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Gedichte - Hugo von Hofmannsthal


Der Beherrschte

Auf einem hohen Berge ging ich, als Mir
Kunde ward, sie hätten dich
gefunden Und mir zur Beute dich mit
Laubgewind Am Turm in meinem Garten
festgebunden. Ich nahm den Heimweg mit
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Da ich weiß...

Da ich weiß, Du kommt mir wieder Machen
mich die Wolken froh, Und am
Georgienbeete Abendstille freut mich
so! Fröhlich such ich mir den
Schatten, Bis die Sonne fast versin
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Ballade vom kranken Kind

Das Kind mit fiebernden Wangen
lag, Rotgolden versank im Laub der
Tag. Das Fenster hing voller wildem
Wein, Da sah ein fremder Jüngling
herein. »Laß, Mutter, den schönen
Knabe
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Für mich...

Das längst Gewohnte, das alltäglich
Gleiche, Mein Auge adelt mirs zum
Zauberreiche: Es singt der Sturm sein
grollend Lied für mich, Für mich
erglüht die Rose, rauscht die
Eiche. Die
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Dein Antlitz

Dein Antlitz war mit Träumen ganz
beladen. Ich schwieg und sah dich an mit
stummem Beben. Wie stieg das auf! Daß
ich mich einmal schon In frühern
Nächten völlig hingegeben De
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Der Jüngling und die Spinne

Der Jüngling vor sich mit wachsender
Trunkenheit Sie liebt mich! Wie ich nun
die Welt besitze Ist über alle Worte,
alle Träume: Mir gilt es, daß von
jeder dunklen Spitze
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Weltgeheimnis

Der tiefe Brunnen weiß es wohl, Einst
waren alle tief und stumm, Und alle
wußten drum. Wie Zauberworte,
nachgelallt Und nicht begriffen in den
Grund, So geht es jetzt von
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Dichter sprechen

Dichter sprechen: Nicht zu der Sonnen
frühen Reise, Nicht wenn die
Abendwolken landen, Euch Kindern, weder
laut noch leise, Ja, kaum uns selber
seis gestanden, Auf welch ge
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Der Jüngling in der Landschaft

Die Gärtner legten ihre Beete frei, Und
viele Bettler waren überall Mit
schwarzverbundnen Augen und mit
Krücken Doch auch mit Harfen und den
neuen Blumen, Dem starken Duft der
schwach
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An eine Frau

Die wahre Ernte aller Dinge bleibt Und
blüht in hoher Luft wie lichte
Zinken, Das andere war nur da um
wegzusinken. Und irgendwie
geheimnisvoll erträgt Es unser Geist
nur immer
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Auf den Tod des Schauspielers Hermann Müller

Dies Haus und wir, wir dienen einer
Kunst, Die jeden tiefen Schmerz
erquicklich macht Und schmackhaft auch
den Tod. Und er, den wir uns vor die
Seele rufen, Er war so stark! Sein Leib
wa
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An einen, der vorübergeht

Du hast mich an Dinge gemahnet, Die
heimlich in mir sind, Du warst für die
Saiten der Seele Der nächtige
flüsternde Wind Und wie das
rätselhafte Das Rufen der atmenden N
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Ein Knabe stand ich

Ein Knabe stand ich so im
Frühlingsglänzen und meinte
aufzuschweben in das All, unendlich
Sehnen über alle Grenzen durchwehte
mich in ahnungsvollem Schwall! Und
Wanderzeiten kamen, ra
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Aber seltsam!

Ein namenloses Heimweh weinte lautlos In
meiner Seele nach dem Leben, weinte, Wie
einer weint, wenn er auf großem
Seeschiff Mit gelben Riesensegeln gegen
Abend Auf dunkelblauem Wasser a
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Die Geständnisse

ER: Nur dieses kannt ich über mir:
Gebot Der Sterne hehr und klar, und aus
der Ferne Der Väter Stimmen, strenger
als die Sterne, Drei: Dienen, Tragen,
Stehn, die drei sind not.
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Vorfrühling

Es läuft der Frühlingswind Durch kahle
Alleen, Seltsame Dinge sind In seinem
Wehn. Er hat sich gewiegt, Wo Weinen
war, Und hat sich geschmiegt In
zerrüttetes
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Dichtkunst

Fürchterlich ist diese Kunst! Ich spinn aus dem Leib mir den Faden,
Und dieser Faden zugleich ist auch mein Weg durch die Luft.
Besitz

Großer Garten liegt erschlossen, Weite
schweigende Terrassen: Müßt mich alle
Teile kennen, Jeden Teil genießen
lassen! Schauen auf vom
Blumenboden, Auf zum Himmel durch
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Drei kleine Lieder

I Hörtest du denn nicht hinein, Daß
Musik das Haus umschlich? Nacht war
schwer und ohne Schein, Doch der sanft
auf hartem Stein Lag und spielte, das
war ich. Was ich konnte
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Der nächtliche Weg

Ich ging den Weg einmal: da war ich
sieben, So arm und reich! Mir war, ich
hielt ein nacktes Schwert in
Händen, Und selbst die Sterne bebten
seinem Streich. Mit siebzehn ging ich
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Botschaft

Ich habe mich bedacht, daß schönste
Tage Nur jene heißen dürfen, da wir
redend Die Landschaft uns vor Augen in
ein Reich Der Seele wandelten: da
hügelan Dem Schatten zu wir stiegen
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Erfahrung

Ich kann so gut verstehen, die
ungetreuen Frauen, So gut, mir ist, als
könnt ich in ihre Seelen schauen. Ich
seh um ihre Stirnen die stumme Klage
schweben, Die Qual am langen, leeren, am
lebe
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Das Wort

Ich weiß ein Wort Und hör es
fort: Beschertes Glück Nimm nie
zurück! Hör was ich sag: Denk jeden
Tag: Beschwertes Glück Nimm nie
zurück! Und
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Melusine

Im Grünen geboren, Am Bache
gefreit, Wie ist mir das Leben, Das
liebe, so weit! Heut hab ich
geträumt Von dem Wasser tief, Wo ich im
Dunkel Nicht schlief, nich
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Der Kaiser von China spricht:

In der Mitte aller Dinge Wohne Ich, der
Sohn des Himmels. Meine Frauen, meine
Bäume, Meine Tiere, meine
Teiche Schließt die erste Mauer
ein. Drunten liegen meine Ahnen: Auf
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Der Prophet

In einer Halle hat er mich empfangen Die
rätselhaft mich ängstet mit Gewalt Von
süssen Düften widerlich durchwallt, Da
hängen fremde Vögel, bunte
Schlangen, Das Tor fällt z
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Kleine Blumen ...

Kleine Blumen, kleine Lieder, Heller
Klang und bunte Pracht, Blumen, die ich
nicht gezogen, Lieder, die ich nicht
erdacht: – Und ich selber hätte
nichts, Dir zu bringen, Dir zu
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Manche freilich...

Manche freilich müssen drunten
sterben wo die schweren Ruder der
Schiffe streifen, andere wohnen bei dem
Steuer droben, kennen Vogelflug und die
Länder der Sterne. Manche liegen
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Erlebnis

Mit silbergrauem Dufte war das Tal Der
Dämmerung erfüllt, wie wenn der
Mond Durch Wolken sickert. Doch es war
nicht Nacht. Mit silbergrauem Duft des
dunklen Tales Verschwammen meine d
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Terzinen über Vergänglichkeit - Erste Terzine

Noch spür ich ihren Atem auf den
Wangen:Wie kann das sein, daß diese
nahen TageFort sind, für immer fort,
und ganz vergangen?Dies ist ein Ding,
das keiner voll aussinnt,Und viel
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Mein Garten

Schön ist mein Garten mit den goldnen
Bäumen, Den Blättern, die mit
Silbersäuseln zittern, Dem
Diamantentau, den Wappengittern, Dem
Klang des Gong, bei dem die Löwen
träumen, Die e
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Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand - Ihr
Kinn und Mund glich seinem Rand -, So
leicht und sicher war ihr Gang, Kein
Tropfen aus dem Becher sprang. So
leicht und fest war seine Hand:
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Den Pessimisten

Solang uns Liebe lockt mit Lust und
Plagen, Solang Begeist´rung wechselt
und Verzagen, Solange wird auf Erden
nicht die Zeit, Die schreckliche, die
dichterlose tagen: Solang in tausend
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Gesellschaft

Sängerin Sind wir jung und sind nicht
alt, Lieder haben viel Gewalt, Machen
leicht und machen schwer, Ziehen deine
Seele her. Fremder Leben gibt es nah
und fern,
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Ballade des äußeren Lebens

Und Kinder wachsen auf mit tiefen
Augen, Die von nichts wissen, wachsen
auf und sterben, Und alle Menschen gehen
ihre Wege. Und süße Früchte werden
aus den herben Und fallen na
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Das Zeichen

Und wie wir uns ersehen, Tief eins ins
andre gehen, Es bleibt doch nicht
bestehen: So wenig wie ein Kuß. Es
bleibt um Brust und Wangen Nichts von so
viel Verlangen, K
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Gesang der Ungeborenen

Vater, dir drohet nichts, Siehe, es
schwindet schon, Mutter, das
Ängstliche, Das dich beirrte! Wäre
denn je ein Fest, Wären nicht
insgeheim Wir die Geladenen, Wir au
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Ein Traum von großer Magie

Viel königlicher als ein Perlenband Und
kühn wie junges Meer im Morgenduft, So
war ein großer Traum - wie ich ihn
fand. Durch offene Glastüren ging die
Luft. Ich schlief im Pa
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Im Grünen zu singen

War der Himmel trüb und schwer, Waren
einsam wir so sehr, Voneinander
abgeschnitten! Aber das ist nun nicht
mehr: Lüfte fließen hin und her; Und
die ganze Welt inmitten Gl
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Reiselied

Wasser stürzt, uns zu
verschlingen, Rollt der Fels, uns zu
erschlagen, Kommen schon auf starken
Schwingen Vögel her, uns
fortzutragen. Aber unten liegt ein
Land, Früchte
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Weihnacht

Weihnachtsgeläute Im nächtigen
Wind... Wer weiß, wo heute Die Glocken
sind, Die Töne von damals sind? Die
lebenden Töne Verflogener Jahr` Mit
kindischer Sch
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Des alten Mannes Sehnsucht nach dem Sommer

Wenn endlich Juli würde anstatt
März, Nichts hielte mich, ich nähme
einen Rand, Zu Pferd, zu Wagen oder mit
der Bahn Käm ich hinaus ins schöne
Hügelland. Da stünden
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Sonett der Seele

Willensdrang von tausend Wesen Wogt in
uns vereint, verklärt: Feuer loht und
Rebe gärt Und sie locken uns zum
Bösen. Tiergewalten,
kampfbewährt, Herrengaben, auserlesen,
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Die Dichter und die Zeit

Wir sind dein Flügel, o Zeit, doch wir nicht die tragende Klaue!
Oder verlangst du so viel: Flügel und Klaue zugleich?
Erkenntnis

Wüßt ich genau, wie dies Blatt aus seinem Zweige herauskam,
Schwieg ich auf ewige Zeit still: denn ich wüßte genug.