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Gedichte - Christian Morgenstern


Des Galgenbruders Gebet und Eröhrung

(Ein Nachtlied, im Jenseits
vorzusingen) Die Mond-Uhr wies auf
halber ilf, da rief ich laut: Gott hilf,
Gott hilf! Wie singt im nahen
Röhricht die Unke gar so töricht!
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Das Fest des Wüstlings

(Zu flüstern) Was stört so schrill
die stille Nacht? Was sprüht der
Lichter Lüsterpracht? Das ist das Fest
des Wüstlings! Was huscht und hascht
und weint und lacht?
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Kronprätendenten

- `Ich bin der Graf von Réaumur und
haß euch wie die Schande! Dient nur dem
Celsio für und für, ihr
Apostatenbande!` Im Winkel König
Fahrenheit hat still sein Mus geges
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Morgen

15. August 1896 Nun sind die Sterne
wieder von blaßblauer Seide
verhüllt, nun Näh` und Ferne
wieder von junger Sonne erfüllt. Ihr
weißen Wasser, die ihr hinab zur
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Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf, gab er
ihm folgenden Beruf: Beim Zu- sowohl
wie beim Abnehmen sich deutschen Lesern
zu bequemen, ein a formierend und ein z
- daß k
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Siehe, auch ich -lebe

Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr, am
Bach ihr Weiden und am Hang ihr
Birken, und fangt von neuem an, euch
auszuwirken, und wart so lang nur
Schlummernde, gleich - mir. Siehe, d
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Der Traum der Magd

Am Morgen spricht die Magd ganz
wild: `Ich hab heut nacht ein Kind
gestillt - ein Kind mit einem Käs als
Kopf - und einem Horn am
Hinterkopf! Das Horn, o denkt euch, war
a
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Der Abend

Auf braunen Sammetschuhen geht der Abend
durch das müde Land, sein weiter Mantel
wallt und weht, und Schlummer fällt von
seiner Hand. Mit stiller Fackel steckt
er nun der
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Auf der Wiese...

Auf der Wiese webt und
schwebt Elbenringelreigen; Feiner
Flüsschen Schnee sich hebt zu geheimen
Geigen. Schleier schlingen sich im
Ring, Silberflechten flimmern, Flügel
wie
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Das Nasobem

Auf seinen Nasen schreitet einher das
Nasobem, von seinem Kind begleitet. Es
steht noch nicht im Brehm. Es steht
noch nicht im Meyer. Und auch im
Brockhaus nicht. Es t
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Galgenberg

Blödem Volke unverständlich treiben
wir des Lebens Spiel. Gerade das, was
unabwendlich, fruchtet unsrem Spott als
Ziel. Magst es Kinder-Rache nennen an
des Daseins tiefem
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Die Hysterix

Das hinterindische
Stachelschwein (hystrix grotei
Gray), das hinterindische
Stachelschwein aus Siam, das tut
weh. Entdeckst du wo im Walde
drauß bei Siam seine Spur,
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Das Simmaleins

Das ist das große Simmaleia
Simmaleialu lusammalei. Der Stein
ist ein, der Brei ist zwei, die Schlei
ist drei, der Stier ist vier, der Bünf
ist fünf,
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Das Mondschaf [2]

Das Mondschaf sagt sich selbst gut
Nacht, d.h., es wurde überdacht von
seinem eigenen Denker: Der übergibt
dies alles sich mit einem kurzen
Federstrich als seinem eigenen Henker.
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Das Mondschaf [1]

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.Es
harrt und harrt der großen Schur. Das
Mondschaf.Das Mondschaf rupft sich einen
HalmUnd geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf
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Unter Zeiten

Das Perfekt und das Imperfekt tranken
Sekt. Sie stießen aufs Futurum an (was
man wohl gelten lassen
kann). Plusquamper und Exaktfutur
blinzten nur. (aus `Galge
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Der Flügelflagel

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert
und grausig gutzt der Golz.
Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her. Ein
unabsehbar Blättermeer Entperlt dem
Netz der Zweige. Du aber, dessen
schweres Herz Mitklagen will den großen
Schmerz: Sei stark, sei star
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Der Mondberg-Uhu

Der Mondberg-Uhu hat ein Bein, sein
linkes Bein, im Sonnenschein. Das rechte
Bein jedoch des Vogels bewohnt das
Schattenreich des Kogels. Bis
hundertfunfzig Grad im Licht gi
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Himmel und Erde

Der Nachtwindhund weint wie ein
Kind, dieweil sein Fell von Regen
rinnt. Jetzt jagt er wild das
Neumondweib, das hinflicht mit gebognem
Leib. Tief unten geht, ein dunkler P
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Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen

Der Ochsenspatz Die Kamelente Der
Regenlöwe Die Turtelunke Die
Schoßeule Der Walfischvogel Die
Quallenwanze Der Gürtelstier Der
Pfauenochs Der Werfuchs
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Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf will will hu hu dem
niemand half still still du du half sich
allein am Rabenstein will will still
still hu hu Die Nebelfrau will wi
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Der Steinochs

Der Steinochs schüttelt stumm sein
Haupt, daß jeder seine Kraft ihm
glaubt. Er spießt dich plötzlich auf
sein Horn und bohrt von hinten dich bis
vorn. Weh! Der Steino
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Der Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:Da
schlägt es Mitternacht im Land.Es
lauscht der Teich mit offnem MundGanz
leise heult der Schluchtenhund.Die
Dommel reckt sich auf im Roh
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Das Problem

Der Zwölf-Elf kam auf sein Problemund
sprach: `Ich heiße unbequem.Als hieß?
ich etwa Drei-Vierstatt Sieben - Gott
verzeih mir!`Und siehe da, der
Zwölf-Elf nannt sichvon j
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Im Jahre 19000

Die Ameisen oder Emsen sind so weit
jetzt, daß sie Gemsen sich als Sklaven
halten (aus Gründen ihres
Körperbaus). Da sie selber sehr viel
kleiner, so bedienen sie sich ei
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Die Enten laufen Schlittschuh

Die Enten laufen Schlittschuh auf ihrem
kleinen Teich. Wo haben sie denn die
Schlittschuh her - sie sind doch gar
nicht reich? Wo haben sie denn die
Schlittschuh her? Woher?
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Die Luft

Die Luft war einst dem Sterben
nah. `Hilf mir, mein himmlischer
Papa,` so rief sie mit sehr trübem
Blick, `ich werde dumm, ich werde
dick; du weißt ja sonst für alles Rat
-
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Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus, als ob sie
Emma hießen. Sie tragen einen weißen
Flaus und sind mit Schrot zu
schießen. Ich schieße keine Möwe
tot, ich lass sie lieber leben
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Das Gebet

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht! Halb neun!
Halb zehn! Halb
elf! Halb zwölf!
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Geiß und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet, die
Waldgeiß staunend vor ihr steht. Die
Waldgeiß schüttelt ihren Bart wie ein
Magister hochgelahrt. Sie weiß nicht,
was die Schleic
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Die Westküsten

Die Westküsten traten eines Tages
zusammen und erklärten, sie seien keine
Westküsten, weder Ostküsten noch
Westküsten - `daß sie nicht
wüßten!` Sie wollten wieder ihre Fre
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Mondendinge

Dinge gehen vor im Mond, die das Kalb
selbst nicht gewohnt. Tulemond und
Mondamin liegen heulend auf den
Knien. Heulend fletschen sie die
Zähne auf der schwefligen H
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Du bist mein Land

Du bist mein Land, ich deine Flut, die
sehnend dich ummeeret; Du bist der
Strand, dazu mein Blut ohn` Ende
wiederkehret. An Dich geschmiegt, mein
Spiegel wiegt
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Das Lied vom blonden Korken

Ein blonder Korke spiegelt sich in einem
Lacktablett - allein er säh sich
dennoch nich, selbst wenn er Augen
hätt! Das macht, dieweil er senkrecht
steigt zu seinem Spiegel
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Die beiden Esel

Ein finstrer Esel sprach einmal zu
seinem ehlichen Gemahl: `Ich bin so
dumm, du bist so dumm, wir wollen
sterben gehen, kumm!` Doch wie es kommt
so öfter eben: Die b
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Bim, Bam, Bum

Ein Glockenton fliegt durch die
Nacht, als hätt` er Vogelflügel, er
fliegt in römischer Kirchentracht wohl
über Tal und Hügel. Er sucht die
Glockontönin BIM, die ihm v
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Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Anton bekehrt,
beschloß, samt Frau und Sohn, am
vegetarischen Gedanken moralisch sich
emporzuranken. Er aß seit jenem nur
noch dies: Seegras, Seero
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Igel und Agel

Ein Igel saß auf einem Stein und blies
auf einem Stachel sein. Schalmeiala,
schalmeialü! Da kam sein Feinslieb
Agel und tat ihm schnigel schnagel zu
seinen Melodein. Schnig
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Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt. Es
ist ein Knie, sonst nichts! Es ist kein
Baum! Es ist kein Zelt! Es ist ein Knie,
sonst nichts. Im Kriege ward einmal ein
Mann erschos
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Philantropisch

Ein nervöser Mensch auf einer
Wiese wäre besser ohne sie
daran; darum seh er, wie er ohne
diese (meistens mindestens) leben
kann. Kaum, daß er gelegt sich auf
die Gräser,
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Der Purzelbaum

Ein Purzelbaum trat vor mich hin und
sagte: `Du nur siehst mich und weißt,
was für ein Baum ich bin: Ich schieße
nicht, man schießt mich. Und trag ich
Frucht? Ich glaube kaum;
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Km 21

Ein Rabe saß auf einem Meilenstein und
rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein . .
. Der Werhund lief vorbei, im Maul ein
Bein, der Rabe rief Ka-em-zwei-ein,
zwei-ein. Vorübe
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Der Salm

Ein Rheinsalm schwamm den Rhein bis in
die Schweiz hinein. Und sprang den
Oberlauf von Fall zu Fall hinauf. Er
war schon weißgottwo, doch eines Tages
- oh! -
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Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der
Terrasse, auf daß er sich ein Opfer
fasse - und stürzt alsbald mit großem
Grimm auf einen Menschen namens
Schrimm. Paul Schrimm erwidert prom
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Der heroische Pudel

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar des
Abends noch wie Kohle war, betrübte
sich so höllenheiß, weil seine Dame
Flügel spielte, trotzdem er heulte:
daß (o Preis dem Schmerz, der
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Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf
nächtlichem Eis und träumte von
Liebe und Freude. Es war an dem
Stadtwall, und schneeweiß glänzten
die Stadtwallgebäude. Der Seufzer d
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Der Tanz

Ein Vierviertelschwein und eine
Auftakteule trafen sich im Schatten
einer Säule, die im Geiste Ihres
Schöpfers stand. Und zum Spiel der
Fiedelbogenpflanze reichten sich die
zwei zum Ta
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Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich von
Weib und Kind, und sich begab an eines
Dorfschullehrers Grab und bat ihn:
Bitte, beuge mich! Der Dorfschulmeister
stieg hinauf auf seine
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Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel saß auf einem
Kiesel Inmitten Bachgeriesel. Wißt
ihr weshalb? Das Mondkalb verriet es
mir Im Stillen: Das raffinier- te
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Der Würfel

Ein Würfel sprach zu sich: `Ich bin mir
selbst nicht völlig zum Gewinn! Denn
meines Wesens sechste Seite, und sei es
auch Ein Auge bloß, sieht immerdar,
statt in die Weite,
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Drei Hasen

Eine groteske Ballade Drei Hasen tanzen
im Mondschein im Wiesenwinkel am
See: Der eine ist ein Löwe, der andre
eine Möwe, der dritte ist ein Reh. Wer
fragt, d
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Unter Schwarzkünstlern

Eines Mittags las man: Pfiffe zu
mieten gesucht! Hundertweis, zu jedem
Preis! Victor Emanuel Wasmann! Um
sechs Uhr kam der erste Pfiff von einem
alten Kohlenschiff.
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Die Lämmerwolke

Es blökt eine Lämmerwolkeam blauen
Firmament,sie blökt nach ihrem
Volke,das sich von ihr getrennt.Zu Bomst
das Luftschiff `Gunther`vernimmt`s und
fährt emporund bri
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Die Zeit

Es gibt ein sehr probates Mittel, die
Zeit zu halten am Schlawittel: Man nimmt
die Taschenuhr zur Hand und folgt dem
Zeiger unverwandt, Sie geht so langsam
dann, so brav als
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Nachtbild

Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun -
(`Achtung! Hunde!`) Es horcht ein
Hofhund hinterm Zaun zur
mitternächtigen Stunde. Mit glühnden
Augen steht der Hund an einem
Möbelwagen
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Es ist Nacht

Es ist Nacht, und mein Herz kommt zu
dir, hält`s nicht aus, hält`s nicht
aus mehr bei mir. Legt sich dir auf die
Brust, wie ein Stein, sinkt hinein, zu
dem dei
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Die Fingur

Es lacht die Nachtalp-Henne, es weint
die Windhorn-Gans, os bläst der
schwarze Senne zum Tanz. Ein Uhu-Tauber
turtelt nach seiner Uhuin. Ein kleiner
Sechs-Elf hurtelt
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Die Beichte des Wurms

Es lebt in einer Muschel ein Wurm gar
seltner Art; der hat mir mit
Getusches sein Herze offenbart. Sein
armes kleines Herze, hei, wie das flog
und schlug! Ihr denket w
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Die Weste

Es lebt in Süditalien eine Weste an
einer Kirche dämmrigem Altar. Versteht
mich recht: Noch dient sie Gott aufs
beste. Doch wie in Adam schon Herr
Haeckel war, (zum Beispiel bloß), so
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Galgenbruders Frühlingslied

Es lenzet auch auf unserm Spahn, o
selige Epoche! Ein Hälmlein will zum
Lichte nahn aus einem Astwurmloche. Es
schaukelt bald im Winde hin Und
schaukelt bald drin her.
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Der Gaul

Es läutet beim Professor Stein. Die
Köchin rupft die Hühner. Die Minna
geht: Wer kann das sein? - Ein Gaul
steht vor der Türe. Die Minna wirft
die Türe zu. Die Köch
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Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,mit
Zwischenraum, hindurchzuschaun.Ein
Architekt, der dieses sah,stand eines
Abends plötzlich da -und nahm den
Zwischenraum herausund baut
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Der Papagei

Es war einmal ein Papagei, der war beim
Schöpfungsakt dabei und lernte gleich
am rechten Ort des ersten Menschen
erstes Wort. Des Menschen erstes Wort
war A und hieß fast
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Wie die Galgenlieder entstanden

Es waren einmal acht lustige Könige,
die lebten. Sie hießen aber so und so.
Wer heißt überhaupt? Man nennt ihn.
Eines Tages aber sprachen die lustigen
Könige zueinander, wie Könige
zueinander sprechen.
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Winternacht

Flockendichte Winternacht ... Heimkehr
von der Schenke ... Stilles
Einsamwandern macht, daß ich deiner
denke. Schau dich fern im dunklen
Raum ruhn in bleichen Linnen ...
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Genug oft

Genug oft, daß zwei Menschen sich
berühren, - nicht leiblich, geistig nur
- daß sie sich»sehn«, daß sie sich
einmal gegenüberstehn - um sich danach
vielleicht auf immer zu verlieren.
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Die Unterhose

Heilig ist die Unterhose, wenn sie sich
in Sonn und Wind, frei von ihrem
Alltagslose, auf ihr wahres Selbst
besinnt. Fröhlich ledig der
Blamage steter Souterränität,
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Rings um uns

Hier der Vogel, dort der Baum - Wie wir
neben ihnen leben! Wohl, verstehn` uns
selber kaum, Doch was mag sich dort
begeben! Wie viel Leben uns
umflutet, Unaufhörlich, ausgegossen!
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Zäzilie

IDas erste, des Zäzilie beflissen,ist
dies: sie nimmt von Tisch und Stuhl die
Bücherund legt sie Stück auf Stück,
wie Taschentücher,jeweils nach bestem
Wissen und Gewissen.
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Liebeslied

Ich bin eine Harfe Mit goldenen
Saiten, Auf einsamem Gipfel Über die
Fluren Erhöht. Du lass die Finger
leise Und sanft darübergleiten, Und
Melodien werden
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Wer denn?

Ich gehe tausend Jahre um einen kleinen
Teich, und jedes meiner Haare bleibt
sich im Wesen gleich, im Wesen wie im
Guten, das ist doch alles eins; so mag
uns Gott behu
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Berlin

Ich liebe dich bei Nebel und bei
Nacht, wenn deine Linien ineinander
schwimmen, - zumal bei Nacht, wenn deine
Fenster glimmen und Menschheit dein
Gestein lebendig macht. Was wüst
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Anto-logie

Im Anfang lebte, wie bekannt, als
größter Säuger der Gig - ant. Wobei
gig eine Zahl ist, die es nicht mehr
gibt, - so groß war sie! Doch jene
Größe schwand wie Rauch.
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Im Reich der Interpunktionen

Im Reich der Interpunktionen nicht
fürder goldner Friede prunkt: Die
Semikolons werden Drohnen genannt von
Beistrich und von Punkt. Es bildet sich
zur selben Stund e
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Das Huhn

In der Bahnhofhalle, nicht für es
gebaut, geht ein Huhn hin und her
... Wo, wo ist der Herr
Stationsvorsteh`r? Wird dem Huhn man
nichts tun? Hoffen wir es! Sagen wir es
laut
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Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt

Jaguar
Zebra
Nerz
Mandrill
Maikäfer
Pony
Muli
Auerochs
Wespenbär
Locktauber
Robbenbär
Zehenbär

(aus `Galgenlieder`)
Schauder

Jetzt bist du da, dann bist du
dort. Jetzt bist du nah, dann bist du
fort. Kannst du`s fassen? Und über eine
Zeit gehen wir beide die Ewigkeit dahin
- dorthin. Und was blieb?... K
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Das Hemmed

Kennst du das einsame Hemmed?
Flattertata, flattertata. Ders trug,
ist baß verdämmet! Flattertata,
flattertata. Es knattert und rattert im
Winde. Windurude
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Die Behörde

Korf erhält vom Polizeibüro ein
geharnischt Formular, wer er sei und wie
und wo, welchen Orts er bis anheute
war, welchen Stands und überhaupt, wo
geboren, Tag und Jahr.
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Das große Lalula

Kroklokwafzi?
Se¯eme¯i! Seiokrontro --
prafriplo: Bifzi, bafzi;
hulale¯i: quasti basti bo... Lalu
lalu lalu lalu la! Hontraruru
miromente zasku zes rü rü?
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Lunovis

Lunovis in planitie stat Cultrumque
magn` expectitat Lunovis. Lunovis
herba rapta it In montes, unde
cucurrit. Lunovis. Lunovis habet
somnium: Se cu
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Wahrnehmen

Man sieht oft etwas hundertmal, tausendmal,
ehe man es zum allererstenmal wirklich wahrnimmt.
Leere

Mein Herz ist leer, ich liebe dich nicht
mehr. Erfülle mich! Ich rufe
bitterlich nach dir. Im Traume
zeig dich mir und neig dich zu mir her!
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O ihr kleinmütig Volk

O ihr kleinmütig Volk, die ihr vom
Heute nicht loskommt, die ihr meint: so
ist es, war es und wird es sein, so
lange Menschen leben -. O würdet ihr
doch andrer Hoffnung Beute un
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Bundeslied der Galgenbrüder

O schauerliche Lebenswirrn, wir hängen
hier am roten Zwirn! Die Unke unkt, die
Spinne spinnt, und schiefe Scheitel
kämmt der Wind. O Greule, Greule,
wüste Greule! Du bist
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Der Nachtschelm und das Siebenschwein

oder Eine glückliche Ehe Der
Nachtschelm und das Siebenschwein, die
gingen eine Ehe ein, o wehe! Sie
hatten dreizehn Kinder, und davon war
eins der Schluchtenhund,
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Der Walfafisch

oder: Das Überwasser Das Wasser rinnt,
das Wasser spinnt, bis es die ganze Welt
gewinnt. Das Dorf ersäuft, die
Eule läuft, und auf der Eiche sitzt ein
Kind.
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Das Geburtslied

oder: Die Zeichen oder: Sophie und kein
Ende Ein Kindelein im Windelein heut
macht es noch ins Bindelein; doch um das
Haus o Graus o Graus da blasen böse
Windel
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Das Wasser

Ohne Wort, ohne Wort rinnt das Wasser
immerfort! andernfalls,
andernfalls spräch es doch nichts
andres als: Bier und Brot, Lieb und
Treu, - und das wäre auch nicht neu.
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Lärmschutz

Palmström liebt sich in Geräusch zu
wickeln, teils zur Abwehr wider fremde
Lärme, teils um sich vor drittem Ohr zu
schirmen. Und so läßt er sich um
seine Zimmer Wasserröhren
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Nein!

Pfeift der Sturm? Keift ein
Wurm? Heulen Eulen hoch vom
Turm? Nein! Es ist des
Galgenstrickes dickes Ende, welches
ächzte, gleich als ob
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Galgenkindes Wiegenlied

Schlaf, Kindlein, schlaf, am Himmel
steht ein Schaf; das Schaf, das ist aus
Wasserdampf und kämpft wie du den
Lebenskampf. Schlaf, Kindlein,
schlaf. Schlaf, Kindlein, schla
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Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid

Sophie, mein Henkersmädel, komm,
küsse mir den Schädel! Zwar ist mein
Mund ein schwarzer Schlund - doch du
bist gut und edel! Sophie, mein
Henkersmädel, kom
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Tapetenblume

Tapetenblume bin ich fein, kehr wieder
ohne Ende, doch, statt im Mai`n und
Mondenschein, auf jeder der vier
Wände. Du siehst mich immerdar
genung, so weit du blickst im St
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Das Weiblein mit der Kunkel

Um `stille Stübel schleicht des
Monds barbarisches Gefunkel - im
Gäßchen hoch im Norden wohnt`s, das
Weiblein mit der Kunkel. Es spinnt und
spinnt. Was spinnt es wohl? Es
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Schicksalsspruch

Unhemmbar rinnt und reißt der Strom der
Zeit,in dem wir gleich verstreuten
Blumen schwimmen,unhemmbar braust und
fegt der Sturm der Zeit,wir riefen kaum,
verweht sind unsre Stimmen.Ein
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Die Mitternachtsmaus

Wenn`s mitternächtigt und nicht
Mond noch Stern das Himmelshaus
bewohnt, läuft zwölfmal durch das
Himmelshaus die Mitternachtsmaus. Sie
pfeift auf ihrem kleinen Maul, - l
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Die Probe

Zu einem seltsamen Versuch erstand ich
mir ein Nadelbuch. Und zu dem Buch ein
altes zwar, doch äußerst kühnes
Dromedar. Ein Reicher auch daneben
stand, zween Säck
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Die beiden Flaschen

Zwei Flaschen stehn auf einer Bank, die
eine dick, die andre schlank. Sie
möchten gerne heiraten. Doch wer soll
ihnen beiraten? Mit ihrem Doppel-Auge
leiden sie auf zum bla
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Eine Stimmung aus dem vierten Kreis

Zwei Hände, die so weiß, so weiß als
wie ein schlohweiß Laken, vereinten
sich im vierten Kreis, während sie
sonst gewohnterweis in zwei verschiednen
Taschen staken. Sie
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Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und
alt unterhalten sich im Wald. Was
droben in den Wipfeln rauscht, das wird
hier unten ausgetauscht. Ein altes
Eichhorn sitzt dabei und str
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Die Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die
Nacht. Durch ihres Rumpfs verengten
Schacht fließt weißes Mondlicht still
und heiter auf ihren Waldweg u.
s. w. (aus `Gal
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Der Schaukelstuhl auf der verlassenen Terrasse

`Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl und
wackel im Winde,
im Winde. Auf der Terrasse, da ist
es kuhl, und ich wackel im Winde,

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Die Schildkrökröte

`Ich bin nun tausend Jahre alt und werde
täglich älter; der Gotenkönig
Theobald erzog mich im
Behälter. Seitdem ist mancherlei
geschehn, doch weiß ich nichts davon;
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Lieb ohne Worte

`Mich erfüllt Liebestoben zu dir!Ich
bin deinstals ob einstwir vereinigst.Sei
du meinst!Komm Liebchenstche zu mir -
ich vergehste sonstsehnsuchstgepeinigst.
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