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Gedichte - Erich Kurt Mühsam


Als ich dich fragte..

Als ich dich fragte: Darf ich Sie
beschützen? Da sagtest du: Mein Herr,
Sie sind trivial. Als ich dich fragte:
Kann ich ihnen nützen? Da sagtest du:
Vielleicht ein andres Mal. Als ich
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Lebensregel

An allen Früchten unbedenklich
lecken; vor Gott und Teufel nie die
Waffen strecken; Künftiges mißachten,
Früheres nicht bereuen; den Augenblick
nicht deuten und nicht scheuen; dem Le
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An dem kleinen Himmel meiner Liebe

An dem kleinen Himmel meiner Liebe will
- mich dünkt - ein neuer Stern
erscheinen. Werden nun die andern Sterne
weinen an dem kleinen Himmel meiner
Liebe? Freut euch, meine Stern
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Schüttelreim

An der Liebe Niederlagen
lässt der Dichter Lieder nagen.
Mein Gefängnis

Auf dem Meere tanzt die Welle nach der
Freiheit Windmusik. Raum zum Tanz hat
meine Zelle siebzehn Meter im
Kubik. Aus den blauen Himmeln
zittert Sehnsucht, die die Herzen st
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Produktion

Denk ich zurück an meine frühsten
Wochen: Ich sog an hochgeblähten
Ammenbrüsten, von guten Tanten
liebevoll berochen, die zahnlos
schnalzend den Popo mir küßten. Doch
was ich dann
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Seenot

Der Kapitän, der Steuermann, vom Deck
die Offiziere schaun sorgenvoll den
Himmel an. Ein rascher Blick fällt dann
und wann auch auf die Passagiere. Das
räkelt faul den Ba
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Futuristischer Schleifenschüttelreim

Der Nitter splackt.
Das Splatter nickt,
wenn splitternackt
die Natter splickt.
Der Komet

Der Stern, der bei der Venus
steht, schau, Mädchen, und begreif: Der
neue Stern ist ein Komet. Kühn spreizt
sich ihm der Schweif. Es staunt der
Mond: Was will der Wicht mi
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Erziehung

Der Vater zu dem Sohne spricht: Zum
Herz- und Seelengleichgewicht, zur
inneren Zufriedenheit und äußeren
Behaglichkeit und zur geregelten
Verdauung bedarf es einer Weltanschauung
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Bauchweh

Die Därme wälzen sich im Kampfe; es
zuckt der Leib im Magenkrampfe: die Welt
ist schlecht, - die Welt ist
schlecht. Daß die der Herr im Zorn
zerstampfe! Daß sie verpuffe und
verdampf
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Du gingst mit mir ...

Du gingst mit mir. Der niedre Himmel
drohte und kroch geduckt von allen
Seiten näher. Am Wege lag ein
Felsenhund, ein Späher mit
plattem Bauch und vorgeschobener Pfote.
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Du hast mich fortgeschickt...

Du hast mich fortgeschickt, und ich geh
heim. Die Gaslaternen blinzeln frech und
schielen. Im Rinnstein drängt sich
dicker Straßenschleim. Zufrieden
tropfend gluckst es in den Sielen.
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Es stand ein Mann am Siegestor

Es stand ein Mann am Siegestor, der an
ein Weib sein Herz verlor. Schaut sich
nach ihr die Augen aus, in Händen einen
Blumenstrauß. Zwar ist dies nichts
Besunderes. Ich aber - ic
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Entlarvung

Europa hat sich abgeschminkt. Befreit
von Rouge und Puder steht eklig da das
Luder und faucht und stinkt. Den
Schnürleib sittlicher Kultur warf sie
zum Kunstkorsette.
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Im Bruch

Fest zugeschnürt der Hosengurt. Der
Darm ist leer, der Magen knurrt. Auf
morschem Rock glänzt Fleck bei
Fleck. Darunter starrt das Hemd von
Dreck. Aus Pfützen schlürft das
Sohlenloch
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Folg mir in mein Domizil

Folg mir in mein Domizil, liebes Kind,
und frag nicht viel. Wirst schon alles
lernen, wirst schon alles sehn, liest
nicht in den Sternen, was dir heut noch
alles kann für Heil ges
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Golgatha

Gebeugte Menschen mit stumpfem
Blick hocken in dumpfen Spelunken - den
Neid im Auge, die Not im Genick, von
elendem Fusel trunken. Da tönt eine
Stimme von außen herein: `Kopf hoc
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Meta und der Finkenschafter

Herr Kunze stand als Hausverwalter in
Lohn bei einem Häuserwirt, und seine
Tochter in dem Alter, wo so ein Mädchen
liebend wird. Er war ein Witmann, sie
war Waise, seitdem
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Hinter den Häusern heult ein Hund

Hinter den Häusern heult ein Hund. Denn
die Schatten der Nacht sind bleich und
lang; und des Meeres Herz ist vom Weinen
wund; - und der Mond wühlt lüstern im
Tang. Durch Morgen
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Ich bin ein Pilger...

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht
kennt; der Feuer sieht und weiß nicht,
wo es brennt; vor dem die Welt in fremde
Sonnen rennt. Ich bin ein Träumer, den
ein Lichtschein narrt;
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Rendezvous

Ich bin verdammt zu warten in einem
Bürgergarten auf das geliebte Weib. Nun
sitz ich hier als Beute gewissenloser
Leute mit breitem Unterleib. Sie sind so
froh beim Biere,
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Ich möchte Gott sein...

Ich möchte Gott sein und Gebete
hören und meine Schutz versagen
können und Menschenherzen zunichte
brennen und Seelenopfer begehren. Und
möchte Erde, Welt und All vernichten un
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Das Nichts

Ich sah durch ein hohes, goßes
Loch. Ist Nichts darin? - Doch! scholl
es. - Doch! Und ich suchte und suchte
und grub nach dem Nichts. - Da quoll aus
dem Loch eine Garbe Lichts. - Ich ha
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Ich weiß von allem Leid...

Ich weiß von allem Leid, fühl alle
Scham und möchte helfen aller
Kreatur. Der Liebe such ich aus dem Haß
die Spur, dem Menschenglück den Weg aus
Not und Gram. Den Trostbedürftigen
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Ich will alleine...

Ich will alleine über die Berge
gehn, und keiner soll von meinen Wegen
wissen; denn wer den Pfad zu meinen
Höhn gesehn, hat mich von meinen Höhn
herabgerissen. Ich will alleine über
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Ich wollt das Lied des Herzens nicht verschweigen

Ich wollt das Lied des Herzens nicht
verschweigen. Ich wollt es jubelnd zu
den Menschen schmettern, die bleich am
Baume der Erkenntnis klettern, das
Glück vermutend in den kahlen Zweigen.
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Ich zog einmal ein liebes Kind

Ich zog einmal ein liebes Kind in meine
Mannesarme. Da ward es ganz von Liebe
blind und frei von allem Harme. Doch als
ich eine andre nahm, hat es sie schwer
getroffen. Es st
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Jeden Abend werfe ich

Jeden Abend werfe ich eine Zukunft
hinter mich, die sich niemals mehr
erhebt - denn sie hat im Geist
gelebt. Neue Bilder werden,
wachsen; Welten drehn um neue
Achsen, werden,
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Lumpenlied

Kein Schlips am Hals, kein Geld im
Sack. Wir sind ein schäbiges
Lumpenpack, auf das der Bürger
speit. Der Bürger blank von
Stiebellack, mit Ordenszacken auf dem
Frack, der Bürg
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Kracht der Topf in Scherben

Kracht der Topf in Scherben, fliegt er
auf den Dung. Menschlein, du mußt
sterben, bist du noch so jung. Blumen
müssen welken, und die Kuh
verreckt, die wir heut noch melken
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Elegie im Kriege

Lieder sing ich, seit ich denke, weil
mein Herz empfindsam ist und den Spender
der Geschenke im Genießen nicht
vergißt. Doch sie haben mich
vergessen, denen ich mein Lied bescher
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Mädchen mit den krummen Beinen

Mädchen mit den krummen Beinen, wie
dein Dackel schief im Gang, glätte mir
dein weißes Leinen. Grade will dein
Wuchs mir scheinen, liegst du
lang. Deine Haut, die fleckig
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Nach all den Nächten, die voll Sternen hingen

Nach all den Nächten, die voll Sternen
hingen, nun diese dumpfe, trübe, nasse
Nacht, als wär die Arbeit aller Zeit
vollbracht und niemals wieder Hoffnung
auf Gelingen. Wohin di
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Testament

Nein, ich will nicht eher zu Grabe, eh
ich nicht auch die letzten
Sprossen irdischen Glückes erstiegen
habe, eh ich das Leben nicht ganz
genossen; eh ich nicht alle Frauen
umschl
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Weihnachten

Nun ist das Fest der Weihenacht das
Fest, das alle glücklich macht, wo sich
mit reichen Festgeschenken Mann, Weib
und Greis und Kind bedenken, wo aller
Hader wird vergessen beim C
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Margot

Obwohl du Margot heißt, muß ich dich
preisen. Gewöhnlich sind die Margot,
Gerda, Ellen Mir allzu linienhaft zum
Beigesellen und zu empfindsam, um damit
zu reisen. Verlieb ich m
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Paar urnische Männlein

Paar urnische Männlein,
paar lesbische Weiber,
paar Reimer, paar Zoten, paar Schnüffler, paar Schreiber,
Kaffee, Zigaretten, Gefasel, Gegrein -
in summa: ein Literaturverein.
Kriegslied

Sengen, brennen, schießen,
stechen,Schädel spalten, Rippen
brechen,spionieren,
requirieren,patrouillieren,
exerzieren,fluchen, bluten, hungern,
frieren...So lebt der edle Krieger
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Das Verhör

Sie heißen? fragte mich der
Direktor. Ich nannte den
Namen. Geboren? Ja! Wann? meine ich. Ich
nannte das Datum. Religion? Geht sie
nichts an. Schreiben sie also:
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Kleiner Roman

Sie lernte Stenographin. Er war
Engros-Kommis. Im Speisewagen traf
ihn ein Blick. Er liebte sie. Auf einer
Haltestelle brach man die Reise
ab, woselbst er im Hotelle
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Wiegenlied

Still, mein armes Söhnchen, sei
still. Weine mich nicht um mein bißchen
Verstand. Weißt ja noch nichts vom
Vaterland, daß es dein Leben einst
haben will. Sollst fürs Vaterland stech
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Dichter und Kämpfer

Unrühmlich ist es, jung zu
sterben. Mein Tod wär sträflicher
Verrat. Ich bin der Freiheit ein
Soldat und muß ihr neue Kämpfer
werben. Und kann ich selbst die
Schlacht nicht l
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Vision

Vor dem Rot des Tags, der Abschied
nimmt, wälzt sich wollig wolkig grauer
Rauch, welcher eines nahen Schlotes
Bauch schwer entklimmt. Und der Rauch
formt vor dem roten Schein
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Der Revoluzzer

War einmal ein Revoluzzer, im Zivilstand
Lampenputzer; ging im
Revoluzzerschritt mit den Revoluzzern
mit. Und er schrie: `Ich
revolüzze!` Und die
Revoluzzermütze sch
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Was ist der Mensch?

Was ist der Mensch? Ein Magen, zwei
Arme, ein kleines Hirn und ein großer
Mund, und eine Seele - daß Gott
erbarme! - Was muß der Mensch? Muß
schlafen und denken, muß essen un
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Spruch

Wenn ihr mich weinen seht, fragt nicht,
warum. Leid, das in Tränen
steht, tröstet sich stumm. Wenn ihr
mich fluchen hört, stimmt mich nicht
mild. Zorn, der sich lau
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Wie ich dich liebe!

Wie ich dich liebe! Denn ich liebe alle
dunkeln Fragen, die die Wahrheit
hinterm Auge tragen, - und die Worte
lieb ich, die verschwiegen auf dem
Grunde einer Lüge liegen. - Sag`
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Frühlingserwachen

Wieder hat sich die Natur
verjüngt, wieder sich mit frischem
Stoff gedüngt, und dem Moder wie den
jungen Keimen hat die Kunst zu malen und
zu reimen. Die Gebeine harren der
Bestattung,
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Soldatenlied

Wir lernten in der Schlacht zu stehn bei
Sturm und Höllenglut. Wir lernten in
den Tod zu gehn, nicht achtend unser
Blut. Und wenn sich einst die Waffe
kehrt auf die, die uns den K
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Der Mahner

Wo bleibt ihr nur, Genossen meiner
Zeit? Ich schau zurück und kann euch
kaum noch sehn. Ein wirres Stimmentosen
hör ich weit, weit hinter mir und kann
es nicht verstehn. Ich ruf
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Liebesweh

Zähre rieselt mir um Zähre in des
Betts zerwühltes Laken. Bange
Angstgedanken haken sich in meiner Seele
Schwere. Schmerzgekrümmt sind meine
Beine; traurig triefend hängt der
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