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Gedichte - Christian Wernicke


Der Leichenspruch des Geizigen

Als einmal Marcus schlummernd saß Und
in dem Buch der Weisheit las Den
Spruch: »Wer einen Freund find`t findet
einen Schatz«. So rief er: Diesen
edeln Satz, Den wähl` ich mir zum
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An einen Hofmann

Aufrichtig und doch höflich
sein Stimmt selten mit einander
ein; Doch muß man dir dies Lob
zulegen: Du kannst dich wohl in beide
schicken, Bist höflich, wenn ich bin
zugegen,
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Auff die neue Fräuleinschafft

Dass mancher itzt heisst
Wollgebohren, Der erst die Schuh`,
hernach den Bahrt vor Lohn geputzt; Das
klingt was hart in meinen Ohren; Doch
wenn das Wort der Sache nutzt, So geb`
ich alles
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Buhlereien der Deutschen in Frankreich

Daß Frankreich uns pflegt zu
verwunden Durch Pulver, welches wir
erfunden, Daß es in Büchern uns
verlacht, Nachdem das Drucken wir
erdacht, Daß wir dort unser Geld
verschwenden,
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Auf die wunderbahre Wirckung des Gemüths

Daß ich heut Freuden-voll / bedachtsam
und gescheut Und morgen saur /
zerstört / und voller Traurigkeit
/ Und diß wie das ohn´Ursach
bin; Daß ich heut gantz gewiß gewinn
/ Und
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Auf die Fräuleinschaft

Daß mancher jetzt heißt
Wohlgeboren, Der erst die Schuh,
hernach den Bart vor Lohn geputzt; Das
klingt was hart in meinen Ohren; Doch
wenn das Wort der Sache nutzt, So geb
ich alle
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An Gaurus

Daß meinen Namen du durch bösen
Leumund1 kränkst, Und ich mich nicht
an dir auf andre Weise räche, Als daß
ich allezeit von dir viel Gutes
spreche, Gereichet mir zum Schimpf
mehr, als
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Dieselbe in Knittel-Versen

Dein Mann, nach dem wir Gestern
greulich Gesoffen, wurde sehr
verträulich; Und sagte mir im truncknen
Muht Was ihr im Bett`, und wie ihrs
thut. Er sagt`, er wolte nicht viel
fluchen,
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Aufschrifft eines Lusthauses

Der Faulheit nicht; der Ruh` allein:
Zwey Eingäng` hatt drum dieses Hauss,
Es führt der eine dich hienein,
Der andre weisst dich gleich heraus.
Auf Cäsars Ermordung

Der Mörderhaufe dringt so unversehns
herfür, Daß keine Rettung nicht, o
Cäsar, ist zu hoffen. Wer flieht?
Geist oder Leib? Dem steht kaum eine
Thür, Hingegen je
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Das Gerücht

Der Ruf ist selten ohne
Grund, Vergrößert er gleich alle
Sachen; Die Wahrheit öffnet ihm den
Mund Und lehret ihn die Lügen
machen; Er setzt, um mehr uns zu
betrügen, Zur
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Der Kriegsheld

Der saure Thraso schlägt durch bloßes
Ansehn wund: Ein schwarzer Stutzbart
ziert den aufgeschwollnen Mund; Er
trägt ein langes Schwert und ein dick
spanisch Rohr, Die Feder auf dem Hut,
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An Corinna

Die Briefe, die du läßt, Corinna, an
mich gehn, Bezeichnen mir dein ganzes
Wesen: Kaum kann ich, was du hast an
mich geschrieben, lesen und was ich
lesen kann, verstehen: Ich kenne
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Auf die Unterdrückung geschickter Leute

Die jetzt am Steuer-Ruder stehn / Und
an der Prinzten Seite gehn / Sind
meistens Leut´/ den sonst recht Zum
Vorzug giebt / als ihr Geschlecht; Die
gnug gelernt sich zu verstellen;
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An Amaryllis

Die Tugend wird zwar meist
verlacht; Doch deine theure Schönheit
macht, Daß jene man auch in dir
preist. Die Schönheit fällt zwar oft
in`s Netz; Doch deiner Tugend streng
Gesetz
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Warum zwei Augen?

Dieweil uns die Natur zwei Augen wollte
gönnen, Da man mit einem doch genugsam
sehen können, So fragt` Amyntas
mich, Warum dies sei geschehen. Du
sollst mit einem Aug`, antwortet` ich,
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An einen hungrigen Poeten

Dir bringt, o Jambus, nichts dein
Fleiß, Als eines Dichterlings
verwelktes Lorbeerreis; Selbst dein
Verleger giebt dir nichts, Und Adam`s
Fluch ist dir gedoppelt zugemessen: Du
muß
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Klugheit der Welt

Du hast den Seneca und Plato wohl
gelesen; Allein du kennest nicht der
Welt verkehrtes Wesen. Menalcas, glaub`,
es steckt viel Weisheit im Betrug,
Viel Wissenschaft in den Gebehrden.
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Das Bildniß

Du schminkst Gesicht und Brust mit
wohlgemischten Farben. Dies thut dein
Maler nicht; der stellt die Fleck` und
Narben Mit grobem Pinsel dar.
Mathilde, glaub`, es ist
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An einen Weltmann

Du sorgest, daß dein Ruhm auf Erden
nicht vergeh`, Und Jeder nennet dich
ein Wunder seiner Zeit. Wo aber bleibt
die Ewigkeit? Du bist der Rhone gleich,
die durch den Genfersee Erken
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An einen ungerathenen Sohn

Du wohlgeborner Bösewicht, Du maßest
dir zwar an der Ahnen hohe Ehre, Folgst
aber nicht, wie sie, der Tugend strenger
Lehre; Du kennest nur dein Recht, nicht
aber deine Pflicht. Ih
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Segen eines Bischoffs

Ein Bauer nam den Hutt nicht ab, Als man
dem Volck den Segen gab; Wie nun der
Bischoff dieses schaute, Und mit der
Kirchenbuss` ihm draute, So sagt` er:
Ist der Segen gutt, So geht
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Beicht-Frage

Einst kam ein schönes Kind zur
Beicht´ Von Sünden schwer, von Jahren
leicht; Sie fiel sogleich auf ihre
Knie, Entdeckte, was sie drückt, mit
angenehmen Klagen, Und gab bescheiden
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Buße

Es fand sein zartes Weib ein Ehmann in
Gefahr Und wollte, weil es so zu Rom
gebräuchlich war, Aus großer Liebe
sich bequemen, Die Ruthenstreich` ihr
abzunehmen, Die in der Beicht`
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Schweigen und Reden

Es hat ein jeder Mensch mehr Fehler zu
verstecken, Als er Geschicklichkeit der
Welt hat zu entdecken; Drum kommt der
immer besser an, Wer schweigen, als wer
reden kan. Denn weil sich jen
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Almosen

Es reicht der Armuth Hand das beste
Bettelbrot; Wer selbst in Drangsal,
hilft am rühmlichsten aus Noth, Und
der wird meist von Gott geliebt, Der,
weil er Andern giebt, die Hände selbst
l
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Der Spieler

Gerontes hält nichts auf sein Amt Und
denkt nur, wie er insgesammt Im Spiel
die Spieler mög` entkräften, Und
macht Betrug zu seinem Ziel. Er spielet
nur mit den Geschäften,
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Herr von Günther

Herr von Günther
Läuft im Winter
Gerne Schlittschuh
Auf dem Eis,
Denn im Sommer
Ist`s zu heiß.
An unsere Poeten

Ihr Dichter, wenn ein Vers aus eurer
Feder quillt, Um eure Phyllis zu
bedienen, So zeigt sich gleich ein
»Marmorbild«, Ihr Aug` ist von
»Achat«, die Lippen sind
»Rubinen«, Die
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An unsere teutschen Poeten

Ihr Teutschen wenn die Lieb aus eurer
Feder quillt / Ihr eure Buhlschafft
wollt mir eurem Vers bedienen / So
krieg man gleich zu sehn / ein
marmor-weisses Bild; Ihr Aug ist von
Achat / die
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Alexander

Ja, eine Welt war ihm zu wenig, Und
Alexander wollte König Noch über
mehr, als eine, sein; Drum setzte der
gekrönte Zecher Sich oft bei Herkuls
trunknem Becher Und trank1 d
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An Melintes

Laß auf Verfolgung nicht sich ändern
deine Triebe, Noch sich in Zorn und
Haß verkehren Gunst und Liebe; Thu`
jetzt mit Vorsatz Das, was erstlich
Neigung war, Und mache durch Geduld die
U
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An einen Splitterrichter

Magst du, was meine Fehler sind, Von
meinem Feinde gerne hören, So laß
auch meinen Freund dich lehren, Was man
bei mir für Tugend find`t; Spricht man
dort übel ohne Maaße,
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Almosen und Geschenke

Man nennet ein Geschenk, was2 Arme
Reichen geben, Und Gottesgabe, was von
diesen jene3 heben; Doch Alles ist dem
Geizhals gleich: Gieb ihm, was auch das
Ding für einen Namen habe, E
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Der Wucherer

Man sagt, daß Spurius an seinen Gott
nicht denket; Doch irrt man, weil er
ihm sein ganzes Herz geschenket, Weil
er ihn brunstig liebt und stets vor
Augen hält. –
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Schuldner oder Gläubiger?

Manch ungehobelt Holz wird zum Merkur
gemacht, Weil mancher theure Mann, aus
aller Höfling` Acht, Sich sonst bei
keinem Maaß, als seinem Schatten
mißt. Viel hebt das Glück empor, Viel`

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Der sichere Spieler

Rebuff ist gutes Muths; er weiß ein
Meisterstück, Wodurch er seinen Zorn
an seinem Unglück kühlet: Das
Glück betrüget ihn, weil er viel Geld
verspielet, Und er
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Sicherheit im Glück

Sag` einem, der erfreut dem Glück im
Schooße lieget, Daß dessen Stille
stets die Sicherheit betrüget, Daß es
uns, ehe wir es recht erkannt,
verläßt; Er höret dich nicht mehr,
denn jung
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Claudite jam rivos etc.

Schließt eure klaren Bäch`, ihr Musen!
es ist Zeit; In Deutschland find` ich
euch von keiner Nutzbarkeit. Hätt` ich
gelernt, wie man im Felde sich läßt
schlagen, So hätt` ich schon vi
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An einen Tagelöhner der Verleger

Schreib` eilends; denn es steht der
Drucker vor der Thür Und bringt
gespartes Geld für dein verschwend`t
Papier; Ein jeder Bogen gilt zwei
Thaler, find gleich nicht Die Worte,
wie das Gol
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Auf den Thrax

Thrax denckt wer hochdeutsch spricht /
der müß notwendig lügen/ Daß / der
so höflich ist / ihn suche zu
betrügen; Er denckt, daß die
Bescheidenheit Der Feigheit Zeichen sey
/ und gie
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Der Scheinheilige

Thrax spricht, wenn ich ihn
unbewacht Bei einer schönen Thais
finde, Sein Amt hab` ihn hieher
gebracht, Um sie von ihrer schnöden
Sünde Durch seinen treuen
Unterricht Gewis
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Alte und neue Zeit

Wenn man der alten Zeit Geschichte
fleißig liest Und was jetzt im
Gebrauch, nicht läßt aus seiner
Hut, So ist die alte Zeit, sowie die
neue, gut; Man lernt, wenn man
bedachtsam ist,
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Amaryllis Bildniß

Wie eine Venus einst kam aus der Muschel
her, So steigt die andre hier aus
ihres Malers Schalen, – So gleich,
daß Keiner nicht sie gleicher könnt`,
als er, Und a
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Schiffahrt des Lebens

Wir irren auf der See der Welt, Weil
eine Flut die andre schwellt, Kein
Vorgebirg erscheint zur Rechten noch zur
Linken; Wir sein der Wellen
Gaukelspiel, Süd, Ost, Nord, West gilt
uns g
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Cato

Zwei herrschten über Rom, nicht aber
über dich; Vor Cäsars Stahl trug
Rom, der Tod vor deinem Scheu; Du
starbst, wie du gelebt. Die Freiheit
duldet Zwei; Ein Frei
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