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Gedichte - Johann Wolfgang von Goethe

Der Gott und die Bajadere

(Indische Legende)

Mahadöh, der Herr der Erde,
Kommt herab zum sechsten Mal,
Daß er unsersgleichen werde,
Mitzufühlen Freud und Qual.
Er bequemt sich, hier zu ... weiterlesen


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Herbst


38
Früchte bringet das Leben dem Mann; doch hangen sie selten
Rot und lustig am Zweig, wie uns ein Apfel begrüßt.

39
Richtet den herrschenden Stab auf Leben ... weiterlesen


Beherzigung

Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?
Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll ... weiterlesen


Erster Verlust

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück!
 
Einsam nähr` ich meine Wunde,
Und mit ... weiterlesen


Mit Elsheimers Morgen

Alle Pappeln hoch in Lüften,
Jeder Strauch in seinen Dürften,
Alle sehn sich nach dir um:
Berge schauen dort herüber,
Leuchten schön und jauchzten lieber;
Doch der ... weiterlesen


Alles gaben die Götter...

Alles gaben Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz,
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.

(aus einem Brief an Gräfin Auguste zu Stolberg)


Gegenwart

Alles kündet dich an!
Erscheinet die herrliche Sonne,
Folgst du, so hoff ich es, bald.

Trittst du im Garten hervor,
So bist du die Rose der Rosen,
Lilie der ... weiterlesen


Der neue Amadis

Als ich noch ein Knabe war,
Sperrte man mich ein;
Und so saß ich manches Jahr
Über mir allein,
Wie im Mutterleib.

Doch du warst mein Zeitvertreib,
Goldne ... weiterlesen


Die Spröde

An dem reinsten Frühlingsmorgen
Ging die Schäferin und sang,
Jung und schön und ohne Sorgen,
Daß es durch die Felder klang,
So la la! le ralla!
 
Thyrsis bot ... weiterlesen


Angedenken

Angedenken an das Gute
hält uns immer frisch bei Mute.

Angedenken an das Schöne
ist das Heil der Erdensöhne.

Angedenken an das Liebe,
Glücklich! Wenn`s ... weiterlesen


An ein goldnes Herz, das er am Halse trug

Angedenken du verklungner Freude,
Das ich immer noch am Halse trage,
Hältst du länger als das Seelenband uns beide?
Verlängerst du der Liebe kurze Tage?
 
Flieh` ... weiterlesen


Der Schatzgräber

Arm am Beutel, krank am Herzen,
Schleppt ich meine langen Tage.
Armut ist die größte Plage,
Reichtum ist das höchste Gut!
Um zu enden meine Schmerzen,
Ging ich einen ... weiterlesen


Wechsel

Auf Kieseln im Bache da lieg` ich, wie helle!
Verbreite die Arme der kommenden Welle,
Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust;
Dann führt sie der Leichtsinn im Strome ... weiterlesen


April

Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr?
Denn ihr fragt was gar zu Schönes?
Gar des lieblichsten Getönes;
Und in gleichem Sinne fragt ihr.

Doch ich glaub` euch zu ... weiterlesen


Alles Vergängliche

Aus dem Schlusschor des Faust II


Alles Vergängliche
ist nur ein Gleichnis;
das Unzulängliche,
hier wird`s Ereignis;
das Unbeschreibliche,
hier ... weiterlesen


Der Gelehrte

Aus einer großen Gesellschaft heraus
Ging einst ein stiller Gelehrter zu Haus.
Man fragte: Wie seid ihr
zufrieden gewesen?
`Wärens Bücher`, sagt er,
`ich würd sie nicht lesen`.


Das Hexeneinmaleins

Aus eins mach zehn
Und zwei lass gehn
Und drei mach gleich
So bist du reich

Verlier die vier
Aus fünf und sechs
Mach sieben und acht
So ists ... weiterlesen


Prometheus

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen ... weiterlesen


Die Bekehrte

Bei dem Glanze der Abendröte
Ging ich still den Wald entlang.
Damon saß und blies die Flöte,
Daß es von den Felsen klang,
So la la! le ralla!
 
Und er zog ... weiterlesen


Katzenpastete

Bewährt den Forscher der Natur
Ein frei und ruhig Schauen,
So folge Meßkunst seiner Spur
Mit Vorsicht und Vertrauen.

Zwar mag in einem Menschenkind
Sich beides ... weiterlesen


Weihnachten

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher ... weiterlesen


Bergschloß

Da droben auf jenem Berge,
Da steht ein altes Schloß,
Wo hinter Toren und Türen
Sonst lauerten Ritter und Roß.
 
Verbrannt sind Türen und Tore
Und überall ... weiterlesen


Schäfers Klagelied

Da droben auf jenem Berge,
Da steh` ich tausendmal
An meinem Stabe gebogen
Und schaue hinab in das Tal.
 
Dann folg` ich der weidenden Herde,
Mein Hündchen ... weiterlesen


Rezensent

Da hatt ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt just mein gewöhnlich Essen,
Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,
Zum Nachtisch, was ich gespeichert ... weiterlesen


Urworte. Orphisch

Daimon, Dämon

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du ... weiterlesen


Das Alter

Das Alter ist ein höflich Mann:
Einmal übers andre klopft er an;
Aber nun sagt niemand: Herein!
Und vor der Türe will er nicht sein.
Da klinkt er auf, tritt ein so ... weiterlesen


Verschiedene Empfindungen an einem Platze

Das Mädchen
Ich hab` ihn gesehen!
Wie ist mir geschehen?
O himmlischer Blick!
Er kommt mir entgegen;
Ich weiche verlegen,
Ich schwanke zurück.
Ich irre, ... weiterlesen


Das Opfer, das die Liebe bringt

Das Opfer, das die Liebe bringt,
Es ist das teuerste von allen;
Doch wer sein Eigenstes bezwingt,
Dem ist das schönste Los gefallen.


Der Fischer

Das Wasser rauscht`, das Wasser schwoll,
ein Fischer saß daran,
sah nach dem Angel ruhevoll,
kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
teilt sich ... weiterlesen


Harzreise im Winter

Dem Geier gleich,
Der auf schweren Morgenwolken
Mit sanftem Fittich ruhend
Nach Beute schaut,
Schwebe mein Lied.

Denn ein Gott hat
Jedem seine Bahn
... weiterlesen


Rastlose Liebe

Dem Schnee, dem Regen,
Dem Wind entgegen,
Im Dampf der Klüfte,
Durch Nebeldüfte,
Immer zu! Immer!
Ohne Rast und Ruh!

Lieber durch Leiden
Möcht` ich ... weiterlesen


Novemberlied

Dem Schützen, doch dem alten nicht,
zu dem die Sonne flieht,
der uns ihr fernes Angesicht
mit Wolken überzieht;

dem Knaben sei dies Lied geweiht,
der zwischen ... weiterlesen


Wandrers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll ... weiterlesen


Der größte Mensch...

Der größte Mensch bleibt stets ein Menschen-Kind,
die größten Köpfe sind das nur, was andre sind;
allein, das merkt, sie sind es umgekehrt;
sie wollen nicht mit andern ... weiterlesen


Lebendiges Andenken

Der Liebsten Band und Schleife rauben,
Halb mag sie zürnen, halb erlauben,
Euch ist es viel, ich will es glauben
Und gönn` euch solchen Selbstbetrug:
Ein Schleier, Halstuch, ... weiterlesen


Rechenschaft

Der Meister
Frisch! der Wein soll reichlich fließen!
Nichts Verdrießlichs weh uns an!
Sage, willst du mitgenießen,
Hast du deine Pflicht getan?
 
Einer
... weiterlesen


Zueignung

Der Morgen kam; es scheuchten seine Tritte
Den leisen Schlaf, der mich gelind umfing,
Daß ich, erwacht, aus meiner stillen Hütte
Den Berg hinauf mit frischer Seele ging:
... weiterlesen


Blumengruß

Der Strauß, den ich gepflücket,
Grüße dich vieltausendmal!
Ich habe mich oft gebücket,
Ach, wohl eintausendmal,
Und ihn ans Herz gedrücket
Wie hunderttausendmal!


Totentanz

Der Türmer, der schaut zu Mitten der Nacht
Hinab auf die Gräber in Lage;
Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht;
Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.
Da regt sich ein ... weiterlesen


Der Totentanz

Der Türmer, der schaut zumitten der Nacht
Hinab auf die Gräber in Lage;
Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht,
Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.
Da regt sich ein Grab ... weiterlesen


Selbstbetrug

Der Vorhang schwebet hin und her
Bei meiner Nachbarin.
Gewiß, sie lauschet überquer,
Ob ich zu Hause bin,
 
Und ob der eifersücht`ge Groll,
Den ich am Tag ... weiterlesen


An die Türen will ich schleichen...

Derselbe
 
An die Türen will ich schleichen,
Still und sittsam will ich steh`n;
Fromme Hand wird Nahrung reichen,
Und ich werde weitergehn.
Jeder wird sich ... weiterlesen


An die Günstigen

Dichter lieben nicht zu schweigen,
Wollen sich der Menge zeigen;
Lob und Tadel muß ja sein!
Niemand beichtet gern in Prosa;
Doch vertraun wir oft sub Rosa
In der Musen ... weiterlesen


Antworten bei einem gesellschaftlichen Fragespiel

Die Dame
Was ein weiblich Herz erfreue
In der klein- und großen Welt?
Ganz gewiß ist es das Neue,
Dessen Blüte stets gefällt;
Doch viel werter ist die Treue,
... weiterlesen


Wechsellied zum Tanze

Die Gleichgültigen
Komm` mit, o Schöne, komm` mit mir zum Tanze!
Tanzen gehöret zum festlichen Tag.
Bist du mein Schatz nicht, so kannst du es werden;
Wirst du es nimmer, ... weiterlesen


Epiphanias

Die Heil`gen Drei König` mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.
... weiterlesen


Einigkeit und Trennung

Die Menschen werden
durch Gesinnungen geeinigt
und durch Meinungen getrennt.


Glückliche Fahrt

Die Nebel zerreißen,
Der Himmel ist helle,
Und Äolus löset
Das ängstliche Band.
Es säuseln die Winde,
Es rührt sich der Schiffer.
Geschwinde! Geschwinde!
... weiterlesen


Hochbild

Die Sonne, Helios der Griechen,
Fährt prächtig auf der Himmelsbahn,
Gewiß, das Weltall zu besiegen,
Blickt er umher, hinab, hinan.

Er sieht die schönste Göttin ... weiterlesen


So laßt mich scheinen...

Dieselbe
 
So laßt mich scheinen, bis ich werde;
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von der schönen Erde
Hinab in jenes feste Haus.
 
Dort ... weiterlesen


Gingo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie`s den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich ... weiterlesen


Mit einem goldnen Halskettchen

Dir darf dies Blatt ein Kettchen bringen,
Das, ganz zur Biegsamkeit gewöhnt,
Sich mit viel hundert kleinen Schlingen
Um deinen Hals zu schmiegen sehnt.
... weiterlesen


Die Lustigen von Weimar

Donnerstag nach Belvedere,
Freitag geht`s nach Jena fort:
Denn das ist, bei meiner Ehre,
Doch ein allerliebster Ort!
Samstag ist`s, worauf wir zielen,
Sonntag rutscht ... weiterlesen


Dem 31. Oktober 1817

Dreihundert Jahre hat sich schon
Der Protestant erwiesen,
Daß ihn von Pabst- und Türkenthron
Befehle baß verdrießen.

Was auch der Pfaffe sinnt und schleicht,
... weiterlesen


Glück und Traum

Du hast uns oft im Traum gesehen
Zusammen zum Altare gehen,
Und dich als Frau und mich als Mann.
Oft nahm ich wachend deinem Munde,
In einer unbewachten Stunde,
Soviel ... weiterlesen


Frühlingsorakel

Du prophet`scher Vogel du,
Blütensänger, o Coucou!
Bitten eines jungen Paares
In der schönsten Zeit des Jahres
Höre, liebster Vogel du!
Kann es hoffen, ruf ihm ... weiterlesen


Du segnest herrlich

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.
 
O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb` ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du ... weiterlesen


Du tanzest leicht

Du tanzest leicht bei Pfirsich-Flor
Am luftigen Frühlings-Ort:
Der Wind, stellt man den Schirm nicht vor,
Bläst euch zusammen fort.

Auf Wasserlilien hüpftest du
... weiterlesen


Der Musensohn

Durch Feld und Wald zu schweifen,
Mein Liedchen wegzupfeifen,
So geht`s von Ort zu Ort!
Und nach dem Takte reget,
Und nach dem Maß beweget
Sich alles an mir fort.
... weiterlesen


Dämmrung senkte sich von oben

Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die ... weiterlesen


Das Göttliche

Edel sei der Mensch,
Hülfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

Heil den unbekannten
Höhern Wesen,
... weiterlesen


Efeu und ein zärtlich Gemüt

Efeu und ein zärtlich Gemüt,
heftet sich an und grünt und blüht,
kann es weder Stamm noch Mauer
finden, es muß verdorren, es muß verschwinden.


Die Liebende schreibt

Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde,
Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde,
Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?

... weiterlesen


Gleich und gleich

Ein Blumenglöckchen
Vom Boden hervor
War früh gesprosset
In lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen
Und naschte fein.
Die müssen wohl beide
Für einander sein.


Rätsel

Ein Bruder ist`s von vielen Brüdern,
In Allem ihnen völlig gleich,
Ein nötig Glied von vielen Gliedern,
In eines großen Vaters Reich;
Jedoch erblickt man ihn nur ... weiterlesen


Ein großer Teich war zugefroren

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber, im halben Traum:
Fänden sie nur da ... weiterlesen


Den Originalen

Ein Quidam sagt: `Ich bin von keiner Schule!
Kein Meister lebt, mit dem ich buhle;
Auch bin ich weit davon entfernt,
Dass ich von Toten was gelernt.`
Das heißt, wenn ich ihn ... weiterlesen


Mächtiges Überraschen

Ein Strom entrauscht umwölktem Felsensaale,
Dem Ozean sich eilig zu verbinden;
Was auch sich spiegeln mag von Grund zu Gründen,
Er wandelt unaufhaltsam fort zu Tale.

... weiterlesen


Das Veilchen

Ein Veilchen auf der Wiese stand
gebückt in sich und unbekannt;
es war ein herziges Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin,
mit leichtem Schritt und muntern Sinn,
... weiterlesen


Das Wiedersehn

Er:
Süße Freundin, noch Einen, nur Einen Kuß noch gewähre
Diesen Lippen! Warum bist du mir heute so karg?
Gestern blühte wie heute der Baum, wir wechselten Küsse
... weiterlesen


Der Misanthrop

Erst sitzt er eine Weile,
Die Stirn von Wolken frei;
Auf einmal kömmt in Eile
Sein ganz Gesicht der Eule
Verzerrtem Ernste bei.
 
Sie fragen, was das sei?
... weiterlesen


Der Goldschmiedsgesell

Es ist doch meine Nachbarin
Ein allerliebstes Mädchen!
Wie früh ich in der Werkstatt bin,
Blick ich nach ihrem Lädchen.
 
Zu Ring` und Kette poch` ich dann
... weiterlesen


März

Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Daß von den Blümlein allen,
Daß von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.

Der Sonnenblick ... weiterlesen


Schneider-Courage

Es ist ein Schuss gefallen!
Mein ! Sagt, wer schoss da drauß?
Es ist der junge Jäger,
der schießt im Hinterhaus.

Die Spatzen in dem Garten,
die machen viel ... weiterlesen


Willkommen und Abschied (Spätere Fassung, ca.1785

Es schlug mein Herz, geschwind, zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die ... weiterlesen


Willkommen und Abschied (Frühere Fassung, 1771)

Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!
Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht.
Schon stund im ... weiterlesen


Der Schäfer

Es war ein fauler Schäfer,
ein rechter Siebenschläfer,
ihn kümmerte kein Schaf.

Ein Mädchen konnt ihn fassen:
da war der Tropf verlassen,
fort Appetit und ... weiterlesen


Die wandelnde Glocke

Es war ein Kind, das wollte nie
Zur Kirche sich bequemen,
Und Sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg ins Feld zu nehmen.

Die Mutter sprach: »Die Glocke tönt,
... weiterlesen


Der König von Thule

Es war einst ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert` ihn jeden ... weiterlesen


Nachtgedanken

Euch bedaur` ich, unglücksel`ge Sterne,
Die ihr schön seid und so herrlich scheinet,
Dem bedrängten Schiffer gerne leuchtet,
Unbelohnt von Göttern und von Menschen:
Denn ... weiterlesen


Euch, o Grazien...

Euch, o Grazien, legt die wenigen Blätter ein Dichter
Auf den reinen Altar, Knospen der Rose dazu,
Und er tut es getrost. Der Künstler freuet sich seiner
Werkstatt, wenn sie um ... weiterlesen


Der Kölner Mummenschanz

Fastnacht 1825


Da das Alter, wie wir wissen,
Nicht für Torheit helfen kann,
Wär es ein gefundner Bissen
Einem heitern alten Mann,

Daß am Rhein, ... weiterlesen


Herbstgefühl

Fetter grüne, du Laub,
Am Rebengeländer
Hier mein Fenster herauf!
Gedrängter quellet,
Zwillingsbeeren, und reitet
Schneller und glänzend voller!
Euch brütet ... weiterlesen


Klärchens Lied

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt -
Glücklich allein
... weiterlesen


An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des ... weiterlesen


Gedichte sind gemalte Fensterscheiben

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so sieht`s auch der Herr Philister:
Der mag denn wohl ... weiterlesen


Ein Anderes

Geh`! gehorche meinen Winken,
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein!
Auf des Glückes großer Waage
Steht die Zunge selten ein.
Du mußt steigen oder ... weiterlesen


Aus dem Westöstlichen Divan

Getretner Quark
Wird breit, nicht stark.

Schlägst du ihn aber mit Gewalt
In feste Form, er nimmt Gestalt.
Dergleichen Steine wirst du kennen,
Europäer Pisé sie nennen.


Strophe

Gewiß, ich wäre schon so ferne, ferne,
So weit die Welt nur offen liegt, gegangen,
Bezwängen mich nicht übermächt`ge Sterne,
Die mein Geschick an deines angehangen,
Daß ich ... weiterlesen


Christel

Hab` oft einen dampfen, düstern Sinn,
Ein gar so schweres Blut!
Wenn ich bei meiner Christel bin,
Ist alles wieder gut.
Ich seh sie dort, ich seh` sie hier
Und weiß ... weiterlesen


An die Erwählte

Hand in Hand! und Lipp auf Lippe!
Liebes Mädchen, bleibe treu!
Lebe wohl! und manche Klippe
Fährt dein Liebster noch vorbei;
Aber wenn er einst den Hafen,
Nach dem ... weiterlesen


Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
... weiterlesen


Grenzscheide

Heilig waren vordem die Tore, sie stehen bedeutend
Zwischen der wilden Natur, zwischen dem engen Vertrag.


Vollmondnacht

Herrin, sag, was heißt das Flüstern?
Was bewegt dir leis die Lippen?
Lispelst immer vor dich hin,
Lieblicher als Weines Nippen!
Denkst du deinen Mundgeschwistern
Noch ... weiterlesen


Neue Liebe, neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum ... weiterlesen


Dauer im Wechsel

Hielte diesen frühen Segen,
Ach, nur eine Stunde fest!
Aber vollen Blütenregen
Schüttelt schon der laue West.
Soll ich mich des Grünen freuen,
Dem ich Schatten erst ... weiterlesen


Ergo bibamus!

Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun;
Drum, Brüderchen! Ergo bibamus.
Die Gläser, sie klingen, Gespräche, sie ruh`n;
Beherziget Ergo bibamus.
Das heißt noch ein ... weiterlesen


Geistesgruß

Hoch auf dem alten Turme steht
Des Helden edler Geist,
Der, wie das Schiff vorübergeht,
Es wohl zu fahren heißt.
 
`Sieh, diese Senne war so stark,
Dies Herz so ... weiterlesen


Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
... weiterlesen


Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
... weiterlesen


Gewohnt, getan

Ich habe geliebet, nun lieb ich erst recht!
Erst war ich der Diener, nun bin ich der Knecht.
Erst war ich der Diener von allen;
Nun fesselt mich diese scharmante Person,
... weiterlesen


Vanitas! Vanitatum vanitas!

Ich hab` mein Sach` auf Nichts gestellt,
Juchhe!
Drum ist`s so wohl mir in der Welt.
Juchhe!
Und wer will mein Kamerade sein,
Der stoße mit an, der stimme mit ein,
... weiterlesen


Liebe wider Willen

Ich weiß es wohl und spotte Viel:
Ihr Mädchen seid voll Wankelmut!
Ihr liebet, wie im Kartenspiel,
Den David und den Alexander;
Sie sind ja Forcen miteinander,
Und die ... weiterlesen


Einschränkung

Ich weiß nicht, was mir hier gefällt,
In dieser engen, kleinen Welt
Mit holdem Zauberband mich hält?
Vergeß` ich doch, vergeß` ich gern,
Wie seltsam mich das Schicksal ... weiterlesen


Eigentum

Ich weiß, daß mir nichts angehört
Als der Gedanke, der ungestört
Aus meiner Seele will fließen,
Und jeder günstige Augenblick,
Den mich ein liebendes Geschick
... weiterlesen


Liebhaber in allen Gestalten

Ich wollt`, ich wär` ein Fisch,
So hurtig und frisch;
Und kämst du zu angeln,
Ich würde nicht mangeln.
Ich wollt`, ich wär` ein Fisch,
So hurtig und frisch.
... weiterlesen


Sizilianisches Lied

Ihr schwarzen Äugelein!
Wenn ihr nur winket,
Es fallen Häuser ein,
Es fallen Städte;
Und diese Leimenwand
Vor meinem Herzen -
Bedenk` doch nur einmal -
... weiterlesen


Trinkspruch auf das Brautpaar

Ihr seid nun eins, ihr beide,
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des guten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt,
... weiterlesen


Wehmut

Ihr verblühet, süße Rosen,
Meine Liebe trug euch nicht;
Blühet, ach! dem Hoffnungslosen,
Dem der Gram die Seele bricht.

Jener Tage denk` ich trauernd,
... weiterlesen


Jägers Abendlied

Im Felde schleich` ich still und wild,
Gespannt mein Feuerrohr.
Da schwebt so licht dein liebes Bild,
Dein süßes Bild mir vor.
 
Du wandelst jetzt wohl still und ... weiterlesen


Eins und alles

Im Grenzenlosen sich zu finden,
Wird gern der Einzelne verschwinden,
Da löst sich aller Überdruss;
Statt heißem Wünschen, wildem Wollen,
Statt läst`gem Fordern, strengem ... weiterlesen


Zigeunerlied

Im Nebelgeriesel, im tiefen Schnee,
Im wilden Wald, in der Winternacht!
Ich hörte der Wölfe Hungergeheul,
Ich` hörte der Eulen Geschrei:
Wille wau wau wau!
    ... weiterlesen


Brautnacht

Im Schlafgemach, entfernt vom Feste,
Sitzt Amor, dir getreu, und bebt,
Daß nicht die List mutwill`ger Gäste
Des Brautbetts Frieden untergräbt.
Es blinkt mit mystisch ... weiterlesen


Unbeständigkeit

Im spielenden Bache da lieg ich, wie helle!
Verbreite die Arme der kommenden Welle,
Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust.
Dann trägt sie ihr Leichtsinn im Strome ... weiterlesen


Ungeduld

Immer wieder in die Weite,
Über Länder an das Meer,
Phantasien, in der Breite
Schwebt am Ufer hin und her!
Neu ist immer die Erfahrung:
Immer ist dem Herzen bang,
... weiterlesen


Bundeslied

In allen guten Stunden,
Erhöht von Lieb und Wein,
Soll dieses Lied verbunden
Von uns gesungen sein!
Uns hält der Gott zusammen,
Der uns hierher gebracht;
... weiterlesen


Schadenfreude

In des Papillons Gestalt
Flattr` ich, nach den letzten Zügen,
Zu den vielgeliebten Stellen,
Zeugen himmlischer Vergnügen,
Ober Wiesen, an die Quellen,
Um den Hügel, ... weiterlesen


Wiederfinden

Ist es möglich! Stern der Sterne,
Drück ich wieder dich ans Herz!
Ach, was ist die Nacht der Ferne
Für ein Abgrund, für ein Schmerz!
Ja, du bist es! meiner Freuden
... weiterlesen


Sein und Werden

Jeder möchte etwas sein,
aber keiner möchte etwas werden.


Jene garstige Vettel

Jene garstige Vettel,
Die buhlerische,
Welt heißt man sie,
Mich hat sie betrogen
Wie die übrigen alle.
Glaube nahm sie mir weg,
Dann die Hoffnung,
... weiterlesen


Das Schreien

Jüngst schlich ich meinem Mädchen nach,
Und ohne Hindernis
Umfaßt ich sie im Hain; sie sprach:
`Laß mich, ich schrei gewiß.`

Da droht ich trotzig: `Ha, ich will
... weiterlesen


Sorge

Kehre nicht in diesem Kreise
Neu und immer neu zurück!
Laß, o laß mir meine Weise,
Gönn`, o gönne mir mein Glück!
Soll ich fliehen? Soll ich`s fassen?
Nun, ... weiterlesen


Vermächtnis

Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!
Das Ewige regt sich fort in allen,
Am Sein erhalte dich beglückt!
Das Sein ist ewig, denn Gesetze
Bewahren die lebendigenSchätze,
... weiterlesen


Mignon

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht -
... weiterlesen


Mit einem gemalten Band

Kleine Blumen, kleine Blätter
Streuen mir mit leichter Hand
Gute junge Frühlingsgötter
Tändelnd auf ein luftig Band.

Zephyr, nimm`s auf deine Flügel,
... weiterlesen


Lust und Qual

Knabe saß ich, Fischerknabe,
Auf dem schwarzen Fels am Meer,
Und, bereitend falsche Gabe,
Sang ich, lauschend ringsumher.
Angel schwebte lockend nieder;
Gleich ein ... weiterlesen


Finnisches Lied

Käm` der liebe Wohlbekannte,
Völlig so wie er geschieden:
Kuß erkläng` an seinen Lippen,
Hätt` auch Wolfsblut sie gerötet;
Ihm den Handschlag gäb` ich, wären
... weiterlesen


Seefahrt

Lange Tag` und Nächte stand mein Schiff befrachtet;
Günstger Winde harrend, saß mit treuen Freunden,
Mir Geduld und guten Mut erzechend,
Ich im Hafen.

Und sie waren ... weiterlesen


Kophtisches Lied

Lasset Gelehrte sich zanken und streiten,
Streng und bedächtig die Lehrer auch sein!
Alle die Weisesten aller der Zeiten
Lächeln und winken und stimmen mit ein:
Töricht, ... weiterlesen


Generalbeichte

Lasset heut im edeln Kreis
Meine Warnung gelten!
Nehmt die ernste Stimmung wahr!
Denn sie kommt so selten.
Manches habt ihr vorgenommen,
Manches ist euch schlecht ... weiterlesen


Der Abschied

Laß mein Aug den Abschied sagen,
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
Und ich bin doch sonst ein Mann.
 
Traurig wird in dieser ... weiterlesen


An Lina

Liebchen, kommen diese Lieder
Jemals wieder dir zur Hand,
Sitze beim Klaviere nieder,
Wo der Freund sonst bei dir stand.

Laß die Saiten rasch erklingen,
Und dann ... weiterlesen


Rettung

Mein Mädchen ward mir ungetreu,
Das machte mich zum Freudenhasser;
Da lief ich an ein fließend Wasser,
Das Wasser lief vor mir vorbei.
 
Da stand ich nun, ... weiterlesen


Meine Ruh` ist hin

Meine Ruh` ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab`,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir ... weiterlesen


Tischlied

Mich ergreift, ich weiß nicht wie,
Himmlisches Behagen.
Will mich`s etwa gar hinauf
Zu den Sternen tragen?
Doch ich bleibe lieber hier,
Kann ich redlich sagen,
... weiterlesen


Frech und froh

Mit Mädchen sich vertragen,
Mit Männern `rumgeschlagen,
Und mehr Kredit als Geld:
So kommt man durch die Welt.
 
Mit Vielem läßt sich schmausen,
Mit Wenig ... weiterlesen


An Lottchen

Mitten im Getümmel mancher Freuden,
Mancher Sorgen, mancher Herzensnot
Denk` ich dein, o Lottchen, denken dein die beiden,
Wie beim stillen Abendrot
Du die ... weiterlesen


Die glücklichen Gatten

Nach diesem Frühlingsregen,
Den wir so warm erfleht,
Weibchen, o sieh den Segen,
Der unsre Flur durchweht!
Nur in der blauen Trübe
Verliert sich fern der Blick;
... weiterlesen


Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg

Nach Mittage saßen wir
Junges Volk im Kühlen;
Amor kam, und Stirbt der Fuchs
Wollt` er mit uns spielen.
 
Jeder meiner Freunde saß
Froh bei seinem Herzchen;
... weiterlesen


Hatem

Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe,
Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben,
... weiterlesen


Die schöne Nacht

Nun verlaß` ich diese Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Schritte
Durch den öden, finstern Wald:
Luna bricht durch Busch und Eichen,
Zephyr ... weiterlesen


Nur wer die Sehnsucht kennt...

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh` ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und ... weiterlesen


Nachtgesang

O gib vom weichen Pfühle,
Träumend, ein halb Gehör!
Bei meinem Saitenspiele
Schlafe! was willst du mehr?
 
Bei meinem Saitenspiele
Segnet der Sterne Heer
... weiterlesen


Blinde Kuh

O liebliche Therese!
Wie wandelt gleich in`s Böse
Dein offnes Auge sich!
Die Augen zugebunden,
Hast du mich schnell gefunden,
Und warum fingst du eben mich?
 
... weiterlesen


Musen und Grazien in der Mark

O wie ist die Stadt so wenig;
Laßt die Maurer künftig ruh`n!
Unsre Bürger, unser König
Könnten wohl was Bessers tun.
Ball und Oper wird uns töten;
Liebchen, komm ... weiterlesen


Jahraus, jahrein

Ohne Schrittschuh und Schellengeläut
Ist der Januar ein böses Heut.

Ohne Fastnachtstanz und Mummenspiel
Ist am Februar auch nicht viel.

Willst du den März ... weiterlesen


Pfingsten

Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neu ermunterten ... weiterlesen


Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend`ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
... weiterlesen


Heidenröslein

Sah ein Knab` ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah`s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, ... weiterlesen


Hoffnung

Schaff`, das Tagwerk meiner Hände,
Hohes Glück, daß ich`s vollende!
Laß, o laß mich nicht ermatten!
Nein, es sind nicht leere Träume:
Jetzt nur Stangen, diese Bäume
... weiterlesen


An Luna

Schwester von dem ersten Licht,
Bild der Zärtlichkeit in Trauer!
Nebel schwimmt mit Silberschauer
Um dein reizendes Gesicht;
Deines leisen Fußes Lauf
Weckt aus ... weiterlesen


Unschuld

Schönste Tugend einer Seele,
Reinster Quell der Zärtlichkeit!
Mehr als Byron, als Pamele,
Ideal und Seltenheit!
Wenn ein andres Feuer brennet,
Flieht dein zärtlich ... weiterlesen


Dritte Ode

Sei gefühllos!
Ein leichtbewegtes Herz
Ist ein elend Gut
Auf der wankenden Erde.

Behrisch, des Frühlings Lächeln
Erheitre deine Stirne nie;
Nie trübt ... weiterlesen


Das Sonett

Sich in erneutem Kunstgebrauch zu üben,
Ist heilge Pflicht, die wir dir auferlegen.
Du kannst dich auch, wie wir, bestimmt bewegen
Nach Tritt und Schritt, wie es dir ... weiterlesen


Philine

Singet nicht in Trauertönen
Von der Einsamkeit der Nacht!
Nein, sie ist, o holde Schönen,
Zur Geselligkeit gemacht.
 
Wie das Weib dem Mann gegeben
Als die ... weiterlesen


An die Entfernte

So hab` ich wirklich dich verloren?
Bist du, o Schöne, mir entflohn?
Noch klingt in den gewohnten Ohren
Ein jedes Wort, ein jeder Ton.

So wie des Wandrers Blick am ... weiterlesen


Mut

Sorglos über die Fläche weg,
Wo vom kühnsten Wager die Bahn
Dir nicht vorgegraben du siehst,
Mache dir selber Bahn!
Stille, Liebchen, mein Herz!
Kracht`s gleich, ... weiterlesen


Das Parterre spricht

Strenge Fräulein zu begrüßen,
Muß ich mich bequemen;
Mit der lüderlichen Süßen
Werd ich`s leichter nehmen.

Auf der Bühne lieb ich droben
Keine ... weiterlesen


Frühzeitiger Frühling

Tage der Wonne,
Kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne,
Hügel und Wald?
 
Reichlicher fließen
Bächlein zumal.
Sind, es die Wiesen?
Ist es das ... weiterlesen


Meeres Stille

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche rings umher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille ... weiterlesen


Glück der Entfernung

Trink`, o Jüngling! heil`ges Glücke
Taglang aus der Liebsten Blicke,
Abends gaukl` ihr Bild dich ein.
Kein Verliebter hab es besser;
Doch das Glück bleibt immer ... weiterlesen


Wonne der Wehmut

Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen der ewigen Liebe!
Ach, nur dem halbgetrockneten Auge
Wie öde, wie tot die Welt ihm erscheint!
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen ... weiterlesen


Schweizerlied

Uf `m Bergli
Bin i gesässe,
Ha de Vögle
Zugeschaut;
Hänt gesunge,
Hänt gesprunge,
Hänt `s Nästli
Gebaut.

In ä Garte
Bin i ... weiterlesen


Wahrer Genuß

Umsonst daß du, ein Herz zu lenken,
Des Mädchens Schooß mit Golde füllst;
Der Liebe Freuden laß dir schenken,
Wenn du sie wahr empfinden willst.
Gold kauft die Stimmen ... weiterlesen


Wink

Und doch haben sie recht, die ich schelte:
Denn, daß ein Wort nicht einfach gelte,
Das müßte sich wohl von selbst verstehn.
Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben
... weiterlesen


Auf dem See

Und frische Nahrung, neues Blut
Saug` ich aus freier Welt;
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält! Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
... weiterlesen


Gutmann und Gutweib

Und morgen fällt St. Martins Fest,
Gutweib liebt ihren Mann;
Da knetet sie ihm Puddings ein
Und bäckt sie in der Pfann.

Im Bette liegen beide nun,
Da saust ein ... weiterlesen


Elegie

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt.
Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.

Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschloßner ... weiterlesen


Heut und Ewig

Unmöglich ists, den Tag dem Tag zu zeigen,
Der nur Verworrnes im Verworrnen spiegelt,
Und jeder selbst sich fühlt als recht und eigen,
Statt sich zu zügeln, nur am andern ... weiterlesen


Am Flusse

Verfließet, vielgeliebte Lieder,
Zum Meere der Vergessenheit!
Kein Knabe sing` entzückt euch wieder,
Kein Mädchen in der Blütenzeit.
 
Ihr sanget nur von meiner ... weiterlesen


Weltseele

Verteilet euch nach allen Regionen
Von diesem heil`gen Schmaus!
Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen
Ins All und füllt es aus!
 
Schon schwebet ihr in ... weiterlesen


Kriegsglück

Verwünschter weiß ich, nichts im Krieg,
Als nicht blessiert zu sein.
Man geht getrost von Sieg zu Sieg
Gefahrgewohnt hinein;
Hat abgepackt und aufgepackt
Und weiter ... weiterlesen


Offne Tafel

Viele Gäste wünsch` ich heut
Mir zu meinem Tische!
Speisen sind genug bereit,
Vögel, Wild und Fische.
Eingeladen sind sie ja,
Sieh mir, ob sie kommen!
... weiterlesen


Begünstigte Tiere

Vier Tieren auch verheißen war,
Ins Paradies zu kommen;
Dort leben sie das ew`ge Jahr
Mit Heiligen und Frommen.

Den Vortritt hier ein Esel hat,
Er kommt mit ... weiterlesen


Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe ... weiterlesen


Wer kauft Liebesgötter?

Von allen schönen Waren,
Zum Markte hergefahren,
Wird keine mehr behagen,
Als die wir euch getragen
Aus fremden Ländern bringen.
O höret, was wir singen!
... weiterlesen


An Charlotte von Stein

Warum gabst du uns die tiefen Blicke,
Unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun,
Unsrer Liebe, unserm Erdenglücke
Wähnend selig nimmer hinzutraun?
Warum gabst uns, Schicksal, die ... weiterlesen


Warum gabst du uns die tiefen Blicke...

Warum gabst du uns die tiefen Blicke,
unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun,
unsrer Liebe, unsrem Erdenglücke
wähnend selig nimmer hinzutraun?
Warum gabst uns, Schicksal, die ... weiterlesen


Problem

Warum ist alles so rätselhaft?
Hier ist das Wollen, hier ist die Kraft;
Das Wollen will, die Kraft ist bereit,
Und daneben die schöne lange Zeit.
So seht doch hin, wo die ... weiterlesen


An Belinden

Warum ziehst du mich unwiderstehlich
Ach, in jene Pracht?
War ich guter Junge nicht so selig
In der öden Nacht?
 
Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen,
... weiterlesen


Stiftungslied

Was gehst du, schöne Nachbarin,
Im Garten so allein?
Und wenn du Haus und Felder pflegst,
Will ich dein Diener sein.
 
Mein Bruder schlich zur Kellnerin
... weiterlesen


Was wird mir jede Stunde so bang?

Was wird mir jede Stunde so bang? -
Das Leben ist kurz, der Tag ist lang.
Und immer sehnt sich fort das Herz,
Ich weiß nicht recht, ob himmelwärts;
Fort aber will es hin und ... weiterlesen


Sehnsucht

Was zieht mir das Herz so?
Was zieht mich hinaus?
Und windet und schraubt mich
Aus Zimmer und Haus?
Wie dort sich die Wolken
Um Felsen verzieh`n!
Da möcht` ich ... weiterlesen


Scheintod

Weint, Mädchen, hier bei Amors Grabe! hier
Sank er von nichts, von Ungefähr danieder.
Doch ist er wirklich tot? Ich schwöre nicht dafür:
Ein Nichts, ein Ungefähr erweckt ihn ... weiterlesen


Klatschrose

Weit von fern erblick ich dich schon, doch komm ich dir näher,
Ach! so seh ich zu bald, daß du die Rose nur lügst.


Grenzen der Menschheit

Wenn der uralte,
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät
Küss ich den letzten
Saum seines Kleides,
... weiterlesen


Nachgefühl

Wenn die Reben wieder blühen,
Rühret sich der Wein im Fasse;
Wenn die Rosen wieder glühen,
Weiß ich nicht, wie mir geschieht.
 
Tränen rinnen von den Wangen,
... weiterlesen


Das Beste

Wenn dir`s in Kopf und Herzen schwirrt,
Was willst du Beßres haben!
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
Der lasse sich begraben!


Kriegserklärung

Wenn ich doch so schön wär`
Wie die Mädchen auf dem Land!
Sie tragen gelbe Hüte
Mit rosenrotem Band.
 
Glauben, daß man schön sei,
Dächt` ich, ist ... weiterlesen


Vom Berge

Wenn ich, liebe Lili, dich nicht liebte,
Welche Wonne gäb` mir dieser Blick!
Und doch, wenn ich, Lili, dich nicht liebte,
Fänd` ich hier und fänd` ich dort mein Glück?


Wer nie sein Brot mit Tränen aß

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!

Ihr führt ins Leben ... weiterlesen


Harfenspieler

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß.
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

Ihr führt ins Leben ... weiterlesen


Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was ... weiterlesen


Zum Narren gemacht

Wer sich selbst
vor dem Andern gemacht hat zum Narren,
der schäme sich nicht für das, was er tat.

Er solle nur
sein Selbst sich bewahren,
so sehrs auch der ... weiterlesen


Nähe

Wie du mir oft, geliebtes Kind,
Ich weiß nicht wie, so fremde bist!
Wenn wir im Schwarm der vielen Menschen sind,
Das schlägt mir alle Freude nieder.
Doch ja, wenn alles ... weiterlesen


Mailied

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig.
Und tausend Stimmen
Aus dem ... weiterlesen


Ganymed

Wie im Morgenglanze
Du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herz drängt
Deiner ewigen Wärme Heilig Gefühl,
... weiterlesen


Trost in Tränen

Wie kommt`s, daß du so traurig bist,
Da alles froh erscheint?
Man sieht dir`s an den Augen an,
Gewiß, du hast geweint.
 
`Und hab` ich einsam auch geweint,
... weiterlesen


Venezianische Epigramme

Wie man Geld und Zeit vertan,
Zeigt das Büchlein lustig an.

1

Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben:
Faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen ... weiterlesen


Vorklage

Wie nimmt ein leidenschaftlich Stammeln
Geschrieben sich so seltsam aus!
Nun soll ich gar von Haus zu Haus
Die losen Blätter alle sammeln.
 
Was eine lange, weite ... weiterlesen


Lebensregel

Willst du dir ein hübsch Leben zimmern,
Mußt dich ums Vergangne nicht bekümmern,
Das Wenigste muß dich verdrießen;
Mußt stets die Gegenwart genießen,
Besonders keinen ... weiterlesen


Erinnerung

Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.


Das Tagebuch

Wir hören`s oft und glauben`s wohl am Ende:
Das Menschenherz sei ewig unergründlich,
Und wie man auch sich hin und wider wende,
So sei der Christe wie der Heide sündlich.
... weiterlesen


Hochzeitlied

Wir singen und sagen vom Grafen so gern,
Der hier in dem Schlosse gehauset,
Da, wo ihr den Enkel des seligen Herrn,
Den heute vermählten, beschmauset.
Nun hatte sich jener im ... weiterlesen


Zahme Xenien V

Wir.
Du toller Wicht, gesteh nur offen:
Man hat dich auf manchem Fehler betroffen!

Er.
`Ja wohl! doch macht` ich ihn wieder gut!`

... weiterlesen


Wisse, daß mir sehr mißfällt

Wisse, daß mir sehr mißfällt,
Wenn so viele singen und reden!
Wer treibt die Dichtkunst aus der Welt?

Die Poeten!


Woher sind wir geboren

Woher sind wir geboren?
Aus Lieb.
Wie wären wir verloren?
Ohn Lieb.
Was hilft uns überwinden?
Die Lieb.
Kann man auch Liebe finden?
... weiterlesen


Lesebuch

Wunderlichstes Buch der Bücher
Ist das Buch der Liebe;
Aufmerksam hab ich`s gelesen:
Wenig Blätter Freuden,
Ganze Hefte Leiden;
Einen Abschnitt macht die Trennung.
... weiterlesen


Abendlied / Wanderers Nachtlied

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.


An Mignon

Über Tal und Fluß getragen
Ziehet rein der Sonne Wagen.
Ach, sie regt in ihrem Lauf,
So wie deine, meine Schmerzen
Tief im Herzen,
Immer morgens wieder auf.
... weiterlesen


Zu der Apfel-Verkäuferin...

Zu der Apfel-Verkäuferin
Kamen Kinder gelaufen,
Alle wollten kaufen;
Mit munterm Sinn
Griffen sie aus dem Haufen,
Beschauten mit Verlangen
Nah und näher ... weiterlesen


Rhein und Main

Zu des Rheins gestreckten Hügeln,
Hochgesegneten Gebreiten,
Auen, die den Fluß bespiegeln,

Weingeschmückten Landesweiten
Möget mit Gedankenflügeln
Ihr den ... weiterlesen


Abschied

Zu lieblich ist`s, ein Wort zu brechen,
Zu schwer die wohlerkannte Pflicht,
Und leider kann man nichts versprechen,
Was unserm Herzen widerspricht.
 
Du übst die alten ... weiterlesen


Lied des Lynkeus

Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen,
Gefällt mir die Welt.
Ich blick in die Ferne,
Ich seh in die Näh`
Den Mond und die Sterne,
... weiterlesen


Türmerlied

Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen
Gefällt mir die Welt.

Ich blick` in die Ferne,
Ich seh` in der Näh`
Den Mond und die ... weiterlesen


Zum neuen Jahr

Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen
Hier uns zu freuen,
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen ... weiterlesen


Der Sänger

`Was hör` ich draußen vor dem Tor,
Was auf der Brücke schallen?
Laß den Gesang vor unserm Ohr
Im Saale widerhallen!`
Der König sprach`s, der Page lief;
Der Knabe ... weiterlesen



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