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Gedichte - Friedrich Freiherr von Logau


Menschliches Elend

Alsbald ein neues Kind die erste Luft
empfindt, so hebt es an zu weinen; die
Sonne muß ihm scheinen den viermal
zehnten Tag, eh als es lachen mag. O
Welt, bei deinen Sachen
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An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens

An etliche Lobsprecher eines
verstorbenen Heldens Ihr klugen, derer
Faust die Feder embsig führet, Zu
klagen dessen Tod, der an die Wolken
rühret Durch Thaten ohne gleich, durch
Thaten, die
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Heutige Weltkunst

Anders sein und anders scheinen; Anders
reden, anders meinen; Alles loben, alles
tragen, Allen heucheln, stets
behagen, Allem Winde Segel geben, Bös`
und Guten dienstbar leben;
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April und May

April, der zörnt zuvor, eh Mai wil wieder lachen.
Zu jener Lust den Weg muß diese Not uns machen.
Wissenschafft

Besser ist es betteln gehen,
Als nichts wissen, nichts verstehen.
Armen kan man Geld wol reichen,
Weißheit aber nicht deßgleichen.
Auf den Bibulum

Bibulus ist gar nicht stoltz;
Denn er trincket Wein auß Holtz,
Fängt in Ziehn sein klares Wasser:
Ist er dannenher ein Prasser?
Ein Brieff

Dein Brieff begrüste mich; mein Brieff begrüst dich wieder;
So wissen beyde wir, daß keiner todt liegt nieder.
Lust-Freunde

Den beweinen wir am meisten, wann er fort sich macht,
Der am meisten, weil er lebte, mit uns hat gelacht.
Frühling und Herbst

Der Frühling ist zwar schön;
doch wann der Herbst nicht wär,
Wär zwar das Auge satt, der Magen aber leer.
Von Gott beschert, bleibt unverwehrt

Der ungestüm April läst dennoch Veilken blühen.
Mir kan, was Gott mir günnt, kein rauhes Glück entziehen.
Bücher-menge

Deß Bücherschreibens ist so viel; man schreibet sie mit hauffen.
Niemand wird Bücher schreiben mehr, so niemand sie wird kauffen.
Alamode-Sporne

Die Ehre führet grossen Sporn;
Drum hat der Krieg den Ruhm verlorn,
Weil sein Geschlecht bey diesen Tagen,
Für Sporne Spörnlein pflegt zu tragen.
Am andren Sontage deß Advents

Die Kranckheit wandelt sich, wann
Neu-Licht mit dem alten Am Monden
Wechsel hält. Wann Wechsel werden
halten Die Ewigkeit und Zeit, wird dort,
dem hier auff Erden War übel, werden
wol, dem w
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Krieg und Friede

Die Welt hat Krieg geführt weit über
zwanzig Jahr. Nunmehr soll Friede sein,
soll werden, wie es war. Sie hat
gekriegt um das, o lachenswerte Tat, Was
sie, eh sie gekriegt, zuvor besessen ha
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Mannes-Bildnüß

Ein iedes Ding der Welt hebt an, geht
fort, nimmt zu; Es war schon eine Zeit,
da ich nicht war, noch du. Glaub aber
mir gewiß, wann dieses du wirst
lesen, Ein Mann ist mir bekannt, der nie
ke
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Das menschliche Alter

Ein Kind weiß nichts von sich, ein
Knabe denket nicht, Ein Jüngling
wünschet stets, ein Mann hat immer
Pflicht, Ein Alter hat Verdruß, ein
Greis wird wieder Kind: Schau, lieber
Mensch, was
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Elendes Reichthum

Ein Reicher hat es arg, ist keine Zeit nicht frey,
Daß morgen er vielleicht der Allerärmste sey.
Verdächtige Sachen

Ein versöhnter Feind,
Ein erkauffter Freund
Sind zu einer Brücke
Ungeschickte Stücke.
Mißschweren

Es braucht ein böser Mensch das schweren wie ein Tuch,
Damit zu flicken auß Zucht- Ehr- und Tugend-Bruch.
Poeterey

Es bringt Poeterey zwar nicht viel Brot ins Haus;
Das drinnen aber ist, das wirfft sie auch nicht auß.
Die Nachfolge Christi

Es ist ein schlechtes Ding, dahin mit
Christus gehen, Wo Wein an Wassers stat
muß in den Krügen stehen; Wo Blut an
Schweisses stat von ihm zur Erde
fällt, Da lob ich den alsdann, der
stand
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Bücher

Es ist mir meine Lust bei Todten stets
zu leben, Mit denen um und um, die nicht
seyn, seyn gegeben, Zu fragen, die sind
taub, zu hören, die nichts sagen, Und
die, die haben nichts, sehr viel
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Schlaf

Es sitzt der Schlaf am Zoll, hat einen guten Handel,
Sein ist der halbe Theil von unsrem gantzen Wandel.
Kennzeichen eines rechten Freundes

F rey. R edlich. E hrlich. U
nverdrossen. N amhafft. D
emütig. Ein Freund, der Freund seyn
soll, soll seyn zugleiche frey, Daß
sagen er dir darff, was dir
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Armuth

Franckreich mag durch seinen König zwar der Leute Kröpffe heilen;
Armut aber kan was beßres: kan der Hoffart Kropff zertheilen.
Grabmal einer redlichen Frauen

Fremder, wilstu Nachricht haben, Wer
für dir hier liegt begraben? Ach, ein
Schatz, den Sterbligkeit Mir vergunte
kurtze Zeit! Eine Perle von der
Tugend, Eine Rose von der Jugend,
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Schnee

Fällt um dunkle Bäume weich der
Schnee, Lange sacht, dann aufgewirbelt,
jäh. Hüllt den Tag in dämmerndes
Gewühl, Breitet auf die Erde Pfühl um
Pfühl. Wandert einer,
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An mein väterlich Gut, so ich drey Jahr nicht ges

Glück zu, du ödes Feld! Glück zu, ihr
wüsten Auen! Die ich, wann ich euch
seh, mit Threnen muß betauen, Weil ihr
nicht mehr seyd ihr; so gar hat euren
Stand Der freche Mord-Gott Mars grun
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Grabschrifft eines Fischers

Hier fischt ein Fischer ietzt im Sande, der vor im Wasser hat gefischt;
Der Tod hat ihn, wie er die Fische, nunmehr in seinem Garn erwischt.
Das Leben

Hier ist deß Lebens Schatten; dort ist der Leib deß Lebens.
Man greiffe nach dem Leibe, zum Schatten ists vergebens.
Deß Krieges Alter

Ie toller wird der Krieg, iemehr er krieget Jahr.
Ey, Leute, die sehr alt, die werden wunderbar.
Das Haus Österreich

Ihr Töchter Hesperi, nicht rühmt die
goldnen Früchte! Zweyträchtiges
Geschlecht der Bäume, bleib vom
Lichte, Du und Alcinous! Die Epicurus
hegte, Auch die Mäcenas baut, und die
Lucanus p
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Wein, der Poeten Pferd

Ihrer viel sind zwar beflissen, Sich im
Helicon zu wissen. Ob sie gleich nun
ziehn und ziehn, Kommen langsam sie doch
hin; Denn ihr bestes Pferd ist
heuer Viel zu seltsam und zu th
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Deutsche Sprache

Kann die deutsche Sprache schnauben,
schnarren, poltern, donnern, krachen;
kann sie doch auch spielen, scherzen,
liebeln, kosen, tendeln, lachen.
Gewaffneter Friede

Krieg hat den Harnisch weg gelegt, der Friede zeucht ihn an;
Wir wissen, was der Krieg verübt; wer weiß, was Friede kan?
An die Frauen

Krieg hat der Männer Zahl gemindert Und
Menschen-Wachsthum sehr verhindert. Ihr
Weiber sollt hier Rath zu schaffen, Die
Sinnen recht zusammen raffen Und euch
fein rund und kurtz erklär
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Langes Leben

Langes Leben ist ein Segen, der den Seinen gibet Gott;
Ieder wüntschet ihn zu haben, da er doch ist voller Spott.
Mässigkeit

Mein Tisch der darff mich nicht um Übersatz verklagen;
Der Gurgel ess` ich nicht; ich esse nur dem Magen.
Auff Mopsum

Mopsus ist von zartem Stammen;
Seine Väter all-zusammen
Speyten nur am Sonntags-Licht
Auff die Erde, sonsten nicht.
Über die Schäferey Amœna eines ungenannten Freu

Musa, Venus, Charis schauet, Wie Amœna
Staffeln bauet, Auffzusteigen euren
Thron. Gebt ihr Raum zur rechten
Seite; Schaffet, daß man ihr
bereite Eine frische Lorber-Kron`.
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Sich selbst besiegen

Sich selbselbsten überwinden ist der allerschwerste Krieg;
Sich selbselbsten überwinden ist der allerschönste Sieg.

Die schamhafte Zeit

Sie sei sonst, wie sie will, die Zeit,
So liebt sie doch Verschämlichkeit:
Sie kann die Wahrheit nackt nicht leiden,
Drum ist sie emsig, sie zu kleiden.
Auff Simonem

Simon wüntschet, daß sein Weib Eine
Moschkowitin wäre; Wann er ihr gleich
bleut den Leib, Daß sie sich doch nicht
beschwere. Aber weil sie deutsch
gesinnet, Schaut sie, wie sie
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Die Faste

So gute Fische häuffig essen, So ohne
Maß den Wein vermessen So viel als
fasten heissen sol, So fastet der so gut
und wol, Der, wann er wil ein Hun
verzehren, Nur meint, als wann
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Hochzeit-Wuntsch

So lebt nun, liebes Paar, lebt zwischen
Krieg und morden In dennoch süsser Ruh
und in dem schönen Orden Der lieben
Einigkeit; lebt, daß deß Glückes
neiden Muß Euch und euer Thun stets fl
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Tod und Schlaf

Tod ist ein langer Schlaf. Schlaf ist ein kurzer Tod,
der lindert dir, und jener tilgt des Lebens Not!
Tod ist ein langer Schlaf.
Auff Volvinum

Volvinus ist gelehrt und gibt materi her;
Sein Weib, die concipirt, so wächset ohngefehr
Ein richtiger Context, der, wann er ist für voll,
Kan sagen alsdann selbst, wie man ihn nennen soll.
Die Warheit im Wein

Warheit steckt in dir, o Wein!
Wie wil der denn scheltbar seyn,
Der die Warheit zu ergründen
Sich beim Bacchus viel läst finden?
Fremde Hülffe

Was fremde Hülffe sey, das fühlstu, Land, allhier;
Die Hülffe halff ihr selbst; das fremde ließ man dir.
Auff Gellulam

Was Gellula verspürt an Thaten und an
Wercken, Das geht ihr lieblich ein, den
Glauben dran zu stärcken. Von Zeichen
hält sie nichts; vom Wesen hält sie
hoch; Ist vielfach eine Frau und geh
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An einen Freund

Weil du mich, Freund, beschenckst mit dir,
So danck ich billich dir mit mir.
Nimm hin deßwegen mich für dich;
Ich sei dir du; sey du mir ich.
Trost

Weißt du, was in dieser Welt
Mir am meisten wohlgefällt?
Daß die Zeit sich selbst verzehret
Und die Welt nicht ewig währet.
Ein enges Hertze

Wer den Himmel wenig acht,
Wer mit Erde saat sich macht,
Hat ein Hertze, drinnen kaum
Leeres nichts hat Stell und Raum.
Am ersten Sontag deß Advents

Wer einen Herren hat, darff keinen mehr
begehren, Sonst wird er Ehr und Leib mit
Schmach und Pein beschweren. Die Welt
hält mich in sich; doch ist nur
Christus mein, Und solt ich tausendmal d
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Küssen

Wer küssen wil, küß auff den Mund; das andre gibt nur halb geniessen;
Gesichte nicht, nicht Hals, Hand, Brust: der Mund allein kan wieder küssen.
Weiber

Wer ohne Weiber künte seyn, wär frey von vielerley Beschwerden;
Wer ohne Weiber wolte seyn, wär aber nicht viel nütz auff Erden.
Am vierdten Sontage deß Advents

Wer weiche Kleider trägt, taug
schwerlich in die Wüsten; Wer für dem
Creutze weicht, taug übel unter
Christen. In Dörner, Heck und Pusch
gehört ein ledern Kleid; Noth,
Trübsal, Angst un
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Am dritten Sontage deß Advents

Wie thörlich handeln doch, die manchmal
so erwarmen Auff unser Blut und Gut! sie
machen uns zu Armen, Auff daß so Gottes
Reich und Evangelium Von ihnn, den
Reichen, weg zu uns, den Armen, ku
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Die Liebe

Wo Liebe kümmt ins Haus,
Da zeucht die Klugheit auß.
Wunderwerck

Zuvor ists auch geschehn und darff auch
mehr geschehen, Ich hab es selbst
gesehen, begehrs nicht mehr zu
sehen, Daß auff gepflügtem Feld, in
dem es Gerst empfangen, Sind Pferde
nachmals da i
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