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Gedichte - Conrad Ferdinand Meyer


Mit zwei Worten

Am Gestade Palästinas, auf und nieder,
Tag um Tag, `London?` frug die
Sarazenin, wo ein Schiff vor Anker
lag. `London!` bat sie lang vergebens,
nimmer müde, nimmer zag, Bis zuletzt an
Bord s
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Gespenster

Am Horizonte glomm des Abends Feuer Ich
stieg, indes die Purpurglut
verblich, Zum Römerturm empor und
lehnte mich Randüber auf das dunkelnde
Gemäuer - Und sah, wie sich am Hang
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Die Gaukler

Am Strande des Gelobten Lands Im glühen
Stich des Sonnenbrands Kämpft Ludowig
der Fromme; Er trägt in sich des Todes
Keim, Ihm ahnt es, dass er nimmer
heim Ins schöne Frankreic
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Allerbarmen

An dem Bauernhaus vorüber Schritt ich
eilig, weil mir grauste, Weil im dumpfen
Hof ein trüber, Brütender Kretine
hauste. Schaudernd warf ich einen
halben Blick in seinen
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Die kleine Blanche

An dem kleinen Hofe von Navarra War das
Leben eine lose Fabel, Eine drohnde oder
heitre Maske Eine überraschende
Novelle, Ein phantastisch wahrheitsloses
Schauspiel. - Der am Hofe
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Die Ampel

An des Jahres Wende sprach ich:
Muse, Keiner Mutter Hand beschert mich!
Gib mir Du mein Angebinde, Muse! fleht
ich. In die Kammer, lauschend von dem
Lager, Sah ich bald der Schwestern ei
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Vor der Ernte

An wolkenreinem Himmel geht Die blanke
Sichel schön, Im Korne drunten wogt und
weht Und rauscht und wühlt der
Föhn. Sie wandert voller
Melodie Hochüber durch das Land,
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Das heilige Feuer

Auf das Feuer mit dem goldnen
Strahle Heftet sich in tiefer
Mitternacht Schlummerlos das Auge der
Vestale, Die der Göttin ewig Licht
bewacht. Wenn sie schlummerte, wenn sie
entsc
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Auf dem Canal grande

Auf dem Canal grande betten Tief sich
ein die Abendschatten, Hundert dunkle
Gondeln gleiten Als ein flüsterndes
Geheimnis. Aber zwischen zwei
Palästen Glüht herein die Ab
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Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend
gießt Er voll der Marmorschale
Rund, Die, sich verschleiernd,
überfließt In einer zweiten Schale
Grund; Die zweite gibt, sie wird zu
reich, Der
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Hochzeitslied

Aus der Eltern Macht und Haus Tritt die
züchtge Braut heraus An des Lebens
Scheide - Geh und lieb und
leide! Freigesprochen, unterjocht, Wie
der junge Busen pocht Im
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Vor einer Büste

Bist du die träumende Bacche? Der Sterblichen lieblichste bist du!
Still in den Winkeln des Munds lächelt ein grausamer Zug.
Der Botenlauf

Blicke gen Himmel gewandt, gebreitete
flehende Arme! Murmeln und schallender
Ruf kniender Mädchen und
Fraun `Götter, beflügelt den Boten!
Entscheidung lieber als Bangnis! Seit
sich d
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Camoëns

Camoëns, der Musen Liebling, Lag
erkrankt im Hospitale. In derselben
armen Kammer Lag ein Schüler aus
Coimbra, Ihm des Tages Stunden
kürzend Mit unendlichem Geplauder.
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Friede auf Erden

Da die Hirten ihre Herde ließen und des
Engels Worte trugen durch die enge
Pforte zu der Mutter und dem Kind fuhr
das himmlische Gesind fort, im
Sternenraum zu singen, fuhr
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Das Ende des Festes

Da mit Sokrates die Freunde tranken Und
die Häupter auf die Polster sanken, Kam
ein Jüngling, kann ich mich
entsinnen, Mit zwei schlanken
Flötenbläserinnen. Aus den Kelchen sc
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Das Heute

Das Heut ist einem jungen Weibe
gleich. Schlag Mitternacht wird ihm die
Wange bleich. Es schaudert. Einen vollen
Becher fasst Es gierig noch und
schlürft in toller Hast. Der üpp
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Die alte Brücke

Dein Bogen, grauer Zeit entstammt Steht
manch Jahrhundert ausser Amt; Ein neuer
Bau ragt über dir: Dort fahren sie! Du
feierst hier. Die Strasse, die getragen
du, Deckt Wuc
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Der Daxelhofen

Den Hauptmann Daxelhofen Bestaunten in
der Stadt Paris Die Kinder und die
Zofen Um seines blonden Bartes Vliess
- Prinz Condé zog zu Felde, Der
Hauptmann Daxelhofen auch, Da
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König Etzels Schwert

Der Kaiser spricht zu Ritter Hug: `Du
hast für mich dein Schwert
verspellt, Des Eisens ist bei mir
genug, Geh, wähl dir eins, das dir
gefällt!` Hug schreitet durch den
Waffensa
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In Harmesnächten

Die Rechte streckt ich schmerzlich
oft In Harmesnächten Und fühlt
gedrückt sie unverhofft Von einer
Rechten - Was Gott ist, wird in
Ewigkeit Kein Mensch ergründen,
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Don Fadrique

Don Fadrique bringt ein Ständchen Der
possierlichen Pepita: `Liebchen, strecke
durch die Türe Deines Füsschen Spitze
nur!` Und die drollige Pepita Streckt
durch eine schm
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Dämmergang

Du lebst meerüber In blauer Ferne Und
du besuchst mich Beim ersten
Sterne. Ich mach im Felde Die
Dämmerrunde, Umbellt, umsprungen Von
meinem Hunde.
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Jetzt rede du!

Du warest mir ein täglich
Wanderziel, Viellieber Wald, in dumpfen
Jugendtagen, Ich hatte dir geträumten
Glücks so viel Anzuvertraun, so wahren
Schmerz zu klagen. Und wieder suc
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Das Auge des Blinden

Durch das Marktgedräng von Namur Stelzt
ein armer narbger Krüppel. `Leute,
bringt mich zu Don Juan!, `Schweigst du
wohl! Da ist Don Juan!` `Schweigst du
wohl, blick auf! da ist
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Das Geisterross

Durch den dreigeteilten Bogen, Des
Triumphes prangend Tor, Durch die lauten
Menschenwogen Dort zum Kapitol
empor Lenkt den Tanz der weissen
Pferde Cäsars lässige Gebärde.
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Der Berg der Seligkeit

Ein Bergesrücken stillbesonnt, Allum
der duftge Horizont! - Hier sass der
Christ und rings im Kreis Die Galiläer,
stufenweis Gelagert, auf den steilen
Triften. Der Meister lobt`
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Das bittere Trünklein

Ein betrogen Mägdlein irrt im
Walde, Flieht den harten Tag und sucht
das Dunkel, Wirft auf eine Felsenbank
sich nieder Und beginnt zu weinen
unersättlich. In den wettermürben S
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Die zwei Reigen

Ein Cherub schritt das Tal empor Und
schlug das Volk mit Schwert und
Pest, Hinsank der halbe Jugendflor - Die
Schwalbe kehrt und baut das
Nest. Brautführer will der Frühling
sei
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Erntegewitter

Ein jäher Blitz. Der Erntewagen
schwankt. Aus seinen Garben fahren
Dirnen auf Und springen schreiend in die
Nacht hinab. Ein Blitz. Auf einer
goldnen Garbe thront Noch unvertrieben
eine
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Frau Agnes und ihre Nonnen

Ein Klosterhof, ein Lenzestag! Ein
schwarzer Lindenschatten, Wo der
gekrönte Habsburg lag Erstochen auf den
Matten. Frau Agnes, die gestrenge
Frau Des Vaters Blut zu räche
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Schillers Bestattung

Ein ärmlich düster brennend
Fackelpaar, das Sturm Und Regen jeden
Augenblick zu löschen droht. Ein
flatternd Bahrtuch. Ein gemeiner
Tannensarg Mit keinem Kranz, dem
kargsten nicht, und kein
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Nach der ersten Bergfahrt

Einem jungen Mädchen Liebes Kind, du
bist gemagert, bist verbrannt von
Mittagssonnen Deine Wangen blühen
frischer, wuschest dich an kühlen
Bronnen Wie du schreitest, schlank und
krä
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Eppich

Eppich, mein alter Hausgesell Du bist
von jungen Blättern hell Dein
Wintergrün, so still und
streng Verträgt sichs mit dem
Lenzgedräng? - `Warum denn nicht? Wie
meines hat
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Das Glöcklein

Er steht an ihrem Pfühl in herber
Qual, Den jungen Busen muss er keuchen
sehn - Er ist ein Arzt. Er weiss, sein
traut Gemahl Erblasst, sobald die
Morgenschauer wehn. Sie hat gesc
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Hussens Kerker

Es geht mit mir zu Ende, Mein Sach und
Spruch ist schon Hoch über
Menschenhände Gerückt vor Gottes
Thron, Schon schwebt auf einer
Wolke, Umringt von seinem
Volke, Entgegen
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Das tote Kind

Es hat den Garten sich zum Freund
gemacht, Dann welkten es und er im
Herbste sacht, Die Sonne ging, und es
und er entschlief, Gehüllt in eine
Decke weiss und tief. Jetzt ist der
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Alle

Es sprach der Geist: Sieh auf! Es war im
Traume. Ich hob den Blick. In lichtem
Wolkenraume Sah ich den Herrn das Brot
den zwölfen brechen Und ahnungsvolle
Liebesworte sprechen. Weit üb
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Die Felswand

Feindselig, wildzerrissen steigt die
Felswand. Das Auge schrickt zurück.
Dann irrt es unstät Daran herum. Bang
sucht es, wo es hafte. Dort! über einem
Abgrund schwebt ein Brücklein W
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Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen
werde Der Herbst! Kein Ast, der seiner
Frucht entbehrte! Tief beugt sich
mancher allzu reich beschwerte, Der
Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.
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Papst Julius

Halb vom Hades schon bezwungen, Von
Lemuren schon umschwebt, Hat er doch
sich losgerungen - Sieh, er atmet! Sieh,
er lebt! Hinter seinen greisen
Brauen Flammts! Jetzt langt er nach
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Die Söhne Haruns

Harun sprach zu seinen Kindern Assur,
Assad, Scheherban: `Söhne, werdet ihr
vollenden, was ich kühnen Muts
begann? Seit ich Bagdads Thron
bestiegen, bin von Feinden ich
umgeben! Wie befestig
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Der Rappe des Comturs

Herr Konrad Schmid legt` um die
Wehr, Man führt` ihm seinen Rappen
her: `Den Zwingli lass ich nicht im
Stich, Und kommt ihr mit, so freut es
mich.` Da griffen mit dem Herren wert
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Ewig jung ist nur die Sonne

Heute fanden meine Schritte mein
vergessnes Jugendtal, Seine Sohle lag
verödet, seine Berge standen
kahl. Meine Bäume, meine Träume, meine
buchendunkeln Höhn - Ewig jung ist nur
die Sonne,
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Mit einem Jugendbildnis

Hier - doch keinem darfst dus
zeigen, Solche Sanftmut war mir
eigen, Durfte sie nicht lang
behalten, Sie verschwand in harten
Falten, Sichtbar ist sie nur
geblieben Dir und denen,
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Hohe Station

Hoch an der Windung des Passes bewohn
ich ein niedriges Berghaus - Heut ist
vorüber die Post, heut bin ich oben
allein.. Lehnend am Fenster belausch ich
die Stille des dämmernden Abends Ring
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Die Bank des Alten

Ich bin einmal in einem Tal
gegangen, Das fern der Welt, dem Himmel
nahe war, Durch das Gelände seiner
Wiesen klangen Die Sensen rings der
zweiten Mahd im Jahr. Ich schritt durch
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Brautgeleit

Ich sehe dich, den Kranz im Haar Die zur
Vermählung schreitet Von einer jungen
Genienschar Umjubelt und begleitet. Ein
kleines Heer, ein feines Heer Sind alles
deine Schwes
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Galaswinte

Im Saale jubelt Hochzeit - Die Arme vor
dem Busen Kreuzt Fredegund in Demut, Des
Königs listge Buhlin: `Ich bin die Magd
und leuchte Dem Bräutchen auf die
Kammer!` Die Alab
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Der tote Achill

Im Vatikan vor dem vergilbten
Marmorsarg,Dem ringsum
bildgeschmückten, träumt ich heute
lang,Betrachtend seines feinen Zierats
üppgen Kranz:Thetis entführt den Sohn,
den Rufer in der Schla
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Kaiser Friedrich der Zweite

In den Armen seines
Jüngsten Phantasiert der sieche
Kaiser, An dem treuen Herzen
Manfreds Kämpft er seinen
Todeskampf. Mit den geisterhaften
blauen Augen starrt er in die
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Abendrot im Walde

In den Wald bin ich geflüchtet, Ein zu
Tod gehetztes Wild, Da die letzte Glut
der Sonne Längs den glatten Stämmen
quillt. Keuchend lieg ich. Mir zu
Seiten Blutet, siehe,
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In der Sistine

In der Sistine dämmerhohem Raum, Das
Bibelbuch in seiner nervgen Hand, Sitzt
Michelangelo in wachem Traum, Umhellt
von einer kleinen Ampel Brand. Laut
spricht hinein er in die Mi
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Hugenottenlied

In die Schule bin ich gangen Bei dem
Meister Hans Calvin Lehre hab ich dort
empfangen: Vorbestimmt ist alles
ewighin! Jeder volle Wurf im
Würfelspiele, Jeder Diebestritt auf
Liebc
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Alles war ein Spiel

In diesen Liedern suche du Nach keinem
ernsten Ziel! Ein wenig Schmerz, ein
wenig Lust, Und alles war ein
Spiel. Besonders forsche nicht
danach, Welch Antlitz mir gefiel,
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Flut und Ebbe

In einem fernen, umbrandeten
Land Spielen die Mädchen ein Spiel an
dem Strand Schreiten im Reigen, heiter
gesinnt, Wann zu steigen die Flut
beginnt Weichen zurück in gemessner
Flucht
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Der schöne Tag

In kühler Tiefe spiegelt sich Des
Juli-Himmels warmes Blau, Libellen
tanzen auf der Flut, Die nicht der
kleinste Hauch bewegt. Zwei Knaben und
ein ledig Boot - Sie sprangen
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Himmelsnähe

In meiner Firne feierlichem Kreis Lagr
ich an schmalem Felsengrate hier, Aus
einem grünerstarrten Meer von
Eis Erhebt die Silberzacke sich vor
mir. Der Schnee, der am Geklüfte h
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Auf Goldgrund

Ins Museum bin zu später Stunde heut
ich noch gegangen, Wo die Heilgen, wo
die Beter Auf den goldnen Gründen
prangen. Dann durchs Feld bin ich
geschritten Heisser Abendglu
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Alte Schrift

Jüngst verlockt` es mich im
Abendglimmen, Zum Lombardenturm
emporzuklimmen, Dem verschollnen
Herrscher hier im Gaue, Der die Ferne
noch beherrscht, die blaue. In den
Mauern bin i
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Ihr Heim

Lang vorüber ging ich den Gehegen, Drin
der Giebel deines Heimes ragt, Dieser
Pforte, diesen Schattenwegen! Wer da
wohne, hab ich nicht gefragt. Wer da
wohne Hinter einer dunkeln
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Fingerhütchen

Liebe Kinder, wisst ihr wo Fingerhut zu
Hause? Tief im Tal von Acherloo Hat er
Herd und Klause; Aber schon in jungen
Tagen Muss er einen Höcker tragen; Geht
er, wunderlicher
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Hirtenfeuer

Liessest unter uns dich nieder, Liebe,
liebenswerte Frau, Aber heute ziehst du
wieder, Wie die Sterne ziehn im
Blau. Siehst den Abendstern du
blinken Dort vor seinem Unterga
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Ich würd es hören

Läg dort ich unterm Firneschein Auf
hoher Alp begraben, Ich schliefe mitten
im Juchhein Der wilden Hirtenknaben. Wo
sonst ich lag im süssen Tag, Läg ich
in dunkeln Decken
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Eingelegte Ruder

Meine eingelegten Ruder triefen, Tropfen
fallen langsam in die Tiefen. Nichts,
das mich verdross! Nichts, das mich
freute! Niederrinnt ein schmerzenloses
Heute! Unter mir -
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Das begrabene Herz

Mich denkt es eines alten Traums. Es war
in meiner dumpfen Zeit, Da junge
Wildheit in mir gor. Bekümmert war die
Mutter oft. Da kam einmal ein schlimmer
Brief - Was er enthielt, e
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Begegnung

Mich führte durch den Tannenwald Ein
stiller Pfad, ein tief verschneiter, Da,
ohne dass ein Huf gehallt, Erblickt ich
plötzlich einen Reiter. Nicht
zugewandt, nicht abgewandt,
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Am Himmelstor

Mir träumt`, ich komm ans
Himmelstor Und finde dich, die
Süsse! Du sassest bei dem Quell
davor Und wuschest dir die Füsse. Du
wuschest, wuschest ohne Rast Den
blendend we
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Die Fei

Mondnacht und Flut. Sie hängt am
Kiel Umklammert mit den Armen ihn, Sie
treibt ein grausam lüstern Spiel, Den
Nachen in den Grund zu ziehn. Der Ferge
stöhnt: `In Seegesträuch
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Möwenflug

Möwen sah um einen Felsen kreisen Ich
in unermüdlich gleichen Gleisen, Auf
gespannter Schwinge schweben
bleibend, Eine schimmernd weiße Bahn
beschreibend, Und zugleich in grünem
Meer
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Ja

Nach einer alten Skizze Als der Herr
mit mächtger Schwinge Durch die neue
Schöpfung fuhr, Folgten in gedrängtem
Ringe Geister seiner Flammenspur. Seine
schönsten
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Mein Jahr

Nicht vom letzten Schlittengleise bis
zum neuen Flockentraum zähl ich auf der
Lebensreise den erfüllten
Jahresraum. Nicht vom ersten frischen
Singen, das im Wald geboren i
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Die Dryas

O Liebe, wie schnell verrinnest du, Du
flüchtige, schöne Stunde, Mit einer
Wunde beginnest du Und endest mit einer
Wunde. Ein Jüngling irrt im
Waldesraum, Umspielt von go
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Bettlerballade

Prinz Bertarit bewirtet Veronas
Bettlerschaft Mit Weizenbrot und Kuchen
und edlem Traubensaft. Gebeten ist ein
jeder, der sich mit Lumpen deckt, Der,
heischend auf den Brücken der Etsch,
die
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Weihnacht in Ajaccio

Reife Goldorangen fallen sahn wir heute,
Myrte blühte, Eidechs glitt entlang der
Mauer, die von Sonne glühte. Uns zu
Häupten neben einem morschen Laube flog
ein Falter - Keine herbe
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Aus der Höhe

Schreitend meinen Höhenpfad, Seh ich,
statt lebendger Flut, Unter mir des
Eises Flur, Drauf der Wettlauf
Tausender Unermüdlich sich
ergötzt. Horch! Ein dunkel Geisterlied
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Ein Lied Castelards

Sehnsucht ist Qual! Der Herrin wag ichs
nicht zu sagen Ich wills den dunkeln
Eichen klagen Im grünen Tal: Sehnsucht
ist Qual. Mein Leib vergeht Wie
schmelzend Eis in
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Abendwolke

So stille ruht im Hafen Das tiefe Wasser
dort, Die Ruder sind entschlafen, Die
Schifflein sind im Port. Nur oben in
dem Äther Der lauen Maiennacht Dort
segelt noch ei
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Das Gemälde

Trüb brennt der Schenke
Kerzenlicht, Der Wirtin junges
Angesicht, Ermüdet,
schlummertrunken, Nickt auf die Brust
gesunken, Denn schon ist Mitternacht
vorbei. Am Schiefertische sp
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Schwüle

Trüb verglomm der schwüle
Sommertag, Dumpf und traurig tönt mein
Ruderschlag - Sterne, Sterne - Abend ist
es ja - Sterne, warum seid ihr noch
nicht da? Bleich das Leben! Bleich
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Der Hengert

Vater Lucas sprach beim
Frühstück: `Heute, Herr, ist hier ein
Hengert!` Und ich fragte: `Was ist
Hengert?` Mich belehrte Vater
Lucas: `Hengert, Herr, bedeutet
Reigen, Ball und Sp
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Der sterbende Cromwell

Vor der Königsburg in nächtger
Stunde Knickt der Tod die Eichen in die
Runde, Drinnen sucht er dann ein zäher
Leben Aus den Wurzeln allgemach zu heben
- Whitehall ist Cromwells Sterbe
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Das Heiligtum

Waldnacht. Urmächtge Eichen, unter
die Des Blitzes greller Strahl
geleuchtet nie! Dämmernde Wölbung, Ast
in Ast verwebt Von keines Vogels
Lustgeschrei belebt! Ein brütend
Schweigen,
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Cäsar Borjas Ohnmacht

Wer bin ich? Einer, welcher
unterging, Den Kranz im Haar, den Becher
in der Faust, Mit einem herkulanischen
Gelag Von einem ungeheuren Sturz
bedeckt? Ich weiss den Becher nur und
meinen
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Einer Toten

Wie fühl ich heute deine Macht, Als ob
sich deine Wimper schatte Vor mir auf
diesem ampelhellen Blatte Um
Mitternacht! Dein Auge sieht Begierig
mein entstehend Lied.
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Ein bisschen Freude

Wie heilt sich ein verlassen Herz, Der
dunkeln Schwermut Beute? Mit
Becher-Rundgeläute? Mit bitterm Spott?
Mit frevlem Scherz? Nein. Mit ein
bisschen Freude! Wie flicht sic
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Firnelicht

Wie pocht` das Herz mir in der
Brust Trotz meiner jungen
Wanderlust, Wann, heimgewendet, ich
erschaut Die Schneegebirge, süss
umblaut, Das grosse stille
Leuchten! Ich atmet
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Die Füße im Feuer

Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte
steht ein Turm. Der Donner rollt. Ein
Reiter kämpft mit seinem Ross, Springt
ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein
Mantel saust Im Wind. Er hält den
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Chor der Toten

Wir Toten, wir Toten sind größere
Heere Als ihr auf der Erde, als ihr auf
dem Meere! Wir pflügten das Feld mit
geduldigen Taten, Ihr schwinget die
Sicheln und schneidet die Saaten, Un
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Göttermahl

Wo die Tannen finstre Schatten
werfen Über Hänge
goldbesonnt, Unverwundet von der Firne
Schärfen Blaut der reine Horizont, Wo
das Spiel den rastlos wehnden
Winden Kein Ge
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Bacchus in Bünden

Wo stürzend aus rätischen Klüften der
Rhein Um silberne Hüften sich gürtet
den Wein Ziehn paukende Masken mit
Zimbelgeläut `Du Traube von Trimmis,
dich wimmeln wir heut!` Si
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Burg `Fragmirnichtnach`

Wo weiss die Landquart durch die Tannen
schäumt, Irrt unbekümmert ich um Weg
und Zeit, Da stand ein grauer Turm, wie
hingeträumt In ungebrochne
Waldeseinsamkeit. Ich sah mich um und f
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Der Gesang des Meeres

Wolken, meine Kinder, wandern
gehen wollt ihr? Fahret wohl! Auf
Wiedersehen! Eure wandellustigen
Gestalten kann ich nicht in Mutterbanden
halten. Ihr langweilet euch auf meinen
Wo
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Hesperos

Über schwarzem Tannenhange Schimmerst
mir zum Abendgange, Eine Liebe fühl ich
neigen Sich in deinem
Niedersteigen, Unbemerkt bist du
gekommen, Aus der blassen Luft
entglommen.
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Der Blutstropfen

Zur Zeit der Lese wars im
Winzerhaus. Des Herdes goldne Flamme
prasselte, Die Fensterscheiben
überhauchten sich Und draussen scholl
das Evoe geisterhaft Aus Nebeldämmer.
Becher klangen
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Conquistadores

Zwei edle Spanier halten Wacht Und einer
spricht zum andern: `Señor, mir
deucht, der Teufel lacht, Wie wir ins
Leere wandern! Das Segel bauscht, es
rauscht der Kiel, Noch keines
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Zwei Segel

Zwei Segel erhellend Die tiefblaue
Bucht! Zwei Segel sich schwellend Zu
ruhiger Flucht! Wie eins in den
Winden Sich wölbt und bewegt, Wird auch
das Empfinden De
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Fiebernacht

`Berggeist, ich höre deine Ströme
rauschen - Gib mir Gehör! Wir wollen
Rede tauschen! Du von der Firn und aus
der Gletscher Kühle, Ich aus der engen
Krankenkammer Schwüle! Du weisst
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Das Joch am Leman

`Die einen liegen tot mit ihren
Wunden, Die andern treiben wir daher
gebunden! Den Römeraar der
Zwillingslegion, Im Männerkampf, im
Rossgestampf entrissen Der eingegarnten
Wölfin scha
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Die drei gemalten Ritter

`Frau Berte, hört: Ihr dürftet nun Mir
einmal einen Gefallen tun!` `Was denkt
Ihr, Graf? Wohin denket Ihr? Vor den
drei gemalten Rittern hier?` Drei
Ritter prahlen auf de
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Die Schlittschuhe

`Hör, Ohm! In deiner Trödelkammer
hangt Ein Schlittschuhpaar, danach mein
Herz verlangt! Von London hast du einst
es heimgebracht, Zwar ist es nicht nach
neuster Art gemacht, Doch dama
... weiterlesen


Das Goldtuch

`Ihr Mägde; schaut, was ihr im Schreine
habt! Nicht darfst du mir von hinnen
unbegabt, Mein blondgelockter Enkel, der
mir bot Mit priesterlichen Händen Gott
im Brot!` Mathilde s
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Der Mönch von Bonifazio

`Korsen, löst des Portes Ketten! Jede
Hoffnung ist verschwunden! Nirgend weht
ein rettend Segel! Gebt Euch! Pfleget
eure Wunden! Genua, euer hats
vergessen! Spähet aus von eurem Riffe!
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Einsiedel

`Was pocht mir an das Fenster? Was
klopft an meine Tür so laut?` - `Ich
bin ein junger Wildfang Und nass bis auf
die Haut. Ich bin der Gerold
Wendel, Wir ziehen an den Hof
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