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Gedichte - Friedrich Haug


Anekdote

Als einst Antagoras, ein Weiser,
sich Meeraal` in seinem Zelt
bereitete, Fragt` ihn Antigonus, der
König. »Glaubst Du, Daß auch Homer,
indem er Agamemnons Glorreiche Thaten in
die Ley
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An Bettina

Auf Deinen Knie`n begann ich dreist
Ein Madrigal, du schönstes aller Weiber!
Doch das Gefühl verwirrt den Geist,
Und ach! das liebe Pult den Schreiber.
Aufruf

Dort zum Schattensitz am Bach Bringe
mir, o Knabe, Bacchus Gabe, Und die
Liedersammlung nach! Denn ich will mit
Brüdern Heut bey Moslerwein, Bey
Gespräch und Liedern
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Die zwey Frösche

Ein Frosch im Teiche sprach zum
Andern: »– Und ob wir bis zum Pole
wandern, Nein! so melodisch und voll
Seele, Wie Du, singt keine Philomele!«
– Lusttrunken rief das Fröschlein au
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Anekdote (2)

Ein Kronprinz fragte jüngst im Hamlet voll Begier:
»Herr Gouverneur! Gefällt es mir?«
Rechtfertigung

Ja wohl! Mein Unbestand ist mir bewußt;
Im Lieben wechsl` ich ab zu meinem Glücke:
Bald lieb` ich Deinen Mund, bald Deine Blicke,
Und bald die neidisch mir verhüllte Brust.
Betty`s Liedchen

Jung bin ich, und weiß noch nicht Wie
man Liebesnetze flicht, Wie man Buhlen
fängt und hält, Liebelt, kost, und
sich verstellt. Harrt nicht, bis ich
gutes Kind Bin, wie a
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Irischer Bull

Jüngst glaubt` ich einen Fremdling wohl zu kennen,
Und auch der Fremdling wähnt`, er kenne mich.
Wir sprachen lang, doch mußten wir uns trennen,
Denn wirklich waren`s weder Er noch ich.
Aller Anfang ist schwer

Nach einem alten Spruch` ist aller Anfang schwer,
Wann Longus redet, gilt der Kanon nimmermehr;
Ihm ist der Anfang leicht, allein das Ende schwer.
An Bella

Nein! Vergebens winkst du mir!
Ach, zu sündigen mit dir,
Könnte Gott mir nicht verzeihen;
Denn ich würd` es nie bereuen.
A potiori fit denominatio

Sagt nicht, den Logikern zum Skandal,
»Das Schiff des Ruders, die Nase des Wahl.«
Sprecht, nach der Natur und Vernunft Ukase,
»Das Ruder des Schiffs, der Wahl der Nase.«
Wer ist mehr zu beklagen?

Veit
Ein Schurke stahl mir heut –

Ich
Beklagenswerther Veit!

Veit
Was ich seit Jahren schrieb.

Ich
Beklagenswerther Dieb!
Abfertigung

Vergebens sind meine Kanzellehren!
Sagt an: »wer thut denn Buße von euch?«
Ein Witzling rief: »wir alle zugleich,
Indem wir dich predigen hören.«
Abbitte an Herrn Wahl

Vergib mir! – Du bist von gerechtem Schmerz
Ob meinen Nasepasquillen durchdrungen:
Denn, was ich Hyperbeln nannt’ im Scherz,
Das sind in Wahrheit – Verkleinerungen.
Alter ego

Wenn kaum in Durlach Er sich in den Wagen setzt
Hat Karlsruh’s Volk sich längst an seiner Nas’ ergetzt.
Sängerin B—r

Wer glücklich der Sirenentöne
Bezaubernder Gefahr entgeht,
Den fesselt die bescheid`ne Schöne.
Wer ihrem Liebreiz widersteht,
Den fesseln ihre Zaubertöne.
Abschlachtung

»Wie kannst Du Zarte die Hühner und Tauben,
Des Lebens so kalt, so neronisch berauben?«
Viel hab’ ich seit Jahren schon abgethan:
Das Hausgeflügel gewöhnte sich dran.