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Gedichte - Christian Morgenstern

Des Galgenbruders Gebet und Eröhrung

(Ein Nachtlied, im Jenseits vorzusingen)


Die Mond-Uhr wies auf halber ilf,
da rief ich laut: Gott hilf, Gott hilf!
Wie singt im nahen Röhricht
die Unke gar so ... weiterlesen


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Das Fest des Wüstlings

(Zu flüstern)

Was stört so schrill die stille Nacht?
Was sprüht der Lichter Lüsterpracht?
Das ist das Fest des Wüstlings!

Was huscht und hascht und weint ... weiterlesen


Kronprätendenten

- `Ich bin der Graf von Réaumur
und haß euch wie die Schande!
Dient nur dem Celsio für und für,
ihr Apostatenbande!`

Im Winkel König Fahrenheit
hat still ... weiterlesen


Morgen

15. August 1896

Nun sind die Sterne wieder
von blaßblauer Seide verhüllt,
nun Näh` und Ferne wieder
von junger Sonne erfüllt.
Ihr weißen Wasser, die ihr
... weiterlesen


Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z ... weiterlesen


Siehe, auch ich -lebe

Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr,
am Bach ihr Weiden und am Hang ihr Birken,
und fangt von neuem an, euch auszuwirken,
und wart so lang nur Schlummernde, gleich - mir.

... weiterlesen


Der Traum der Magd

Am Morgen spricht die Magd ganz wild:
`Ich hab heut nacht ein Kind gestillt -

ein Kind mit einem Käs als Kopf -
und einem Horn am Hinterkopf!

Das Horn, o denkt ... weiterlesen


Der Abend

Auf braunen Sammetschuhen geht
der Abend durch das müde Land,
sein weiter Mantel wallt und weht,
und Schlummer fällt von seiner Hand.

Mit stiller Fackel steckt er ... weiterlesen


Auf der Wiese...

Auf der Wiese webt und schwebt
Elbenringelreigen;
Feiner Flüsschen Schnee sich hebt
zu geheimen Geigen.
Schleier schlingen sich im Ring,
Silberflechten flimmern,
... weiterlesen


Das Nasobem

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus ... weiterlesen


Galgenberg

Blödem Volke unverständlich
treiben wir des Lebens Spiel.
Gerade das, was unabwendlich,
fruchtet unsrem Spott als Ziel.

Magst es Kinder-Rache nennen
an des ... weiterlesen


Die Hysterix

Das hinterindische Stachelschwein
(hystrix grotei Gray),
das hinterindische Stachelschwein
aus Siam, das tut weh.

Entdeckst du wo im Walde drauß
bei Siam seine ... weiterlesen


Das Simmaleins

Das ist das große Simmaleia
Simmaleialu
lusammalei.

Der Stein ist ein,
der Brei ist zwei,
die Schlei ist drei,
der Stier ist vier,
der Bünf ... weiterlesen


Das Mondschaf [2]

Das Mondschaf sagt sich selbst gut Nacht,
d.h., es wurde überdacht
von seinem eigenen Denker:
Der übergibt dies alles sich
mit einem kurzen Federstrich
als seinem ... weiterlesen


Das Mondschaf [1]

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm
Und geht dann heim auf seine Alm.
... weiterlesen


Unter Zeiten

Das Perfekt und das Imperfekt
tranken Sekt.
Sie stießen aufs Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).

Plusquamper und Exaktfutur blinzten nur.

... weiterlesen


Der Flügelflagel

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert
und grausig gutzt der Golz.


Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
... weiterlesen


Der Mondberg-Uhu

Der Mondberg-Uhu hat ein Bein,
sein linkes Bein, im Sonnenschein.
Das rechte Bein jedoch des Vogels
bewohnt das Schattenreich des Kogels.

Bis hundertfunfzig Grad im ... weiterlesen


Himmel und Erde

Der Nachtwindhund weint wie ein Kind,
dieweil sein Fell von Regen rinnt.

Jetzt jagt er wild das Neumondweib,
das hinflicht mit gebognem Leib.

Tief unten geht, ... weiterlesen


Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen

Der Ochsenspatz
Die Kamelente
Der Regenlöwe
Die Turtelunke
Die Schoßeule
Der Walfischvogel
Die Quallenwanze
Der Gürtelstier
Der Pfauenochs
... weiterlesen


Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf
will will hu hu
dem niemand half
still still du du
half sich allein
am Rabenstein
will will still still
hu hu

Die Nebelfrau
... weiterlesen


Der Steinochs

Der Steinochs schüttelt stumm sein Haupt,
daß jeder seine Kraft ihm glaubt.
Er spießt dich plötzlich auf sein Horn
und bohrt von hinten dich bis vorn.
Weh!

... weiterlesen


Der Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund
Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Dommel reckt sich ... weiterlesen


Das Problem

Der Zwölf-Elf kam auf sein Problem
und sprach: `Ich heiße unbequem.
Als hieß? ich etwa Drei-Vier
statt Sieben - Gott verzeih mir!`

Und siehe da, der Zwölf-Elf nannt ... weiterlesen


Im Jahre 19000

Die Ameisen oder Emsen
sind so weit jetzt, daß sie Gemsen
sich als Sklaven halten (aus
Gründen ihres Körperbaus).

Da sie selber sehr viel kleiner,
so bedienen ... weiterlesen


Die Enten laufen Schlittschuh

Die Enten laufen Schlittschuh
auf ihrem kleinen Teich.
Wo haben sie denn die Schlittschuh her -
sie sind doch gar nicht reich?

Wo haben sie denn die Schlittschuh ... weiterlesen


Die Luft

Die Luft war einst dem Sterben nah.

`Hilf mir, mein himmlischer Papa,`
so rief sie mit sehr trübem Blick,
`ich werde dumm, ich werde dick;
du weißt ja sonst für ... weiterlesen


Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie ... weiterlesen


Das Gebet

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!

Halb neun!

Halb zehn!

Halb elf!

Halb ... weiterlesen


Geiß und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgeiß staunend vor ihr steht.

Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart
wie ein Magister hochgelahrt.

Sie weiß nicht, was ... weiterlesen


Die Westküsten

Die Westküsten traten eines Tages zusammen
und erklärten, sie seien keine Westküsten,
weder Ostküsten noch Westküsten -
`daß sie nicht wüßten!`

Sie wollten ... weiterlesen


Mondendinge

Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.

Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien.

Heulend fletschen sie die Zähne
auf der ... weiterlesen


Du bist mein Land

Du bist mein Land,
ich deine Flut,
die sehnend dich ummeeret;
Du bist der Strand,
dazu mein Blut
ohn` Ende wiederkehret.

An Dich geschmiegt,
mein ... weiterlesen


Das Lied vom blonden Korken

Ein blonder Korke spiegelt sich
in einem Lacktablett -
allein er säh sich dennoch nich,
selbst wenn er Augen hätt!

Das macht, dieweil er senkrecht steigt
... weiterlesen


Die beiden Esel

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:

`Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!`

Doch wie es kommt so öfter ... weiterlesen


Bim, Bam, Bum

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als hätt` er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel.

Er sucht die Glockontönin BIM,
... weiterlesen


Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
... weiterlesen


Igel und Agel

Ein Igel saß auf einem Stein
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeialü!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen ... weiterlesen


Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts!
Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.

Im Kriege ward einmal ein Mann
... weiterlesen


Philantropisch

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh er, wie er ohne diese
(meistens mindestens) leben kann.

Kaum, daß er gelegt sich auf ... weiterlesen


Der Purzelbaum

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagte: `Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.

Und trag ich Frucht? Ich ... weiterlesen


Km 21

Ein Rabe saß auf einem Meilenstein
und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein . . .

Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,
der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.

... weiterlesen


Der Salm

Ein Rheinsalm schwamm den Rhein
bis in die Schweiz hinein.

Und sprang den Oberlauf
von Fall zu Fall hinauf.

Er war schon weißgottwo,
doch eines Tages - ... weiterlesen


Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf daß er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm ... weiterlesen


Der heroische Pudel

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des Abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte: daß (o Preis
... weiterlesen


Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.

... weiterlesen


Der Tanz

Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule
trafen sich im Schatten einer Säule,
die im Geiste Ihres Schöpfers stand.
Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
reichten sich die ... weiterlesen


Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind, und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
... weiterlesen


Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
Inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
Im Stillen:

... weiterlesen


Der Würfel

Ein Würfel sprach zu sich: `Ich bin
mir selbst nicht völlig zum Gewinn!

Denn meines Wesens sechste Seite,
und sei es auch Ein Auge bloß,
sieht immerdar, statt in die ... weiterlesen


Drei Hasen

Eine groteske Ballade

Drei Hasen tanzen im Mondschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
der dritte ist ein Reh.

... weiterlesen


Unter Schwarzkünstlern

Eines Mittags las man:
Pfiffe zu mieten gesucht!
Hundertweis, zu jedem Preis!
Victor Emanuel Wasmann!

Um sechs Uhr kam der erste Pfiff
von einem alten ... weiterlesen


Die Lämmerwolke

Es blökt eine Lämmerwolke
am blauen Firmament,
sie blökt nach ihrem Volke,
das sich von ihr getrennt.

Zu Bomst das Luftschiff `Gunther`
vernimmt`s und fährt ... weiterlesen


Die Zeit

Es gibt ein sehr probates Mittel,
die Zeit zu halten am Schlawittel:
Man nimmt die Taschenuhr zur Hand
und folgt dem Zeiger unverwandt,

Sie geht so langsam dann, so ... weiterlesen


Nachtbild

Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun -
(`Achtung! Hunde!`)
Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun
zur mitternächtigen Stunde.
Mit glühnden Augen steht der Hund
an einem ... weiterlesen


Es ist Nacht

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält`s nicht aus,
hält`s nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
... weiterlesen


Die Fingur

Es lacht die Nachtalp-Henne,
es weint die Windhorn-Gans,
os bläst der schwarze Senne
zum Tanz.

Ein Uhu-Tauber turtelt
nach seiner Uhuin.
Ein kleiner ... weiterlesen


Die Beichte des Wurms

Es lebt in einer Muschel
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getusches
sein Herze offenbart.

Sein armes kleines Herze,
hei, wie das flog und schlug!
... weiterlesen


Die Weste

Es lebt in Süditalien eine Weste
an einer Kirche dämmrigem Altar.
Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste.
Doch wie in Adam schon Herr Haeckel war,
(zum Beispiel ... weiterlesen


Galgenbruders Frühlingslied

Es lenzet auch auf unserm Spahn,
o selige Epoche!
Ein Hälmlein will zum Lichte nahn
aus einem Astwurmloche.

Es schaukelt bald im Winde hin
Und schaukelt bald ... weiterlesen


Der Gaul

Es läutet beim Professor Stein.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? -
Ein Gaul steht vor der Türe.

Die Minna wirft die Türe zu.
... weiterlesen


Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
... weiterlesen


Der Papagei

Es war einmal ein Papagei,
der war beim Schöpfungsakt dabei
und lernte gleich am rechten Ort
des ersten Menschen erstes Wort.

Des Menschen erstes Wort war A
... weiterlesen


Wie die Galgenlieder entstanden

Es waren einmal acht lustige Könige, die lebten. Sie hießen aber so und so. Wer heißt überhaupt? Man nennt ihn. Eines Tages aber sprachen die lustigen Könige zueinander, wie Könige zueinander ... weiterlesen


Winternacht

Flockendichte Winternacht ...
Heimkehr von der Schenke ...
Stilles Einsamwandern macht,
daß ich deiner denke.

Schau dich fern im dunklen Raum
ruhn in bleichen ... weiterlesen


Genug oft

Genug oft, daß zwei Menschen sich berühren,
- nicht leiblich, geistig nur - daß sie sich»sehn«,
daß sie sich einmal gegenüberstehn -
um sich danach vielleicht auf immer zu ... weiterlesen


Die Unterhose

Heilig ist die Unterhose,
wenn sie sich in Sonn und Wind,
frei von ihrem Alltagslose,
auf ihr wahres Selbst besinnt.

Fröhlich ledig der Blamage
steter ... weiterlesen


Rings um uns

Hier der Vogel, dort der Baum -
Wie wir neben ihnen leben!
Wohl, verstehn` uns selber kaum,
Doch was mag sich dort begeben!
Wie viel Leben uns umflutet,
Unaufhörlich, ... weiterlesen


Zäzilie

I

Das erste, des Zäzilie beflissen,
ist dies: sie nimmt von Tisch und Stuhl die Bücher
und legt sie Stück auf Stück, wie Taschentücher,
jeweils nach bestem Wissen und ... weiterlesen


Liebeslied

Ich bin eine Harfe
Mit goldenen Saiten,
Auf einsamem Gipfel
Über die Fluren
Erhöht.

Du lass die Finger leise
Und sanft darübergleiten,
Und Melodien ... weiterlesen


Wer denn?

Ich gehe tausend Jahre
um einen kleinen Teich,
und jedes meiner Haare
bleibt sich im Wesen gleich,

im Wesen wie im Guten,
das ist doch alles eins;
so mag ... weiterlesen


Berlin

Ich liebe dich bei Nebel und bei Nacht,
wenn deine Linien ineinander schwimmen, -
zumal bei Nacht, wenn deine Fenster glimmen
und Menschheit dein Gestein lebendig macht.

... weiterlesen


Anto-logie

Im Anfang lebte, wie bekannt,
als größter Säuger der Gig - ant.

Wobei gig eine Zahl ist, die
es nicht mehr gibt, - so groß war sie!

Doch jene Größe schwand ... weiterlesen


Im Reich der Interpunktionen

Im Reich der Interpunktionen
nicht fürder goldner Friede prunkt:

Die Semikolons werden Drohnen
genannt von Beistrich und von Punkt.

Es bildet sich zur selben ... weiterlesen


Das Huhn

In der Bahnhofhalle, nicht für es gebaut,
geht ein Huhn
hin und her ...
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh`r?
Wird dem Huhn
man nichts tun?
Hoffen wir es! Sagen ... weiterlesen


Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt

Jaguar
Zebra
Nerz
Mandrill
Maikäfer
Pony
Muli
Auerochs
Wespenbär
Locktauber
Robbenbär
Zehenbär

(aus `Galgenlieder`)


Schauder

Jetzt bist du da, dann bist du dort.
Jetzt bist du nah, dann bist du fort.
Kannst du`s fassen? Und über eine Zeit
gehen wir beide die Ewigkeit
dahin - dorthin. Und was ... weiterlesen


Das Hemmed

Kennst du das einsame Hemmed?
Flattertata, flattertata.

Ders trug, ist baß verdämmet!
Flattertata, flattertata.

Es knattert und rattert im Winde.
... weiterlesen


Die Behörde

Korf erhält vom Polizeibüro
ein geharnischt Formular,
wer er sei und wie und wo,

welchen Orts er bis anheute war,
welchen Stands und überhaupt,
wo geboren, Tag ... weiterlesen


Das große Lalula

Kroklokwafzi? Se¯eme¯i!
Seiokrontro -- prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulale¯i:
quasti basti bo...
Lalu lalu lalu lalu la!

Hontraruru miromente
zasku zes ... weiterlesen


Lunovis

Lunovis in planitie stat
Cultrumque magn` expectitat
Lunovis.

Lunovis herba rapta it
In montes, unde cucurrit.
Lunovis.

Lunovis habet ... weiterlesen


Wahrnehmen

Man sieht oft etwas hundertmal, tausendmal,
ehe man es zum allererstenmal wirklich wahrnimmt.


Leere

Mein Herz ist leer,
ich liebe dich
nicht mehr.

Erfülle mich!
Ich rufe bitterlich
nach dir.

Im Traume zeig
dich mir
und neig
dich ... weiterlesen


O ihr kleinmütig Volk

O ihr kleinmütig Volk, die ihr vom Heute
nicht loskommt, die ihr meint: so ist es, war es
und wird es sein, so lange Menschen leben -.

O würdet ihr doch andrer Hoffnung ... weiterlesen


Bundeslied der Galgenbrüder

O schauerliche Lebenswirrn,
wir hängen hier am roten Zwirn!
Die Unke unkt, die Spinne spinnt,
und schiefe Scheitel kämmt der Wind.

O Greule, Greule, wüste Greule!
... weiterlesen


Der Nachtschelm und das Siebenschwein

oder Eine glückliche Ehe

Der Nachtschelm und das Siebenschwein,
die gingen eine Ehe ein,
o wehe!
Sie hatten dreizehn Kinder, und
davon war eins der ... weiterlesen


Der Walfafisch

oder: Das Überwasser

Das Wasser rinnt, das Wasser spinnt,
bis es die ganze Welt gewinnt.
Das Dorf ersäuft,
die Eule läuft,
und auf der Eiche sitzt ein ... weiterlesen


Das Geburtslied

oder: Die Zeichen
oder: Sophie und kein Ende

Ein Kindelein
im Windelein
heut macht es noch ins Bindelein;
doch um das Haus
o Graus o Graus
da blasen ... weiterlesen


Das Wasser

Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort!
andernfalls, andernfalls
spräch es doch nichts andres als:

Bier und Brot, Lieb und Treu, -
und das wäre auch ... weiterlesen


Lärmschutz

Palmström liebt sich in Geräusch zu wickeln,
teils zur Abwehr wider fremde Lärme,
teils um sich vor drittem Ohr zu schirmen.

Und so läßt er sich um seine Zimmer
... weiterlesen


Nein!

Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?

Nein!

Es ist des Galgenstrickes
dickes
Ende, welches ächzte,
gleich ... weiterlesen


Galgenkindes Wiegenlied

Schlaf, Kindlein, schlaf,
am Himmel steht ein Schaf;
das Schaf, das ist aus Wasserdampf
und kämpft wie du den Lebenskampf.
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Schlaf, ... weiterlesen


Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid

Sophie, mein Henkersmädel,
komm, küsse mir den Schädel!
Zwar ist mein Mund
ein schwarzer Schlund -
doch du bist gut und edel!

Sophie, mein ... weiterlesen


Tapetenblume

Tapetenblume bin ich fein,
kehr wieder ohne Ende,
doch, statt im Mai`n und Mondenschein,
auf jeder der vier Wände.

Du siehst mich immerdar genung,
so weit du ... weiterlesen


Das Weiblein mit der Kunkel

Um `stille Stübel schleicht des Monds
barbarisches Gefunkel -
im Gäßchen hoch im Norden wohnt`s,
das Weiblein mit der Kunkel.

Es spinnt und spinnt. Was spinnt es ... weiterlesen


Schicksalsspruch

Unhemmbar rinnt und reißt der Strom der Zeit,
in dem wir gleich verstreuten Blumen schwimmen,
unhemmbar braust und fegt der Sturm der Zeit,
wir riefen kaum, verweht sind unsre ... weiterlesen


Die Mitternachtsmaus

Wenn`s mitternächtigt und nicht Mond
noch Stern das Himmelshaus bewohnt,
läuft zwölfmal durch das Himmelshaus
die Mitternachtsmaus.

Sie pfeift auf ihrem kleinen ... weiterlesen


Die Probe

Zu einem seltsamen Versuch
erstand ich mir ein Nadelbuch.

Und zu dem Buch ein altes zwar,
doch äußerst kühnes Dromedar.

Ein Reicher auch daneben stand,
... weiterlesen


Die beiden Flaschen

Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
die eine dick, die andre schlank.
Sie möchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?

Mit ihrem Doppel-Auge leiden
... weiterlesen


Eine Stimmung aus dem vierten Kreis

Zwei Hände, die so weiß, so weiß
als wie ein schlohweiß Laken,
vereinten sich im vierten Kreis,
während sie sonst gewohnterweis
in zwei verschiednen Taschen staken.
... weiterlesen


Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
... weiterlesen


Die Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u. s.
w.

... weiterlesen


Der Schaukelstuhl auf der verlassenen Terrasse

`Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl
und wackel im Winde,
im Winde.

Auf der Terrasse, da ist es kuhl,
und ich wackel im Winde,
... weiterlesen


Die Schildkrökröte

`Ich bin nun tausend Jahre alt
und werde täglich älter;
der Gotenkönig Theobald
erzog mich im Behälter.

Seitdem ist mancherlei geschehn,
doch weiß ich nichts ... weiterlesen


Lieb ohne Worte

`Mich erfüllt Liebestoben zu dir!
Ich bin deinst
als ob einst
wir vereinigst.

Sei du meinst!
Komm Liebchenstche zu mir -
ich vergehste sonst
... weiterlesen



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Gedichte vom Autor Christian Morgenstern

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