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Gedichte - Karl Stamm


Jahreswende 1914,15

anlässlich der Sylvesterfeier des
Bataillons 70/II. Auf Europas
kampfdurchtobte Felder senkt sich
schwer des Jahres letzte Nacht. Dumpfe
Glocken sind die Totenmelder, banges
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Am Rhonegletscher

Aufsteigend aus gedrückten
Niederungen erklimmt mein Fuß des
Grates schmale Spur. Wie fühlt mein
Geist, von ihrer Macht bezwungen, jetzo
die tiefe Sehnsucht der Natur, aus
ihren s
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Der Hund

Du dumpfes Tier, so komm und lege deine
Pfoten mir auf die Kniee, stürmischer
Gesell. Wie tobst du hold! O ich
versteh dich ganz. Dich trennen tausend
Klafter von mir. Wie zittert nur dein
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An die Unkekannte

Du hast dich lang genug in mir
verdichtet. Wie viele Träume wirkten
dir das Kleid! Dein Name läutet her,
unendlich weit. Du hörst ihn nicht,
hast auf das Sein verzichtet.
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Aufschrei

Du heißes, ungeschriebenes Buch, das
ich nicht schaffen kann. Seit
Knabenzeiten ewiglich verworfener
Versuch, die Welt zu zwingen, Gott und
Mensch. Das Wort zu finden, das uns
keine
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Für Max Gubler.

Du stelltest hundertmal dich an den
Weg. Doch dein nicht achtend zogen wir
vorbei. Jetzt, da der Schmerz mich
martert, jeder Nerv zerfoltert zuckt,
erkenne ich erschüttert auf deine
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An mein ungeborenes Kind

Du trippelst mir zur Seite,
kaum berühren deine Füßchen die
Erde, deiner Stimme Plätschern webt um
mich tiefe Sicherheit. Fern herüber
aus meiner Kindheit Tage tön ich m
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Auf Posten

Einsam auf meinem Posten halt` ich
Wacht. Der müde Tag verbrüdert sich
der Nacht, Von ihrer eignen Schwermut
ganz erfüllt hat sich die Welt in
Schweigen eingehüllt. Da horch! Ein
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Der Seiltänzer

Er steigt aufs Seil, steht hoch. Mit
kaltem Schweigen empfangen die
Tribünen sein Verneigen. Er biegt den
Leib er tanzt erblühnde Birke, er
wiegt sich, daß er Glanz und Sonne
wirke,
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Inez

Es hat der Tag in dir sein Lied
gesungen, In dich geflüchtet blüht er
auf als Licht, des Himmels Bläue, die
sich nie erschwungen, an deines Auges
Stern erlöst zerbricht.
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An den Mond

Für Eduard Korrodi Die mit ihrem
Strahle mich geblendet, hohe Sonne, ist
hinweggegangen. Aber ewig ist das
Lichtverlangen. Auge seinen Blick ins
Dunkel sendet. Meine
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Golgatha überall. Aus Millionen

Golgatha überall. Aus Millionen bin
ich ein einzeln Kreuz, von Blut
beschmutzt. Ich kann nicht mehr, ich
breche dumpf zusammen. Es findet sich
kein Simon, der es trägt. Ich bin nur
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Holländische Spelunke

Hier ist der Branntwein Nektar, hartes
Brot Ambrosia. Die Schiffer spielen
röhrend selige Götter. Mit trockenem
Hüsteln, kaltem Angesicht ist eine
Hebeda, mir eingebettet in die Knie. He
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Die Ernte

Ihr Freunde kommt! Lasst uns nicht
länger warten! Der Herbst ist da!
Geöffnet ist sein Garten! Geladen sind
wir alle zu dem Feste. Soldaten sind
wir. Heute sind wir Gäste und tafe
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Für Th. Ernst Gubler.

Immer hauchen Dunkelheiten durch meine
Wanderschaften, sanfter Wahnsinn will
mit mir sein in leisem Aufruhr, immer
ist nächtliche Flucht in meinem
Schritte, die mich weghebt von jedem
Ding
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Immer noch Licht?

Immer noch Licht? Wer reißt aus den
erkämpften Frühstillen mich
herauf? Bin ich ewige Glut, die mich
versengt und nie Licht zu werden vermag
in meiner Seele? Nacht, Nacht, warum v
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Bois de Boulogne

In die Träume des Städters haben ferne
Wälder hinübergeblaut, weiße
Bücherstunden klare Seen in ihre Seelen
getaut. In ihren Herzen wollte
ergrünen ein nie gelebter Mai. Dunst
der St
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Auf einem Marsche

Mit Sack und Pack das Regiment schon
stundenlang in finstrer Nacht und
keiner Ziel und Wege kennt. Wir
schreiten stumm in Schritt und
Tritt und Schlaf und Träume wandern
mit.
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Im Anmarsch

Nun dröhnt von unsern Tritten Das
stillgewordne Land. Wir kommen hart
geschritten. Wer beut uns
Widerstand? Es ist kein Dorf wie
gestern, es hat ein ernster Gesicht! E
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Der Abenteurer

O fort aus deiner weißen Nacht! Mein
Leben ist noch nicht
vollbracht. Erfüllung warest du mir
nicht, du leises Licht, nur Schein vom
Licht. Ist alles nur ein Überg
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Die Krankenschwester

Seit du meine Träume
niederhältst erlosch in mir ein
Frauenbild, klaglos, ohne Abschied,
weggehaucht vor dir Kommenden. Du
nahst mir als ein lichter Geist in
schwers
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Einer Neunzigjährigen

Sie saß am Weg, den Blick in sich
gewandt, der Rosenkranz ging leise
durch die Hand. Sie betete. Wie fremd
die Stimme klang! Mir war, aus ihrem
tiefsten Innern drang das Werklied ei
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Diesseits

Sinken die Wasser zu meinen
Füßen? Land wird und Licht. O fände
ich Worte meinem Gefühl, das in jede
Falte meines Wesens sich legt. Doch
selbst das Leiseste ist noch zu hart
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Blumenlegende

Und war der dritte Tag, da Gott die Welt
erschuf` sich seiner Einsamkeiten zu
begeben. In tiefe Heimat bettend so
sein Leben erging von Tag zu Tag sein
Schöpferruf. Er ward
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Christnacht

Und wieder sinkt ein Tag
hinab. Kartaunendonner weckt` ihn
auf und leitet ihn ins kühle Grab und
leise steigt die Nacht herauf. Es
öffnet sich des Himmels Tür, klar
tritt d
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Jubilate

Verstummet, meiner Traurigkeiten
Elegien. Brich ab, du Rausch der
unerhörten Melodien, wie weit habt ihr
mich von mir weggeführt! Verwehet,
Dämmerungen! Kühle, Blut! Zerstürz,
d
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Was hängt mein angstgespannter Blick an dir?

Was hängt mein angstgespannter Blick an
dir? Des Himmels Nachtgewölbe stürzen
ein. Wer beugt des Kreuzes Äste tief
zurück? Die Erde um den Stamm
verstockt zu Stein. Es l
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Geschenk der Zeit

Wir gingen durch die Jahre des Erlebens
bar, als noch ein müder Friede im
Lande war. Wir kannten keine
Tiefe, Wir trieben obenhin, Wir
sprachen viele Worte,
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Heimkehr

Wir haben keinen Sieg erfochten, nicht
jubelnde Begeisterung hat uns ihr Laub
ins Haar geflochten, nicht
Schlachtgetümmel hielt uns jung. Wir
haben lang in harter Zeit Den Le
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Wärs nicht das Kreuz, so wärs ein Witz

Wär`s nicht das Kreuz, so wär`s ein
Witz. Doch ist die Ehrfurcht tief mir
eingebrannt seit
Kindertagen. Vielleicht ist`s auch die
Scheu vor dir, den niemals ich
verstand. Auch heute bist
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