, dass er sich nicht als einen Politiker darstellt, der von oben nach unten regiert, sondern als jemand, der das genaue Gegenteil verfolgt, wie folgendem "Berlin direkt"-Interviewausschnitt zu entnehmen ist: "Ich habe irgendwie auch ein bisschen Demut vor so einer Wahl, auch Respekt und Hochachtung […] Wir sind Dienstleister nicht für die Industrie, sondern wir sind Dienstleister für die Wähler."

Fazit



Cem Özdemirs Sprache ist stark um Nähe zum Volk und um Authentizität bemüht. Permanent durchziehen seine Statements zu politischen Themen Beispiele aus dem Alltag oder persönliche Bezüge, wenn er beispielsweise im Hinblick auf mögliche Koalitionspartner konstatiert, dass ein einziger Partner okay sei, was er privat auch so halte ("Berlin direkt"-Sommerinterview).

Der Grünen-Politiker ist ein Gesprächspartner, der es versteht, kritische Punkte geschmeidig zu umschiffen und gleichzeitig immer wieder sein politisches Ansinnen zu thematisieren. Rhetorisch bleibt er dennoch sehr direkt in seinen Ansagen, wobei er stets darauf bedacht ist, die Contenance in auch heftig geführten Auseinandersetzungen zu wahren.

Typisch für Özdemirs Auftreten ist die Art und Weise, wie er alle kommunikativen Möglichkeiten nutzt, um zu überzeugen. Seine Körperhaltung wendet sich seinem Gegenüber zu, und er reißt seine ohnehin schon großen dunklen Augen noch weiter auf, wenn er sich für ein Thema ereifert. Doch seine emotionale Betroffenheit ist immer unterfüttert von rationaler Sachlichkeit, wobei diese Kombination auch ein prägnantes Merkmal seiner Sprache ist.

Die Grünen gründeten sich einst als freche, provokante Protestpartei, deren Mitglieder in Turnschuhen in den Bundestag marschierten und die mit ihrem nonkonformen Verhalten frischen Wind in den politischen Alltag brachten.

Von diesem Typus eines rebellischen Abgeordneten ist Özdemir indes weit entfernt. Er meldet zwar Protest an, aber bereits anhand seines Kleidungsstils lässt sich ablesen, dass er sich den etablierten Strukturen angepasst hat. So trägt er gerne Anzüge und verzichtet durchaus auch mal auf das Umbinden einer Krawatte, um Jugendlichkeit, Modernität und die Abkehr von gesellschaftlicher Etikette zu demonstrieren. Diese Art der Darstellung nach außen spiegelt sich auch in seiner Sprache wider: Sie ist ein bisschen frech und provokant, aber nie über die Stränge schlagend oder gesellschaftliche und politische Normen in Frage stellend, solange sie sich an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit halten.


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