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Gedichte - Annette von Droste-Hülshoff


Der Säntis

Frühling Die Rebe blüht, ihr linder
Hauch Durchzieht das tauige Revier, Und
nah` und ferne wiegt die
Luft Vielfarb`ger Blumen bunte
Zier. Wie`s um mich gauke
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Fragment

Alles still ringsum – Die Zweige
ruhen, die Vögel sind stumm. Wie ein
Schiff, das im vollen Gewässer
brennt, Und das die Windsbraut jagt, So
durch den Azur die Sonne rennt
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Gethsemane

Als Christus lag im Hain Gethsemane auf
seinem Antlitz mit geschloss`nen Augen,
- die Lüfte schienen Seufzer nur zu
saugen, und eine Quelle murmelte ihr
Weh, des Mondes blasse Scheibe w
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Das kananäische Weib

Als der Herr in Südons Land
gekommen, Naht ein kananäisch Weiblein
sich. »Herr!« spricht sie in Demut und
in Frommen, »Herr! erbarme meiner
Tochter dich! Sieh, sie liegt daheim in
g
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An Elise

Am 19. November 1843 Du weißt es lange
wohl, wie wert du mir, Was sollt` ich es
nicht froh und offen tragen, Ein Lieben,
das so frischer Ranken Zier Um meinen
kranken Lebensbaum
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Der kranke Aar

Am dürren Baum, im fetten
Wiesengras Ein Stier behaglich
wiederkäut` den Fraß; Auf niederm Ast
ein wunder Adler saß, Ein kranker Aar
mit gebrochnen Schwingen. `Steig auf,
mein
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Mondesaufgang

An des Balkones Gitter lehnte ich Und
wartete, du mildes Licht, auf dich. Hoch
über mir, gleich trübem
Eiskristalle, Zerschmolzen schwamm des
Firmamentes Halle; Der See verschimmerte
m
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Die ächzende Kreatur

An einem Tag, wo feucht der Wind, Wo
grau verhängt der Sonnenstrahl, Saß
Gottes hart geprüftes Kind Betrübt am
kleinen Gartensaal. Ihr war die Brust so
matt und enge, Ihr war d
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Ein milder Wintertag

An jenes Waldes Enden, Wo still der
Weiher liegt Und längs den
Fichtenwänden Sich lind Gemurmel
wiegt; Wo in der Sonnenhelle, So matt
und kalt sie ist, Doch immerfor
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Das alte Schloß

Auf der Burg haus` ich am Berge, Unter
mir der blaue See, Höre nächtlich
Koboldzwerge, Täglich Adler aus der
Höh`, Und die grauen Ahnenbilder Sind
mir Stubenkameraden, Wa
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Vor vierzig Jahren

Da gab es doch ein Sehnen, Ein Hoffen
und ein Glühn, Als noch der Mond `durch
Tränen In Fliederlauben` schien, Als
man dem `milden Sterne` Gesellte was da
lieb, Und `Lieder
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Liebe

Das ist mein Trost in allen Leiden, Daß
nichts mich kann von Jesu scheiden, Von
seiner Liebe keine Macht, Der größte
aller Erdenschmerzen Hat nicht Gewalt ob
einem Herzen, Worin
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Am Letzten Tag des Jahres - Silvester

Das Jahr geht um, der Faden rollt sich
sausend ab. Ein Stündchen noch, das
letzte heut, Und stäubend rieselt in
sein Grab, was einstens war lebendge
Zeit. Ich h
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Feier

Das Morgenrot schwimmt still entlang Den
Wolkenozean, Den Gliedern zart, mit
Liebesdrang Schmiegt sich die Welle
an. Ihm folgt die Sonn` im
Sphärenklang Ein roter Flammenkahn,
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Am Morgen

Das Morgenrot schwimmt still entlang Den
Wolkenozean; Den Gliedern zart mit
Liebesdrang Schmiegt sich die Welle
an. Ihm folgt die Sonn` im
Sphärenklang, Ein roter Flammenkahn;
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Ein harter Wintertag

Daß ich dich so verkümmert seh`, Mein
lieb lebend`ges Wasserreich, Daß ganz
versteckt in Eis und Schnee Du siehst
der plumpen Erde gleich; Auch daß voll
Reif und Schollen hän
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Karikatur des Heiligsten

Der Dom! der Dom! der deutsche Dom! Wer
hilft den Kölner Dom uns baun?` ... Wo
deine Legion, o Herr, wer hilft den
Kölner Dom uns baun? ... Ach, was ich
fragte und gelauscht,
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Die Stiftung Cappenbergs

Der Mond mit seinem blassen Finger Langt
leise durch den Mauerspalt Und kostet,
streifend längs dem Zwinger, Norbertus`
Stirne feucht und kalt. Der lehnt an
bröckelndem Gestein,
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Morgengebet

Der Morgenstrahl bahnt flimmernd sich
den Weg Durch meines Lagers
dichtgeschlossne Falten, Zuckt um die
Wimper mir und müht sich reg`, Mein
halb noch träumend Augenlid zu
spalten. Wach
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Morgenlied

Der Morgenstrahl Steht auf dem Tal, Die
Nebel ziehen drunter her, Und auf der
Au Liegt still der Tau Wie Perlen in dem
weißen Meer. Wie ich nun Alles recht
beschaut, D
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Abendlied

Der Tag ist eingenickt Beim Wiegenlied
der Glocken; Zum Blumenkuß sich
bückt Der Tau auf leisen Socken; Die
Sterne sammeln sich, Sie winken sich und
drehen; Fern hör` ich
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Der Mutter Wiederkehr

Du frägst mich immer von neuem,
Marie, Warum ich mein Heimatland, Die
alten lieben Gefilde flieh, Dem Herzen
doch eingebrannt? Nichts soll das Weib
dem Manne verhehlen, Und nichts
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Guten Willens Ungeschick

Du scheuchst den frommen Freund von
mir, Weil krank ich sei und sehr
bewegt, Mein hell und blühend
Lustrevier Hast du mit Dornen mir
umhegt; Wohl weiß ich, daß der Wille
rein, D
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Das Hirtenfeuer

Dunkel, dunkel im Moor, über der Heide
Nacht, nur das rieselnde Rohr neben der
Mühle wacht, und an des Rades
Speichen schwellende Tropfen
schleichen. Unke kauert im
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Die beschränkte Frau

Ein Krämer hatte eine Frau, die war ihm
schier zu sanft und milde, ihr Haar zu
licht, ihr Aug` zu blau, zu gleich ihr
Blick dem Mondenschilde; wenn er sie sah
so still und sacht i
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Der sterbende General

Er lag im dichtverhängten Saal, wo grau
der Sonnenstrahl sich brach, auf seinem
Schmerzensbette lag der alte kranke
General. Genüber ihm am Spiegel
hing Echarpe, Orden, Feldherrn
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Der Weiher

Er liegt so still im Morgenlicht, So
friedlich, wie ein fromm Gewissen; Wenn
Weste seinen Spiegel küssen, Des Ufers
Blume fühlt es nicht; Libellen zittern
über ihn, Blaugoldne S
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Am vierten Sonntage im Advent

Ev.: Vom Zeugnisse Johannes. Sie
fragten: »Wer bist du?« - und er
bekannte und leugnete nicht: `Ich bin
eine Stimme des Rufenden in der Wüste.
- Ich taufe euch mit Wasser, aber
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Poesie

Frägst du mich im Rätselspiele, Wer
die zarte lichte Fei, Die sich drei
Kleinoden gleiche Und ein Strahl doch
selber sei? Ob ich`s rate? Ob ich
fehle? Liebchen, pfiffig war ich n
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Fastnacht

Herr, gib mir, daß ich sehe! Ich weiß
es, daß der Tag ist aufgegangen; Im
klaren Osten stehn fünf blut`ge
Sonnen, Und daß das Morgenrot mit
stillem Prangen Sich spiegelt in der
Herz
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Stammbuchblätter

I. Mit Lauras Bilde Im Namen eines
Freundes Um einen Myrtenzweig sich zu
ersingen Schickt seinen Schwan Petrarka
Lauren nach, Mit Lorbeerreisern füllt
er das Gemach,
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Das Bild

I. Sie stehn vor deinem Bild und
schauen In dein verschleiert
Augenlicht, Sie prüfen Lippe, Kinn und
Brauen Und sagen dann: »Du sei`st es
nicht; Zu klar die Stirn, zu voll
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Volksglauben in den Pyrenäen

I. Silvesterfei Der
morsche Tag ist eingesunken; Sein Auge
gläsern, kalt und leer, Barg keines
Taues linden Funken Für den gebräunten
Eppich mehr.
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Die Vendetta

I Ja, einen Feind hat
der Kors`, den Hund, Luigi, den hagern
Podesta, Der den Ohm, so stark und
gesund, Ließ henken, den kühnen di
Vesta. Er und der rote Fr
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Alte und neue Kinderzucht

I In
seiner Buchenhalle saß ein Greis auf
grüner Bank, Vor ihm, in grünlichem
Pokal, der Rebe Feuertrank; Zur Seite
seiner Jugend Sproß, sich leh
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Der Graf von Thal

I Das war
der Graf von Thal, So ritt an der
Felsenwand; Das war sein ehlich
Gemahl, Die hinter dem Steine
stand. Sie schaut` im Sonnenstr
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Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Cöln

I Der Anger dampft, es kocht die
Ruhr, Im scharfen Ost die Halme
pfeifen, Da trabt es sachte durch die
Flur, Da taucht es auf wie
Nebelstreifen, Da nieder rauscht es in
den
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Die Schwestern

I Sacht pochet der Käfer im morschen
Schrein, Der Mond steht über den
Fichten. »Jesus Maria, wo mag sie
sein! Hin will meine Angst mich
richten. Helene, Helene, was ließ
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Die Vergeltung

I Der Kapitän steht an der Spiere, Das
Fernrohr in gebräunter Hand, Dem
schwarzgelockten Passagiere Hat er den
Rücken zugewandt. Nach einem
Wolkenstreif in Sinnen Die beid
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Die tote Lerche

Ich stand an deines Landes Grenzen, an
deinem grünen Saatenwald, und auf des
ersten Strahles Glänzen ist dein Gesang
herabgewallt. Der Sonne schwirrtest du
entgegen, wie eine Mü
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Die Taxuswand

Ich stehe gern vor dir, Du Fläche
schwarz und rauh, Du schartiges
Visier Vor meines Liebsten Brau, Gern
mag ich vor dir stehen, Wie vor
grundiertem Tuch, Und drüber gleiten
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Am Thurme

Ich steh` auf hohem Balkone am
Thurm, Umstrichen vom schreienden
Staare, Und laß` gleich einer Mänade
den Sturm Mir wühlen im flatternden
Haare; O wilder Geselle, o toller Fant,
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R.i.p.

Ihr saht ihn nicht im Glücke, Als
Scharen ihm gefolgt, Mit einem seiner
Blicke Er jeden Haß erdolcht, Das Blut
an seinen Händen Wie Königspurpur
fast, Und flammenden Gel
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Die junge Mutter

Im grün verhangnen duftigen Gemach, auf
weißen Kissen liegt die junge
Mutter; wie brennt die Stirn! sie hebt
das Auge schwach zum Bauer, wo die
Nachtigall das Futter den nackten Jungen
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Die rechte Stunde

Im heitren Saal beim Kerzenlicht, Wenn
alle Lippen sprühen Funken, Und gar vom
Sonnenscheine trunken, Wenn jeder Finger
Blumen bricht, Und vollends an geliebtem
Munde, Wenn die Na
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Die Bank

Im Parke weiß ich eine Bank, Die
schattenreichste nicht von allen, Nur
Erlen lassen, dünn und
schlank, Darüber karge Streifen
wallen; Da sitz` ich manchen
Sommertag Und laß mic
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Ein Sommertagstraum

Im tiefen West der Schwaden grollte, Es
stand die Luft, ein siedend Meer, An
meines Fensters Vorhang rollte Die
Sonnenkugel, glüh und schwer; Und wie
ein Kranker, lang gestreckt,
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Der Graue

Im Walde steht die kleine Burg, Aus
rohem Quaderstein gefugt, Mit Schart`
und Fensterlein, wodurch Der Doppelhaken
einst gelugt; Am Teiche rauscht des
Rohres Speer, Die Brücke wie
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Der Fundator

Im Westen schwimmt ein falber
Strich, Der Abendstern entzündet
sich Grad überm Sankt Georg am
Tore; Schwer haucht der Dunst vom nahen
Moore. Schlaftrunkne Schwäne kreisen
sacht
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Der Schloßelf

In monderhellten Weihers Glanz Liegt
brütend wie ein Wasserdrach Das Schloß
mit seinem Zackenkranz, Mit Zinnenmoos
und Schuppendach. Die alten Eichen stehn
von fern, Respektvoll
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Die Erzstufe

Ja Blitze, Blitze! der Schwaden
drängt Giftiges Gas am Risse
hinaus, Auf einem Blitze bin ich
gesprengt Aus meinem funkelnden
Kellerhaus. O, wie war ich zerbrochen
und krank, Wie
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An Amalie Hassenpflug

Jüngst hab` ich dich gesehn im
Traum, So lieblich saßest du
behütet In einer Laube grünem
Raum, Von duftendem Jasmin
umblütet, Durch Zweige fiel das goldne
Licht, Aus Vogelkeh
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An Levin Schücking

Kein Wort, und wär es scharf wie
Stahles Klinge, Soll trennen, was in
tausend Fäden eins, So mächtig kein
Gedanke, daß er dringe Vergällend in
den Becher reinen Weins; Das Leben ist
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Vorgeschichte

Kennst du die Blassen im Heideland, Mit
blonden flächsenen Haaren? Mit Augen so
klar, wie an Weihers Rand Die Blitze der
Welle fahren? O, sprich ein Gebet,
inbrünstig, echt, Für
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Hoffnung

Laß das Leben wanken, Laß es ganz
vergehn, Über seine stillen
Schranken Will ich ernst und mutig
sehn. Findet gleich Vernunft die Wege In
dem dunklen Lande nicht: Hoffnung
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Lebt wohl

Lebt wohl, es kann nicht anders
sein!Spannt flatternd eure Segel
aus,Laßt mich in meinem Schloß
allein,Im öden geisterhaften Haus.Lebt
wohl und nehmt mein Herz mit euchUnd
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Der Teetisch

Leugnen willst du Zaubertränke, Lachst
mir höhnisch in die Zähne, Wenn
Isoldens ich gedenke, Wenn Gudrunens ich
erwähne? Und was deine kluge Amme In
der Dämmrung dir ve
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Die Elemente

Luft Der Morgen, der Jäger Wo die
Felsenlager stehen, Sich des Schnees
Daunen blähen, Auf des Chimborasso
Höhen Ist der junge Strahl
erwacht; Regt und dehnt die ros
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Beim Erwachen in der Nacht

Mein Gott, mein erstes Wort, ich bin
erwacht! Fern ist der Tag mit seinem
Flammenschilde, Und wie ein schwarzer
Rauch bedeckt die Nacht Zwar leicht,
doch dicht ein jegliches Gebilde. Fer
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Locke und Lied

Meine Lieder sandte ich dir, Meines
Herzens strömende Quellen, Deine Locke
sandtest du mir, Deines Hauptes
ringelnde Wellen; Hauptes Welle und
Herzens Flut Sie zogen einander vor
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Das Liebhabertheater

Meinst du, wir hätten jetzt
Dezemberschnee? Noch eben stand ich vor
dem schönsten Hain, So grün und
kräftig sah ich keinen je. Die
Windsbraut fuhr, der Donner knallte
drein, Und sein
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Am Fronleichnamstage

O fasse Mut, er ist dir nah Du hast sein
Fleisch, sein heilig Blut Genossen ja. O
meine arme Seele, fasse Mut Er ist ja
dein, er ward dein Fleisch und
Blut. Nicht wie du solltest,
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Kurt von Spiegel

O frommer Prälat, was ließest so
hoch Des Marschalks frevlen Mut du
steigen! War`s seine Gestalt, deren Adel
dich trog, Sein flatternder Witz unter
Bechern und Reigen? O frommer Bischo
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Der Knabe im Moor

O schaurig ist`s übers Moor zu
gehn, Wenn es wimmelt vom
Heiderauche, Sich wie Phantome die
Dünste drehn Und die Ranke häkelt am
Strauche, Unter jedem Tritte ein
Quellchen springt,
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Kinder am Ufer

O sieh doch! siehst du nicht die
Blumenwolke Da drüben in dem tiefsten
Weiherkolke? O! das ist schön! hätt`
ich nur einen Stecken, Schmalzweiße
Kelch` mit dunkelrothen Flecken, Und j
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Glaube

O Welt, wie soll ich dich ergründen In
aller deiner argen List? Wo soll ich
Treu und Glauben finden, Da du so falsch
und treulos bist? Wo ich mich wende,
hier und dort, Da kömmt
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Der Denar

O! über deinen König! ganz dir
gleich, Du glattgeschlagner Lumpen, o,
sein Reich Das Inselchen, des
kärglichen Tribut Lukull in eine
Silberschüssel lud, Gebannt in eine
Perle Cäsars
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An die Weltverbesserer

Pochest du an - poch nicht zu laut, Eh`
du geprüft des Nachhalls
Dauer! Drückst du die Hand - drück
nicht zu traut! Eh du gefragt des
Herzens Schauer! Wirfst du den Stein -
bedenke wo
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Das Autograph

Pst! — St! — ja, ja, Das mocht` eine
Pracht noch heißen, Als ich am Ärmel
sah Die goldenen Tressen gleißen! Wie
waren die Hände weiß und weich, Wie
funkelten die Demanten!
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Das Spiegelbild

Schaust du mich an aus dem Kristall, Mit
deiner Augen Nebelball, Kometen gleich
die im Verbleichen; Mit Zügen, worin
wunderlich Zwei Seelen wie Spione
sich Umschleichen, ja, dann
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Der Brief aus der Heimat

Sie saß am Fensterrand im
Morgenlicht und starrte in das
aufgeschlagne Buch; die Zeilen zählte
sie und wußt` es nicht, ach weithin,
weithin der Gedanken Flug! Was sind so
ängstlich i
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Das Fräulein von Rodenschild

Sind denn so schwül die Nächt` im
April? Oder ist so siedend jungfräulich
Blut? Sie schließt die Wimper, sie
liegt so still Und horcht des Herzens
pochender Flut. »O will es denn ni
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An meine Mutter

So gern hätt` ich ein schönes Lied
gemacht, Von deiner Liebe, deiner treuen
Weise, Die Gabe, die für andre immer
wacht, Hätt` ich so gern geweckt zu
deinem Preise. Doch wie ic
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Des alten Pfarrers Woche

Sonntag Das ist nun
so ein schlimmer Tag, Wie der April ihn
bringen mag Mir Schlacken, Schnee und
Regen. Zum dritten Mal in das
Gebraus Streckt Jun
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Grüße

Steigt mir in diesem fremden Lande Die
altbekannte Nacht empor, Klatscht es wie
Hufesschlag vom Strande, Rollt sich die
Dämmerung hervor Gleich Staubeswolken
mir entgegen Von mein
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Die Muschel

Su, susu, O, schlaf im schimmernden
Bade, Hörst du sie plätschern und
rauschen, Meine hüpfende blanke
Najade? Ihres Haares seidenen Tang Über
der Schultern Perlenschaum;
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Im Grase

Süße Ruh`, süßer Taumel im Gras, Von
des Krautes Arome umhaucht, Tiefe Flut,
tief tief trunkne Flut, Wenn die Wolk`
am Azure verraucht, Wenn aufs müde,
schwimmende Haupt Süß
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Das öde Haus

Tiefab im Tobel liegt ein
Haus, Zerfallen nach des Försters
Tode, Dort ruh ich manche Stunde
aus, Vergraben unter Rank` und Lode; `s
ist eine Wildnis, wo der Tag Nur halb
die schw
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Brennende Liebe

Und willst du wissen, warum So sinnend
ich manche Zeit, Mitunter so töricht
und dumm, So unverzeihlich
zerstreut, Willst wissen auch ohne
Gnade, Was denn so Liebes enthält
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Für die armen Seelen

Was Leben hat, das kennt die Zeit der
Gnade; Der Liebe Pforten sind ihm
aufgetan. Zum Himmel führen tausend
lichte Pfade; Ein jeder Stand hat seine
eigne Bahn. Doch wenn mit Trau
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Meister Gerhard von Köln

Wenn in den linden Vollmondnächten Die
Nebel lagern überm Rhein, Und graue
Silberfäden flechten Ein Florgewand dem
Heil`genschrein: Es träumt die Waldung,
duftumsäumt, Es trä
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Abschied von der Jugend

Wie der zitternde Verbannte Steht an
seiner Heimat Grenzen, Rückwärts er
das Antlitz wendet, Rückwärts seine
Augen glänzen, Winde die
hinüberstreichen, Vögel in der Luft
ben
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Die Schmiede

Wie kann der alte Apfelbaum So lockre
Früchte tragen, Wo Mistelbüsch` und
Mooses Flaum Aus jeder Ritze
ragen? Halb tot, halb lebend, wie ein
Prinz In einem Ammenmärchen,
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Das Haus in der Heide

Wie lauscht, vom Abendschein
umzuckt, die strohgedeckte Hütte, recht
wie im Nest der Vogel duckt, aus dunkler
Föhren Mitte. Am Fensterloche streckt
das Haupt die weißgest
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Das Fegefeuer des westfälischen Adels

Wo der selige Himmel, das wissen wir
nicht, Und nicht, wo der greuliche
Höllenschlund, Ob auch die Wolke
zittert im Licht, Ob siedet und qualmet
Vulkanes Mund; Doch wo die westfälische
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Junge Liebe

Über dem Brünnlein nicket der
Zweig, Waldvögel zwitschern und
flöten, Wild Anemon` und Schlehdorn
bleich Im Abendstrahle sich röten, Und
ein Mädchen mit blondem Haar Beugt ü
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Am Bodensee

Über Gelände, matt gedehnt, Hat
Nebelhauch sich wimmelnd gelegt, Müde,
müde die Luft am Strande stöhnt, Wie
ein Roß, das den schlafenden Reiter
trägt; Im Fischerhause kein Lämpch
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Der Todesengel

`s gibt eine Sage, daß wenn plötzlich
matt Unheimlich Schaudern einen
übergleite, Daß dann ob seiner
künft`gen Grabesstatt Der Todesengel
schreite. Ich hörte sie, und malte
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Die Unbesungenen

`s gibt Gräber wo die Klage
schweigt, Und nur das Herz von innen
blutet, Kein Tropfen in die Wimper
steigt, Und doch die Lava drinnen
flutet; `s gibt Gräber, die wie
Wetternacht
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Mein Beruf

`Was meinem Kreise mich enttrieb, Der
Kammer friedlichem Gelasse?` Das fragt
ihr mich, als sei, ein Dieb, Ich
eingebrochen am Parnasse. So hört denn,
hört, weil ihr gefragt: Bei
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Die Linde

»Ich breite über ihn mein
Blätterdach, So weit ich es vom Ufer
strecken mag. Schau her, wie langaus
meine Arme reichen, Ihm mit den Fächern
das Gewürm zu scheuchen, Das
hundertfarbi
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Die Wasserfäden

»Neid` uns! neid` uns! laß die Zweige
hangen, Nicht weil flüssigen Kristall
wir trinken, Neben uns des Himmels
Sterne blinken, Sonne sich in unserm
Netz gefangen — Nein, des Teiches
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Der Geierpfiff

»Nun still! - Du an den
Dohnenschlag! Du links in den gespaltnen
Baum! Und hier der faule Fetzer mag sich
lagern an der Klippe Saum: da seht fein
offen übers Land die Kutsche ihr
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Das Schilf

»Stille, er schläft! stille,
stille! Libelle, reg` die Schwingen
sacht, Daß nicht das Goldgewebe
schrille, Und, Ufergrün, halt gute
Wacht, Kein Kieselchen laß
niederfallen. Er
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