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Gedichte - Karl Kraus


Fahrt ins Fextal

Als deine Sonne meinen Schnee
beschien, ein Sonntag war`s im blauen
Engadin. Der Winter glühte und der
Frost war heiß, unendlich sprühten
Funken aus dem Eis. Knirschend
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Sehnsucht

Es war einmal. Ich leb` am Tage vom
Gedanken, nachts von der Qual; oft
träum` ich nur vom Traum. Du gehst
dahin und bist dir selbst es kaum. Im
meinem Wahn jedoch, dem fieberkrank
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Fernes Licht

Fernes Licht mit nahem Schein wie ich
mich auch lenke, lockt es dich nicht
dazusein, wenn ich an dich denke? Wo du
bist, du sagst es nicht und du kannst
nicht lügen.
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Der Zeuge

Fluch, Kaiser, dir! Ich spüre deine
Hand, an ihr ist Gift und Nacht und
Vaterland! Sie riecht nach Pest und
allem Untergang. Dein Blick ist Galgen
und dein Bart der Strang! Dein Lachen
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Der sterbende Soldat

Hauptmann, hol her das Standgericht! Ich
sterb` für keinen Kaiser
nicht! Hauptmann, du bist des Kaisers
Wicht! Bin tot ich, salutier` ich
nicht! Wenn ich bei meinem Herren
wohn`,
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In diesem Land

In diesem Land wird niemand
lächerlich, als der die Wahrheit sagte.
Völlig wehrlos zieht er den grinsend
flachen Hohn auf sich. Nichts macht in
diesem Lande ehrlos. In diesem La
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Zwei Soldatenlieder

In einem totenstillen Lied vom Weh zum
Wort die Frage zieht: Wer weiß wo. Wer
weiß, wo dieses stille Leid begraben
liegt, es lärmt die Zeit vorüber
so. Sie
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An den Schatten der Annie Kalmar

In tiefer Schuld vor einem
Augenpaar, worin ich schuf, was darin
immer war, geschaffen, kund zu tun, was
es nicht weiß, dem Himmel hilft es,
macht der Hölle heiß. In tiefer Ehr
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Man frage nicht

Man frage nicht, was all die Zeit ich
machte. Ich bliebe stumm; und sage
nicht, warum. Und Stille gibt es, daß
die Erde krachte. Kein Wort, das
traf; man spricht nur aus dem Schla
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Nächtliche Stunde

Nächtliche Stunde, die mir vergeht, da
ich`s ersinne, bedenke und wende, und
diese Nacht geht schon zu Ende. Draußen
ein Vogel sagt: es ist Tag. Nächtliche
Stunde, die mir verg
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Heine und die Folgen

Seit dieser Prosa, diesem Buch der Lieder
hats jeder leicht, die Lust der Sprache zu verringern.
Er löste ihr das Mieder,
damit sie an ihren Brüsten fingern.
Vergleichende Erotik

So wird das Wunderbild der Venus
fertig: Ich nehme hier ein Aug, dort
einen Mund, hier eine Nase, dort der
Brauen Rund. Es wird Vergangenes mir
gegenwärtig. Hier weht ein Duft, d
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Verwandlung

Stimme im Herbst, verzichtend über dem
Grab auf deine Welt, du blasse Schwester
des Monds, süße Verlobte des klagenden
Windes, schwebend unter fliehenden
Sternen – raffte der
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Zwei Läufer

Zwei Läufer laufen zeitenlang, der eine
dreist, der andre bang: Der von
Nirgendher sein Ziel erwirbt; der vom
Ursprung kommt und am Wege stirbt. Der
von Nirgendher sein Ziel erwarb,
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"Zum ewigen Frieden" von Immanuel Kant!

`Bei dem traurigen Anblick nicht sowohl
der Übel, die das menschliche
Geschlechtaus Naturursachen drücken,
als vielmehr derjenigen, welche die
Menschen sichuntereinander selbst
anthun, erheitert s
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