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Gedichte - Adolf Frey

Damon und Doris

(Zu Ehren Salomon Geßners gedichtet.)

Damon streift durch Doris Spuren
Sehnlich durch Gebüsch und Fluren
Und am frühlingsgrünen Bach
Seufzt er manches bittre ... weiterlesen


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Höhenfeuer

(Zur Feier des 1. August, des Stiftungstages
der schweizerischen Eidgenossenschaft.)

Abendrot versiegt in heitern
Fernen hinterm Felsenknauf,
Und aus Tannenreis ... weiterlesen


Brandolf von Stein

1476

An die Mauern rasseln schwere Leitern,
Auf den Sprossen klirrts und stößts von Streitern,
Doch der Flamberg und die Hellebarde
Haun die welschen Stürmer ... weiterlesen


Zinnentanz

1476

Grandfons Türme sind zerschossen,
Tot und wund liegt mancher Mann,
Und das Häuflein Eidgenossen
Grinsen Tod und Hunger an.
Übers Bollwerk fegts
... weiterlesen


Der Rückzug von Meaux

1567

Es purren die Hörner und schnurren die Geigen
Zu Meaux auf dem spitzgegiebelten Schloss,
Kavaliere und Damen treten den Reigen,
Und draußen bechert und ... weiterlesen


Friedrich der Große

1786
Der graue König blickt ins Morgenrot,
Gequält vom Siechtum und des Alters Not:
„Du strahlend Licht, dich liebt ich immerfort!
Bald ruh ich, fern von dir, am ... weiterlesen


Ende

Ahasver.
Willkommen, toter Fels und öde Flur!
Die Pest hat hier im Reigen sich gespreizt
Und ihren Fuß den Boden eingedrückt.
Selbst das Gevögel taumelt aus der ... weiterlesen


Heute und morgen

Allstund des Ends gewärtig,
Allstund vorm letzten Scheiden,
Drum leben wir hoffärtig
Und gehn in Samt und Seiden.
    Die Würfel, Lieb und Wein –
... weiterlesen


Talfahrt

Am hartgefrornen Schneehang klomm ich keuchend.
Durch die gespaltnen Felsenzwinger heulte
Der Wind, die Nebel ballend und zerreißend
Und aus dem wolkenüberquollnen Tobel
... weiterlesen


Einsamkeit

An der Halde klomm ich, wo die Fichten
Und der Arvenstrang sich mählich lichten,
Wo die zarten Rasenstreifen sterben
Und die Wasseradern Rinnen kerben.
Ein verlorner ... weiterlesen


Der Schatten

An der Hügelbreite sanfter Ründe
Lacht ein Garten voll von Blütenbäumen
Bis hinunter an den weißen Heerweg,
Dran die stillen Vorstadthäuser schimmern.
Unterm lichten ... weiterlesen


Mahnung

An der Schwelle der Mitternacht,
Als ich den Pfühl und den Schlummer
                              ... weiterlesen


Die Hut des Richters

An des Heerwegs erlendunkler Ecke
Stehn und spähn Gedungne im Verstecke
Nach dem Richter Jost, der Herr und Knecht
Starren Sinnes hält am ehrnen Recht.

Aus des ... weiterlesen


Das Kornjahr

Auf allen Äckern schwimmt das Ährenmeer.
Es überbrandete Markstein und Säge
Und schlug zusammen über alle Wege:
Der Wandrer findet Pfad und Steg nicht mehr.
Das ... weiterlesen


Die Braut

Auf dem Duft der Maienblüte
Schwimmt ein süßer, süßer Laut –
Sei nur still, mein heiß Geblüte,
Morgen bin ich eine Braut.

Von den linden dunklen Augen,
... weiterlesen


Der Gemsjäger

Auf dem Sims der sturmzerschrundnen Wand,
In der Nebeldüfte lockern Schleifen,
Hat der Gemsenjäger seinen Stand.
Nach den steilgeböschten Rasenstreifen
Lässt er seine ... weiterlesen


Die Kinder der Muße

Auf dem sommergrünen Blumenbühel
Hausten heut vier nackte weiße Büblein.
Eines warf die grauen Schieferscheiben
Zielend nach dem aufgefetzten Steinmal,
Und das andre, ... weiterlesen


Tempel

Auf den goldnen Altarschalen
Sind die Flammen angefacht,
Und von Marmortempelstufen
Haucht es sehnlich in der Nacht:
  Eros, Psyche wartet dein!

... weiterlesen


Nachtfahrer

Auf der Matte vor dem Städtchen
Gellen Pfeifen, schrillen Geigen,
Und die Burschen und die Mädchen
Reigen unter Lindenzweigen.
In den kühlen Mondenflimmer
... weiterlesen


Die Dohle

Auf des gehörnten Wildbergs Felsenlenden
Liegt körnger Neuschnee locker aufgeweht.
Durch seine glitzerigen Wülste drückt
Die Föhre kaum die sturmverkrümmten Äste.
... weiterlesen


Wanderung

Auf die schneegefüllten Felsentennen
Aufgeschüttet sprüht das junge Licht,
Und die Firnen und die Zacken brennen,
Doch im Dunkel ruht mein Angesicht.

Eine ... weiterlesen


Macht des Glücks

Auf meiner Seele tiefstem Grunde
Glänzt manches Wonnesangs Geschmeid
Und manches Lied vom grauen Leid
Und von der unverharschten Wunde.

Der Trübsal ... weiterlesen


Sieg des Schwachen

Auf sanftem Esel ritt ein Gottesmann
Behaglich durch den schneeverhangnen Tann.
Da fiel ein Wolf die beiden jählings an.

Dem Kuttenreiter ward das Herze schwer,
... weiterlesen


Memento

Auf wüster Alp war ich verirrt im Zwielicht
Und nächtigte in öder Schäferhütte.
Den Rucksack unter dem Genick entschlief ich
Erschöpft und fiebrig in den nassen ... weiterlesen


Das Meerweib

Aus duftgen Schleiern lauschend netzt die See
Den weißen Fuß der schlanken Wasserfee,
Die unterm Mondschein träumrisch liegt am Strand
Und schläfrig mit den Fingern spielt im ... weiterlesen


Geisterleid

Aus ihren Kammern trat die Mitternacht
Und rief mich, der ich einsam noch gewacht.
Ihr Odem hauchte mir ums öde Haus
Und zog mich magisch in das Feld hinaus.
Ich schritt ... weiterlesen


Schweigen

Aus Kammerschwüle taucht ich in den Wald
Und stieg, von Finkenliedern übersprudelt,
Entlang an sommergrüner Stauden Brüstung.
Hoch oben, wo der grauen Felsenschläfe
... weiterlesen


Vorbedeutung

Aus ragenden Kronen
Der Tempel erglänzt,
Wo die zärtlichste Göttin
Mit Rosen sich kränzt.

Sie sendet der Tauben
Aufrauschenden Zug,
Und über die ... weiterlesen


Der Meisterschuss

Behaglich auf dem schattgen Lindenrain
Hantiert des Städtleins wackrer Schießverein.
Drei Dutzend ehrne Röhren speien Feuer,
Und buhlrisch lockt das Schützenabenteuer.
... weiterlesen


Das liebe Bild

Breitgewundne Strähne goldnen Blondhaars
Malt ich neben blasser schmaler Schläfe,
Dran das bläuliche Geäder ästelt,
Malte weite, brunnenklare Augen
Und den Mund, ... weiterlesen


Totenklage der Karaiben

Da mit Messer, Speer und Bogen
Du zu Jagd und Kampf gezogen,
Warst ein Schreck du Wild und Feinden,
Doch den deinen wohlgewogen.

Nun dein Hauch aus Leibes ... weiterlesen


Heimweh

Da steh ich, ach, ich armes Blut,
Von Gott und Welt verlassen!
Es gönnt mir keiner einen Gruß
In all den hundert Gassen.

Daheim am Bühl grünt das Gefild
... weiterlesen


Gegenrecht

Das Büblein spielt am Hag, die Mutter hackt,
Da kommt der Wolf und hat das Kind gepackt.
Sie wirft die Hacke weg und lässt es schrein
Und rennt zum nahen Gnadenort herein.
... weiterlesen


Abends

Das Fieber brennt, mein Kopf ist schwer,
und meine Wunde schmerzt mich sehr.
Hilf, Herr, laß mich gesunden
und laß im Morgensonnenschein
mich wieder heil und rüstig ... weiterlesen


Bergpredigt

Das schrille Glöcklein ruft die Älplersame
Zum Kirchlein. Von den steilen Staffeln stapfen
Sie durch die ungeschlachten Nebelschwaden
Und rutschen in die altersbraunen ... weiterlesen


Gericht

Das sind zu Josaphat die Gründe,
Wo Gottes Richtstuhl flammend steht
Und wo der Gute, wo die Sünde
Den letzten Lohn zu suchen geht.

Von Gottes Brauen scheucht ... weiterlesen


Der Doktorhut

Das war der Hans von Schoren,
Der saß im kühlen Saal
Und litt durch Professoren
Der Prüfung Folterqual:
Mit Wissen sollt er prangen,
Den Doktorhut zu fangen.
... weiterlesen


Nacht

Den feuerfarbnen Mantel löst der Tag
Und schüttelt ihn am Firnwall von der Schuler,
Dass er auf Trümmerhang und Eisfeld sinkt.
Des Wanderns müde ruht er überm Grat
... weiterlesen


Petruslied

Den frommen Petrus schlugen
Die Knechte in Eisenringe,
Er lag in Finsternissen
In einem tiefen Zwinger.
    Halleluja!

Die Kerkerkammer bebte,
... weiterlesen


Requiem

Den gekrönten Kriegsherrn
Stößt der harsche Tod
Aus den güldnen Bügeln,
Wie er den räudigen Bettler
Am vermorschten Stecken erwürgt.
    O, Vater, ... weiterlesen


Novembersonnenblick

Den Juraberg mit Buchenpurpurmantel,
Mit Föhrenkanz und gelbem Felsgeschmeid
Verhängen Nebel grämlich vor dem Tal.
Ein scheuer Lichtstreif huscht verschüchtert nieder
... weiterlesen


Das Finklein

Den Küster treibt zum Firnewein
Ein ungebändigt Dürsten,
So muss er denn tagaus und ein
Gar manches Kännlein bürsten;
Den Kirchenheilgen lässt er stehn,
... weiterlesen


Waldgang

Den toten Buchengang beschritt ich einsam.
Verlebtes Laub sank aus dem Nebel, schläfrig
Die grünen Brombeerranken überschleiernd,
Die auf den feuchten Weg herüberlangten.
... weiterlesen


Ständchen

Der Abendhauch strömt kühl und rein
Und schaukelt Silbersternenschein.
Willst nach des Tages Verrauschen
Du meinem Liede lauschen,
Das aus der Seele scheuer Hut
... weiterlesen


Der Hünenstein

Der Bauer hackt an grasiger Hünengruft,
Den wettergrauen Schriftstein wegzuschlagen.
Da quillt ein Schatten auf im Nebelduft,
Bewehrt, geharnischt und beginnt zu klagen:
... weiterlesen


Der Pestwürger

Der Bauer schreitet müd vom Wald,
Ins Auge fährts ihm scharf und kalt;
Er fühlt es wohl, er ist erblasst,
Das Pestweib hat ihn angefasst.

Sie fasst ihn an, sie ... weiterlesen


Die Fieberkurve

Der Bruder atmet schwer in Fieberängsten,
Das bleiche Haupt ins Kissen eingedrückt,
Die abgezehrten Hände auf der Decke.
Ein breites Blatt ist auf dem Tisch entfaltet,
... weiterlesen


Knut von Schleswig

Der Dänenkönig Magnus winkt
Jung Siwart auf die Seite:
„Sobald die Nacht vom Himmel sinkt,
Besteig den Hengst und reite!

Nach Schleswig reit zu Herzog Knut,
... weiterlesen


Die Goldzähne

Der Führer stapft auf schiefrigem Geröll
Mit Pickel, Gletscherseil und leerem Rucksack
Und saugt an dem zerbissnen Maserpfeifchen,
Des Heimwegs froh nach fährdenvoller ... weiterlesen


Auf dem See

Der Föhn springt von den grünen Borden,
Sein Meutergeist verhetzt die Flut!
Schon rotten sich die Wellenhorden,
Schon gärt und brodelt tüksche Wut:
Ansturm, Geschrei ... weiterlesen


Der Maler

Der Maler tritt vor seine Staffelei,
Indessen hinter ihm der greise Vater
Sich zittrig in des Lehnstuhls Polster schmiegt.
Des Lebens lange Frohn hat ihn zermürbt,
... weiterlesen


Der Pelzrock

Der Müller trappelt durchs Gefild,
Im dicken Pelzrock wohl verhüllt,
Er ruft am Kirchhof wohlig warm:
„Friert euch denn nicht, dass Gott erbarm?“

Gemächlich ... weiterlesen


Auszug

Der schlanke Benner steigt bergan,
Geachselt eine Bannerstange,
Und eisenfest stapft Mann für Mann
Mit ihm an steiler Hügelwange.
Ein Lugingsland lacht auf dem Kamm,
... weiterlesen


Der Goldkrug

Der Senne stapft am staubigen Glimmerhange
Entlang der augstenheißen Felsenwange.
Da hört er durch die toten Einsamkeiten
Auf dem Geröll gedämpfte Sohlen schreiten
Und ... weiterlesen


Schlummer

Der Späthauch streift geheim und kühl,
Die Dorfuhr summt weit hinterm Bühl,
Und müde flattert übers Ried
Ein abgewehtes Wanderlied.

Wie sacht im Grund die ... weiterlesen


Das Geigenfräulein

Der Steffen tanzt so ungeschickt,
Er weiß sich nicht zu drehen,
Die Grete hat ihn fortgeschickt,
Die Kathrein lässt ihn stehen.

Er drückt sich von Gelärm und ... weiterlesen


Melancholie

Der Tag ist hinterm Berg versunken,
Die Nebel ziehn, die Nebel nahn,
Da kommt Melancholie gegangen,
Den Schattenmantel umgehangen.

Sie öffnet leis mein ... weiterlesen


Morgenbitte

Der Tag steht überm Rain –
Willkommen, junger Schein!
O geh nicht wie die andern,
Die ohne Segen wandern!
Nur einen süßen Strahl
Vergönn auch mir einmal.


Das Flämmchen

Der Vater sitzt am Pfühl des einz´gen Kindes,
In dessen Leibe Fiebergluten lodern.
Er zählt die abgehetzten, irren Pulse.
Dann blickt er seufzend durch das offne Fenster.
... weiterlesen


Gewitterende im Gebirg

Der Wettersturm zieht ab durchs Felsentor,
Und mit ihm schlurft der ungekämmte Chor
Der Wolkenweiber. Fern auf steilen Zacken
Bläst Pan dem Winde noch ein Tänzchen vor
... weiterlesen


Im März

Des Frühscheins zarte Röte
Kränzt Wald und Flur,
und auf geteilter Flöte
Spielt leis Natur:
Gedämpfte Sterbeklagen
Erklingen und entsagen,
Und eng ... weiterlesen


Entsagung

Dich, der mit Blitzen seine Knie
Umgürtet und im Donner fährt,
Der Sonnen lacht und Stürme zürnt,
Dich hat kein Menschengeist erfasst,
Solang wir stehn in dieser ... weiterlesen


Das Bild des Vaters

Die blasse Stirne hob der Wintertag
Vom Kissen, drauf erbleicht mein Vater lag,
Und bot die Sterne auf am Hügelrand.
Der Künstler ließ vom Totenbild die Hand;
Ich gab ... weiterlesen


An den Traumgott

Die bleichen Mitternachtnebel rauchen,
Und über meine Brauen hauchen
Die scheuen Schlummergeister Segen.
Jetzt, Fürst der Träume, auf dein Tor!
Und heb mich in dein ... weiterlesen


Der Goldfisch

Die du nie dem Wachen kehrst zurück,
Kamst geheim zu mir im Traum gegangen,
Holde Liebe! Und mit feuchten Wangen
Fahr ich auf und ruf mein totes Glück;
Und der Mond mit ... weiterlesen


Das Lied vom Ende

Die Morgenröten umglänzen den Pfad,
Die Pulse jagen, die Träume blühn,
Die Hoffnung lacht und die Liebe naht,
Und das Lebens siehst lockend und farbig du glühn
  ... weiterlesen


Des Himmels Einsehn

Die Speiche saust, die Deichsel fliegt –
Der Bauer hemmt den Klepper nicht –
Bergnieder rasts – der Fahrweg biegt –
Er weiß, dass er den Nacken bricht!
Er schreit ... weiterlesen


Weihnacht

Die Zwielichtschatten schlüpften scheu zusammen,
Am Christbaum knisterten die ersten Flammen,
Und ferne Weihnachtslieder klangen;
Da bin ich einsam noch am Strom gegangen,
... weiterlesen


An das Vaterland

Du bist das Land, wo von den Hängen
Der Freiheit Rosengarten lacht,
Und das in hundert Waffengängen
Der Ahn zur Heimat uns gemacht.

Wenn uns in fremder schöner ... weiterlesen


Herbst

Du bist mit mir im lichten Wald gegangen,
Als jeder Zweig noch zartes Lenzlaub trug.
Erröten rieselte auf deinen Wangen,
Und eine ferne wilde Drossel schlug.

Nun ... weiterlesen


Alle Nacht

Du hast im Arm des Andern
An mich gedacht,
Dein Herz muss zu mir wandern
      Alle Nacht.

Du kommst im Traum gegangen
So lieb und sacht
... weiterlesen


Heerschau

Durch der föhngeschwungenen Ulmen dumpfes Rauschen
Aus dem Schlaf geschüttelt, trat ich an die Scheiben.
Windverwehte Stimmen riefen mich zu lauschen.
Übers Blachfeld glitt im ... weiterlesen


Die Wolke

Durch die Sommerlande trug
Mich der schwarzbeschwingte Zug.
Eine weiße Wolke stand
Schimmernd überm Hügelrand,
Wie ein Frauenhaupt zu sehn,
Leis umspielt von ... weiterlesen


Der Feldherr

Durchs Lager schleicht der Gram und würgt den Schlummer
Der Krieger. Veteran und junges Blut
Befragen flüsternd sich im scheuen Frühlicht:
„Genest der Feldherr? Mordet ihn ... weiterlesen


Die Elfen

Dämmernd Nebeltal entlang
Kommen heimlich wir gezogen
Auf des Nachthauchs kühlen Wogen
Und umschweben deinen Gang.

Wir durchziehen ungesäumt
... weiterlesen


Das Weh des Schöpfers

Ein Eiland türmt aus weißen Brandungsringen
Ins leise Blau Gebirg und Blumenhang.
Da sitzt und ruht am letzten Schöpfungstag,
Von schwärzlichen Zypressen überrauscht,
... weiterlesen


Klage der Fernen

Ein Gelass steht abgelegen,
Darin liegst du wohl allein,
Und ich kann dich, ach, nicht pflegen,
Kann dir nicht zum Troste sein.

Alle Wege will ich wagen,
... weiterlesen


Der Spitzkelch

Ein Jahr ist um, da ward die „fette Auster“
Gegründet von erprobten Paladinen
Der Lebekunst, Herzögen edlen Trunkes
Und Hochgefürsteten der leckern Tafel.
Aus ihrem ... weiterlesen


Das Abendmahl

Ein milder Herbsttag lacht in meinem Gärtchen
Die letzten blauen Astern leise an
Und das Gehäng der brennenden Wildrebe,
Die meine schmale Laube überkleidet.
Darinnen ... weiterlesen


Kranz

Ein Präludium zum jüngsten Tag
Orgelt der Sturm im Eichenwalde,
Und mit Posaunen und Paukenschlag
Stürzt der Strom von der Felsenhalde.

Auf des Berggrats ... weiterlesen


Die Freistatt

Ein Schattenpfad, vergrast und schmal,
Schlüpft in ein grünes Buchental.
Da lauscht am wildverwaschnen Rain
Der Freistatt bröckelndes Gestein.
Der Sturm hat sie ... weiterlesen


Versagtes Lied

Ein Schwan fliegt auf am Felsenhügel
Und kreist ob Strand und Frühlingsbucht –
Geheim und schattig wehn die Flügel
Des Liedergottes, der mich sucht.

Hoch aus ... weiterlesen


Abzeichen

Eine Distel stecken wir auf den Hut,
Ist besser als jede Blüte,
Sie kündet unsern Stachelmut
Und unser scharf Geblüte.

Und rennen wir in den Streit hinein,
... weiterlesen


Einem Gott gleich...

Einem Gott gleich zieh ich ungebunden
Auf und nieder an den Frühlingsrainen,
Meine ungestümen Lieder klingen
In den Klüften und den jungen Hainen.

Flügel ... weiterlesen


Falter

Eingenistet in die Zeigergrube,
Zeigten wir der Kameraden Treffer
Mit der Kelle und dem roten Fähnchen
Auf den wagenrädergroßen Scheiben.
Lustig kam ein Falter ... weiterlesen


Auf der Warte

Erster Wächter.

Erschüttert sind des Landes Marken –
Wo sind die Tapfern und die Starken?

Zweiter Wächter.

Wo sind die Kühnen und die ... weiterlesen


Morgenlied (II)

Es flitzt der erste Sonnenstrahl
Auf meinen blanken Halmbartstahl
Und lässt ihn hell erglühen.
So grüß dich Gott, du junger Tag!
Es lüstet mich nach Stich und ... weiterlesen


Wunsch

Es glänzt der Wald, ein Zauberhort,
Von klugen Feen ersonnen,
Der kleinste Strauch am fernsten Bord
Ist silbern übersponnen.
Wie hell das Tälchen schimmert,
Drin ... weiterlesen


Heldenzeit

Es gor vom schaumbesprühten Zelt
Bis zu Sankt Gotthards Nebelklüften
In Fehdezorn und Streit die Welt,
Und Wehgeschrei quoll in den Lüften.
Da stieg von seinen grünen ... weiterlesen


Lenz

Es naht uns der Maie, das freudige Kind,
Er führt an der schimmernden Hand
In Wonnen stolzierend ein lieblich Gesind
Übers grünende, sonnige Land.
      ... weiterlesen


Knappenlied

Es schmettert des reisigen Boten Horn
Durch Scharten und Luken zum Turm:
An die Fersen schnallet die stachligen Sporn,
Ihr Ritter, zu Fehden und Sturm!
Mit dem Könige ... weiterlesen


Regenbogen

Fahr wohl! Nun hat mein holdes Glück,
Mein stilles Glück ein Ende,
Heute küsst ich dir zum letztenmal
Die lieben weißen Hände.

Ich blicke noch einmal ... weiterlesen


Dem Toten

Fahr wohl, fahr wohl, Herzbruder mein,
Nun musst du unter den Rasen,
Es wandert ob dir der Sonnenschein,
Und die frischen Lüfte blasen.

‘s hatt‘ Keiner solch ... weiterlesen


Jugendgeist

Geheimnisvoll ist Jugendgeist –
Ein Wandrer auf verhüllten Wegen.
Dem reift ein Tagwerk voller Segen,
Der aufwärts ihm die Pfade weist:
Der Junge rasch, doch ... weiterlesen


Dank der Toten

Gemach verdröhnen Rossgestampf,
Hornruf, Speerstoß und Schwerterkampf,
Herrn Heinrichs Schar liegt wund und tot,
Verlechzt reißt er den Helmsturz auf
Und hetzt den ... weiterlesen


Und also in Ewigkeit...

Gewandert war ich einen langen Tag
Durch fremdes sonnenschwüles Land. Ermattet
Sank ich an einem ernsten Hügel nieder,
Wo zwischen schlanken Stämmen keusches Schweigen
... weiterlesen


Mein Tal

Grüner Bühl, zum sanften Tal geründet,
Wo den Hag Wildrosenglut entzündet,
Schamrot hört dein Echo frechen Gang,
Und Gejohl tollt deiner Stirn entlang.

... weiterlesen


Vorsatz

Hast im Leben dies und das erfahren,
Was du an den Weg als Weiser stellst,
Aber nimm dir vor mit dreißig Jahren,
Dass du auf Didaktik nicht verfällst!
Überlass das ... weiterlesen


Nachtschnellzug im Walde

Heimlich schüttert Wald und Luft,
Und es dröhnt im Nebelduft.
Flirrend aus der nächtgen Ferne
Stoßen drei umflorte Sterne.
Donnernd kommt es hergeschossen
Wie ... weiterlesen


Beichte

Herr Mönch, Herr Pfaff, Herr Feldkaplan!
Ich hab noch keine Beicht getan,
Drum will ich heut bekennen!

Zuvörderst leert ich manchen Krug,
Doch kriegt ich nimmer ... weiterlesen


Heinrich des Löwen Tod

Herzog Heinrich seufzte und hebt die Rechte:
„Schlummerlos sind meine alten Nächte –
Kämmrer, füll mit Ampelschein den Raum!
Lull mit Aventiuren mich in Traum!“
... weiterlesen


Schlimmer Tag

Heut ist bei jedem Würfelwurf
Das Glück mir schlimm genommen,
Und aus dem Säckel ist mein Geld
Wie Märzenschnee geronnen.

Früh morgens stand ich auf der ... weiterlesen


Graues Haar

Heut ward ich unverhofft gewahr
Ob meiner Stirn ein graues Haar.
Das erste ists und hin die Zeit,
Da ich noch in des Lebens Streit
Gesichert in der Nachhut stand,
... weiterlesen


Im Igel zu Granson

Hier muss uns Sturm und Schlacht ersprießen,
Sieg oder Tod, wies Gott gefällt!
Voraus, ihr mit den langen Spießen,
Dass ihr des Igels Stacheln stellt!
Dahinter pflanzet ... weiterlesen


Herbststürme

Hoch aus Lüften schwebt ein wehlich Rufen
Auf der Schlucht geborstne Felsenstufen,
Wühlt und schwillt am Wetterföhrenhange
Und erstarkt zum rauschenden Gesange,
Und die ... weiterlesen


Geleite

Hörst du nicht geheimes Klagen
Hinter deinem Reisewagen?
Zwischen windzerwühlte Mähnen
Klagt das Heimweh und das Sehnen,
Und vom eisenhellen Huf
Klingt Fahrwohl ... weiterlesen


Die Ahnen

Ich gürte mich im Hirtentale,
Wo noch die bleiche Frühe träumt,
Und wandre nach dem Felsensaale,
Dem ewiger Schnee den Göller säumt.

Es huschen scheue ... weiterlesen


Das welke Blatt

Ich habe Stunde um Stunde gelauscht,
Ich habe gelauscht bis zur dunklen Nacht
Da hat der Sturmwind aufgerauscht
Und hat mir ein welkes Blatt gebracht.

Es kam keine ... weiterlesen


Verratenes Geheimnis

Ich hing in eitel Liebeslust
Und hab mein Blondchen oft geherzt,
Es hat kein Mensch darum gewusst,
Nun zwinkern alle Augen.

Gegangen kam der Mai ins Land,
... weiterlesen


Hoffnung

Ich kam zu des Hügels Neige,
Wo ich dich um Liebe frug,
Und schrieb mit verdorrtem Zweige
In den Schnee deines Namens Zug.

Und aus den flüchtigen Ritzen
... weiterlesen


Stunde der Schwermut

Ich lag im Feld in letzter Abendglut,
Die Seele in der gleichgeteilten Hut
Von Traum und Wachen. Dunkle Blüten bog
Ein ernstes Salbeikraut auch mich hernieder,
Und wie ... weiterlesen


Blütenblätter

Ich lausche unter dem Kirschbaum
Ins sprossende Frühlingslaub,
Die Zweige flüstern und raunen
Und schütteln ihr weißes Gewand.

Die Blüten sinken vom Kelche
... weiterlesen


Erwachen

Ich stand am Frühlingswaldsaum, noch ein
                                      Kind,
Und ... weiterlesen


Echo

Ich stand im eichengrünen Tal
Vor einer Felsenklause
Und plötzlich rief ich in den Saal:
„Echo, bist du zu Hause?“

Sie trat hervor und lachte laut
Von ... weiterlesen


Alpfee

Ich suchte mir den Pfühl am Bergseestrand,
Zu Häupten herbe Alpenrosenglut,
Der keusche Traum der Mittagsstunde stand
Als Hüter über Buchtenring und Flut.

Des ... weiterlesen


Die Ungeduldigen

Ich trat aus nachtverschwiegnem Buchenwalde
Auf eine rankenüberwobne Halde.
Da standen Männer. Wehendes Geflimmer
Umflirrte sie und dünner Mondenschimmer.
An magern ... weiterlesen


Ansage

Ich wandelte beim Abendglockenklang
Das ausgeblühte müde Feld entlang
Und hielt beim Gottesackerpförtchen an,
Wo vom Gemäuer wilde Rebe rann.
Erblichen waren Zahl und ... weiterlesen


Im welken Laub

Ich wandre an dem herbstlich fahlen Raine,
Dem Stelldichein von allen Einsamkeiten.
Der müde Hauch rührt über Halm und Steine
Und seufzt im Strauch und an den öden ... weiterlesen


Taubenpost

Ich wandre zur Höhe durch blumiges Land
Und sinke darnieder am Waldesrand,
In die wilden Blüten sink ich dahin,
Wo die leuchtenden Wolken am Felshaupt ziehn.

... weiterlesen


Freude

Ich weiß auf dieser Welt
Kein süßre Lust und Freude,
Als stürmend an den Feind zu gehn
Gradan auf grüner Heide.
Die Trommel rollt, die Trommel dröhnt,
Die ... weiterlesen


Der Pförtner

Im Alpenland liegt ein verlornes Tal.
Versprengte Rudel grauer Blöcke lagern
An Trümmergürteln tiefgerissner Runsen
Und in dem Magergras der Haldenstürze.
Der Saumpfad ... weiterlesen


Liebeswald

Im Buchwald haucht von sehnlichem Mund
Geheimes Flüstern und Schmachten,
Und verstohlene Rufe gehn über den Grund,
Wo die Zweige schatten und nachten.

Mein Sinn ... weiterlesen


Die Maus

Im Dachraum hängt an straffgespannten Seilen
Die frische Wäsche: weiße Frauenhöschen
Und Jäckchen. Bäuchlings liegt der Tod darunter.
Er stützt die Kiefer auf die ... weiterlesen


Unvergessen

Im Gefild zum Strauße wand
Wilde Blüte ich sonder Acht:
Selige im Totenland,
Ach, ich hab an dich gedacht.

Und ein Falter schmiegte sich
Noch auf den ... weiterlesen


Herz-As

Im grauen Tabaksqalme glühn die Köpfe
Verlorener Gesellen, schnöder Tröpfe.
Nach Gold am Orinocco graben sie:
Ein alter Kandidat der Theologie,
Ein Schankwirt, der im ... weiterlesen


Der Irrwisch

Im nassen Wässermattengrunde hockt
Auf morschen, übermoostem Wehr ein Irrwisch
Und grinst aus dem Gehäuse der duftigen Nebel,
Auf deren weiße Wände Sternschein flimmert.
... weiterlesen


Das Schlummerlied

In begrünter Sommerlaube,
dran die schwanken Winden ranken,
sitzt und sint die blonde Jungfrau,
Schläfrig summen Bienenflüge.
Und der Springquell plätschert ... weiterlesen


Heimkehr

In das kühle Giebelzimmer
Führt mich späte Wiederkehr,
Und im goldnen Ampelschimmer
Liegt mein Reisegut umher.

Und der Bruder beugt sich nieder
Auf die ... weiterlesen


Der ausgewanderte See

In dem Garten Eden klang
Nimmer Quell und Vogelsang,
Seit der glühe Wüstenhauch
Sengend streifte Baum und Strauch,
Und auf heißen Triften starben
Lichtes Grün ... weiterlesen


Die Maske

In der unbefleckten Tugendtoga
Schritt Inanis feierlich durchs Leben,
Jedes Heut vergnüglich wie das Gestern
Von dem Haspelrad der Jahre spulend.
Und es rätselten die ... weiterlesen


Daheim

In dieser Kammer, auf diesem Pfühl,
Hast, Lieber, du gelegen,
Nun ruhst du unterm kühlen Grund,
Du treuer guter Degen.

Wie sangst du lustig über den Hof,
... weiterlesen


Zuflucht

In Mariens Kapelle
Brennt das ewge Licht,
Und die Englein im Himmel
Vergessen mich nicht.

In die weitweite Ferne
Zog mein Schatz schon so lang,
Kein ... weiterlesen


Musenfahrt

In süßer Dumpfheit träumt mein Blut –
Da rauscht ein Nachen* durch die Flut,
Er stößt ans Land und nimmt mich auf –
Sie blickt aus weißen Schleiern auf.

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Genossen

Jung Hänslein muss sich gürten
Wohl um das Morgenrot:
„In Sorgen muss ich fechten –
Wer hilft mir in der Not?“

Er reitet über Grünheiden,
... weiterlesen


Das Lied

Keiner vermisst und errechnet die Stunden und
                      Grillen des Liedes:
Zaubrisch ist das Geschöpf, aber ein ... weiterlesen


Kindlein

Klein Stephan stapft mit frischem Weck
Irrwandelnd in des Domes Saal
Und spricht zum Christusknäblein keck:
„Gewiss, Christkindlein, hungert dich –
Da, beiß von ... weiterlesen


Die versunkene Glocke

Krampfig hat die Erde sich geschüttelt,
Turm und Wohnstatt in den Staub gerüttelt.
Krachend barst des Münsters Glockenkammer,
Eine Glocke hakte aus der Klammer.

... weiterlesen


Der Säumer

Lang stieg ich über Felsen, Schnee und Firn,
Bis ich von angeschmolznen Gletscherzungen
In Trümmerwüstenein den Alpstock stemmte.
Geröll und Schutt, mit Blöcken ... weiterlesen


Valerius Poplicola

Lorbeer ums Haupt und aufgebettet,
So liegt der tote Konsul da,
Der oft sein Rom vom Fein gerettet,
Valerius Poplicola.
„Zu wenig, dass man dich begrabe,“
... weiterlesen


Bergtraum

Lächelnd schloss ein Regenbogen
Aus zerblasnem Nebelgrau,
Unter seinen Farbenwogen
Schlank und weiß stand eine Frau.

Talwärts hob sie an zu singen
Tief ... weiterlesen


Die Brüder

Milchweiß aufschäumend schoss des Stromes Flut,
Und in uns Jungen gor waghalsig Blut:
Im Kranz der Uferweiden saß das Glück
Und half uns durch die Wirbel und zurück.
... weiterlesen


Das letzte Lied

Mir träumte vor dem jungen Tag: ich saß
Im dämmrigen Gemach vor dem Kamin,
Darin die eingesunkne Glut verglomm.
Auf meinen Knien lag ein vergilbtes Buch
Mit Liedern aus ... weiterlesen


Morgenlied

Mit den Speeren und Standarten
Rückt vom Berg der Morgenschein,
Übers Haus und in den Garten
Sendet er sein Volk herein.
Öffne unverwelkt die Pforten
Seinen ... weiterlesen


Die Klage

Mitleidloser Quell, unfühlend leerst
Du stündlich tausend Becher neben mich!
Ein einzger Strahl, den scherzend du verstäubst,
Wär mir ein Labsal süß und unsagbar!
... weiterlesen


Schmetterlinge

Müd vom langen Aufstieg auf die Alpe,
Legt ich mich zum Schlaf auf duftge Weide.
Über meinen schlummerdumpfen Brauen
Trat die Schönheit einen lichten Reigen:
Falter, ... weiterlesen


Abschied

Nun ist die Scheidestunde da,
Das Morgenrot rückt schon ins Land,
Die Mutter küsst mich tränenfeucht,
Der Vater beut mir still die Hand.

Ich wandre durch den ... weiterlesen


Sehnsucht

O wär ich doch ein wilder Schwan!
Die Flügel spannt ich weit
Und tät mich hoch aufschwingen:
Einen Gruß möchte ich dir bringen –
Ach, Liebster, wie bist du so ... weiterlesen


Vor der Schlacht

Rauchgraues Sturmgewölk kriecht auf und brütet,
Die Grenzmark zweier Reiche überschattend,
Auf Wälderfluchten steiler Hügelkronen.
Der Bergstrom treibt die grünen Wogen ... weiterlesen


Am Sturzbach

Runsenschutt und Pfadgewinde
Stieg ich auf im Morgenlicht
Zum geborstnen Felsgespinde,
Draus der weiße Wildbach bricht.

Wütend schlägt er seine Mähne
... weiterlesen


Überm Gruftstein

Sanft und schimmernd fließt der Äther
Auf des Kirchhofs Flur herein,
Nirgend kniet ein trüber Beter,
Und ich bin mit dir allein,
Wie ich es so manchmal war,
Ach, ... weiterlesen


Sankt Petrus

Sankt Petrus saß in lauer Maiennacht
Still und verträumt am goldnen Himmelstor
Und sah hinunter auf die duftge Welt.
Grad vor ihm lag ein bergumzirktes Tal,
Auf dessen ... weiterlesen


Föhnnacht

Schlummertrunkene Titanen
Lagern dämmrig Fels und Höhn,
Und ein Sehnen und ein Ahnen
Weckt und facht der laute Föhn.

Aus des Südens warmen Bornen
... weiterlesen


Wandlung

Sieghaft stritten wir den Krieg zum Ende,
Der uns lange an die Marken band,
Und in meiner Heimstatt dunkle Wände
Kehr ich wie in altverschollnes Land.
Schauernd fach ich ... weiterlesen


Aufschwung

Sinke vom Nacken, erwürgender Schmerz!
Weg von der Stirne, du bleichende Not!
Lasset vergessen mein zagendes Herz:
Kurz ist das Leben und ewig der Tod!

Liebliche ... weiterlesen


Feier

Sinket, glühnde Abendröten!
Stimmet an, ihr weichen Flöten!
Sanfte Winde, seufzt und weht,
Da des Helden Kraft vergeht!
Klaget, zitternde Theorben,
Dass der ... weiterlesen


Sturm

So lasst die lahme Büchse stehn!
Da möchte ein halbes Jahr vergehn,
Eh die uns Schlupf und Sturmgass bricht!
Das kleckt uns nicht! das kleckt uns nicht!
Die Äxte her! ... weiterlesen


Solon

Solon lehnt verträumt den welken Leib
An des Marmorsitzes glatte Wand,
Seine Söhne denkt er und sein Weib,
Die schon lang empfing das Schattenland.
Zwischen ... weiterlesen


Tod und Forscher

Tod.
Lass nun Retorten, Schalen und Phiolen!
Du sollst in meiner Kammer dich erholen.

Forscher.
Du hängst mit Fug des Hohnes Banner aus,
Denn tiefe ... weiterlesen


Tod und Bismarck

Tod.
Du hast das letzte Öl auf deinem Licht,
Und deiner Ampel mürbe Scherbe bricht.

Bismarck.
Hinweg mit dir! Ich ringe mit der Zeit
Um friedebringend ... weiterlesen


Tod und Dichter

Tod.
Du hast mich oft mit Reimen aufgezäumt –
Nun sieh mich nackend, eh du dirs geträumt!
Ich ließ mich lang mit Tand und Klingklang schmücken,
Jetzt komm ich her, ... weiterlesen


Der Feuerraub

Umschauert vom Geschwirr verscheuter Eulen,
Wandert Prometheus die bebüschten
                              ... weiterlesen


Der letzte Gast

Unbändig zecht die Malerjungmannschaft
Beim Meister, der den Ehrensold erobert.
Doch mählich schwinden Wein und Nacht und Kraft.
Sie schütteln ihm die Hand und lärmen ... weiterlesen


Das Kinderfest

Unter schräggelenkten Schattenschirmen
Schlankgeästeter Platanen schmaust
Kuchen und Gebäck an langen Tischen
Näschig all das rosge Plaudervölklein,
Das auf Straßen ... weiterlesen


Heimliche Liebe

Unter Vaters Dache
Hat er geruht,
Dem ich von Herzen
Heimlich so gut.

Ich hab ihm die Decken
Zurecht gemacht,
Darin er geschlummert
Die ... weiterlesen


Boten

Unterm Giebel hoch in Lüften
Hangt die Heimstatt meiner Süßen –
Dorthin mit den Veilchendüften
Wandert, Weste, sie zu grüßen!

Dorthin wandert, meine ... weiterlesen


Am Rüsthaus

Unterm Schirm des morschen Holzdachs
Glotzt ein kraus verschnörkelt Feldstück
In des Zeugwarts wilden Garten.
Zwischen klotzigen Lafetten
Hangt der schwärzlichgrüne ... weiterlesen


Auf dem Schlachtfeld

Versprühnder Dörfer Schein auf dem Gewand,
Röcheln im Ohr, Verderben in der Hand,
So ist die Schlacht erlahmt davongeschritten.
Nur in der Berge grauen Felsenschnitten
... weiterlesen


Der gefällte Baum

Verstümmelt und geschändet stöhnt der Wald,
Dem sie die Edeltannen niedermachten.
In das Geschwefel, das über Reisigflammen
Gerötet züngelt, ringeln Nebelschlangen.
... weiterlesen


Der Jahrtag

Vom Bergdorf stieg ich auf und ließ mich nieder
Im Schattenwurf moosbärtger Wettertannen.
Da klebt am Hang ein schlottriges Kapellchen
Und nebenan ein abgewettert Beinhaus.
... weiterlesen


Die Atlasschleife

Von abendlichen Rainen stürzt der Föhn
Und schluchzt des Friedhofs Weiden und Zypressen,
Die seufzend ihre dunklen Schilde beugen,
Die trüben Klagen leidenschaftlich vor.
... weiterlesen


Der Totengräber

Von Kraut und Blumen überschwillt das Feld
Und brandet eine seiner Sommerblütenwellen
Durchs krause Eisengitter auf den Friedhof.
Der greise Totengräber schürft ... weiterlesen


Vor meiner Kammertür

Vor meiner Kammertür
Ein Tritt geht hin und wieder,
Ein Bleicher hält die Wacht,
Schreitet auf und nieder.

Ich gehe aus und ein
Und singe meine Lieder,
... weiterlesen


Abwehr

Weg mit euern plumpen Händen,
Die ihr dreist in alles mengt!
Lasst mich blühn und lasst mich enden,
Wie die Schickung es verhängt!

Wie es auf den dunklen ... weiterlesen


Klage

Wenn dir einmal ein dunkles Los
Gegraben auf der Schickung Tafel steht,
Dann spricht kein Glockenruf dich los
Und keines Menschen Seufzer und Gebet.
Ein harter unruhvoller ... weiterlesen


Meine Lieder

Wenn mein Herz beginnt zu klingen
Und den Tönen löst die Schwingen,
Schweben vor mir her und wieder
Bleiche Wonnen, unvergessen,
Und die Schatten von Zypressen –
... weiterlesen


Schwanengesang

Wer gürtet mir die müde Lende?
Wer drückt den Stab mir in die Hand?
Ihr Hände, weiche Geisterhände,
Ihr zieht mich nach dem dunklen Strand.
Tief unten hör ich Wogen ... weiterlesen


Lustiger Krieg

Wir fuhren aus ins Unterland,
Allwo ein trutzig Städtlein stand.
Der Feind gab hurtig Fersengeld
Und überließ uns Sieg und Feld,
Das Städtlein obendrein.
... weiterlesen


Gesicht der Zecher

Wir zechten nachts an sommerlicher Halde
In grüner Schenke vor dem Fichtenwalde,
Mit Becherläuten füllend und Gesang
Der Laube rebenüberhangnen Gang.
Das Echo fing den ... weiterlesen


Schöner Ort

Wo die Linden an dem Raine
Schattend weite Zweige breiten
Und aus übermoostem Steine
Singend Silberwellen gleiten,

Dort erhebt sich überm Rasen
Eine ... weiterlesen


Wildrosen

Wär ich ein Knab geboren,
So zög ich in den Streit
Und trüg am Eisenhute
Zur grünen Sommerszeit
    Wildrosen, wilde Rosen!

Das Banner wollt ... weiterlesen


Heimwärts

Zu Boden ward der Feind gerungen,
Und Horn und Trommel sind verklungen.
Vom Schlachtgefild durch stille Lande
Rückt eine Schar zum grünen Strande
Und streckt mit kurzem, ... weiterlesen


Alte Glasscheibe

Zwei schlanke Säulen springen in die Bläue
Des Firmaments. Ein hochgeschweifter Bogen
Vereinigt sie, von Laubgewind umkränzt.
Zu oberst in den Zwickeln hier und drüben
... weiterlesen


Nachtlied

Zwischen den Stämmen
Am Eichenhang
Schreiten die Schatten
Verstohlenen Gang.

Sieh, wie die Sterne
Funkelnd erglühn!
Sieh, wie die weißen
... weiterlesen


Abschied (II)

„Eine Trommel hör ich schlagen,
Wohl schlagen durch das Land!
Herab, du alt Gewaffen,
herab von deiner Wand!“

„ Laß schlagen, Kind, laß schlagen
... weiterlesen


Trost

„Halt, Heine Frey, nimm mich aufs Ross,
Das Reiten wird mir klecken!
Du kommst mir grad recht in die Quer:
und blieb im Arm mir stecken.“

„Steigt auf, steigt ... weiterlesen


Zweikampf

„Lippen, Rosenhort der Lieblichkeiten,
Die ihr übervolle Wonnen tragt,
Mögt ihr so mit Schweigen mich bestreiten?
Bleibt mir euer Klang und Kuss versagt?
Ach, ich ... weiterlesen



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