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Gedichte - Conrad Ferdinand Meyer

Mit zwei Worten

Am Gestade Palästinas, auf und nieder, Tag um Tag,
`London?` frug die Sarazenin, wo ein Schiff vor Anker lag.
`London!` bat sie lang vergebens, nimmer müde, nimmer zag,
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Gespenster

Am Horizonte glomm des Abends Feuer
Ich stieg, indes die Purpurglut verblich,
Zum Römerturm empor und lehnte mich
Randüber auf das dunkelnde Gemäuer -

Und sah, wie ... weiterlesen


Die Gaukler

Am Strande des Gelobten Lands
Im glühen Stich des Sonnenbrands
Kämpft Ludowig der Fromme;
Er trägt in sich des Todes Keim,
Ihm ahnt es, dass er nimmer heim
... weiterlesen


Allerbarmen

An dem Bauernhaus vorüber
Schritt ich eilig, weil mir grauste,
Weil im dumpfen Hof ein trüber,
Brütender Kretine hauste.

Schaudernd warf ich einen halben
Blick ... weiterlesen


Die kleine Blanche

An dem kleinen Hofe von Navarra
War das Leben eine lose Fabel,
Eine drohnde oder heitre Maske
Eine überraschende Novelle,
Ein phantastisch wahrheitsloses Schauspiel. -
... weiterlesen


Die Ampel

An des Jahres Wende sprach ich: Muse,
Keiner Mutter Hand beschert mich! Gib mir
Du mein Angebinde, Muse! fleht ich.
In die Kammer, lauschend von dem Lager,
Sah ich bald der ... weiterlesen


Vor der Ernte

An wolkenreinem Himmel geht
Die blanke Sichel schön,
Im Korne drunten wogt und weht
Und rauscht und wühlt der Föhn.

Sie wandert voller Melodie
Hochüber durch ... weiterlesen


Das heilige Feuer

Auf das Feuer mit dem goldnen Strahle
Heftet sich in tiefer Mitternacht
Schlummerlos das Auge der Vestale,
Die der Göttin ewig Licht bewacht.

Wenn sie schlummerte, ... weiterlesen


Auf dem Canal grande

Auf dem Canal grande betten
Tief sich ein die Abendschatten,
Hundert dunkle Gondeln gleiten
Als ein flüsterndes Geheimnis.

Aber zwischen zwei Palästen
Glüht ... weiterlesen


Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu ... weiterlesen


Hochzeitslied

Aus der Eltern Macht und Haus
Tritt die züchtge Braut heraus
An des Lebens Scheide -
Geh und lieb und leide!

Freigesprochen, unterjocht,
Wie der junge Busen ... weiterlesen


Vor einer Büste

Bist du die träumende Bacche? Der Sterblichen lieblichste bist du!
Still in den Winkeln des Munds lächelt ein grausamer Zug.


Der Botenlauf

Blicke gen Himmel gewandt, gebreitete flehende Arme!
Murmeln und schallender Ruf kniender Mädchen und Fraun

`Götter, beflügelt den Boten! Entscheidung lieber als Bangnis!
... weiterlesen


Camoëns

Camoëns, der Musen Liebling,
Lag erkrankt im Hospitale.
In derselben armen Kammer
Lag ein Schüler aus Coimbra,
Ihm des Tages Stunden kürzend
Mit unendlichem ... weiterlesen


Friede auf Erden

Da die Hirten ihre Herde
ließen und des Engels Worte
trugen durch die enge Pforte
zu der Mutter und dem Kind
fuhr das himmlische Gesind
fort, im Sternenraum zu ... weiterlesen


Das Ende des Festes

Da mit Sokrates die Freunde tranken
Und die Häupter auf die Polster sanken,
Kam ein Jüngling, kann ich mich entsinnen,
Mit zwei schlanken Flötenbläserinnen.

Aus den ... weiterlesen


Das Heute

Das Heut ist einem jungen Weibe gleich.
Schlag Mitternacht wird ihm die Wange bleich.
Es schaudert. Einen vollen Becher fasst
Es gierig noch und schlürft in toller Hast.

... weiterlesen


Die alte Brücke

Dein Bogen, grauer Zeit entstammt
Steht manch Jahrhundert ausser Amt;
Ein neuer Bau ragt über dir:
Dort fahren sie! Du feierst hier.

Die Strasse, die getragen du,
... weiterlesen


Der Daxelhofen

Den Hauptmann Daxelhofen
Bestaunten in der Stadt Paris
Die Kinder und die Zofen
Um seines blonden Bartes Vliess -
Prinz Condé zog zu Felde,
Der Hauptmann Daxelhofen ... weiterlesen


König Etzels Schwert

Der Kaiser spricht zu Ritter Hug:
`Du hast für mich dein Schwert verspellt,
Des Eisens ist bei mir genug,
Geh, wähl dir eins, das dir gefällt!`

Hug schreitet durch ... weiterlesen


In Harmesnächten

Die Rechte streckt ich schmerzlich oft
In Harmesnächten
Und fühlt gedrückt sie unverhofft
Von einer Rechten -

Was Gott ist, wird in Ewigkeit
Kein Mensch ... weiterlesen


Don Fadrique

Don Fadrique bringt ein Ständchen
Der possierlichen Pepita:
`Liebchen, strecke durch die Türe
Deines Füsschen Spitze nur!`

Und die drollige Pepita
Streckt ... weiterlesen


Dämmergang

Du lebst meerüber
In blauer Ferne
Und du besuchst mich
Beim ersten Sterne.

Ich mach im Felde
Die Dämmerrunde,
Umbellt, umsprungen
Von meinem ... weiterlesen


Jetzt rede du!

Du warest mir ein täglich Wanderziel,
Viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen,
Ich hatte dir geträumten Glücks so viel
Anzuvertraun, so wahren Schmerz zu klagen.

... weiterlesen


Das Auge des Blinden

Durch das Marktgedräng von Namur
Stelzt ein armer narbger Krüppel.
`Leute, bringt mich zu Don Juan!,
`Schweigst du wohl! Da ist Don Juan!`

`Schweigst du wohl, blick ... weiterlesen


Das Geisterross

Durch den dreigeteilten Bogen,
Des Triumphes prangend Tor,
Durch die lauten Menschenwogen
Dort zum Kapitol empor
Lenkt den Tanz der weissen Pferde
Cäsars lässige ... weiterlesen


Der Berg der Seligkeit

Ein Bergesrücken stillbesonnt,
Allum der duftge Horizont! -
Hier sass der Christ und rings im Kreis
Die Galiläer, stufenweis
Gelagert, auf den steilen Triften.
... weiterlesen


Das bittere Trünklein

Ein betrogen Mägdlein irrt im Walde,
Flieht den harten Tag und sucht das Dunkel,
Wirft auf eine Felsenbank sich nieder
Und beginnt zu weinen unersättlich.

In den ... weiterlesen


Die zwei Reigen

Ein Cherub schritt das Tal empor
Und schlug das Volk mit Schwert und Pest,
Hinsank der halbe Jugendflor -
Die Schwalbe kehrt und baut das Nest.

Brautführer will der ... weiterlesen


Erntegewitter

Ein jäher Blitz. Der Erntewagen schwankt.
Aus seinen Garben fahren Dirnen auf
Und springen schreiend in die Nacht hinab.
Ein Blitz. Auf einer goldnen Garbe thront
Noch ... weiterlesen


Frau Agnes und ihre Nonnen

Ein Klosterhof, ein Lenzestag!
Ein schwarzer Lindenschatten,
Wo der gekrönte Habsburg lag
Erstochen auf den Matten.

Frau Agnes, die gestrenge Frau
Des Vaters ... weiterlesen


Schillers Bestattung

Ein ärmlich düster brennend Fackelpaar, das Sturm
Und Regen jeden Augenblick zu löschen droht.
Ein flatternd Bahrtuch. Ein gemeiner Tannensarg
Mit keinem Kranz, dem kargsten ... weiterlesen


Nach der ersten Bergfahrt

Einem jungen Mädchen

Liebes Kind, du bist gemagert, bist verbrannt von Mittagssonnen
Deine Wangen blühen frischer, wuschest dich an kühlen Bronnen
Wie du schreitest, ... weiterlesen


Eppich

Eppich, mein alter Hausgesell
Du bist von jungen Blättern hell
Dein Wintergrün, so still und streng
Verträgt sichs mit dem Lenzgedräng?

- `Warum denn nicht? Wie ... weiterlesen


Das Glöcklein

Er steht an ihrem Pfühl in herber Qual,
Den jungen Busen muss er keuchen sehn -
Er ist ein Arzt. Er weiss, sein traut Gemahl
Erblasst, sobald die Morgenschauer wehn.

... weiterlesen


Hussens Kerker

Es geht mit mir zu Ende,
Mein Sach und Spruch ist schon
Hoch über Menschenhände
Gerückt vor Gottes Thron,
Schon schwebt auf einer Wolke,
Umringt von seinem Volke,
... weiterlesen


Das tote Kind

Es hat den Garten sich zum Freund gemacht,
Dann welkten es und er im Herbste sacht,
Die Sonne ging, und es und er entschlief,
Gehüllt in eine Decke weiss und tief.

... weiterlesen


Alle

Es sprach der Geist: Sieh auf! Es war im Traume.
Ich hob den Blick. In lichtem Wolkenraume
Sah ich den Herrn das Brot den zwölfen brechen
Und ahnungsvolle Liebesworte sprechen.
... weiterlesen


Die Felswand

Feindselig, wildzerrissen steigt die Felswand.
Das Auge schrickt zurück. Dann irrt es unstät
Daran herum. Bang sucht es, wo es hafte.
Dort! über einem Abgrund schwebt ein ... weiterlesen


Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur ... weiterlesen


Papst Julius

Halb vom Hades schon bezwungen,
Von Lemuren schon umschwebt,
Hat er doch sich losgerungen -
Sieh, er atmet! Sieh, er lebt!
Hinter seinen greisen Brauen
Flammts! Jetzt ... weiterlesen


Die Söhne Haruns

Harun sprach zu seinen Kindern Assur, Assad, Scheherban:
`Söhne, werdet ihr vollenden, was ich kühnen Muts begann?
Seit ich Bagdads Thron bestiegen, bin von Feinden ich umgeben!
... weiterlesen


Der Rappe des Comturs

Herr Konrad Schmid legt` um die Wehr,
Man führt` ihm seinen Rappen her:
`Den Zwingli lass ich nicht im Stich,
Und kommt ihr mit, so freut es mich.`
Da griffen mit dem Herren ... weiterlesen


Ewig jung ist nur die Sonne

Heute fanden meine Schritte mein vergessnes Jugendtal,
Seine Sohle lag verödet, seine Berge standen kahl.
Meine Bäume, meine Träume, meine buchendunkeln Höhn -
Ewig jung ist nur ... weiterlesen


Mit einem Jugendbildnis

Hier - doch keinem darfst dus zeigen,
Solche Sanftmut war mir eigen,
Durfte sie nicht lang behalten,
Sie verschwand in harten Falten,
Sichtbar ist sie nur geblieben
... weiterlesen


Hohe Station

Hoch an der Windung des Passes bewohn ich ein niedriges Berghaus -
Heut ist vorüber die Post, heut bin ich oben allein..
Lehnend am Fenster belausch ich die Stille des dämmernden ... weiterlesen


Die Bank des Alten

Ich bin einmal in einem Tal gegangen,
Das fern der Welt, dem Himmel nahe war,
Durch das Gelände seiner Wiesen klangen
Die Sensen rings der zweiten Mahd im Jahr.

... weiterlesen


Brautgeleit

Ich sehe dich, den Kranz im Haar
Die zur Vermählung schreitet
Von einer jungen Genienschar
Umjubelt und begleitet.

Ein kleines Heer, ein feines Heer
Sind alles ... weiterlesen


Galaswinte

Im Saale jubelt Hochzeit -
Die Arme vor dem Busen
Kreuzt Fredegund in Demut,
Des Königs listge Buhlin:
`Ich bin die Magd und leuchte
Dem Bräutchen auf die Kammer!`
... weiterlesen


Der tote Achill

Im Vatikan vor dem vergilbten Marmorsarg,
Dem ringsum bildgeschmückten, träumt ich heute lang,
Betrachtend seines feinen Zierats üppgen Kranz:
Thetis entführt den Sohn, den Rufer ... weiterlesen


Kaiser Friedrich der Zweite

In den Armen seines Jüngsten
Phantasiert der sieche Kaiser,
An dem treuen Herzen Manfreds
Kämpft er seinen Todeskampf.

Mit den geisterhaften blauen
Augen starrt ... weiterlesen


Abendrot im Walde

In den Wald bin ich geflüchtet,
Ein zu Tod gehetztes Wild,
Da die letzte Glut der Sonne
Längs den glatten Stämmen quillt.

Keuchend lieg ich. Mir zu Seiten
... weiterlesen


In der Sistine

In der Sistine dämmerhohem Raum,
Das Bibelbuch in seiner nervgen Hand,
Sitzt Michelangelo in wachem Traum,
Umhellt von einer kleinen Ampel Brand.

Laut spricht hinein ... weiterlesen


Hugenottenlied

In die Schule bin ich gangen
Bei dem Meister Hans Calvin
Lehre hab ich dort empfangen:
Vorbestimmt ist alles ewighin!
Jeder volle Wurf im Würfelspiele,
Jeder ... weiterlesen


Alles war ein Spiel

In diesen Liedern suche du
Nach keinem ernsten Ziel!
Ein wenig Schmerz, ein wenig Lust,
Und alles war ein Spiel.

Besonders forsche nicht danach,
Welch Antlitz mir ... weiterlesen


Flut und Ebbe

In einem fernen, umbrandeten Land
Spielen die Mädchen ein Spiel an dem Strand
Schreiten im Reigen, heiter gesinnt,
Wann zu steigen die Flut beginnt
Weichen zurück in ... weiterlesen


Der schöne Tag

In kühler Tiefe spiegelt sich
Des Juli-Himmels warmes Blau,
Libellen tanzen auf der Flut,
Die nicht der kleinste Hauch bewegt.

Zwei Knaben und ein ledig Boot -
... weiterlesen


Himmelsnähe

In meiner Firne feierlichem Kreis
Lagr ich an schmalem Felsengrate hier,
Aus einem grünerstarrten Meer von Eis
Erhebt die Silberzacke sich vor mir.

Der Schnee, der am ... weiterlesen


Auf Goldgrund

Ins Museum bin zu später
Stunde heut ich noch gegangen,
Wo die Heilgen, wo die Beter
Auf den goldnen Gründen prangen.

Dann durchs Feld bin ich geschritten
... weiterlesen


Alte Schrift

Jüngst verlockt` es mich im Abendglimmen,
Zum Lombardenturm emporzuklimmen,
Dem verschollnen Herrscher hier im Gaue,
Der die Ferne noch beherrscht, die blaue.

In den ... weiterlesen


Ihr Heim

Lang vorüber ging ich den Gehegen,
Drin der Giebel deines Heimes ragt,
Dieser Pforte, diesen Schattenwegen!
Wer da wohne, hab ich nicht gefragt.
Wer da wohne
Hinter ... weiterlesen


Fingerhütchen

Liebe Kinder, wisst ihr wo
Fingerhut zu Hause?
Tief im Tal von Acherloo
Hat er Herd und Klause;
Aber schon in jungen Tagen
Muss er einen Höcker tragen;
Geht er, ... weiterlesen


Hirtenfeuer

Liessest unter uns dich nieder,
Liebe, liebenswerte Frau,
Aber heute ziehst du wieder,
Wie die Sterne ziehn im Blau.

Siehst den Abendstern du blinken
Dort vor ... weiterlesen


Ich würd es hören

Läg dort ich unterm Firneschein
Auf hoher Alp begraben,
Ich schliefe mitten im Juchhein
Der wilden Hirtenknaben.

Wo sonst ich lag im süssen Tag,
Läg ich in ... weiterlesen


Eingelegte Ruder

Meine eingelegten Ruder triefen,
Tropfen fallen langsam in die Tiefen.

Nichts, das mich verdross! Nichts, das mich freute!
Niederrinnt ein schmerzenloses Heute!

... weiterlesen


Das begrabene Herz

Mich denkt es eines alten Traums.
Es war in meiner dumpfen Zeit,
Da junge Wildheit in mir gor.
Bekümmert war die Mutter oft.
Da kam einmal ein schlimmer Brief
- Was er ... weiterlesen


Begegnung

Mich führte durch den Tannenwald
Ein stiller Pfad, ein tief verschneiter,
Da, ohne dass ein Huf gehallt,
Erblickt ich plötzlich einen Reiter.

Nicht zugewandt, nicht ... weiterlesen


Am Himmelstor

Mir träumt`, ich komm ans Himmelstor
Und finde dich, die Süsse!
Du sassest bei dem Quell davor
Und wuschest dir die Füsse.

Du wuschest, wuschest ohne Rast
... weiterlesen


Die Fei

Mondnacht und Flut. Sie hängt am Kiel
Umklammert mit den Armen ihn,
Sie treibt ein grausam lüstern Spiel,
Den Nachen in den Grund zu ziehn.

Der Ferge stöhnt: `In ... weiterlesen


Möwenflug

Möwen sah um einen Felsen kreisen
Ich in unermüdlich gleichen Gleisen,
Auf gespannter Schwinge schweben bleibend,
Eine schimmernd weiße Bahn beschreibend,
Und zugleich in ... weiterlesen


Ja

Nach einer alten Skizze

Als der Herr mit mächtger Schwinge
Durch die neue Schöpfung fuhr,
Folgten in gedrängtem Ringe
Geister seiner Flammenspur.

Seine ... weiterlesen


Mein Jahr

Nicht vom letzten Schlittengleise
bis zum neuen Flockentraum
zähl ich auf der Lebensreise
den erfüllten Jahresraum.

Nicht vom ersten frischen Singen,
das im ... weiterlesen


Die Dryas

O Liebe, wie schnell verrinnest du,
Du flüchtige, schöne Stunde,
Mit einer Wunde beginnest du
Und endest mit einer Wunde.

Ein Jüngling irrt im Waldesraum,
... weiterlesen


Bettlerballade

Prinz Bertarit bewirtet Veronas Bettlerschaft
Mit Weizenbrot und Kuchen und edlem Traubensaft.
Gebeten ist ein jeder, der sich mit Lumpen deckt,
Der, heischend auf den Brücken der ... weiterlesen


Weihnacht in Ajaccio

Reife Goldorangen fallen sahn wir heute, Myrte blühte,
Eidechs glitt entlang der Mauer, die von Sonne glühte.

Uns zu Häupten neben einem morschen Laube flog ein Falter -
... weiterlesen


Aus der Höhe

Schreitend meinen Höhenpfad,
Seh ich, statt lebendger Flut,
Unter mir des Eises Flur,
Drauf der Wettlauf Tausender
Unermüdlich sich ergötzt.
Horch! Ein dunkel ... weiterlesen


Ein Lied Castelards

Sehnsucht ist Qual!
Der Herrin wag ichs nicht zu sagen
Ich wills den dunkeln Eichen klagen
Im grünen Tal:
Sehnsucht ist Qual.

Mein Leib vergeht
... weiterlesen


Abendwolke

So stille ruht im Hafen
Das tiefe Wasser dort,
Die Ruder sind entschlafen,
Die Schifflein sind im Port.

Nur oben in dem Äther
Der lauen Maiennacht
Dort ... weiterlesen


Das Gemälde

Trüb brennt der Schenke Kerzenlicht,
Der Wirtin junges Angesicht,
Ermüdet, schlummertrunken,
Nickt auf die Brust gesunken,
Denn schon ist Mitternacht vorbei.
... weiterlesen


Schwüle

Trüb verglomm der schwüle Sommertag,
Dumpf und traurig tönt mein Ruderschlag -
Sterne, Sterne - Abend ist es ja -
Sterne, warum seid ihr noch nicht da?

Bleich das ... weiterlesen


Der Hengert

Vater Lucas sprach beim Frühstück:
`Heute, Herr, ist hier ein Hengert!`
Und ich fragte: `Was ist Hengert?`
Mich belehrte Vater Lucas:
`Hengert, Herr, bedeutet Reigen,
... weiterlesen


Der sterbende Cromwell

Vor der Königsburg in nächtger Stunde
Knickt der Tod die Eichen in die Runde,
Drinnen sucht er dann ein zäher Leben
Aus den Wurzeln allgemach zu heben -
Whitehall ist ... weiterlesen


Das Heiligtum

Waldnacht. Urmächtge Eichen, unter die
Des Blitzes greller Strahl geleuchtet nie!
Dämmernde Wölbung, Ast in Ast verwebt
Von keines Vogels Lustgeschrei belebt!
Ein brütend ... weiterlesen


Cäsar Borjas Ohnmacht

Wer bin ich? Einer, welcher unterging,
Den Kranz im Haar, den Becher in der Faust,
Mit einem herkulanischen Gelag
Von einem ungeheuren Sturz bedeckt?
Ich weiss den Becher nur ... weiterlesen


Einer Toten

Wie fühl ich heute deine Macht,
Als ob sich deine Wimper schatte
Vor mir auf diesem ampelhellen Blatte
Um Mitternacht!
Dein Auge sieht
Begierig mein entstehend Lied.
... weiterlesen


Ein bisschen Freude

Wie heilt sich ein verlassen Herz,
Der dunkeln Schwermut Beute?
Mit Becher-Rundgeläute?
Mit bitterm Spott? Mit frevlem Scherz?
Nein. Mit ein bisschen Freude!

... weiterlesen


Firnelicht

Wie pocht` das Herz mir in der Brust
Trotz meiner jungen Wanderlust,
Wann, heimgewendet, ich erschaut
Die Schneegebirge, süss umblaut,
Das grosse stille Leuchten!

... weiterlesen


Die Füße im Feuer

Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm.
Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Ross,
Springt ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein Mantel saust
Im Wind. ... weiterlesen


Chor der Toten

Wir Toten, wir Toten sind größere Heere
Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!
Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten,
Ihr schwinget die Sicheln und schneidet die ... weiterlesen


Göttermahl

Wo die Tannen finstre Schatten werfen
Über Hänge goldbesonnt,
Unverwundet von der Firne Schärfen
Blaut der reine Horizont,

Wo das Spiel den rastlos wehnden Winden
... weiterlesen


Bacchus in Bünden

Wo stürzend aus rätischen Klüften der Rhein
Um silberne Hüften sich gürtet den Wein
Ziehn paukende Masken mit Zimbelgeläut
`Du Traube von Trimmis, dich wimmeln wir heut!`
... weiterlesen


Burg `Fragmirnichtnach`

Wo weiss die Landquart durch die Tannen schäumt,
Irrt unbekümmert ich um Weg und Zeit,
Da stand ein grauer Turm, wie hingeträumt
In ungebrochne Waldeseinsamkeit.
Ich sah ... weiterlesen


Der Gesang des Meeres

Wolken, meine Kinder, wandern gehen
wollt ihr? Fahret wohl! Auf Wiedersehen!
Eure wandellustigen Gestalten
kann ich nicht in Mutterbanden halten.

Ihr langweilet euch ... weiterlesen


Hesperos

Über schwarzem Tannenhange
Schimmerst mir zum Abendgange,
Eine Liebe fühl ich neigen
Sich in deinem Niedersteigen,
Unbemerkt bist du gekommen,
Aus der blassen Luft ... weiterlesen


Der Blutstropfen

Zur Zeit der Lese wars im Winzerhaus.
Des Herdes goldne Flamme prasselte,
Die Fensterscheiben überhauchten sich
Und draussen scholl das Evoe geisterhaft
Aus Nebeldämmer. ... weiterlesen


Conquistadores

Zwei edle Spanier halten Wacht
Und einer spricht zum andern:
`Señor, mir deucht, der Teufel lacht,
Wie wir ins Leere wandern!
Das Segel bauscht, es rauscht der Kiel,
... weiterlesen


Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das ... weiterlesen


Fiebernacht

`Berggeist, ich höre deine Ströme rauschen -
Gib mir Gehör! Wir wollen Rede tauschen!
Du von der Firn und aus der Gletscher Kühle,
Ich aus der engen Krankenkammer Schwüle!
... weiterlesen


Das Joch am Leman

`Die einen liegen tot mit ihren Wunden,
Die andern treiben wir daher gebunden!
Den Römeraar der Zwillingslegion,
Im Männerkampf, im Rossgestampf entrissen
Der eingegarnten ... weiterlesen


Die drei gemalten Ritter

`Frau Berte, hört: Ihr dürftet nun
Mir einmal einen Gefallen tun!`

`Was denkt Ihr, Graf? Wohin denket Ihr?
Vor den drei gemalten Rittern hier?`

Drei Ritter ... weiterlesen


Die Schlittschuhe

`Hör, Ohm! In deiner Trödelkammer hangt
Ein Schlittschuhpaar, danach mein Herz verlangt!
Von London hast du einst es heimgebracht,
Zwar ist es nicht nach neuster Art gemacht,
... weiterlesen


Das Goldtuch

`Ihr Mägde; schaut, was ihr im Schreine habt!
Nicht darfst du mir von hinnen unbegabt,
Mein blondgelockter Enkel, der mir bot
Mit priesterlichen Händen Gott im Brot!`

... weiterlesen


Der Mönch von Bonifazio

`Korsen, löst des Portes Ketten! Jede Hoffnung ist verschwunden!
Nirgend weht ein rettend Segel! Gebt Euch! Pfleget eure Wunden!

Genua, euer hats vergessen! Spähet aus von eurem ... weiterlesen


Einsiedel

`Was pocht mir an das Fenster?
Was klopft an meine Tür so laut?`
- `Ich bin ein junger Wildfang
Und nass bis auf die Haut.

Ich bin der Gerold Wendel,
Wir ziehen ... weiterlesen



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Gedichte vom Autor Conrad Ferdinand Meyer

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