A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Gedichte - Hugo Salus


Wiederkunft

        Irgendwo
entsteht er        
Auf einem Stern,      
  Irgendwoher weht er  
      Aus weiter Fern,
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In ihr empfindsames Stammbuch

    Auf den Altar deiner
Liebe     Laß dir sieben
Kerzen stellen,     Laß sie
mild des Lebens trübe    
Nacht mit holdem Schein erhellen: E
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Damoklinos

    Des Damokles Urenkel,
Damoklinos, Wie schämt er sich der
Feigheit seines Ahnen, Des Schmeichlers
Damokles, des Fürstenknechtes, Der vor
den Höflingen zu Tod erschrak,
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Der tiefe Traum

    Mir ist ein tiefer Traum
geschehn, Hab` meiner Mutter Antlitz
gesehn, Aber groß und zerwühlt von
Furchen und Falten, Hätt`s können
für einen Acker halten.
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Kaiser Franz Josef

(80. Geburtstag) Da noch an üppigen
Fürstenhöfen heiter Die Musen lebten,
war des Dichters Sang, Sowie der
Dichter, seines Herrn Begleiter; Des
Fürsten Ruhm galt seiner L
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Die Kreuzigung

(Altdeutscher Meister.) `Das ist ein
Dienst zu schlecht für
Straßenräuber! Ist dies ein Dienst
für Söldner? Diesen Chören Von
ekligem Gemauschel zuzuhören, Dem
Klagehe
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Florenz

(Im Boboligarten) Im Schatten der
Zypresse träumte ich Und träumte, wie
der Garten rings um mich; Doch träumt`
ich keinen Traum, nur Glanz und
Duft Und Sonnenflimmern in d
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Italienfahrt

1. Taormina, Teatro Greco Der
Meerbucht sanft geschwungne schöne
Linie Mit weißen Häusern bis herauf
besetzt, Dazwischen prächtig Zeder,
Palme, Pinie, Die jede grün das
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Der Bürgerssohn

A. D. XXV. p. Chr. n. Des David,
unsres Zimmermalers Sohn, Und Mirjams
Tochter, diese Bettelliese, Dann Saul,
taglöhnernd um geringen Lohn, Und
Japhet, Wächter der Gemeinde
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Der Reimkünstler

A. L. gewidmet. Im bunten
Gauklerkleide Aus Samt und heller
Seide So tret` ich vor euch hin. Mit
meinem Korb voll Worten Beweis` ich
aller Orten, Daß ich ein K
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Mäcenas II

Abend und dunkle Nacht. Ich fahre
wieder Auf meinem Bauernwägelchen nach
Haus. Zerknittert sind die Rollen
meiner Lieder, Mein Herz ist trüb,
mein schöner Traum ist aus! Das war d
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Lied des Bruders

Ach, Schwester, gute Schwester du, Laß
doch den armen Augen Ruh`! Laß doch,
du lieb Geschwister mein, Dein
Tränentuch erst trocken sein, Schau
mir nur einmal ins Gesicht Un
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Das Sonett

Achteckig bin ich und ein
Marmorbronnen Und aus gekörntem,
reinem, weißem Stein; Ich freue mich
so edler Form zu sein Und fühle stolz
der schönen Maße Wonnen. Doch daß
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Der Lebensengel

Allegro, ma non troppo Einst auf
rosaroten Flügeln Über blumigen
Frühlingshügeln Flog mein Lebensengel
hin. Dieses Gleiten, dieses
Schweben, Lauen Lüften hingegeb
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Unnaive Legende

Als Atlas müd` geworden war Und seinen
Schultern, mitleidvoll, Gott Vater -
noch ein junger Gott - Die ungeheure
Bürde nahm, Ging er, ein Mensch und
Riese doch Und arg vergr
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Legende

Als Christus nun durchs stolze
Hallenthor Die Stadt verließ und
zwischen Feldern ging Und sinnend
wanderte, den Dörfern zu, Sprach
Petrus zu Johannes: `Blick` ihn an! Er
ist ein an
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Der seltsame Abend

Als ich abends in meine Stube kam, Aus
den Feldern den Mondschein nach Hause
nahm, Sie hatten mir alle Fenster
geschlossen, Ich aber war ganz von
Mondlicht umflossen. Und da
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Die zwei Menschen

Als ich anfing zu dir zu
gehen, Schienst wenig Schritte vor mir
zu stehen, Ich war jung und leicht mein
Gang, Und du sahst mich mit kühlem
Ergötzen Schritt vor Schritt dir
entgegen
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Der Parnaßgeher

Als ich auf den Parnaß zu
gehen Anfing, hatt` ich mich wohl
versehen; Was uns die Alten an Geist
überkommen, Hatt` ich im Ränzel
mitgenommen, Auf dem Wege an ihren
Werken M
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Der Emporkömmling

Als ich mit den Baronen zechte, Meinen
Schuldnern, denn mir gehört Rings
alles Land, dem Sproß der
Knechte, Hei, wie schwelgt` ich bei
ihren Gelagen, Nun hat mein Müh`n erst
Zinse
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Elysischer Empfang

Als nun in dem elysischen Kreis der
Dichter Der Ankömmling der Seligen
Blicke mied, Da fragte ihn der
auserwählte Richter: `Wer bist du?
Sprich! Was ist dein Meisterlied?`
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Gott lächelt

Als nun mein Arm - es war ihm lang
verwehrt - Dich an mich zog, du sahst
zu mir empor Mit Liebesblicken, glück-
und glanzverklärt: Ersah ich durch der
Freude Tränenflor Im Himmel
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Homer

Als vom Leben erlöst, vom irdischen
Tode genesen, Drüben auf blumigem Rain
sehend Homeros erwacht, Wahrlich, ein
leuchtender Tag folgte der stygischen
Nacht, Doch vom Grund seines Seins w
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Kriemhilds Klage

Als wir unter der Linde
saßen, Siegfried, mein Held, Und die
Welt Und ihre Lust und Leid
vergaßen, Da ließ ein Blatt
herniederschweben Die dunkle, alte
Linde: Als er
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Das Leben

An Arthur Fitger. Meiner Seele, der
mutig ringenden, Ist die Freude am
Leben Gebot. Mögen die Andern mit
mutig klingenden Rythmen singen den
sichelschwingenden Göttl
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Vom dunklen Strand

An den stummen Gestaden der dunklen
Unendlichkeit Schweigen die Stimmen der
Welt, schweigt das Brausen der
Zeit. Charon, der ernste, hält sinnend
das Ruder bereit. Früh gestrandet
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Mitleid

An der Kirchentür, wo die Bettler
stehn, Da ist mir ein tiefes Leid
geschehn, Das wird mir das Leben
verbittern! Ich gab den Bettlern, wies
keinen zurück, Und fühlte Mitleid und
G
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Tote Blätter

An kahlen, schwarzen Ästen in die
Luft Viel trockne, tote Blätter
traurig winken, Milliarden Brüdern
grub der Herbst die Gruft, Sie müssen
überwintern, eh sie sinken. Di
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Botschaft

An Tagen, da der Schwermut breite
Schwingen Ob meiner Seele eb`nen Planen
schweben, Beugt sich der Stamm des
Lebensbaums zur Erde. Aus solcher Zeit
trägt meine Stirne Furchen Und ti
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Neue acherontische Sizilianen

Ankunft im Hades Charon im Boot, da
wir nun scheiden müssen, Bebt dir mein
Herz in tiefem Mitleid zu, Du ewiger
Ferge auf des Hades Flüssen! Wir
flackern noch; du bist die
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Quel giorno...

Arbeiteraufstand, Mord und
Überschreitung Der socialen Schranken;
Meuterei An allen Enden, für den
ersten Mai Weissagt im Leitartikel
meine Zeitung. Das Land durchreisen
sc
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Verträumter Großstadtabend

Auch der Großstadt Lärm wird
ruhig, Wenn sich Dämmer auf sie
neigen, Und in ihre dunklen
Gassen Tritt der Abend; vor den
Toren Wiesenschlaf und
Felderschweigen. Hie
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Zwei Töne

Auf dem braunen Zweig des kahlen
Baumes, Der mein Fenster streift, sitzt
nun ein Vogel Jeden Früh. Er ist jung
und übt mit großem Eifer Eine neue,
aber gar nicht leichte Me
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Lenz-Ahnung

Auf dem Rasen fängt der Frühling schon
an, Wie von blitzenden Splittern
glitzert die Erde, Und über die
Schollen der Bauersmann Treibt wie
trunken die dampfenden Pferde. U
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Pan

Auf dem weichen, grünen Rasen Lieg`
ich, als ein Hirt verkleidet, Um mein
seltsam Flötenblasen Werd` ich ringsum
arg beneidet; Eine kommt schon, der die
Töne In das keusche
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Präludium

Auf den Wegen meiner Seele,
Mädchen, Wandelst du auf
zartgelenkigen Füßchen, Wie auf
wohlvertrauten Gartenpfaden; Deinem
Fingerchen, du kaum Erblühte, Wich der
strenge Riegel ihr
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Der freie Psalm

Auf eine ragende Höhe, dem Himmel
nah, Daß ich fast wie ein Gott die
Erde da drunten sah, Riß mich ein
klarer Traum, ein Schöpfer und Deuter,
empor. Da brauste empor an mein Ohr der
Men
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Der Säulenheilige

Auf hoher Säule regungslos,
verzückt Steht Abu, ausgedorrt vom
Sonnenbrand, Zum Himmel weist die
holzgewordne Hand, Indes sich tief ins
Fleisch die andre drückt; Rings jau
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Conrad Ferdinand Meyer

Auf meinem Schreibtisch ein
Vierteljahrhundert, Stets gleich
geliebt, stets wärmer
bewundert, Liegen in ihrem braunen
Gewand Die `Gedichte` von Conrad
Ferdinand. Du mein Winterabend
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Stillleben

Auf meinem Schreibtisch
kunterbunt Liegt Wissenschaft und
Dichtung, Der letzte mikroskopische
Fund, Gedichte jüngster
Richtung. Aus diesem Chaos
stimmungsvoll Ragt, i
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Prolog

Aus der Sprache sprödem Marmor Form`
ich lyrische Statuetten, Hüte mich vor
groben Ecken, Mehr noch - vor zu
weichen Glätten. Und die Reihe der
Figuren Ward von Tag
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Lieder aus Italien

Aus hesperischen Gefilden Bringst du
einen bunten Strauß Von entzückenden
Gebilden Reifgewordner Kunst nach
Haus. Durch der Liederzeilen
Gitter Lacht des welschen Hi
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Mäcenas I

Aus meinem Dorfe in den Bergen
droben Fuhr ich auf meinem Wägelchen
zu Thal. Magst du, Horaz, das
Bauerndasein loben: Leb es wie ich, es
wird dir bald zur Qual! Das Herz voll
süße
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Unendlichkeit

Aus seinem Sterngewimmel, Seinem
Trabantenchor Am feierlichen
Himmel, Steht groß der Mond
empor. Verwundert und
erschüttert Staun` ich empor vom
Pfühl, In me
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Das Spiegelbild

Bedeutsam floß ein flimmernd klares,
mildes Mondlicht ins Zimmer, kühl und
dennoch zart, Da ward der Anblick
meines Spiegelbildes Mir ein Erlebnis
von besondrer Art: Eintre
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Blumen

Bei meinen Eltern, wohin man
sieht, Duftet`s von Blumen, grünt und
blüht: Von allen Fenstern, von allen
Tischen, Aus allen Ecken, von allen
Nischen Leuchtet`s von Farben, rot und
b
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Almfrieden

Bergsteiger Wald klimmt steil hinaus zum
Gipfel, Dort wird die Alp zur Alm im
Sonnenschein; Das Wiesengras grüßt
neidlos rings die Wipfel, Glaubt
himmelsnäher als der Wald zu sein.
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Traumglück

Bin ich so seligkeitverwirrt, Hat sich
mein trunkner Geist geirrt, Darf ich`s
den Ohren glauben? Sie stand so
märchenschön vor mir Und sprach: `Mir
träumte heut von dir!` M
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Wiegenspruch

Bin keine überkluge Frau, Doch weiß
ich Bescheid auf Erden: Bub, du sollst
jemand werden! Drum mach die Augen auf
und schau! Willst du zum Herren
taugen, Schau unbek
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Holländische Landschaft

Bis an den runden Himmelsrand
ringsum Grün-grünes Land; kaum kann`s
der Blick umwandern! Und tausend Rinder
stehn und kauen stumm Und würdevoll
und gönnen`s auch den andern.
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Dein Herbst

Blumen, die im Herbst erblühn, Haben
etwas wehmutbanges, Wie beim
Abendsonnenglühn Echo fernen
Glockenklanges, Solche Blumen bring`
ich heut, Solche schmerzlich sch
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Vor der Schlacht

Blutig im Osten die Wolken
erglimmen; Eh` die Sonne heut
versinkt, Die so siegreich
herüberwinkt, Wird das Feld im Blute
schwimmen. Dort auf dem Bergkamm
durch den Nebel,
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Talmudische Legende

Chanina und Hosaja, kleine Schuster Im
Lande Israel, ihr Leben lang In einer
Buhlergasse saßen sie, In einer
dunklen, engen Buhlergasse, Und machten
Schuhe für die Buhlerinnen.
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Christabend

Christabend wars. Ich träumte durch die
Gassen, Vom Weihnachtsglanz mein Herz
durchglühn zu lassen. Mein Herz war
fromm, als ob durch jede Flocke Das
Bluten einer wunden Seele stocke.
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Der Verschmähte

Da hab` ich mit meinem
Herzen Gesprochen so sanft und
lind Und hab` ihm besprochen die
Schmerzen, Wie einem kranken
Kind: `So sei doch nicht gar so
bescheiden, Du Herz
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Weihnacht

Da hob sich voll der Klang der
Weihnachtsglocken. Zu meinem Lager,
drauf ich matt und krank Und einsam
siechte, drang ihr Friedensklang; Ich
wachte auf, erregt und süß
erschrocken.
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Böhmischer Bauernkrieg

Da ist es den Bauern zu dumm
geworden, Da zogen die wilden
brüllenden Horden Durchs herbstliche
Land mit Sengen und Morden. `Ihr habt
uns geschunden, ihr Fürsten und Grafen,
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Der Abendreigen

Da nun der Tag in die Weiten ging, Und
ein milder Abend sie umfing, Und rot
die Häupter der Berge erglühten, Und
die ersten Sternlein am Himmel
erblühten: Da war den schlichten Li
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Hütten

Da stehn ein paar Hütten und Scheuern
beisammen, Die aus urdenklichen Zeiten
stammen, Mit Dächern, stroh- und
moosbedeckt, Darüber die Linde die
Äste streckt, Inmitten im Feldgel
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Grünes Tal

Das breite Tal zu unsres Klosters
Füßen, Es ist ein Glück, in dieses
Grün zu sehn, Die Auen, die von Grün
schier überfließen, Dazwischen
dichtbelaubte Bäume stehn. Ei
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Deutsch-böhmisches Weihnachtslied

Das Christkind - redet uns das nur nicht
ein! In Bethlehem soll es geboren
sein? Irgendwo unten im Morgenland In
ewigem Sommer und Sonnenbrand? Wie kann
denn das sein! Wie sol
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Das Klare Antlitz

Das ist das Antlitz: zur reinen
Seele. Es sagt nicht: erratet, was ich
verhehle. Es sagt nur: hier wohnt eine
reine Seele. Die Augen sprechen: wir
wollen nur sehen, Wir wolle
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Im Reisewagen

Das ist die Pflicht: mit diesem fremden
Mann - Wir haben uns fürwahr nicht
viel zu sagen - Zwingt mich des grauen
Werkeltages Bann Für einen ganzen Tag
in einen Wagen. Was
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Das verspätete Echo

Das kleine Wörtlein, das ich
erfleht, Eh` daß ich ging zu
wandern, Sagst du mir heut`, ein Jahr
zu spät. Nun ist`s ein Wort, wie die
andern. Ich schau` es an, dreh`s hin
u
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Lotte

Das macht mir deine Eltern lieb und
wert, Daß sie den Namen Lotte dir
gegeben, Den teuren Namen, der die
Geber ehrt Und der verpflichtet für
das ganze Leben. Du bist so sch
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Das Märchen vom Glück

Das Märchen vom Glück, das ich euch
sag`, Dauert gerad` einen
Herzensschlag; Dürft drum mein
Märchen nicht töricht schelten, So
tief ihr`s faßt, so tief wird`s euch
gelten! Und
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Junge Witwe

Das Schicksal hat ihr zertrümmert, Was
ihr das Liebste war; Sie hat nicht
geschrien und gewimmert Und nicht
gerauft das Haar, Nein, sie ist hart
geworden. Nun kommt m
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Der Freundschaftsaltar

Das Schicksal will nicht, daß die
Maid, Die dir ergeben ist für`s
Leben, Zur Gattin sei von dir
gefreit; Du sollst den Liebesschatz
nicht heben. Und in dem letzten
Augenbli
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Vorherbst

Das sind jetzt köstliche
Vorherbsttage, Daß mir mein Herz fast
Sorgen macht! Es geht gar nicht mehr im
richtigen Schlage, Es hüpft nur und
springt in der Brust und lacht!
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Morgenregen

Das war ein Guß! Noch trommelts mir im
Ohr! Aus tiefem Schlummer bin ich
aufgewacht. Da tritt die Sonne aus dem
Wolkenthor: Verklärung rings. Sie
dankt und grüßt und lacht.
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Helles Zimmer

Das Zimmer flimmert hell im
Sonnenschein: Und Gläser, Rahmen,
Klinken, Lampen, Spangen, Ein jedes hat
sein Sönnlein eingefangen Und prahlt
mit seinem Licht ins Licht hinein.
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Vorlesung

Das Zimmer war voll Dämmerdufts
gewesen, Da hat der Dichter Verse
vorgelesen. Nun schwieg er still. Der
Greis sprach in das Schweigen: `Viel
tiefer Sinn ist deinen Versen eigen.`
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Prager Elegien II

Daure, mein tönendes Lied, daure in
Ewigkeit; Meiner Seele Gefäß, nein,
meine Seele du, Wirst du unsterblich
sein, weil sie unsterblich ist! Ach,
ein rauherer Sturm mag dich verwehn, mei
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Angelika

Dein Name, hold wie
Engelharfenklang, Angelika, entschlief
mit meinen Lippen. Angelika! Ich weiß,
sie lächelten Noch, da im Schlummer
schon mein Sehnen schmolz, Weil deines
Namens
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Der Sommerhut

Dein Sommerhut, Liebchen, gefällt mir
gut, Es ist ein richtiger
Mädchenhut, Der mit dem gelben,
breiten Rand Dein Haupt, wie ein
Heiligenschein, umspannt. Aber ich
hab` im
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Die traurigen Augen

Deine Augen sind so traurig,
Mädchen, Wie das Heideland, das dich
geboren. Weint der Wind nicht, wenn er
drüber säuselt? Schluchzt nicht auch
der Bach an seine Ufer, Der an deinem
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Ragusaner Klosterkreuzgang

Den Franziskanerkreuzgang in
Ragusa, Ein Wunderwerk von zierer
Säulenkunst, Sprengt fast die
Üppigkeit des Klostergartens Die
Palmen und Agaven und Zypressen, Die
Lebensbäume, der
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Ins offene Grab

Den ich so lieb wie meine Seele
hab`, Was wünsch` ich dir, da wir dein
Grab umstehen, Was wünsch` ich dir ins
langersehnte Grab? Der Priester
spricht: `Ein fröhlich Auferstehen` ...
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Der Blick

Den sie schon ausgesandt nach mir, den
Blick, Der mir ein Glück verheißen
wollt`, den Blick, Den ich ersehnte,
wie den ersten Blick Der Blindgewesene,
Genesene: den Blick Rief sie
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Madonna

Den Säugling ihrer Schwester hielt mein
Mädchen, Als wären ihre Mutterfreuden
echt, In ihren zärtlichen, besorgten
Armen. Ihr großes Auge war so voll der
Liebe, Und ihres Herzen
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Von Kindern

Denk ich daran, wie wir
Kleinstadtknaben Einst in der Freiheit
geplätschert haben, Glücklich uns
tummelnd, wie junge Füllen, Dank ich
den Eltern noch jetzt im Stillen Für
meine s
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Die Ähren

Der Abend war selbst wie ein Wunder der
Liebe, Sie gingen umschlungen und stumm
vor Liebe Aus den Feldern dem
träumenden Dorfe zu. Sie lehnte sich
wärmer an ihn. Sie sagte,
... weiterlesen


Kammermusik

Der Apotheker, der Kaufmann, der Arzt
und der Richter, Es sind immer wieder
dieselben Gesichter; So eine
Kleinstadt, es ist ein Graus, Gott
gebe, ich wäre schon wieder heraus.
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Baumblüte

Der Eilzug rollt durch das blühende
Elbtal. Apfelblüte. Duft, Duft bis in
den Wagen. Mir ist, tausend weißrosa
Schmetterlinge Haben sich draußen auf
die Zweige gesetzt; So liebli
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Helgoland

Der harte Seewind gerbt mir Stirn und
Wange Und färbt sie braun. Die Ärmel
hochgeschürzt, Helf ich dem Seemann an
der Ruderstange, Des Meeres Odem
schlürfend, salzgewürzt.
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Sommerhimmel

Der Himmel war heut morgen wie ein
Märchen blau, Kein schönres Dach kann
über sich dein Diesseits wollen; Und
ist doch jetzt am Abend farblos,
nüchtern grau Wie eines frisch
gehobnen Gr
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Vom hohen Rabbi Löw

Der hohe Rabbi Löw in Prag kann mehr
als beten, Kann Geister beschwören und
aus Lehm feste Burschen kneten, Und
legt er der Puppe das Pergament auf die
Zunge Mit dem Zauberspruch drauf un
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Palladium

Der Jüngling kommt zum Greis: `Du edler
Meister, Du Abgeklärter an der
Weisheit Quell`, Lehr` mich das
Bannwort gegen böse Geister, Daß
ich`s als Schutz vor meine Zukunft
stell´.
... weiterlesen


Venezianischer Mittag

Der Markusplatz ist ganz weiß von
glühendem Sonnenschein; Ich sitze
schläfrig und träumend unter den
schattigen Lauben; Die Flaggen schlafen
am Mast. Wo mögen nur jetzt die
Tauben, Wo
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Zärtlicher Trug

Der Mond goß nieder auf das schwüle
Land Die vollen Schalen seiner
Zärtlichkeit; Weiß lag der Garten und
empfangbereit, Und meine Seele war ihm
ganz verwandt. Vor ihrem F
... weiterlesen


Der Page

Der Page war schon alt genung, Nur in
der Liebe war er jung, Jung, jung und
dumm. `Ach, wär` ich nur ein bißchen
kühn, Wenn ihre Augen auf mir
glühn! Ach Gott, was gäb` i
... weiterlesen


Lied des deutschböhmischen Mädchens

Der Pawel von den Böhmischen
drüben, Ich kann mir nicht helfen, ich
mag ihn nicht. Er sagt mir und klagt
mir, ich müsse ihn lieben, Und nennt
mich `mein Täubchen` und
`Engelsgesicht`.
... weiterlesen


Der Flötenspieler

Der Schatten einer Wolke deckt das
Thal, Verwelktes Gras lechzt auf der
trocknen Erde, Noch krank vom glühend
heißen Sonnenstrahl, Müd` kreist der
Hund um die erschöpfte Herde.
... weiterlesen


Wehmut

Des Altans dunkle Nische Ward meines
Leids Asyl. Im Garten an dem
Tische Lehnt stumm mein
Saitenspiel. Mich hat ein Weh
getroffen, Daß ich ganz trostlos
bin. M
... weiterlesen


Der Jenseitstraum des Blinden

Des Blinden Augen werden hell und
klar, Wenn er vom Jenseits spricht, vom
Paradies, Das nach dem Tode sicher ihn
erwartet. Doch schwärmt er nicht
davon, daß er dort sehn wird, Schw
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Winterfalter

Des Spätherbsts kahle Äste, Baum für
Baum, Sie starren fröstelnd in die
grauen Lüfte Und sind versenkt in
ihren Sommertraum Der grünen Blätter,
Sonne, Glanz und Düfte.
... weiterlesen


Bauernblumen

Die Bauernhäuser meiner Heimat, die
lieb` ich sehr; Da gibt`s kein Haus,
das ohne Blumen wär`: Die Reichen, die
haben einen richtigen Garten. Was
blüht darin? Fast immer die gleichen
Art
... weiterlesen


Der Mantel

Die Dame, der ich dienen
möcht`, Möcht` dienen als ihr freier
Knecht, Wär` ich nicht so gering und
schlecht, Trägt einen
Sammetmantel. Der Sammet ist wie Blut
so rot
... weiterlesen


Der Meister

Die Jünger sprachen also: `Hoher
Meister, Du sprichst uns stets von
unsres Volkes Geist, Der zukunftssicher
uns die Wege weist; Wir aber sehn
ringsum nur kleine Geister! Kleinliche
... weiterlesen


Preisausschreibung

Die Königin von Samarkand Hat mich zum
Haushofdichter ernannt, Ich muß, als
einzige meiner Pflichten, Alljährlich
dafür ein Rhadowar dichten, Das ist:
ein Huldigungsgedicht
... weiterlesen


Das traurige Echo

Die meine Seele in Banden hält, Ist
treu, - treu einem andern. Was wäre
denn so weit die Welt, Als recht darin
zu wandern! Was wäre denn die Luft
so klar? Daß hell
... weiterlesen


Die trauernden Mädchen

Die Mädchen dieser Stadt, so schön sie
sind, Sie haben alle einen Zug im
Antlitz, Als wären sie entsetzt,
gequält von Angst. Es liegt gleich
einem Bann auf den Gesichtern, Daß n
... weiterlesen


An die Schönheit

Die Mädchen waren so berauscht vom
Abend Und ihre Seelen so getränkt vom
Mondlicht, Das durch der Bäume
Blätter niederfloß, Und so
dryadenhaft ihr Waldverstehen, Daß
ihre Seele
... weiterlesen


Die Teppichklopferinnen

Die Mägde klopfen Teppiche im
Hofe, Fünf stramme Mägde aus dem
Vorderhaus; Selbst aus dem ersten Stock
die Kammerzofe Zog heut dazu ihr enges
Mieder aus. Ich hör` die Sch
... weiterlesen


Stille der Nacht

Die Nacht hat tausend Ohren Und allen
sage ich, Ganz in die Nacht
verloren: `O Liebste, liebst du
mich?` Die Nacht hat tausend
Ohren. Du Nacht, du heiligstille,
... weiterlesen


Altmodisches Frühlingslied

Die Sonne lacht und es blitzt der
Tau, Und fröhliche Vögel
schwingen Sich jubelnd empor ins selige
Blau; Und mir ist, ich muß dir, du
vielliebe Frau, Ein altmodisch
Frühlingslied
... weiterlesen


Erkannte Seele

Die tiefsten Lieder, die
gelingen, Halten ein Spieglein in der
Hand, Drein ist mit ihren bunten
Schwingen Des Dichters scheue Seele
gebannt. Die siehst du drin beben,
die Fl
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Birke im Winter

Die weiße Birke, heute früh Ist sie
aus ihrem Traum erwacht, Sie schaut an
sich herab und lacht; So weiß wie heut
war sie noch nie. Doch nicht nur sie,
sie glaubt sich`s k
... weiterlesen


Helios

Die weiße Straße in das Alpendorf Vom
Passe nieder vor zwei wuchtigen
Braunen, Aus deren Fell die Sonne
Schilder schweißt, Stürmt offnen
Hemds der schlanke, braune Knecht. Er
jau
... weiterlesen


Rosenblätter

Dies Büchlein sandt` ich ihr ins
Haus, Ihr Segen bring` den Liedern
Glück. Nun giebt sie lächelnd mir`s
zurück: Da duftet`s wie ein
Rosenstrauß. Auf jede Seite, drin im

... weiterlesen


Glocke und Tal

Dies grüne, schmale Tal
entlang Schallt heute voller
Glockenklang. Hätt` diese Stimme,
stark und laut, Dem Kirchleinturm nicht
zugetraut. Die Glocke sagt mir:
Schweige du!
... weiterlesen


Das Alpenkirchlein

Dies Hochtalkirchlein steht aus einem
Felsenblock, Der hart und schwarz sich
hebt aus grüner Alpenflur Und den von
des Gebirgs gewaltigem
Quadernstock Einst abgesprengt die
Riesenurkraft d
... weiterlesen


Der Marmorblock

Dies ist der Marmorblock, den ich
ersehnt, Als ich noch
schönheitsdürstend trunken war, Als
noch Apoll, ans Saitenspiel
gelehnt, Nach Leben schrie. Ach, es
sind viele Jahr`!
... weiterlesen


Vorstadtplätzchen

Dies Viertel der Stadt scheint ganz
menschenverlassen. Ganz winklig und eng
manche hundert Jahr liegt hier der
Knäuel der Gäßchen und Gassen, wie`s
schon zu Urvaters Zeiten war.
... weiterlesen


Die bleichen Hände

Diese Hände, diese bleichen,
schlanken, Diese Finger, diese
schmalen, kalten, Die sich schmerzlich
in einander falten, O, ich fühl`s,
daß sie am Leben
kranken! Liliensteng
... weiterlesen


Genesung

Diese Nacht, nach manchem
Leidenstag, Fühl` ich mich so wohl und
so genesen, Daß ich, glücklich, gar
nicht schlafen mag. Dort beim
friedlich milden Kerzenlicht Sah ich
sti
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Wiegensegen

Diesen harten Wiegensegen Sprech` ich
über dich, mein Junge, Sprech` ihn mit
bewußter Zunge! Ich bin nicht so weich
gelegen: Ach und bin doch weich
geraten, Weichlic
... weiterlesen


Das Frühlingslied

Dieses Frühlingsliedchen hier, Junge
Dichter, glaubt es mir, Ist es auch an
Wuchs ein Zwergchen, Dennoch künd` ich
euch mein Glück: Dieses ist mein
Meisterstück Und fürwa
... weiterlesen


Blasses Mädchenangesicht

Du blasses, schmales
Mädchengesicht, Glaub meinen
schmeichelnden Worten nicht, Ich warne
dich! Ich warne dich! Kann so süßen
Gesichtern nicht widerstehn, Fühl`
gleich die
... weiterlesen


Das Lied des Blutes

Du Bruder im Dunkel, was drängt mich zu
dir Und drängt auch dich, ich fühl`
es, zu mir? Du kennst mich nicht und
ich kenn` dich nicht, Doch etwas in
unseren Herzen spricht: Der is
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Leda

Du großer Meister, sei bedankt! Dies
Bild aus deinem Pinsel, Das laut der
Menge Neid umzankt, Mir wird`s zur
Rettungsinsel. Als Siebzigjähriger
stellst du dar, Und denkst ga
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Gang durch die Mondnacht

Du hast die Wunder einer
Sommernacht Noch nie mit gläubigem
Herzen durchgenossen? So folge mir!
Heut` fühlst du ihre Macht. Reich` mir
die Hand; heut` ist die ganze
Pracht Des weic
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Sankt Florian

Du heiliger Sankt Florian, Nimm du dich
meines Herzens an! Noch lodert`s nicht
in hellem Brand; Du hast das Kännlein
in der Hand, Gieß deine kalten
Fluten In meine Herzensgl
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Genesene Ophelia

Du klare, alabasterweiße
Stirne, Darauf der Abglanz aller
Keuschheit thront, - Gleichwie im
Diadem der Nacht der Mond - Heut` bist
du wieder rein, wie Eis der
Firne. Ach, hi
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Nach Fiebernächten

Du liebes, liebes Vöglein du, Heut`
hör` ich gern deinem Singen zu, Es
klingt, von Träumen und Sehnsucht
schwer, Von drüben vom Pfarrhausgarten
her. Im Fieber, all` die N
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Konzert

Du saßest lauschend und das Lied
verklang; Doch bebte noch die Luft von
seiner Macht. Mein Blick lag heiß auf
dir und sehnsuchtsbang; Da bist du von
der Glut des Blicks erwacht.
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Vereinsamter Wanderer

Du warst mein Glück, da du zu mir
getreten, Als Schutz vor Bösem fühlt`
ich deine Näh`, Und jeden Morgen hab`
ich dich gebeten: Behüt` mich, daß
ich keinen Abweg geh`!
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Mein Liebeslied

Du wunderschönes Mädchen, Seit ich
dich hab` gesehn, Sehn` ich mich heiß
nach einem Lied, Drin meine ganze
Sehnsucht Im Wort soll
auferstehn. Es ist mir nicht gelun
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Traurige Lenzfahrt

Dumpfdonnernder Wagen! Ich fahre durch
den Frühlingsglanz nach Hause, Um
meiner Sterbenden Ade zu
sagen. Tiefdunkelnde Tannen! Ihr
deckt die Hänge längs dem Bahngeleise,
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Alte Hauptstadt

Durch diese alten Gassen wallt die
Zeit Vielhundert Jahre, Ernst im
Angesichte, Und war zumeist grau und
Alltäglichkeit Und war doch manchesmal
auch Weltgeschichte. Die Gass
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Begegnung

Durchs Dunkel schwebend trifft der
Morgenwind Den heimwärts strebenden,
den Abendwind. Der junge grüßt und
ruft erstaunt den alten: `Wie Segel
blähn sich deines Mantels Falten Un
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Morgendüfte

Durchs offene Fenster ins
Schlafkämmerlein Wallen mir
Morgenlüfte, Geschwängert mit
allerhand Spezerei´n, Kräftige
Frühmorgendüfte. Sie kommen wer
weiß woher in der W
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Maria auf Wolken

Ein Bildhauer hat auf der Brücke in
Prag Maria auf Wolken ein Denkmal
gegeben, Den Sockel - ob sie ihms
danken mag? - Läßt er von Amoretten
umschweben. Ich weiß hier eine
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Frühlingsfeier

Ein Blütenzweig, blaßrosa, weiß und
grün, Die Welt hat tausend solcher
Blütenäste, Da darf der eine auch
für uns erblühn Und darf verblühn
bei unserm Liebesfeste. Be
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Einsames Dorf

Ein einsam Dorf mitten im Wald. Im
Rauschen der dunklen Tannen
verhallt Das Lärmen der Welt. Die
weißen Häuser leuchten im
Sonnenschein, Der Himmel ist blau und
die Luft ist rein;
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Cinquecento

Ein Freudentag! Cellinis Guß
gelang! Nun strömt Florenz, der Fürst
voran, herbei, Die Werkstatt hallt von
Jubel und Geschrei; Und Flaggen,
Blumen, Kränze und Gesang. Nur
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Liedchen

Ein ganz kleines
Frühlingsliedchen Treibt mir immer mit
dem Blut, Wie ein fortgerißnes
Blütchen Schaukelt auf des Wildbachs
Flut. Oft schon sank es wirbelnd
unter,
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Geld

Ein Geldschein kam in meine Hand, Von
einem Mädchen auf den Rand Stand
hingeschrieben schicksalsschwer: Für
dich gab ich die Unschuld her. Wer`s
auch geschrieben auf den Ra
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Das Pfeifchen

Ein heißer Sommertag; der Himmel
blau, Das Schulgemach voll goldner
Sonnenstrahlen; Ich träum` vom kühlen
Bach, von Wald und Au` Und schreib`
dabei mechanisch meine Zahlen.
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Saat

Ein Sammetglanz liegt auf der Welt. Die
schweren Ackergäule ziehn Die Pflüge
durch das Krumenfeld Vom Morgenglühn
zum Abendglühn. Die Erde dampft im
Sonnenstrahl,
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Liederseelen

Ein sinkendes Blatt, ein
Vogelflug, Einer einsamen Flöte
träumendes Singen, Ein Mädchenblick:
ist jedes genug, Eines Dichters Seele
zum Tönen zu bringen. Ein sinkendes
Bl
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Der Springbrunn

Ein Springbrunn singt vor meinem
Haus. Wer kennt sich in seiner Sprache
aus? Ich möcht` so gern seine Sprache
verstehn, Gleich möcht` ich`s zu
jemandem lernen gehn. Ihr gla
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Hauptstadtinsel

Ein Zweig des Stroms mit spielendem
Gerinnsel macht einen Teil von unsrer
Riesenstadt, die hier das Aussehn einer
Landstadt hat, zur grün von Lauballeen
durchzognen Insel. H
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Das Alpendorf

Eine Epistel. Dem Dorf, dahin ich
viele Jahre, Der Stadtluft
überdrüssig, fahre, Will eine Schar
von Männern und Frauen Dankbaren Sinns
ein Kirchlein bauen.
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Volksversammlung

Eine Volksversammlung: Wort und
Lieder, Freiheit, Bruderliebe,
Gleichheit, Einheit, Eine Brüderschaft
von Menschen wieder, Und den Tod der
kriechenden Gemeinheit! Singt und
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Hymnus

Einmal im Jahr über dem ewigen Rom In
einer tiefdunklen Nacht über den
Petersdom Kommen die Kronen der Welt
durch die Lüfte gerauscht. Dort, in
der Kuppel versteckt, hab` ich ihr Lied
er
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Die Zwiesprache

Einmal, da war mir wie Hamlet zu
Sinn; Trieb mich des Nachts auf den
Friedhof hin Mit meinem lieben, klugen,
alten Begrabenen Lehrer Zwiesprach zu
halten. Auf sein Hügelchen
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Resignation

Einst hielt ich meines
wunderbaren Geschwaders nur das Meer
für wert. Ich habe längst den Kiel
gekehrt Und bin den Strom zu Thal
gefahren. Nun will ich hier ans
Landen denk
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Psalm

Einst wird ein Tag so voller Liebe
tagen, Und solch ein Frieden wird die
Welt erfüllen, Der letzte Stern wird
seinen Glanz enthüllen Und stille
stehn der goldne Sonnenwagen.
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Bahnfahrt

Endlose Eisenbahnfahrt, trüber
Tag, Trostlose Landschaft. Und im Wagen
drinnen Ich und fünf Weiber, deren
Reden rinnen. Hilf Himmel, daß ich
diese Fahrt ertrag`! Und wiede
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Einer jungen Sängerin

Entperlen im Gesange Die Töne deiner
Kehle, Gleich schwingen meiner
Seele Geheimste Saiten mit. Gestimmt
nach deinem Klange, Erwachen sie zum
Leben, Wenn kaum
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Einem Unmodernen

Epistel. Ja du, mit deiner
Bildnerkunst, Du greifst hinein in des
Vergangnen Dunst, Du schließt die
Hand: da steckt schon einer
drinnen, Ein Kerl von Stahl, mit
heldenhaften Sinnen!
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Seliger Lauscher

Er hatte niemals selbst Musik
geübt, So hat er ihr auch niemals noch
verraten, Wie abgöttisch er diesen
Satz just liebt Von Meister Ludwigs
göttlichen Sonaten. Doch heut z
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Cello

Er neigt sich tief zum Saitenspiele
nieder, Das wie ein Kind ihm sanft das
Knie berührt. Er fühlt, indes er
breit den Bogen führt: Du gibst mir
meine ganze Seele wieder. W
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Sanfte Stunden

Es gibt so sanfte Stunden, Daß alle
deine Wunden, Die dir das Leben
schlug, Vernarben und gesunden. Sie
gehn mit leisen Schritten An dir vorbei
und bitten: `Du
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Stille Gedichte

Es giebt eine Art von stillen
Gedichten, Die nichts erfinden und
nichts berichten, Die, wie mit
schlanken, blassen, weichen Fingern
über die Stirne dir streichen, Die wie
ein Hauch
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Das Weihnachtsmärchen

Es ist ein Märchen ergangen von einer
Gottesbraut Und ihrem hochheiligen
Kinde: das klingt so
muttervertraut! Es neigen im Stalle
die Köpfe andächtig Esel und
Rind, Drei große K
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Heilige Sommernacht

Es öffnen sich der Vorstadt letzte
Gassen in Luft und Land, Feldfrieden,
sanft und mild. Vom Himmel gießt sein
Licht in vollen Massen gleißend in
stille Nacht des Mondes Schild.
... weiterlesen


Altes Ghettoliedchen

Estherl, mein Schwesterl, was ist mir
gescheh`n! Ein Judenkind soll unter
Christen nicht geh`n! Die Mutter hat
recht; aber jetzt ist`s zu spät, Sie
hab`n mich erkannt und gehöhnt und gesc
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Der Parnaß

Fresco von Raffael. Auf dem Parnaß
in ewigem Lenze grünt Der Lorbeer. Um
den schlanken jungen Stamm Schwebt
ihren Tanz die keusche
Musenschar. Apoll tritt zwischen sie,
der
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Der schöne Knabe

Freund, gieb acht auf deinen holden
Knaben; Er ist schlank und schön wie
Raphael, Und der Frauen streichelnd
weiche Blicke Wecken bald in ihm die
Leidenschaften Also, daß ihm seine
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Frühling (III)

Frühling ist ein
buntgestalter, Farbentrunkner
Riesenfalter, Schaukelt bunt im
Sonnenstrahl Gaukelnd über Berg und
Tal, Regt die siebenfarbigen
Schwingen, Leuchten in die We
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Hymnus (III)

Geheiligt sei der Tag! In seinem
Licht, Du junges, schönes,
königliches Weib, Ist also sieghaft
rein dein Götterleib Und so gebietend
hehr dein Angesicht, Zum Sinne sprichst
du, z
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Rückfall

Gesellschaftsüberdruß trieb mich
hieher In dieses Försterhauses grünen
Frieden. Der Tag im Paradies war
himmlisch leer, So ist mir jetzt das
Paradies beschieden. Ich trä
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Bild

Gleichwie ein Wandersmann, der Tag war
heiß, Am Brunnen reicht das schlanke
Mädchen ihm Den Krug, daß er die
trockne Kehle netze; Nun nimmt er ihn
in seine beiden Hände, Den Kopf
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Tiefe Sehsucht

Gott, mag mir der Himmel nur immer
vergönnen, Nach wem mich zu sehnen,
wen lieben zu können, Die Lider recht
innerlich einzudrücken, Um hell meiner
Sehnsucht Gefäß zu erblicken,
... weiterlesen


Zug des Schicksals

Großvater war noch die alte
Rasse, Fuhr gedrückt in der vierten
Klasse; Saß auf dem Rucksack mit
Fellen und Häuten, Manchmal durft` ihn
sein Junge begleiten. Als sich der
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Winternacht

H.T. gewidmet Winternacht. In weißer
Watte Liegt verwahrt die ganze
Welt, Haus und Hof und Fluß und
Matte. Winterschlaf in weicher
Watte, Und kein Laut in Wald und F
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Der Briefschreiber

Hab` viele Brief` in die Welt
geschickt, Welt sollt` Antwort
schreiben! Es gibt solche Leute, die
glauben daran, Daß man Liebe und
Freundschaft erschreiben kann! Welt
läßt es blei
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Sehnsucht nach dem Wald

Herbst liegt seit Tagen mir schwer in
den Gliedern. Wenn auch die Sonne noch
niederlacht, Fehlt mir der Mut, ihren
Gruß zu erwidern, Weil meine
Herbstangst mich traurig macht.
... weiterlesen


Herrn Reinwalts Ritt

Herr Reinwalt über das Schneefeld
ritt, Ein Brieflein, rosenrot und
warm, Rief ihn in Frau Jorindens
Arm. Die Sonne über das Schneefeld
glitt. Wie hatt` er diesen Brief so
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Hochzeitsreise

Heut früh, beim
Durchdiefeldergehn, Hab` ich was
Wunderbares gesehn: Über die Schienen,
durchs Grün gezogen, Kam ein
donnernder Zug geflogen. Auf der
Maschine, wer lenkte den Flug
... weiterlesen


Traumengel

Heut hat Traumkönigin die
lichten Traumenglein in die Nacht
geschickt, Die wissen Träume zu
erdichten, Vom Baum der Wünsche
abgepflückt. Nun flattern sie durch
alle Gasse
... weiterlesen


Der Kirschenbaum

Heut hatt` ich einen Kindertraum. Sein
Inhalt war: ein Kirschenbaum, Sonst
nichts. Der war so kirschenschwer, Man
sah von seinem Grün nichts mehr. Der
rote Baum stand ganz a
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Die kalten Finger

Heut hielt ich lang` die grabkühle
Hand Einer Sterbenden in der
meinen: Nun will mir`s immer noch
scheinen, Ihr Frost sei mir in die
Finger gebannt. Und nun, du holdes
Leben
... weiterlesen


Das Wunder

Heut nacht hat was Helles mich
aufgeweckt, Aus meinen Träumen mich
aufgeschreckt; Ich lief ans Fenster, so
wie ich war, Da sah ich die Welt ganz
wunderbar: Auf Baum und Rasen, auf S
... weiterlesen


Hellblauer Märztag

Heut war der Morgen so leuchtend
klar, Daß mir ganz lenzhaft zu Mute
war, Der Himmel wölbt sich so
märchenblau, Daß ich voll Dankbarkeit
aufwärts schau. Das ist kein Win
... weiterlesen


Waldmärchen

Heut`, als ich auf dem blanken Pfad Ins
grüne Waldesdämmer trat, Da standen
aufrecht, Stamm bei Stamm, Die Bäume
frank und schlank beisamm`: Mir ward
ganz frei, ich ging einher,
... weiterlesen


Waldsprüchlein

Hier in dem meilenweiten Wald Fühl`
ich mich wie zu Haus, Bin in dem Tann
vier Wochen bald Und will gar nicht
heraus. Geh nur so immer vor mich
hin Und grüße Baum u
... weiterlesen


Lauschender Pan

Hinter Bäumen versteckt lauscht Pan
einem Liebespaar: `Mädchen, wie lieb`
ich dich innig, wie lieb` ich dich rein
und wahr! Welch ein Wunder geschah mir!
Wie fühl` ich mit staunendem Beben,
... weiterlesen


Junge Mütter

I. Das verlassene Mädchen Und da es
niemand merken kunnt`, Beugt sich das
junge Weib Hinunter tief mit zuckendem
Mund Zu ihrem gesegneten
Leib, Gesegneten Leib ...
... weiterlesen


Legenden

I. Deutschböhmische Legende Meiner
lieben Heimat junge Mütter, Eines
Kindes frühen Tod beklagend, Essen
Kirschen niemals vor Johanni. Denn die
heilige Maria droben
... weiterlesen


Zwei Chansons

I. Die Pfaffenkutten Mädeln, hört
zu: ich hab` einen Haufen Pfaffenkutten
zu verkaufen. Ist feine, schwarze,
knisternde Seide, Jede Kutte reicht
grade zu einem Kleide;
... weiterlesen


In drei Kapiteln

I. Und mag ich auch mit frech
erhobnen Blicken Und fern dem Schwarme
ihrer Schmeichler stehn, Die buhlen um
des stolzen Hauptes Nicken, So muß sie
doch in diesen trotzig kü
... weiterlesen


Sulamith

Ich bin der König Salomo Und bin der
große König; Und Berg und Hügel,
Meer und Strand Und Wüstensand und
Ackerland Sind meinem Winke
untertänig. Ich bin der Kön
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Trösterin

Ich bin ganz stumm vor Sorgen! Jeder
Morgen Hält nur neue Sorgen
verborgen! Aber du, meine
Abendruh, Meine Morgensonne, mein Segen
du, Schau mich nur an und sing imme
... weiterlesen


Brücke der Sehnsucht

Ich fleh` am Strom und sehn` mich
stumm Zum Haus der Geliebten
hinüber. Ihr Menschen baut so winklig
und dumm, So ist mir auch eure Brücke
zu krumm, Ich schlag` mir die eigene
lieb
... weiterlesen


Das verfolgte Mädchen

Ich fühl` ihn, ich fühl` ihn hinter
mir gehn, Ich möchte den Kopf so gern
nach ihm drehn, Nur würd` er mir dann
in die Augen sehn, Und dann, dann wär`
es um mich geschehn ..
... weiterlesen


Ruhe der Liebe

Ich geh so sicher durch die Welt, Weil
du so ruhig mir vertraust; Ich hab`
dein Glück auf mich gestellt Und
weiß, daß du auf Quadern baust. Als
ich dich sah, liebtest du m
... weiterlesen


Epistel an Deutschlands junge Dichter

Ich habe heut meinen zornigen Tag, Da
ich gern die Wahrheit sagen mag; Mögt
ihr, wenn ihr meine Weisheit
vernommen, Auch euren zornigen Tag
bekommen! So hört! Die deutsche
Dichtere
... weiterlesen


Das Ewige

Ich hab` allzeit mein Ewiges
verschwendet, Hab` nie mit dem, was mir
gegeben ward, Als irdischer Verwalter
karg gespart Und hab` es voll ins All
zurückgesendet. Drum hab` ic
... weiterlesen


Ständchen

Ich hab` die ganze Frühlingsnacht Vor
meines Liebchens Haus gewacht, Der
Himmel war voll Sternenglanz, Mein Herz
war eingesponnen ganz In Sehnsucht und
in Liebe, In Sehnsucht
... weiterlesen


Eine Melodie

Ich hab` seit Jahren eine Melodie, Ich
war entzückt, als ich zuerst sie
hörte, Mir war, als ob der Gott der
Töne sie Im weiten Saal nur mir allein
bescherte. Seit damals s
... weiterlesen


Nachtliedchen

Ich hätte doch heut in der Nacht, Aus
dem Traume erwacht, Das kleine Liedchen
aufschreiben sollen! Die Nacht war
selber wie ein Gedicht, Sie sah mir so
innig ins Angesicht, D
... weiterlesen


Im Lehnstuhl

Ich kann nicht dran vergessen, Muß
immer und immer dran denken, Wenn meine
Lider sich senken, Bebend vor buhlendem
Neid, Wie du so dagesessen, Dich in
den Lehnstuhl s
... weiterlesen


Der Reigen

Ich lieb` es so sehr, auf das
Schleppenrauschen Der schreitenden,
gleitenden Stunden zu
lauschen: Immerzu, immerzu, Ohne Rast,
ohne Ruh, - Und ist doch die Ruh - Und
mir falle
... weiterlesen


Die Uhr

Ich seh vom Fenster eine
Straßenuhr, Die als sein Schild ein
Uhrenhändler führt, Durch dürre
Zweige so bis Mitte Mai, Bis die Allee
zum Frühlingsblühn erwacht. Ganz
deutlich au
... weiterlesen


Anton Dvorak

Ich seh` ihn oft durch die Straßen
gehn, Nicht eben ansehnlich
anzusehn, Wie etwa ein Amtmann, ein
früh entgleister, Oder ein mäßiger
Landbürgermeister. Auf dem Kopf einen
Glanz
... weiterlesen


Im Glockenturm

Ich stand hoch oben im Glockenturm, Als
alle Glocken ertönten, Als mächtig im
rollenden, grollenden Sturm Die erzenen
Stimmen erdröhnten. Da ward die Luft
so töneschwer
... weiterlesen


Fürsprechs Liebesflehn

Ich steh` vor dir und bitt` um Liebe
dich Wie einer, der in Sehnsucht sich
verzehrt, Ich fleh` um Liebe, aber
nicht für mich, Fleh` für den Freund,
der dich, nur dich, begehrt.
... weiterlesen


Romanze

Ich trat vor den König: `Erprobe mein
Lied, Und mag mein Sang der Königin
taugen`. Und der König winkte mir matt
und müd, Und ich sang mein Lied `von
den meertiefen Augen`:
... weiterlesen


Der Blinde

Ich war zu lang ein Wolkenspäher Und
forscht` im Sonnenangesicht Nach der
Erkenntnis Strahlenlicht: Da ward ich
blind und - bin ein Seher. Denn Tag
und Nacht, denn Mond und
... weiterlesen


Liebesgeschichten

Ich weiß ein paar winzige
Liebesgeschichten, Und solche erleb`
ich an jedem Tag: Zwei braune Augen,
zwei blaue Augen, So heißt meine erste
Liebesgeschichte; Zwei braune Augen,
zwei
... weiterlesen


Findelkind

Ich weiß nicht, wer mein Vater
ist, Noch, wer meine Mutter
gewesen. Sie haben mich irgendwo auf
dem Mist Ärgerlich aufgelesen. Seit
jener Stunde jagen sie mich Durch
... weiterlesen


In der Fremde

Ich wohn` am letzten End` der
Stadt. Der Menschen war ich
übersatt; Nun sehn ich mich nach Lust
und Leid, Nun tötet mich die
Einsamkeit. Der Herbstwind jammert
durch die We
... weiterlesen


Blitze

Ich, Trasimen, den sie den Frömmler
höhnten, - Denn ich war fromm und
liebte Zeus als Mann, Weil ich ihn
schon als Kind geliebt, und
niemals Befleckte Zweifel meines
Glaubens Tempel -
... weiterlesen


Der letzte Blick

Ihr glaubt es nicht, daß meine Seele
lacht, Daß meine Verse drum so
fröhlich fließen! Dies aber weiß
ich: vor der ewigen Nacht Wird noch
mein letzter Blick die Sonne grüßen;
... weiterlesen


Lied der Mutter

Ihr Kinder, es ist Essenszeit! Halt`
jedes seinen Mund bereit, Ihr Großen,
nehmt Löffel und Gabel, Ihr Kleinen
aber, gebt mir acht, Daß ihr das Kleid
nicht schmutzig macht,
... weiterlesen


Hymnus (I)

Ihr schlanken Jünglinge und ihr,
anmutige Mädchen, Die ihr mir folgt,
weil mein Greisentum Seine Erfahrungen
gern mit euch teilt, Ihr Heiteren,
Hellen, die ihr mir nach zum Haine
wandelt,
... weiterlesen


Die jungen Künstler

Ihr Sommernächte, mild und rein, Ihr
Mondesstrahlen, keusch erzitternd Im
silberweißen Birkenhain; Ihr Blätter,
hell wie Seide flitternd! Der
Märchenzauber thut sich auf U
... weiterlesen


Prager Elegien I

Ihr werft mir vor, kurzsichtigen Blicks,
daß heimatlos Mein bebend Lied nur
Traumgebild des Künstlers sei, In
Lüften schwebend, wie die schwanken
Herbstesfäden, Und keine Wurzel saug`
i
... weiterlesen


Zwei Küsse

Im Anfang unsrer Liebe war ein
Kuß Verheißung allen Glücks, uns
reich gespendet; So steht ein zweiter
jetzt an ihrem Schluß, Da sich dein
müdes Seelchen von mir wendet.
... weiterlesen


Ernte

Im glühenden Mittag schimmert das
Land, Das Kornfeld flimmert im
Sonnenbrand, Die Halme sind müd`, und
die Ähren sind schwer, Sie sehnen die
sirrenden Sensen her, Und die schweren
... weiterlesen


Gräberfrühling

Im Herbst und Winter hatten wir sein
Kind Oft auf den Friedhof mitgenommen.
Ach, Wir sprachen fremde, unverstandne
Worte, Wenn wir ihm sagten: `Hier in
diesem Garten, Hier unter dein
... weiterlesen


Weiße Rosen

Im Jahr, da Neros Tollheit grausam
ward, Und Neros Grausamkeit
verschmitzte Tollheit: Nur frisches Rot
aus Wunden labt sein Auge, Nur
Todesröcheln war Musik dem Ohr Und
Blutdunst wa
... weiterlesen


Die beiden Dichter

Im selben Garten wandeln wir, zu
dichten. Dieselben Bäume rauschen
über dir, Dieselbe Sonne sendet ihre
lichten, Beschwingten Grüße nieder
dir und mir. Doch meine Verse g
... weiterlesen


Der dunkle Baum

Im weiten Felde stirbt der Tag. In
Schatten harrt die müde Welt, Was nun
mit ihr geschehen mag, Eh` Mond und
Stern die Nacht erhellt. Im Felde
steht ein alter Baum. N
... weiterlesen


Schicksal des Schaffensfrohen

Im Wirkungskreis, den seine
Jugendkraft Täglich erweitert, steht
der Arbeitsfrohe, Das Schaffen ist ihm
Glück und Leidenschaft, Er fürchtet
nicht, daß ihm ein Ende drohe.
... weiterlesen


An eine junge Frau

In deinem Schlafgemach, Menippa, junge
Frau, Stellst du beflissen jetzt, da
sich dein Wunsch erfüllt, Die
auserlesen schönsten Götterstatuen
auf; Und manche Stunde schaust du
sinnend hin
... weiterlesen


Die junge Frau

In deiner mildgesenkten Wimpern
Schatten Liegt, junge Frau,
Bescheidenheit und Demut Und stiller
Dank für deinen ernsten Gatten: Doch
ist es auch wie eine kleine
Wehmut; Wie
... weiterlesen


Wundernacht

In den Strahlen des Monds, die zur Erde
staunen, Ist mein Gärtchen ein
herrlicher Garten geworden, Voll Blumen
der seltensten Arten geworden, Die
Märchen duften und Düfte raunen.
... weiterlesen


Wien

In der Allee von hundertjährigen
Bäumen Fällt welkes Laub; die
Abendsonne sprüht Fern ihre Funken
aus. Der Himmel blüht, Und die Natur
bereitet sich, zu träumen. Hier a
... weiterlesen


Alter Park

In der Altstadt, die nur so heißt, -
denn, wo einst Winkelgäßchen
gekauert, dunstig vom Mittelalter
umschauert, dehnen Zinshausstraßen
sich dreist, - Eine Oase, die jedes
... weiterlesen


Stiller Alpensee

In des Frühherbsts blauen
Wundertagen Ward mir hier ein Wandertag
beschieden: Herz, mein Herz, hier
sänftige dein Schlagen, Tauche nieder
in den Landschaftsfrieden. Staunen
... weiterlesen


Mit Rosen

In die helle Sommerfrische, In das
grünumrankte Haus Folgt dir dieser
träumerische, Sehnsuchtsschwere
Rosenstrauß. O, ich weiß, aus
Rosenfluten Hebt sich euer Tusk
... weiterlesen


Wahnfried

In diesem dunklen, wehmutsstillen
Thal Baut` ich ein Haus. Ich hab` es
nie betreten. Es ist ein düster Haus
für Weltasketen; Ich baut` es einst in
dunkler Stunden Qual. Die
... weiterlesen


Bleistift-Zeichnung

In diesem fernen Alpental Hat mich ein
Morgentraum geweckt: Ein starkes,
schöngezäumtes Roß Steht scharrend
vor dem Herbergstor; Draus tritt nun
wie ein junger Gott In eine
... weiterlesen


Der kleine Park

In diesem Garten an des Stromes
Rand Gehn sonst nur Pärchen,
alltagabgewandt; Stehn ein paar Bänke
unter alten Bäumen, Da sitzen sie. Das
Wasser rauscht. Sie träumen. Bin
... weiterlesen


Elegie

In dieser Welt, die, seit sie ward,
vergeht, In der die Sonne stirbt am
eignen Glanze Und sich im ungeheuern
Totentanze Der wilde Reigen der
Gestirne dreht; Auf dieser Erde,
... weiterlesen


Dolche und Küsse

In einem Hefte längst vergess`ner
Lieder Fand Anselm Poitou ein klein
Gedicht; - Einst schrieb er`s hin, da
glühte sein Gesicht - Es hieß: Auf
einen Dolch. Kaum kannt` er`s wieder:
... weiterlesen


Größenwahn

In einer Nacht, in deren
Bahrtuchdunkel Kein milder Silberstrahl
des Mondes fiel Und keines Sterns
vertrauliches Gefunkel, Traf ich
Schlemihl. `Was suchst du hier,
Schlemihl?`
... weiterlesen


Ausklang

In Indien, am Strand des jungen
Ganges, Hebt sich in Lüfte, rein und
mild und klar, Ein Marmortempel, stolz
und wunderbar: Er heißt `das Haus des
ehrlichen Gesanges`. Die D
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Hiobs Versuchung

In meiner Hütte, in meiner Einsamkeit,
auf meinen Knien Hab` ich anbetend
immer wieder deinen Namen geschrien, O
Herr, du Einziger, du in dir Geeinigter,
höre mich, Ich hoffe, ich vertrau
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Wege

In meiner Jugend Wandertagen Liebt` ich
es, wenn die Wege stiegen, Um dann im
Sonnenscheinbehagen In scharfem Bogen
umzubiegen. O, welch ein Anreiz,
auszuschreiten! We
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Allabend

In purpurroten Gluten Verleuchtet der
Sonnenschein, Die fernen Gipfel
verbluten Sich in den Abend
hinein. In feierliches
Staunen Versinkt nun Licht und
Leben; D
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Das Tor der Träume

In sanften Angeln geht das Tor der
Träume; Mit Fingern eines Blinden
tastest du Dem leichten Riegel an dem
Tore zu Durch lange Gänge und durch
weite Räume. Im offnen Tor d
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Gassen

In wie viel Gassen lebt` ich doch! Und
wie viel Gassen harren noch Und warten
auf den kurzen Tag, Daß ich in ihnen
wohnen mag! Da waren Gassen, groß
und klein, Voll
... weiterlesen


Zweikampf

Ins schwüle Dunkel einer
Sommernacht Trieb mich die zwiefach
dunkle Macht der Sinne. Da stand ein
mächtig Weib vor mir: `Gib Acht! Jetzt
ring` mit mir! Fühlst du die Kraft in
dir,
... weiterlesen


Alte Uhr

Ist eine alte Uhr in Prag, Verrostet
das Werk und der
Stundenschlag, Verstummt ihre Stimme im
Munde, Zeigt immer die gleiche
Stunde. Doch täglich einmal, so tot
sie sei,
... weiterlesen


Die Abende

Italia, du schöne Buhlerin, Wie
locktest du mir Herz und Glut und
Sinn, Wie machtest du den Abschied mir
so schwer! Wenn nicht dein Abend ohne
Seele wär`! Denn Abende sind
... weiterlesen


Vorletzte Stunde

Jede Stunde ist Tochter und Mutter
zugleich Und macht uns arm, und macht
uns reich. Und immer öffn` ich von
neuem die Tür: `Tritt ein, du Stunde,
was bringst du mir?` Sie s
... weiterlesen


Der Träumer

Jetzt hat die weiße Winternacht Mir
einen närrischen Traum gebracht: Ich
stand auf unserm Kirchenplatz Und lugte
aus nach meinem Schatz. Der Platz lag
leer im Sonnenschein,
... weiterlesen


Die jungen Mädchen

Junge Mädchen sind Rokoko: Weiße
Kleidchen und zierliche
Schrittchen, Träume von Königsohn und
Schneewittchen, Seufzer und Thränen,
bang und froh; Junge Mädchen sind
Rokoko...
... weiterlesen


Lied des Wandrers

Kann denn der Wandrer zur Ruhe
kommen, Da alle Dinge so herrlich
sind! Hat er im Eichlaub den Sturm auch
vernommen, Anders in Palmen säuselt
der Wind! Anders am Tag, wenn die Sonne

... weiterlesen


Liebesbrief

Kluges nicht will dir künden Dieses
Brieflein, ganz klein, Will dich mir
zärtlich verbinden, Will ein
Liebesbrief sein. Liebe sucht keine
Worte, Klopft nur stumm abe
... weiterlesen


Einfältiges Lied

König ist spazieren gangen, Bloß wie
ein Mensch spazieren gangen, Ohne
Szepter und ohne Kron`, Wie ein
gewöhnlicher Menschensohn. Ist ein
starker Wind gekommen,
... weiterlesen


Still bewegt

Laß mich nur ganz still neben dir
sitzen: Schon der Samt deiner
Fingerspitzen Ist mir Besitz und
Unterpfand. Wenn meine Augen sich
verschleiern, Laß sie schweigende
Andachten feier
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Tempel der Kunst

Laßt hundert Stufen aufwärts
führen Zum Tempel, den ihr weiht der
Kunst, Daß über eures Alltags
Dunst Sich öffnen seine
Flügelthüren! Daß, wenn in
feierlichem Wallen
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Knabenbelehrung

Leg` dich ins Bett, Bub, es ist
Schlafenszeit! Du willst doch morgen
wieder aufrecht stehn, Und daß ihr,
Beine, dazu fähig seid, Müßt ihr bei
Zeiten jetzt zu Bette gehn!
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Lichter über dem Strome

Lichter über dem Strome drüben, Liebe
Lichter, was ruft ihr mir? `Du bist
drüben und wir sind hüben, Und die
Klarheit kennt kein Drüben. Klarer
Abend, dort wie hier ...`
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Offne Fenster

Liebes, leichtes Seelchen meiner
Lieder, Findest du zu mir den Weg nicht
wieder? Sieh, wie meine Fenster offen
stehn! Daß du bald auf meinen Finger
nieder Senken magst dein weiches
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Der Trauerbrief

Liebster, heut` nimm diesen Brief für
mich: Du Armer, du Lieber, wie lieb`
ich dich! Du Liebster, wie möcht`
ich heut` bei dir sein! Was starb dir
mit deinem Mütterlein!
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Italienische Madonnen

Madonna in Italien! In wieviel Namen
ich dir hier begegnet: Du bist die
Göttin, die mit Schönheit
segnet.` Madonna della vigna. Gott
Bacchus flieht. Er flucht dir im Entsch
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Maiglöckchen

Maiglöckchenstrauß,
Maiglöckchenstrauß! Ich trage einen
Schatz nach Haus, Weiße Glocken auf
grünem Stengel. Liebe Glöckchen,
weiß und zart und rein! So müssen die
ke
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Marmorbrunnen

Manches Jahrhundert schon rieselt der
frische Quell aus dem Rohr in das
Rathausbecken; Drüber nicht karg ihren
Reiz zu verstecken, Kniet eine Nymphe
nackt in der Nische. All
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Goethestürmer

Manchmal unter Philistern kommt mir die
Lust Auf Goethe zu schimpfen aus voller
Brust, Mich über sein Leben zu
ereifern, In kindischer Wut ihn
anzugeifern, Den Lorbeerkranz ihm abzu
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Herbstlicher Baum

Mein Frühlingsrausch ist lang
vorbei, Nun soll ich Früchte
tragen. In vollen Blüten stand mein
Mai: Wird nicht mein Herbst
versagen? Im Lenz, da ward der Sonne
Huld
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Laternchen

Mein Kiellaternchen spiegelt sich Im
weichen Wellendunkel. Freu dich, mein
Lämpchen, freue dich An deines Scheins
Gefunkel! Sieh, rings die Welt ist
dunkel. Ganz dunk
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Der klügere Säugling

Mein Knäblein tief im Kissen, Nun
sitzt dein Vater stundenlang Und wird
nicht müd, dich anzuschaun, Als
dürft` er sich noch gar nicht
traun, Dich wirklich da zu wissen!
... weiterlesen


Der genügsame Liebehaber

Meine Freundin hat eine schwarze Katze
Mit weichem knisterndem Sammetfell,
Und ich, ich hab` eine blitzblanke
Glatze, Blitzblank und glatt und
silberhell. Meine Freundin
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Verschlafener Baum

Meine Frühlingsungeduld Läßt sich
nicht mehr zügeln! Von besonnten
Hügeln Fliegt sie weit ins Land
hinaus Auf gestreckten Flügeln. Seh
ich plötzlich, weit im La
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Trotz

Meine Liebe zu verschmähen Ist dein
Recht; doch mir zu wehren, Dich vom
Herzen zu verehren, Kann kein Gott dir
zugestehen. Denn mein Herz ist wohl
dein eigen, Doch es
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Der Pelz

Meine Muse friert im hohen Norden, Und
ein Pelzlein ist ihr Traum
geworden, Weiches Fell! Ihr müßt sie
hören schwärmen, Wie das prächtig
kleiden soll und - wärmen. Ach,
... weiterlesen


Blühende Äste

Meinem Fenster genüber, über die
Mauer, Steckt ein blühender Baum seine
fröhlichen Äste, Frühlingsmirakel,
ein bunter Blütenschauer, Leuchtende
Fahnen zum sonnigen Frühlingsfeste!
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Ahnenlied

Meinen Großvater hab` ich noch
gekannt, Er trug sein Bündel durch das
Land Und konnte nicht schreiben und
konnte nicht lesen Und ist ein armer
Hausierer gewesen. Doch, wenn
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Am Waldsaum

Mich führt allmorgen mein
Andachtsgang Durch die leuchtenden
Wiesen zum Baum Am Saum des Walds zu
der einsamen Bank, Sie steht dort als
wie im Traum. Waldboden, schattig, do
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Herbstschwalben

Mir war bisher voll Sommerlust der
Herbst. Die roten Kirschen lachten aus
den Zweigen: Herbst, wenn du`s Laub mit
Kirschenröte färbst, Wird bald der
Menschen ödes Herbstlied schweigen.
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Frühling (II)

Mit einem Blütenzweig in der Hand, Ein
frühlingstrunkener, sanfter
Bacchant, Schritt ich auf
sonnenglänzenden Wegen Der festlich
bewegten Stadt entgegen. Da haben die
Blü
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Notturno aus dem Forsthaus

Mit Träumersinnen, die der Schlummer
flieht, Lieg` ich im Mondschein
aufgestützt im Bette. Das Bächlein
murmelt und ich starre müd` Auf des
Gebirges ernste Silhouette. De
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Richtspruch der Ewigkeit

Mit wuchtigen Schritten stürmte vor den
Thron Der Ewigkeit Chronos, der
Wanderer. In zornigen Fäusten zerrt er
an den Strähnen Zerwühlten Haars zwei
Weiber hinter sich Und schleu
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Teppich für die Geliebte

Mißacht` nicht meine mönchisch
abgekehrte, Beflissne Teppichweberei
der Reime! Dir dankt sie`s ja, wenn
Schönheit sie verklärte, Sowie dem
Lichte dankt das Laub der Bäume, Darun
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Trauriges Lied

Musik, du Echo der Seele du! Was war
einst Wollaut in meinem Lied Und Traum
und Sehnsucht und Trost und
Ruh... Musik, du Echo der Seele
du! Einst zog mein junges, jubelndes
L
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Votivtafel für Goethes Mutter

Mutter Goethes! Ein Schauer der
Ehrfurcht will uns umwehen! Aber
fröhlichen Blicks trugst du die Bürden
der Pflicht! War doch dein
Muttergefühl fürwahr `kein Mondschein
im Kasten`, Heit
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Der Humorist

Nach dem Gewaltigen begehrt dein
Sinn, Nach That und Urteilsspruch im
Weltgerichte, Nach all den großen
Linien der Geschichte, Die du verfolgst
mit Lust und mit Gewinn; Inde
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Reue

Nach dem Rausche dieser Stunden, Dieser
seligen Sekunden, Dem Verflackern
meiner Glut: Sänftigt sich des
Herzens Klopfen, Und es fällt ein
dunkler Tropfen Reue in me
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Blauer Winterhimmel

Nach der Schneeflocken
Flimmergewimmel Überm Panzer der Erde,
silbrig weiß, Wölbt sich ein
schimmernder, blankblauer Himmel Hoch,
seligfern allem Schnee, allem
Eis. Taugt
... weiterlesen


Das Symbol

Nach einem überhitzten Leid, Versunken
in mein Elend, fand Ich mich in Zimmers
Einsamkeit Mit meiner Sanduhr in der
Hand. Die Sanduhr, müßiger
Ahnentand, Weiß Gott
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Rabbi Simeon ben Jochai

Nach einer talmudischen Legende Du
großer Rabbi Simeon, wie war dein Herz
so glühend! Du liebtest, wie kein
andrer liebt, und haßtest
blitzesprühend! Wer hat sein Volk s
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Auferstehung

Nach Monden Einzelhaft im Kerker
Krankheit Darf ich zum erstenmal heut
vor die Stadt; Die Bäume stehn in
blätterloser Schlankheit, Brach liegt
das Land, das keine Farben hat.
... weiterlesen


Nebel

Nebel füllt grau und fahl mein liebes
Alpental, traurig zu schauen. Gestern
noch war es klar, Himmelslicht wunderbar
lag auf den Auen. Aber, wie`s Mittag
wird - ob sich mein Auge irrt? -
lachende
... weiterlesen


Schloß Ambras in Tirol

Nie sah ich Flammen je so rot
erglühn, Nie Purpurrosen je so
glühend blühn, Wie um Schloß Ambras
heut` im Herbstesglanz Das Weinlaub
flammt, ein blutgetränkter Kranz. Vi
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Mondnacht

Nie sah ich klarer eine
Sommernacht, Nie fühlt` ich mich so
nah dem Sternenzelte; Heut` ist das
letzte Sternlein aufgewacht Und
flimmert glücklich durch die
monderhellte, Von weiß
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Verein der Winkelriede

Nie ward eine Name glücklicher
gewählt! Mir lacht das Herz im Leib;
in Wort und Liede Steh` ich bei dir,
Verein der Winkelriede! Heil dem, der
stolz sich zu den deinen zählt!
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Das Liebeslied

Noch ist mir nicht das eine Lied
gelungen, Das ich dir weihen dürfte,
dir allein! Es müßte sprechen, wie
mit Engelszungen, Und müßte doch voll
irdischer Sehnsucht sein.
... weiterlesen


Unter Bäumen

Nun bin ich einen grünen Monat
lang Vertrauter Gast des Tannenwalds
gewesen Und hab` auf manchem
stundenlangen Gang Die Lettern seines
dunklen Buchs gelesen. Doch, war ich
g
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Antwort aus dem Dunkel

Nun bin ich in die dunkle Nacht Aus
einem stummen Traum erwacht, Jetzt
öffne deinen dunklen Mund, Du Nacht,
tu dein Geheimnis kund, Nun hebe deinen
Schleier! Ich möchte wiss
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Der Nachtwandler

Nun hält die Nacht den dunklen
Monolog Vor dem gewölbten Ohr des
Alls. Am Himmel Auf ihrem
alabasterweißen Schimmel Sprengt Luna
her, die, ach, mein Herz
betrog. Durch der
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Der große Augenblick

Nun leb` ich meinen größten
Augenblick: Sie legen mir mein
langersehntes Kind Glückwünschend in
die Arme, die sich straffen, Als
hielten sie die Kugel dieser Welt. Denn
dieses B
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Aus der Matratzengruft

Nun muß ich liegen und liegen, Daß
ich gebrochener Mann Meiner Stunden
Fliegen Nimmermehr folgen
kann. Liegen und immer nur
lauschen; Und mein gepeinigtes Ohr
... weiterlesen


Vereinigung der Leiber

Nun muß ich meine Glut nicht zügeln
mehr, Nun reiß` ich dich an mich, nun
hab` ich dich, Nun bist du mein, ich
geb` dich nicht mehr her! Ich bin der
Sieger, bin der Herr der Welt
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Heißer Kuß

Nun sich im Kusse unsre Lippen
finden, Du mir so nah und alle Welt so
fern! Da sieht mein Aug` den Demant
sich entzünden An deinem rosigen Ohr,
den Liebesstern. Sein Feuer g
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Vorfrühling

Nun sind ihrer selbst noch die Tage
nicht sicher Und wissen vor Zweifel
nicht aus noch ein: Ist dieser Glanz
noch ein winterlicher, Oder schon
Frühlingssonnenschein? Nun dec
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Gaukler Tod

O Tod mit Stundenglas und Hippe, Den
dunklen Mantel umgetan Um dein
pathetisches Gerippe, Trittst du auch
mich, ein Gaukler, an? Als würdigen
Feind wollt` ich dich grüßen,
... weiterlesen


Der Trost

Oft denk` ich mir in Stunden der
Verzweiflung Mit siechen Blicken meine
Schmerzen messend: Vor fünf-,
vielleicht sechshundert Jahren litt Ein
Mensch wie du das gleiche Leid der
Seele,
... weiterlesen


Der Sieger

Olympia! Mir sprengt das Herz die
Brust! Bin ich derselbe, der ich
gestern war? Der Vollkraft ungeheure
Daseinslust Durchströmt, entzückt,
erhebt mich wunderbar. Vor meinem Volke
s
... weiterlesen


Das Segelschiff

P. A. gewidmet. Der Knabe erspähte
das Schiff zuerst Und rief: `Ein Schiff
mit weißen Segeln!` So, wie man etwas
Helles begrüßt. Der Bräutigam sagte:
`Ein Segelschiff,
... weiterlesen


Gruß vom Meere

Poseidon schlief; das Meer lag
spiegelglatt. Nur wo Selenes
Silberschuh die Flut Mit flüchtigen
Sohlen rührte, war ein Flimmern Und
floß vom Horizont zum Strande her. Die
Wogen un
... weiterlesen


Niederländische Malersizilianen

Rembrandt Auf hohem Berge seh` ich
Moses stehn, Die Arme hoch: Da knirscht
der Sonnenwagen, Die Rosse schäumen,
doch sie müssen stehn Und sehen scheu
die Herrscherarme rage
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Herz und Augen

Ruhelos, den Blick
emporgehoben, Wandern meine Augen hin
und her; Ruft mein Herz sie an: `Ihr
Wächter droben, Späht ihr noch? Ich
hoffe längst nicht mehr! Augen, sagt,
habt ihr de
... weiterlesen


Garabella

Schau ich früh aus dem Fenster
heraus, Harrt meiner schon ein
Seelenschmaus, Der meiner Laune
sonniger Retter Bleibt beim
schlechtesten Regenwetter: Wohnt
gegenüber ein Schneiderle
... weiterlesen


Kleine Ballade

Schon lange war ich nicht so
frohgemut: Auf diesen Dolch schreib`
ich mit warmem Blut Meinen
Namen. Sie schwor mir einst: `Mein
Herz ist treu und rein; Und noch im Tod
bewahr
... weiterlesen


An die Verklärte

Schwebe nieder, Kehre wieder, So
seelenbang ist mir! Ich kann nicht ohne
dich leben Und du kannst als Engel
nicht schweben, Mein Herz hängt zu
schwer an dir. B
... weiterlesen


Lied in der Nacht

Schwermütig klingt es durch die
Nacht; Ein Wandrer, dünkt mich, singt
sich was. Wie weh und bang und müd
klingt das! Ich bin darüber
aufgewacht. Es pochte an mein Ohr: La
... weiterlesen


Der Friedhof

Seht, das Städtchen liegt zu unsern
Füßen, Das uns Wandernachtasyl
verheißt. Eh` der Abend uns zur Ruhe
weist, Laßt uns noch die Toten hier
begrüßen. Welch ein stiller
... weiterlesen


Paradiesisches Lächeln

Seinem Freunde Robert Gersuny Warum
der Tote lächelt? Wißt ihr`s
nicht? Er war ein Heiliger und sein
Leben war Entbehrung und Kasteiung
siebzig Jahr; Und gab nicht Lust fü
... weiterlesen


Widmung

Seinem lieben Detlev von
Liliencron Aus einer Kinderstube
Jubel, Schrei`n Und Kinderjauchzen;
also trat ich ein. Dies war das Bild:
in Zimmers Mitten stand Die blühende
Amme
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Sommerfrische

Sie dachten, ich werde nun hier auf dem
Lande Im Garten lustwandeln, den Stift
in Händen, Wie etwa der Pfarrer am Tag
vor der Predigt, Und werde träumen und
sinnen und dichten. Sie
... weiterlesen


Die Blumen der Witwe

Sie drückt`, wie ich versteckt im
Flieder sah, Auf jede Rose noch der
Liebe Siegel, Und hielt den Strauß dem
Herzen innig nah. Dann legte sie ihn
seufzend auf den Hügel. S
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Handkuß

Sie gab zum Abschied mir die Hand; o
Glück, Der wollt` ich mich durch einen
Kuß vereinen, Erschrocken zog sie
gleich die Hand zurück, Ich aber hielt
zwei Finger fest in meinen.
... weiterlesen


Der Bildhauer

Sie haben stets die herbe Kraft Meines
Meißelschlages gepriesen, Meine
düstere, harte Meisterschaft Hat ihnen
Wege gewiesen. Ich hab` dem Sturm ein
Denkmal gesetzt U
... weiterlesen


Der Sandmann

Sie standen weinend ums Bett
herum, Aber der Sterbenden Mund war
stumm, Denn mitten in ihr Klagen und
Beten War still der Tod an ihr Lager
getreten. Und sie konnt` ihn ganz d
... weiterlesen


Ewige Treue

Sie starb als Braut, die
schmerzerstarrte Hand Des Liebsten
einmal noch zum Munde führend, Daß
ihre Seele auf der Lippen Rand Die
Finger streifte, leise sie
berührend. Und
... weiterlesen


Blick auf die Stadt

Sinnend schau ich nieder auf die
Stadt: Aus den tausend Schloten der
Fabriken Steigen feierlich wie von
Altären Säulen Rauchs empor.  
           
... weiterlesen


Leipaer Sprüchel

So hat uns der Leipaer Lehrer
gelehrt: `Nord, Süden, Osten und
Westen, Wie die Sonne über den Himmel
fährt, Merkt auf, so lernt ihr`s am
besten: Im Osten hinter Dobern geht sie
au
... weiterlesen


Blick auf die Burg

So schön die breite Burg das Stadtbild
krönt, erst heut ist von der alten
Brücke Borden, was uns des mächtigen
Schlosses Blick verschönt, mir in der
Sommersonne klar geworden.
... weiterlesen


Glockenblumen

Sommerhimmelblaue
Glockenblumen! Schöne Freundin, du
geliebt vor allen, Zwischen
Großstadtmauern in dein Gärtchen Ist
ein Stückchen Himmelblau
gefallen. Sommerhimmelblaue
... weiterlesen


Das Sonett als Prolog

Sonett, verlästert oft und arg
verpönt, Den jungen Dichtern du ein
Spott und Graus, Sei mir Prolog, lad
Gäste in dies Haus, Und wehr den
Eintritt jedem, der dich höhnt. Z
... weiterlesen


Der verlorene Sohn

Sonne ist schlafen gegangen, Ich
schreite dem Städtchen zu. Nun wird
mich Mutter empfangen In
Weinachtsabendruh`. `Mutter, willst
du mich wieder, Den du verloren gegl
... weiterlesen


Mit geschlossenen Lidern

Sonst, wenn mein Herz in Liebe sich
verzehrte Und ich die Lider schloß,
ihr nah zu sein, Sah ich die Liebste,
mädchenhaft und rein, Daß sich mein
sündig Herz zur Buße kehrte.
... weiterlesen


Der Spiegel

Spieglein, Spieglein an der Wand Im
Zimmer meiner Geliebten, Tröst` du des
tief Betrübten, Einsam Verliebten
Unverstand! Sie will bald
wiederkommen, Ist fort kaum er
... weiterlesen


Am Klavier

Spiel was von Mozart! Ich liebe dich
sehr: Spiel was von Mozart! Dann lieb`
ich dich mehr! Mädchen, von
Mozartwohlklang umflossen: Alle
Schönheit liegt drinnen verschlossen.
... weiterlesen


Mädchenlied

Sternschnuppenfall,
Sternschnuppenfall! Heut will ich nicht
schlafen und immer nur wünschen, Und
alles wird in Erfüllung gehn: Ein
Kleid aus Seide, aus schneeweißer
Seide,
... weiterlesen


Joachim-Quartett

Stets löst Musik vor meiner Brust den
Riegel, Und Schmerz wie Lust wird
tiefster Schaffensdrang. Aus eurem
Spiel ward mir kein Lied, nur
Klang, Der schwang sich auf und litt
nicht Zaum noc
... weiterlesen


Heilige Sehnsucht

Stets sich sehnen, Arme dehnen Nach
einem hehren, ewigen Ziel, Das ist das
Leben der Wertvollen, Guten, Die sich
in ihre Sehnsucht verbluten. Ihnen ist
Sehnsucht Inhalt, nicht
... weiterlesen


Der Buchhändler

Stets, wenn ich in mein Heimatsädtchen
komm, Mach ich Besuch beim alten
Buchhändler. Hier wird mein
Großstadtherz romantisch fromm Und
meiner Seele Symphonie zum Ländler.
... weiterlesen


Das neue Buch

Stets, wenn von mir ein Buch
erscheint, Wird plötzlich mein bester
Freund mein Feind! Er weicht mir aus,
ich seh` es ihm an, Daß er mir was
nicht verzeihen kann. An seiner Treue
da
... weiterlesen


Trauerweide

Trauerweide, was bebst und zitterst du
so? Werde doch auch der Frühlingssonne
froh, Die den ganzen Friedhof mit
Strahlen füllt Und bis in die Gräber
herniederquillt! Ach,
... weiterlesen


Sommermittag

Traumverlorene Wölkchen Schwimmen im
flimmernden Blau, Summende
Bienenvölkchen Schweben über die
Au, Langsam, vom Zephyr
geschaukelt, Sinken die Blüten vom
Baum, Un
... weiterlesen


Beim Tanze

Um deine Stirn, die helle, Wind` ich,
indeß wir uns wiegen, Flüchtige
Ritornelle: Tirilirende
Lerchen! Laß dir das Herz nicht
bestricken Von all` den schmeichelnden
... weiterlesen


Stummer Bescheid

Und als ich an ihrem Grabhügel
stand Und fröstelnd der Toten Näh`
empfand, Schrie`s in mir: `Wozu war nun
ihr Leben?` - Hört` ich drei Stimmen
Antwort geben. Es säuselt,
... weiterlesen


Die Augen der Seele

Und bist du tausend Meilen fern, So
weiß ich, du geliebte Frau, Ob deine
Seele Sonne hat, Ob deine Seele dunkel
ist. Ich bin wie der blinde
König. Er liebte das Harf
... weiterlesen


Mette

Und eh` das Jahr sich sterben legt In
seinen letzten Tagen, Was ist`s, was
ihm die Lippen regt? Ist`s Leid? Sind`s
Todesklagen? Das Jahr ist alt,
schneeweiß und kalt, Doch, h
... weiterlesen


Das Ständchen

Und eh` die Sonne schlafen ging, Der
junge Mönch sein Lied anfing Der
Mutter Gottes zu singen. Erst flattert
das Lied an der Zellenwand, Hat dann
seine Flügel ausgespannt, S
... weiterlesen


Auf der Höhe

Und endlich nach heißer Mühe und
Schweiß Waren wir über dem ewigen
Eis Auf grauem Felsen. Die Arme
weit Öffneten wir der
Unendlichkeit. Da war ein Jauchzen in
unseren Seelen
... weiterlesen


Marco Polo

Und Marco Polo, braun vom
Sonnenbrande, Stand vor dem König. Er
hob an zu sagen, Was er erlebt in
seinen heißen Tagen, Auf Meereswogen
und im Wüstensande. Von Völkern, fe
... weiterlesen


Der Frühlingsdichter

Und wieder Frühling und
Sonnenpracht Und blauer Himmel und
Knospenspringen! Und wenn ihr mich auch
verhöhnt und verlacht, So will ich
doch wieder mein Lenzlied
singen! Mein
... weiterlesen


Das Floß

Und wieder war der Strom einmal Aus
seiner Erstarrung genesen, Da schwammen
Flöße den Strom zu Tal, Die waren ein
Laubwald gewesen. Lichtdurchwallt und
sangdurchschallt
... weiterlesen


Der Heilige

Und zwischen hundert üppigen
Buhlerinnen Schritt ich dahin im
härenen Gewand, Schritt ich dahin in
weltentrücktem Sinnen, Und wies sie ab
mit strenger Priesterhand. Sie sa
... weiterlesen


Kinderhändchen

Uns hat kein Gott ein Kindchen
zuerkannt, Und kann doch nichts mein
Trübsein so verringern, Als eine
dicke, weiche Kinderhand Mit
Amorgrübchen und mit drolligen
Fingern; Di
... weiterlesen


Berlin

Unter den Linden, Mittag,
Sonnenschein Und Sommerglut; die
Spatzen matt, zum Greifen. Bei hartem
Trommelklang und schrillen Pfeifen Zur
Wachablösung ziehn Soldaten ein. Ein

... weiterlesen


Das ungesprochene Wort

Viel leichter ist`s, zu sterben Mit
liebeleerer Brust, Wenn du keinem
Liebsten den herben Adeeblick antun
mußt. Er möcht` nur immer
lauschen Deinem letzten: `Ach, ic
... weiterlesen


Gesang der Kinder

Vielhundert Kinder um ein offnes
Grab. Sie halten Notenblätter in den
Händen, Um der Gespielin in den Sarg
hinab Und in den Himmel Grüße
nachzusenden. Und droben aus der
... weiterlesen


Vorfrühling der Ehe

Vom Bahnhof holt sie mich in einem
Wagen, Der einer Arche gleicht; schon
aus dem Zuge Seh` ich mit Lächeln vor
dem Bahnhoftore Den Kasten stehn und
rings des Dorfes Jugend. Vom Bock
... weiterlesen


Rast

Vom Dorfe her, in seinen Mantel
träumend, Auf staubiger Straße
schreitet stumm der Tod. Die Sonne
geht. Ein blutiges Abendrot Loht auf im
Westen, grell die Welt umsäumend.
... weiterlesen


Terzinen

Vom Gipfel hier, vom Morgenstrahl
beschienen, Senkt schlängelnd sich der
Weg den Berg hernieder In zögernden,
gestreckten Serpentinen. Gleich einer
Schlange wärmt der Weg die Gli
... weiterlesen


Sanfter Regen

Vom Himmel fallen müde Tropfen
nieder, Doch ist er blau, kein
Wölkchen ist zu schaun: Wie blauer
Mädchenaugen sanfte Lider In
sehnsuchtsvoller Liebe übertaun. Und
Schwalb
... weiterlesen


Seufzer

Vom Lager dieses Kranken
wegzugehen, Der weltverloren in das
Dunkel stöhnt, Hemmt meinen Schritt
ein schmerzliches Verstehen. Als
müßten, gleich gefangenen
Gespenstern, Di
... weiterlesen


An Blauen Frühlingstagen

Vom stolzen Glück des eignen Werts
getragen, Als brächt` ihr Blühn der
Landschaft erst Gewinn, Gehn schöne
Fraun an blauen Frühlingstagen Wie
Königinnen durch die Menge hin; Al
... weiterlesen


Der Führer

Vom Weg verirrt mich durch den Hochwald
tastend, Traf ich dich, wunderlicher,
stiller Greis, An deinem knorrig derben
Bergstock rastend; Mir war, in deinem
Rucksack läge lastend Die
... weiterlesen


Gardasee

Von all den wunderschönen
Sommertagen, Die mich an deinem Strand
so tief entzückt, Hat mich kein
einziger - soll ich`s beklagen? - Im
Neuerlebnis eines Lieds
beglückt. Wol
... weiterlesen


Mein Baum im Nebel

Von einem grauen Nebeltag
befangen, Liegt tot die Welt und war
noch gestern klar. Mein Häuschen ist
mit Trauerflor umhangen Und seine Augen
trübt ein grauer Staar. Mein Bau
... weiterlesen


Der Wettlauf

Von Leben glühend in mein
lichtdurchhelltes Poetenstübchen trat
mein Mädchen ein Und neigt ihr Haupt,
ihr sonnig blondgewelltes, Auf mein,
der Muse harrend,
schräggestelltes Schr
... weiterlesen


Das Fensterkreuz

Vor das bischen lichtblauen Himmels in
meinem Fenster, Meiner
Krankensehnsucht, meinem
Krankenglück, Stellt sich das plumpe,
dunkle Fensterkreuz Und zerschneidet
mir den Himmel in Stücke.
... weiterlesen


Stummes Ständchen

Vor deinem Fenster, diese Nacht, Hab`
ich ein stummes Ständchen
gebracht; Liedern, die Liebe und
Sehnsucht schweigen, Ist der innigste
Wohlklang eigen! Zu deinem Fenster
bli
... weiterlesen


Brunnengruppe

Vor dem Luftschloß meiner Liebe Steht
ein weißer Marmorbrunnen. Aus dem
dunklen Wasser hebt sich Eine schöne
Marmorgruppe: Ein behaarter, zottiger
Triton Mit gespannten Eis
... weiterlesen


Der Dilettant

Vor den Tasten meiner Orgel
sitzend, Falt` ich träumend in den
Schoß die Hände, Schaue Farben, aus
dem Dunkel blitzend, Und beleuchtend
blühende Gelände. Auf der Staffel
... weiterlesen


Die beiden Heiligen

Vor der Kirche die beiden Heiligen aus
grauem Stein Laden mit schöner
Gebärde in die Kirche ein; Können gar
viele gute Menschen nicht
widerstehn, Zu einem kurzen Gebet in
die stille Kirc
... weiterlesen


Michelangelo

Vor einem Marmorblock in tiefer
Nacht Senkt Michelangelo die müde
Hand, Die göttliche, die Leben wecken
kann, Und die der Hammer heut zu Boden
zieht. Er wirft den Meißel fort, er
... weiterlesen


Der Ausblick

Vor unserm Fenster liegt die Stadt
gebreitet, Die Burg, die hundert Türme
und ein Meer Von Kuppeln, Giebeln,
Dächern um sie her, Und breit der
Strom, der unter Brücken gleitet.
... weiterlesen


Der weise Stein

Wahnsinnig Volk, berauscht von wilder
Wut, In starren Augen Haß und tolle
Glut Und Lust an Mord und Trunkenheit
und Tücke, Durchrast die Stadt und
trümmert sie in Stücke.
... weiterlesen


Das letzte Geschenk

Warum er es tat, das war ihm nicht
klar, Ihm war nicht zum Denken
zumute; Er wußte nur, daß sie
gestorben war Und daß sie im Sarge
ruhte. Da trug er zwei Tage sein
großes
... weiterlesen


Den Naiven

Was du logisch kommen siehst, Wird dir
niemals Glück bereiten; Nur `das
Plötzliche` erschließt Dir das Thor
der Seligkeiten. Mit der Logik
Einmaleins Wirst du dich
... weiterlesen


Weisheit des blinden Knaben

Was immer mir das Schicksal noch
beschert, Eh` sie mir einst mein
Ruheplätzchen graben, Daß Grauen
fürder nicht mein Herz verzehrt, Dank`
ich dem Ausspruch eines blinden
Knaben.
... weiterlesen


Einsames Fest

Was ist doch das Herz für ein seltsames
Ding! Und wie ich heut` durch die
Gassen ging, Da fing es wie närrisch
an zu schlagen: `Hör an,` so sprach
es, ``s ist Weihnachtstag, Wo je
... weiterlesen


Der Heimatlose

Was wißt ihr, die ihr Heimat habt, Vom
Heimatswunsch des Heimatlosen! Mag euch
der Schicksalssturm umtosen, Ach, ihr
seid reich und seid begabt! So arm ihr
sein mögt, seid voll Mut
... weiterlesen


Kloster

Was zieht mich nur von neuem stets vor
dieses große, graue Haus? Ein Hauch
von Anderssein umweht`s, es schaut
fürwahr nicht gastlich aus. Sah nie
ein Fenster offenstehn,
... weiterlesen


Der ewige Fluch

Weh meinen Versen, die segnen
sollten Und fluchen müssen, Die von
innigen Küssen, Von Liebe und
Seligkeit klingen wollten, Die jubeln
und jauchzen und preisen möchten Und R
... weiterlesen


Gedächtnis

Wenn der Lenz die ersten Blumen
streut, Muß ich dein in stiller Wehmut
denken: Ach, wie oft, beim
Frühlingsblumenschenken Hat sich mir
dein Frühlingsreiz erneut! Mit gesen
... weiterlesen


Die Bannerträger

Wenn recht ein Sturm die Heide
fegt, Die Weiden fast zur Erde
legt, Dann zieht der ganze
Jünglingsschwarm Hinaus zum Thore, Arm
in Arm, Hinaus zur alten Linde; Die
Locken fla
... weiterlesen


Kinderreim

Wenn wir Kinder die Mutter plagten, Sie
umdrängten und hundertmal fragten: Was
von all den ersehnten Dingen Wird von
der Reise der Vater uns bringen? Sprach
die Mutter: Jedem sein T
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Ernüchterung

Wie Buhlerinnen sich zum Feste
schmücken Mit Schleiern, Blumen,
funkelndem Geschmeid`: `Heft noch die
rote Rose an mein Kleid, Die Perlen
noch, den Kühlen zu entzücken!` -
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Der neue Heiland

Wir sind verderbt durch Deutungen und
Träume, Vererbte Stimmung, Thränen
unserer Ahnen, Durch schwermutvolle
Abendwolkensäume, Geheimnisschwangere
Kometenbahnen; Durch Sch
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Stilles Glück

Wir sitzen am Tisch beim
Lampenschein Und sehn in dasselbe Buch
hinein; Und Wange an Wange und Hand in
Hand, Eine stille Zärtlichkeit uns
umspannt. Ich fühle ruhig dein
Herzchen po
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Das starke Schweigen

Wir standen im Garten und wehrten uns
lang Gegen den Abendflieder. Ich
sprach, und meiner Stimme Klang Zwang
meine Wünsche nieder. Der Abend aber
beschämte mich, Und
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Lied des Vereinsamten

Wir waren dreißig Jahr` ein
Liebespaar, Nichts unternahm ich, ohne
mich zu fragen, Ob mir dafür ihr
Beifall sicher war. Was wird zu meinem
Tun die Reine sagen? O Glück der
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Der Gläubige

Wo dumpf die Styr zum Hades
niederjagt, Schrie einer auf: `Halt!
halt! Gevatter Tod! Mir ward die Fahrt
zum Himmel zugesagt, Doch niedersaust
dies höllisch falsche Boot! Halt an,
so
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Charonsrufe

Wo sich der Styx schwarz in den Abgrund
gießt, Ragt flutumrauscht einsam ein
Felsen auf. Aus Charons Nachen, der
dort niederschießt, Schwang sich ein
Wahrheitsucher felsenauf: `Hie
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Wunder des Sees

Wunder des Sees, beflügelt Ist heut
dein ruhiges Naß: Daß sich mein
Mädchen drin spiegelt, Dankbar
empfindest du das. Selig im Auf und
Nieder Schmiegst du dich an
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Falter

Über dem Felde ein Falter hing, Als
ich mit meiner Liebsten ging. Wie ich
der Liebsten Lippen gefunden, Ist der
Falter im Feld verschwunden. `Honig
gesucht und Liebe
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Rosige Wölkchen

Über den Abendhimmel sind rosige
Wölkchen zerstreut, Wie Rosen über
das Tanzkleid einer Geliebten; Ach,
wenn mich nur nicht an Abenden, sanft
wie heut, Immer so traurige, dunkle
Gedanken
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Winterfee

Über den glitzernden, jungfräulichen
Schnee Wandelt im weißen Mondschein
die Winterfee Auf nackten Sohlen.
Weißer, kleiner Fuß, Fühlst du, daß
dich der Schnee beneiden muß Um
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Stimme des Grabes

Über den Sarg, der neben der Grube
steht, Der Herbstwind stöhnend
zusammenweht: Der Witwe Schluchzen, der
Kinder Klagen, Der Frauen Weinen, des
Priesters Gebet, Und weht auch ins G
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Prager Brücke

Über der alten Brücke in Prag Hängt
ein verschlafener
Frühlingsmorgen. Über die Brücke in
Lust und Plag` Hasten die Freuden und
schleichen die Sorgen. Nacht und
Morgen
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Aussicht

Über die Dächer hinweg und die
Kirchturmspitzen Seh ich durchs
Fernrohr vom Fenster aus Fern auf dem
Berge ein Dörflein blitzen, Einen
gelben Weg und ein Gotteshaus. Auf d
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Vereinigung der Seelen

Zu einem Bilde von Max Švabinsky Und
wenn uns Beide alle Himmel
trennen, Werd` ich am jüngsten Tag aus
tausend Chören Dein Lied und deine
Stimme gleich erkennen: D
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Marie von Ebner-Eschenbach

Zu ihrem achtzigsten Geburtstage Ich
heb` die Leier hoch, um dir zu
huldigen, Und - stocke gleich: ich bin
die Stimme nicht, Die dir zum Lohn heut
Dankesworte spricht! Müßt
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Ausflügler

Zum Bahnhof geh ich gern am Sonntag
Abend, Und fahren donnernd dann die
Züge ein, Bringt jeder Wagen, meine
Seele labend, Ein Stückchen Land mir
in die Stadt herein. Und al
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Kleopatra

Zum ersten Mal, da ich sie schreiten
sah, Das stolze Haupt, den übergroßen
Leib, Durchzuckt es mich: Dies ist
Kleopatra! Das ist nicht eine Frau! Das
ist ein Weib! Ihr Blic
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Festgruß an die Professoren

Zum hundertjährigen Jubiläum der
deutschen technischen Hochschule in
Prag Die Menschheit ist ein Kind,
horcht gern auf Märchen Und deutet sie
nach Kinderart. O Stolz: Nac
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Der Kaiser

Zweifarbige Fahnen flattern durch die
Luft, Von Reisigranken, voll mit
Waldesduft, Prangt jedes Haus, und
Blumen aller Orten. Geputztes Volk
strömt durch die Ehrenpforten, Die
flagg
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Prager Elegien III

Zwischen den alten Palästen Prags, ein
träumender Enkel, Wandl` ich sinnend
dahin, Auge und Seele erregt; Ach, das
Auge entzückt die Größe vergangener
Tage, Ach, die Seele bewegt schme
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Puppentheater

Zwischen zwei Akten des Puppenspieles
lehnen die Puppen schlaff an der
Wand, Aber sie schmähen voll bittern
Gefühles über des Meisters lenkende
Hand. Sagt der König: `Plumper
Geselle! zerrt an
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Erinnerung

Zünd` festlich im Salon die Kerzen
an, Zieh aneinander fest des Vorhangs
Spitzen, Ich schiebe zum Kamin die
Sessel dann, Dort laß uns, uns
umarmend, niedersitzen. Denn sieh
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Der Federkiel

`Dies Liederbuch, drin Saft des frischen
Lebens quillt, Drin du die
Leidenschaften zwingst zu schönem
Spiele, Schriebst du altväterisch mit
einem Federkiele? Mit einem
Gänsekiel!` - Du n
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Das Pathos

`Du großer Meister, sieh, mir fehlt die
Kraft; Das Pathos mangelt mir. Im
prunklos schlichten, Gefälligen Ton
vermag ich wohl zu dichten, Doch fehlt
das Pathos meiner Leidenschaft!`
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Auf einem Sockel

`Du stellst auf einen Sockel, teurer
Meister, Auf einen Sockel diese beiden
Frauen, Die nur dein Eigensinn zu einen
scheint? Dies nackte Wunder eines
schönen Weibes, Verlockend, sch
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Terzinen des Toderwählten

`Ich will in diesem Jahr` - wie Jubel
klang`s, Wenn ich am Neujahrstag
geschwelgt in Plänen Voll weltbewegend
kühnen Überschwangs. Denn ich war
jung und stark, war stark im Sehne
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Das Moosweibchen

`Kinder, kommt fort, Seht ihr nicht
dort Zwischen den Bäumen das
Moosweibchen stehn? Kommt fort, sonst
wird uns ein Leids geschehn! Seht ihr
denn nicht Dort zwischen den Bäu
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Der Paradiesvogel

`Sag, Onkel, sag, wie machst du denn
solche Gedichte?` - `Ja, Kinder, das
ist keine so einfache Geschichte! Wißt
ihr, wenn es ganz still ist und niemand
mich stört, So still, daß man die
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Die Blinde Schwester

`Schwester, meine Augen
starren Lichtlos in die dunkle
Welt, Und sie hoffen und sie
harren, Ob sie noch ein Strahl
erhellt; Harren auf der Sterne
Funkeln, Auf das Licht: doch
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Der heiße Blick

`Wenn die Sonne sinkt, muß ich fort von
dir!` - - `Ach, Sonne, Sonne, bleibe
noch hier!` Und mein Liebstes schaut
durch den Tränenflor Zu den ruhig
schwimmenden Wölkchen empor.
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Zwiegespräch

`Wie kommt es, du weiser und greiser
Mann, Daß niemand das Welträtsel
lösen kann? Und sind so viel tausend
Jahre verflossen, Und hat doch noch
niemand das Rätsel erschlossen!`-
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