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Gedichte - Christian Friedrich Daniel Schubart

Neujahrsschilde

(Ausgehängt im Januar 1775.)


An die stumme Iris.

Hast du mich lieb, mein Kind?
»Hm! Hm!«
So laß dich küssen - nur geschwind!
»Hm! Hm!«
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Auf eine Bastillentrümmer von der Kerkerthüre Vo

(die dem Verfasser von Paris geschickt wurde.)

Dank dir, o Freund, aus voller Herzensfülle
Für die Reliquie der greulichen Bastille,
Die freier Bürger starke Hand
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Bei Einweihung der Carls-Universität

...als zugleich die Nachricht von Oetingers Tod sich verbreitete, 1782.

Carl baut ein schwäbisches Athene! -
Und ach! im Pomp der Weihe fällt
Des Weisen und des Christen ... weiterlesen


Oetingers Mantel

Als den Elias unsrer Zeit,
Als Oetingern ein Cherubswagen
Ins Reich von Christus Herrlichkeit
In sanftem Säuseln aufgetragen,
Ließ er den Mantel schnell von Strahlenschultem ... weiterlesen


Neujahrswunsch

Auf dem Münster 1776.

Schau hinab, o Gott, auf deine Erde,
Sieh der Menschen ängstliches Gewühl.
Ach, da gibt`s, du weißt`s ja, viel Beschwerde,
Und des Stoffs zu ... weiterlesen


Kaplied

Auf, auf! ihr Brüder und seyd stark,
Der Abschiedstag ist da!
Schwer liegt er auf der Seele, schwer!
Wir sollen über Land und Meer
Ins heiße Afrika.

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Ermunterung

Auf, mein Geist, in freie Luft
Aus dem Angstgedränge!
Diese dunkle Todtengruft
Ist dir viel zu enge!
Du bist frei!
Sklaverei,
Kerker, Zwang und Bande
Sind ... weiterlesen


Die Fürstengruft

Da liegen sie, die stolzen Fürstentrümmer,
Ehmals die Götzen ihre Welt!
Da liegen sie, vom fürchterlichen Schimmer
Des blassen Tags erhellt!

Die alten Särge ... weiterlesen


Toleranz

Der dicke Franz nahm eine Hur` ins Haus.
Sein Nachbar Melcher sprach:
Ei Franz, jag doch das Mensch hinaus!
Im ganzen Dorf spricht man dir Uebels nach.
Hm, sprach der ... weiterlesen


Der gnädige Löwe

Der Tiere schrecklichsten Despoten
Kam unter Knochenhügeln hingewürgter Toten
Ein Trieb zur Großmut plötzlich an.
Komm, sprach der gnädige Tyrann
Zu allen Tieren, die in ... weiterlesen


Aderlässe

Des Lebens Purpurstrahl
Fährt schäumend aus der kleinen Ritze;
O Schöpfer! wann verfliegt einmal
Dies Blut, das ich in fauler Rast versprütze?

Soll alle meine ... weiterlesen


An den Frieden

Friedensgöttin, komm, ich flehe
Dir mit hochgehobner Hand,
Komm herab von deiner Himmelshöhe,
Dich bedarf mein armes Vaterland.

Sieh im Maienmonde wollen
Heere ... weiterlesen


Der Gefangene

Gefangner Mann, ein armer Mann!
Durchs schwarze Eisengitter
Starr` ich den fernen Himmel an,
Und wein` und seufze bitter.

Die Sonne, sonst so hell und rund,
... weiterlesen


An Gott

Gott, wenn ich dich als Weltenschöpfer denke,
Am Meere steh`, das deiner Faust entrann,
Und staunend mich hinuntersenke
In diesen Ocean;

Dann fühl` ich tief der engen ... weiterlesen


Eheliche Gutenacht

Gute Nacht!
Unser Taglauf ist vollbracht,
Goldne Sternlein äugeln wieder
Von des Himmels Zinne nieder;
Und des Mondes Scheibe lacht,
Gute Nacht!

... weiterlesen


Gellert`s Grabschrift

Hier liegt - steh Wanderer, und schau!
Die Wahrheit schreibt:
` Der beste Mann für eine Frau -
Und unbeweibt.
»Der beste Vater eines Sohns -
Und ohne Sohn.
`Der ... weiterlesen


Der glückliche Ehemann

Ich bin so glücklich, bin so froh;
Ein Weiblein darf ich lieben,
Ganz wie einst König Solomo
Sein liebstes Weib beschrieben.

Wie rüstig ist sie spät und früh!
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Das Schwabenmädchen

Ich Mädchen bin aus Schwaben,
Und braun ist mein Gesicht;
Der Sachsenmädchen Gaben
Besitz` ich freilich nicht.

Die können Bücher lesen,
Den Wieland, und den ... weiterlesen


Neujahrslied (1)

Im Waisenhause zu singen.

Allvater, Gott und Herr der Zeit!
Erhör uns arme Waisen,
Die dich voll Kinderherzlichkeit
In einem Liede preisen.
Einfältig ist`s, doch ... weiterlesen


Die Forelle

In einem Bächlein helle.
Da schoss in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süßer Ruh
Des muntern Fisches ... weiterlesen


Vater unser

Jehovah! den mit Zittern
Das Heer der Geister ehrt,
Und den aus Nachtgewittern
Der Sünder donnren hört,
Den Erd und Himmel kennen -
Dich darf ich Vater nennen,
... weiterlesen


Nach dem 88sten Psalm

Jehovah, Gott mein Heil! ich schreye
Im Morgennebel zu dir auf!
Und kommt die Mitternacht, aufs neue
Flammt mein Gebet zu dir hinauf.
Ach, laß dies Schreyen zu dir kommen
... weiterlesen


Der Frühlingsabend

Kühlender Abend steige vom Hügel
Lieblich verguldet vom sonnigen Strahl;
Thaue von deinem purpurnen Flügel
Tropfen aufs durstige Blümlein im Thal.
Gluckt, Nachtigallen, ... weiterlesen


Der Bettelsoldat

Mit jammervollem Blicke,
Von tausend Sorgen schwer,
Hink ich an meiner Krücke
In weiter Welt umher.

Gott weiß, hab viel gelitten,
Ich hab so manchen ... weiterlesen


Neujahrslied (2)

Mit Todesschauer denken wir
Der Jahre schnellen Lauf
Und singen in dem Tempel hier
Ein Lied zu Gott hinauf.

Schnell, wie Gedanken, Schall und Licht,
Flieht hinter ... weiterlesen


Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen

Mädel, `s ist Winter, der wollichte Schnee,
Weiß wie dein Busen, deckt Thäler und Höh`.
Horch, wie der Nordwind um`s Häuslein her pfeift!
Hecken und Bäume sind lieblich ... weiterlesen


Es ist genug

Nach I. Buch der Könige 19, 4.

Es ist genug! So nimm denn meine Seele,
Die müde Seele nimm zu dir.
Du weißt, wie ich die Augenblicke zähle,
Du kennst dieß bange ... weiterlesen


Geduld

O die Huld
Des Himmels groß erzogen!
Geduld! Geduld!
Wo bist du hingeflogen?
Hat Gott dich nicht geschmückt
Mit Glanz der Welt geschickt?

Die Menschheit ... weiterlesen


Selmar an seinen Bruder

O du - wie soll ich dich in meinen Qualen nennen?
Kann ich dich Bruder nennen? - Nein!
Du würdest sonst nicht Bruderblut verkennen
Und gegen mich ein Tiger sey!
Und doch ... weiterlesen


An die Freiheit

O Freiheit, Freiheit! Gottes Schoß entstiegen,
Du aller Wesen seligstes Vergnügen,
An tausendfachen Wonnen reich,
Machst du die Menschen Göttern gleich.

Wo find` ich ... weiterlesen


Vertrauen auf Gottes Schutz

O Gott! wie gut ist`s dir vertrauen!
So tief, so innig fühlt` ichs nie,
Verzeih, wann Thränen niederthauen,
Denn deine Hand entlockte sie.
Da steh` ich wie ein Fels im ... weiterlesen


Preisgesang im Kerker

Preis dir, Unendlicher!
Es steigt im Jubelliede
Mein Geist zu dir empor,
Und freut sich deiner Güte.
Verstummt ihr Klagen! Preis
Und Dank sey meine Pflicht;
... weiterlesen


Serafina an ihr Klavier

Sanftes Klavier!
Welche Entzückungen schaffst du in mir,
Sanftes Klavier!
Wenn sich die Schönen
Tändelnd verwöhnen,
Weih` ich mich dir,
Liebes Klavier!
... weiterlesen


Schlaf` wohl du Himmelsknabe du

Schlaf` wohl du Himmelsknabe du,
Schlaf` wohl du süßes Kind;
Dich fächeln Engelein in Ruh,
Mit sanftem Himmelswind.

Wir arme Hirten singen dir
Ein herzlich ... weiterlesen


An die Todten

Schlummert süß, ihr Jüngstgestorbnen, alle,
Schummert süß, in eurer Todtenhalle!
Keine Erdenstürme mehr
Rasen um euch her.

Euch erwecken keine Schlachtenrufe,
... weiterlesen


Oligarchengift

Schwer ist Tyrannenfaust; doch, weil sie rasend trifft,
Und plötzlich unsre Qualen endet,
Nicht halb so schwer, als Oligarchengift,
Das langsam uns zu todten Schatten sendet.


Die Aussicht

Schön ist`s, von des Thränenberges Höhen
Gott auf seiner Erde wandeln sehen,
Wo sein Odem die Geschöpfe küßt.
Auen sehen, drauf Natur, die treue,
Eingekleidet in des ... weiterlesen


Golgatha

Seele hast du keine Flügel?
So fliege doch nach Golgatha
Wo auf einem Todeshügel
Den Sohn der Vater leiden sah.

Die Erde zittert,
Schaut und erschüttert
... weiterlesen


An Mops

Sei dumm!
Dies wünsch` ich dir zum neuen Jahr!
Warum?
Weil Dummheit in dem alten Jahr
So manches Schöpsen Glück gebar.
Darum
Sei dumm!


Auf die Leiche eines Regenten

Seyd ihr, Götter dieser Erde,
Seyd ihr Menschenstaub, wie wir?
O! so zittert! Der Gefährte
Eurer Größe lieget hier.
Steigt von goldnen Stufen nieder
Zu den Särgen ... weiterlesen


Morgenlied eines Gefangenen

Walt`s Gott, der Tag bricht wieder an,
Und weckt mich aus der Ruh`;
Wohlauf, betritt die Dornenbahn!
Du, meine Seele, du!

Da neben meinem Bette steht
Mein Kreuz, ... weiterlesen


Die Linde

Warst so schön, breitwipflichter Baum,
Als dir schwollen die Knospen,
Als du Blüthendüfte verhauchtest;
Warst so schön!

Dich umsummt` im Lenzabend der Käfer,
... weiterlesen


Die Frage

Warum ist mir das Morgenrot
So blutgestreift? die Welt so tot?
Warum strahlt mir das Sonnenlicht
Oft so beschwerlich ins Gesicht?
Und warum weint die Wolke mir?
... weiterlesen


Frage

Warum ist mir das Morgenroth
So blutgestreift? die Welt so todt?
Warum strahlt mir das Sonnelicht
Oft so beschwerlich ins Gesicht?
Und warum weint die Wolke mir?
... weiterlesen


Todesgedanken im Frühling

Welche Stimme schallet
Vom Gebirg und wallet
Um mein lauschend Ohr;
Welche Silbertöne
Rufen: »meine Schöne
Auf! und tritt hervor.«
Schaue nur,
Wie die ... weiterlesen


Zinkenistentrost

Wie glücklich ist der Zinkenist,
Der Herr und sein Geselle!
Er kömmt, wenn er gestorben ist,
Gewiß nicht in die Hölle:
Denn Gott hält oft ein Freudenfest
... weiterlesen


Gottes ewiger Ratschluss

Wir fielen tief, wir fielen tief;
Du hast den Fall gesehen:
Eh` noch dein Wort der Erde rief,
Und Sonnen hieß entstehen,
Da sahst du schon der jungen Welt
Die Einfalt, ... weiterlesen


Zeichen der Zeit

»Des Himmels Gestalt wißt ihr zu beurtheilen:
Aber die Zeichen der Zeit prüfet ihr nicht.«
Christus.


Hebt eure Hände, ihr Erdebewohner,
Hebt sie zum hohen ... weiterlesen



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Gedichte vom Autor Christian Friedrich Daniel Schubart

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