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Gedichte - Klabund


Das erfrorene Herz

(Nachdichtung aus dem Chinesischen)Der
Sperling pickt die letzten
Vogelmieren.Schon läßt ein kalter Wind
die Bäche frieren.Ach, käme doch der
Frühling bald! die Quellen,
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Regen

1. Der Regen rinnt schon tausend
Jahr, Die Häuser sind voll
Wasserspinnen, Seekrebse nisten mir im
Haar Und Austern auf des Domes
Zinnen. Der Pfaff hier wurde eine Q
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Der Backfisch

1 Papa ist heute
furchtbar aufgeschwemmt. Er blinzelt
müde in die Morgenzeitung. Mama im
Morgenrock und ungekämmt, Befaßt sich
mit des Kaffees Zubereitung.
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Der Verzweifelte

1 Noch nie hat mir
der Herbst so weh getan, Daß ich mich
ohne Freundin blaß begnüge. Am Bahnhof
steh ich oft und seh die Züge Einlaufen
nach des Kur
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Akim Akimitsch

Akim Akimitsch, Darfst nicht mehr säen
und schaffen, Väterchen ruft zu den
Waffen, Akim Akimitsch. Akim
Akimitsch, Was hat der Krieg für einen
Zweck? Eure Stiefel s
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Als Gott der Herr auf Erden ging

Als Gott der Herr auf Erden ging, Da
freute sich ein jedes Ding; Ein jedes
Ding, ob groß, ob klein, Es wollte doch
gesegnet sein. Die Kreatur in ihrer
Not, Der Mensch in K
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Berliner Weihnacht 1918

Am Kurfürstendamm da hocken zusamm Die
Leute von heute mit großem
Tamtam. Brillanten mit Tanten, ein Frack
mit was drin, Ein Nerzpelz, ein
Steinherz, ein Doppelkinn. Perlen
perlen, es
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Pogrom

Am Sonntag fällt ein kleines Wort im
Dom, Am Montag rollt es wachsend durch
die Gasse, Am Dienstag spricht man schon
vom Rassenhasse, Am Mittwoch rauscht und
raschelt es: Pogrom!
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Ein Bürger spricht

Am Sonntag geh ich gerne ins Café. Ich
treffe viele meinesgleichen, Die sich
verträumt die neuste Anekdote reichen
- Und manche Frau im Negligé. Sie
sitzt zwar meist bei einem
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Ode an Zeesen

Aus Jupiters Hand
geschleudert Donnerkeil Im
Juligewitter Mein steinernes Herz Du
glühst nicht mehr - Aus den Sternen
gestürzt Aus den Wolken
geschüttet Bruch
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Bauz

Bauz schwingt zierlich den
Zylinder, Bauz entstellt sich hiermit
vor. Bauz hat 45 Kinder Und `nen Bruch
im Wasserrohr. Bauz ist ohne alle
Frage, Bauz ist geradezu direkt,
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Die heiligen drei Könige

Bettelsingen Wir sind die drei
Weisen aus dem Morgenland, Die Sonne,
die hat uns so schwarz gebrannt. Unsere
Haut ist schwarz, unsere Seel ist
klar, Doch unser Hemd
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Ironische Landschaften

Brauner Äcker welliger Zug
Brauner Äcker welliger Zug, Draus
zweiarmig eine Mühle wächst. Ein paar
Pflaumenbäume, wahllos
hingekleckst, Ruhn auf eines Hüg
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Als sie die ihr geschenkte Kristallflasche in der

Brechen sich im Glas die
Strahlen, Bricht das Glas sich in den
Strahlen? Glänzt dein Auge in der
Sonne, Glänzt die Sonn` in deinem
Auge? Liebt dein Herz mich? Herzt mich
deine Li
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Nachruf auf Cuno

Cuno steigt in die Arena. Mensch, wie
er, so kann es keena. Cuno wird das Tau
schon ziehn. Er dreht `s Ding nicht - `s
Ding dreht ihn. Cuno stemmt mit
Pappgewichten. Cuno wi
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Sonette des Spielers

Das erste Spiel Wir
liegen in der Welt. Das erste
Spiel Treibt wohl die Mutter mit den
Brüsten leis. Dann tritt die Amme in
den krausen Kreis, Sie weiß se
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Liebeslied (Dein Mund, der schön geschweifte)

Dein Mund, der schön geschweifte, Dein
Lächeln, das mich streifte, Dein Blick,
der mich umarmte, Dein Schoß, der mich
erwarmte, Dein Arm, der mich
umschlungen, Dein Wort, das mi
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Der Friede

Der Friede stürzt ins Land Gleich einem
Schaf, von Wölfen angerissen. Er trägt
ein grau Gewand, Zerflattert und
zersplissen. Sein Antlitz ist
zerfressen, Sein Auge ohne G
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Komische Elegie

Der Himmel ist heute ein dicker weißer
Sack Von Mehl oder Kleie. Die Luft
riecht nach Ammoniak, Und es sieht aus,
als ob es bald schneie. Ich denke, daß
an dem Tage, der -
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Die englischen Fräuleins

Die englischen Fräuleins gehen in
langer Kette durch die Stadt, Zwei und
zwei, in ihren schwarzen Mänteln wie
Morcheln, die man aus dem Boden gerissen
hat. Aber im Sommer tragen sie violette
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Früher Morgen in der Friedrichstraße

Die ersten Wagen mit
Zeitungsballen Fahren am Bahnhof
Friedrichstraße vor. Alle Häuser
hängen in violettem Flor. O wilde Welt!
Laß mich ins Dunkel fallen! Die
Mädchen flatter
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Berliner in Italien

Die ganze Welt ist voll von
Berlinern. Deutschland, Deutschland
überall in der Welt. Ich sah sie auf
der Promenade in Nervi sich gegenseitig
bedienern, Und sie waren als Statisten
beim Empfan
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Die Glocke

Die Glocke dröhnt und stöhnt die Stunden in die Welt.
O, wer sie dieses Zwangs entbände!
Sie ist bis an ihr Ende
Bestellt,
Daß klingend sie ihr Herz ins Nichts verschwende.
Die Luft ist voll von deinem Duft

Die Luft ist voll von deinem Duft, O
süßer Leib du von Jasmin! Die Uhr
schlägt drei. Am Horizont Die ersten
rosa Wolken ziehn. Die ersten rosa
Wolken ziehn Am Horizont. D
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Zirkus

Die Puppen laden hölzerne
Geschütze. Schon sinkt Im
Korktod Dummer August blaß. Geschminkte
Hände halten Säbelblech. Der Wangen
rote Tulpen Blühen faul. Die
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Davoser Bar

Die rosa Sängerin mit jenem Juden, Der
achtungsheischend ein Monokel
trägt, Fühlt sich vom Lärm der
laubenbunten Buden Ersichtlich auf- und
ab- und angeregt. Er dreht mit ihr
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Nach der Schlacht an der englischen Front

Die Totengräber haben schon Die
Schaufeln angesetzt, da naht sich
holpernd ein Viererzug, Und ihm
entsteigen stolpernd die Reisenden der
Firma Cook And Son. Eifrig und ernst
begi
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Dies ist das Lied, das Villon sang...

Dies ist das Lied, das Villon sang, Als
man ihn hängen wollte. Er fühlte um
den Hals den Strang, Er sang das Lied
den Weg entlang, Der Schinderkarren
rollte. Hängt mich d
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Die Wirtschafterin

Drei Wochen hinter Pfingsten, Da traf
ich einen Mann, Der nahm mich ohne den
geringsten Einwand als Wirtschafterin
an. Ich hab` ihm die Suppe
versalzen Und auch die Sommerze
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Am Luganer See

Durchs Fenster strömt der See zu mir
herein, Der Himmel auch mit seinem
Mondenschein. Die Wogen ziehen über mir
dahin, Ich träume, daß ich längst
gestorben bin. Ich liege auf dem Gr
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In der Stadtbahn

Ein feiles Mädchen, schön und
aufgetakelt, Ihr gegenüber, grün und
unbemakelt, Ein Jüngling, dessen Hände
sanft behüten Zwei Veilchensträußchen
in den Seidendüten. Sie sieht ih
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Meier

Ein junger Mann mit Namen Meier Lief
täglich vor ihr auf und ab. Er gab ihr
fünfundzwanzig Dreier, Daß sie ihm
ihre Liebe gab. Sie zählte sehr
besorgt die Pfennige Und l
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Wiegenlied für Irene

Einen Sommer lang Goldne Glocke
schwang, Rief zu immer holderem
Tag. Schlugst das Aug du auf, Lag mein
Kuss darauf, Und dein Herz in meinen
Händen lag. Einen Sommer l
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Einmal noch den Abend halten

Einmal noch den Abend halten Im
versinkenden Gefühl! Der Gestalten, der
Gewalten Sind zuviel. Sie umbrausen den
verwegnen Leuchter, Der die Nacht
erhellt. Fiebriger u
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Die Harfenjule

Emsig dreht sich meine Spule, Immer zur
Musik bereit, Denn ich bin die
Harfenjule Schon seit meiner
Kinderzeit. Niemand schlägt wie ich
die Saiten, Niemand hat wie ich Gewa
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Der Seiltänzer

Er geht. Die schräge Stange trägt ihn
linde. Der Himmel schlägt um ihn ein
Feuerrad. Ein Lächeln fällt von einem
mageren Kinde, Und an dem Lächeln wird
die Mutter satt. Ein
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Er hat als Jöhr...

Er hat als Jöhr von fuffzehn Jahren Mir
einst am Wedding uffjetan. Wir sind nach
Köpenick jefahren Und sahen die Natur
uns an. Ick zog mir aus die rote
Jacke. Er hat für mich de
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Deutsches Volkslied

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, Daß
ich so traurig bin. Und Friede, Friede
überall, Das kommt mir nicht aus dem
Sinn. Kaiser Rotbart im Kyffhäuser
saß An der Wand entl
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Es ist genug

Es ist genug. Mein trübes Licht Bereit`
sich zu erlöschen. Ich hab` vertan mein
Recht und Pflicht Und meiner Seel`
vergessen. Es ist genug. Es weht ein
Wind, Weht nicht vo
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Gang durch den herbstlichen Wald

Es kommt der Herbst. Die Luft saust
kalt. Kein lieber Gott geht durch den
Wald. Ein alter Mann von siebenzig Sucht
Feuerung für den Winter sich. Auch
unser Herz ist ausgeloht,
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Unglücksfall

Es stehen vor dem Hebekran Ein kleines
Kind, ein Hund, ein Mann Die Eisenkette
rollt und rinnt, Es staunen Mann und
Hund und Kind. Da saust sie nieder auf
den Grund, Zerschmettert
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Die Schusterin

Es war einmal eines Schusters Frau, Ein
wunderschönes Weib, Die liebte die
feinen Herren Zum schönsten
Zeitvertreib. Maß einem edlen
Grafen Der Schuster Schuhe an,
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Ahasver

Ewig bist du Meer und rinnst ins
Meer, Quelle, Wolke, Regen -
Ahasver... Tor, wer um vertane Stunden
träumt, Weiser, wer die Jahre weit
versäumt. Trage so die ewige Last der
Erde
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Als sie zur Mittagszeit noch schlief

Für Carola Neher Zwar es ist
schon Mittagszeit, Sonne steht schon
hell am Himmel - In den Straßen: welch
Gewimmel, In den Herzen: welches Leid
- Manches Seg
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Ballade

Für Frank Wedekind
Mein Vater war ein Seebär, Meine
Mutter kam aus Holland her, Sie hatte
Blondhaar, wie Gold so schwer. Mein
Vater war ein g
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Lebenslauf

Geboren ward Klabund, Da war er achtzehn
Jahre Und hatte blonde Haare Und war
gesund. Doch als er starb, ein
Trott, War er zwei Jahre älter, Ein
morscher Lustbehälte
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An die Natur

Gedicht des Lehrers
Natur! Natur! Du
Götterwelt! Wie bist du prächtig
aufgestellt Mit Bergen groß und Tälern
klein, Es hat wohl müssen also
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Mond überm Schwarzwald

Goldne Sichel des Monds! Dich schwingt
der Ewige Schnitter und mäht Halme und
Herzen. Siehe, ich wandre auf
steinichter Höhe Über dem wolkigen
Wald und neige Willig den N
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Der Romanschriftsteller

Graugelb ist sein Gesicht. Die
Nase Steigt klippenspitz empor. Die
Augen liegen fleckig, Mißtrauisch von
den Wimpern tief beschattet, Geduckt zum
Sprung wie Panther in der Höhlung. Der
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Grün sind meine Kleider...

Grün sind meine Kleider, Grün sind
meine Schuh; Denn ich liebe einen
Jäger Und des Jägers Knecht
dazu. Weiß sind meine Kleider, Weiß
sind meine Schuh; Denn ich l
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Vorfrühling 1923

Heute fing ich - Krieg ist Krieg - eine
Maus in der Schlinge. Frühlingswolken
flattern rosig im Winde. Emma schrieb
mir von unserm gemeinsamen Kinde, Daß
es schon in die Schule ginge,
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Grabschrift für eine Jungfrau

Hier ruht die Jungfrau Emma Puck aus
Hinterstallupeinen, Eine Mutter hatte
sie eine, einen Vater hatte sie
keinen. In Unschuld erwuchs sie auf dem
Land wie eine Lilie. Da kam sie in die
Stadt
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Die Jungfrau

Hier ruht die Jungfrau Lisa
Gütersloh, Mein Gott, sie tat nur immer
so. In der letzten Nacht noch haben sie
gesehn Einen Schlächtergesellen auf ihr
Zimmer gehn. Doch auf dem Fuße folg
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Sommerbetrachtung

Hier saß ich oft. An diesem grünen
Strauch. Die Rosen blühen heute röter
noch. Die Fuchsien halten ihre Farbe
auch. Es bellt am Zaun der kahle Köter
noch. Die Espe zittert, w
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Montreux

Hier sieht die Landschaft man nicht vor
Hotels. Es riecht nach Beefsteak und
nach faulen Eiern. Schloß Chillon steht
betrübt auf einem Fels Und ist berühmt
durch Dichtungen von Byron.
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Hinter dem großen Spiegelfenster...

Hinter dem großen Spiegelfenster des
Cafés Sitz ich und sehe heiß auf das
Straßenpflaster, Suche im Treiben der
Farben und Körper Heilung meines
sentimentalen Wehs, Sehe viele Frauen,
Fre
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Liebeslied

Hui über drei Oktaven Glissando unsre
Lust. Laß mich noch einmal schlafen An
deiner Brust. Fern schleicht der Morgen
sachte, Kein Hahn, kein Köter
kläfft. Du brauc
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Der Leierkastenmann

Ich bin der Leierkastenmann Und drehe
meine Kurbel, Tags steh ich in den
Höfen rum Mit meiner alten
Urschel. Ich spiel ein wunderschönes
Lied, Die Köchin schaut herunter.
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Weihnacht

Ich bin der Tischler Josef, Meine Frau,
die heißet Marie. Wir finden kein`
Arbeit und Herberg` Im kalten Winter
allhie. Habens der Herr Wirt vom
goldnen Stern Nicht ein Unt
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Lied der Zeitfreiwilligen

Ich bin ein Zeitfreiwilliger Und stehle
dem lieben Gott die Zeit. Es lebt sich
billiger, wenn man: Nieder mit den
Spartakisten schreit. Fuffzehn Märker
den Tag. Daneben allens fre
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Nachts

Ich bin erwacht in weißer Nacht, Der
weiße Mond, der weiße Schnee, Und habe
sacht an dich gedacht, Du Höllenkind,
du Himmelsfee. In welchem Traum, in
welchem Raum, Schwe
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Die verlorene Welt

Ich bin ohne Glück und unrasiert, Meine
Hosen drehn sich in Spiralen. Meinen Hut
hat mir ein Herr entführt, Ohne ihn
entsprechend zu bezahlen. Meine
Gummischuhe weilen wo?
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Der rumänische Räuberhauptmann Terente

Ich bin Seine Majestät der
Räuberhauptmann Terente und geruhe,
im Donaudelta das Zepter eines knorrigen
Eichenknüttels zu schwingen. Ich bin
der Herr der hundert Teiche und der
Sklave der tausend
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Der arme Kaspar

Ich geh - wohin? Ich kam - woher? Bin
außen und inn`, Bin voll und
leer. Geboren - wo? Erkoren - wann? Ich
schlief im Stroh Bei Weib und Mann. Ich
liebe dich,
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Mystik

Ich gehe langsam durch die Stadt Zum
Ein- bis Zweifamilienbad. Schon hebt
sich aus der weißen Flut Ein brauner
Bauch, der trübe tut. Der Bauch tut
nichts. Je nun: ich weiß: Die
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Ich hab am lichten Tag geschlafen...

Ich hab am lichten Tag geschlafen. Es
weint das Kind. Es blökt das Rind. In
meinem Weidenbaume trafen Sich Leiseklug
und Lockenlind. Kaum weiß ich noch,
warum ich lebe. Ve
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In Lichterfelde Ost

Ich hab` einmal ein Mädel gehabt In
Lichterfelde Ost. Das war wie Frau Venus
selber begabt. Sie hat mich mit Lust und
Liebe gelabt In Lichterfelde Ost. Sie
hatte das schön
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Ich lieb ein Mädchen, welches Margot heißt...

Ich lieb ein Mädchen, welches Margot
heißt, Sie hat zwei Brüste wie zwei
Mandarinen. Wenn wir der holden Göttin
Venus dienen, Wie gern mein Mund in
diese Früchte beißt. Ich
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Die Kriegsbraut

Ich sage immer allen Leuten, Ich wäre
hundert Jahr... Die Hochzeitsglocken
läuten... Es - ist - alles - gar -
nicht - wahr. Ich liebte einst einen
jungen Mann, Wie man nur
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Ich schlage schamlos in die Tasten...

Ich schlage schamlos in die Tasten. Die
Ampel tönt. Es zwitschert das
Bordell. Die schlanken Knaben bleich vom
langen Fasten Erheben kühl sich vom
kastalschen Quell. Sie werfen
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Das Meer

Ich schwelle in meiner Flut über die
Erde. Es wirft meine wilde Welle Tang an
den Strand, Muscheln, violette Quallen
und kleine Seepferde. Aber der Ekel
zischt, daß ich mich gezeigt.
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Prolog

Ich sitze hier am Schreibtisch Und
schreibe ein Gedichte, Indem ich in die
Tinte wisch Und mein Gebet
verrichte. So giebt sich spiegelnd Vers
an Vers In ölgemuter Glätte.
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Trinklied

Ich sitze mit steifer Geste Wie ein
Assessor beim Feste. Mein Herz schlägt
hinter der Weste, Was weiß ich. Hielte
der Kragen nicht meinen Schädel, Er
rollte in deinen Schoß, M
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Mein Bruder

Ich war schon einmal in diesem Land
daheim. Ich sah schon einmal jene
polnische Kuppel. Und jenen Baum. Und
jene Wolke lag Auch im Frieden an meinem
Herzen. Nur neigte sie sich sa
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Im Obdachlosenasyl

Ich war `n junges Ding, Man immer frisch
und flink, Da kam von Borsig einer, Der
hatte Zaster und Grips. So hübsch wie
er war keiner Mit seinem roten
Schlips. Er kaufte mir
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Obdachlosenasyl

Ich war`n junges Ding, man immer frisch
und flink. Da kam von Borsig einer, der
hatte Zaster und Grips. So hübsch wie
er war keiner mit seinem roten
Schlips. Er kaufte mir `nen neuen Hut.
... weiterlesen


Die Ballade des Vergessens

In den Lüften schreien die Geier
schon, Lüstern nach neuem Aase. Es hebt
so mancher die Leier schon Beim
freibiergefüllten Glase, Zu schlagen
siegreich den alt bösen Feind, Tä
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Vagabundenlied

In der Heimat ohne Fremde Bin ich ganz
auf mich gestellt. Und mein Herze und
mein Hemde Sind mein alles auf der
Welt. Um ein Lächeln leichten
Mundes Geh ich schwärmend in
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Berliner Mittelstandsbegräbnis

In einer Margarinekiste habe ich sie
begraben. Ein Leihsarg war nicht mehr zu
haben. Die Kosten für einen
Begräbnisplatz könnt ich nicht
erschwingen: Ich mußte die
Margarinekiste mit der t
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Winterschlaf

Indem man sich nunmehr zum Winter
wendet, Hat es der Dichter schwer, Der
Sommer ist geendet, Und eine Blume
wächst nicht mehr. Was soll man da
besingen? Die meisten Requisi
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Resignation

Ja, so geht es in der Welt, Alles fühlt
man sich entgleiten, Jahre, Haare,
Liebe, Geld Und die großen
Trunkenheiten. Ach, bald ist man Doktor
Juris Und Assessor und verehl
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Marietta

Kabarett zum roten Strich. Leise flog
der bunte Vogel Über Busch und über
Kogel Unabänderlich. Du und ich und
dies und das Unter Buchen auf dem Moose
- Eine kleine
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Man soll in keiner Stadt...

Man soll in keiner Stadt länger bleiben
als ein halbes Jahr. Wenn man weiß, wie
sie wurde und war, Wenn man die Männer
hat weinen sehen Und die Frauen
lachen, Soll man von dannen gehe
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Blick in den Spiegel

Mein Spiegel ist von Herbstnebeln
blind. Ich kann nicht mehr in den Mai
zurück. Ich flechte aus meinen weißen
Haaren mir einen langen Strick. Ich
schlinge ihn um das Horn des Mondes am
Himme
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Ich baumle mit de Beene

Meine Mutter liegt im Bette, Denn sie
kriegt das dritte Kind; Meine Schwester
geht zur Mette, Weil wir so katholisch
sind. Manchmal troppt mir eine
Träne Und im Herzen pupperts sc
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Der Lehrer

Meist war er klein und kroch am Boden
hin Wie eine Küchenschabe braun und
eklig. Er stak in abgeschabten Loden
drin Und stank nach Fusel und nach
Schweiß unsäglich. Doch manchm
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Partenkirchen

Müde bin ich, ach, der städtischen
Sterne. Bräunliches Frühlingslaub
dunkelt im Kalterer-Wein. Mein Blut
spritzt morgenrot über die Berge, Zwei
Herzen balanciere ich an einer langen
Stang
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Müde schleich ich durch die Morgenstille

Müde schleich ich durch die
Morgenstille, Und es bebt in mir ein
fremder Wille. Wie die Glocken fernes
Ave läuten, Scheint es mir Verachtung
zu bedeuten Meinen Lippen, die noch
dunkel
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Müde schleich ich

Müde schleich ich durch die
Morgenstille, Und es bebt in mir ein
fremder Wille. Wie die Glocken fernes
Ave läuten, Scheint es mir Verachtung
zu bedeuten Meinen Lippen, die noch
dunkel
... weiterlesen


Das Notabene

Nach Bellman Holt mir
Wein in vollen Krügen! (Notabene: Wein
vom Sundgau) Und ein Weib soll bei mir
liegen! (Notabene: eine Jungfrau) Ewig
hängt sie m
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Der müde Soldat

Nach dem Chinesischen Ein kahles
Mädchen. Heckenblaßentlaubt. Sie steht
am Weg. Ich gehe weit vorbei. So stehen
alle: Reih in Reih Und Haupt an
Haupt. Was we
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Die Carmagnole (1792)

Nach dem Französischen
Was will das Proletariat? Daß keiner
zu herrschen hat! Kein Herr soll
befehlen, Kein Knecht sei zu
quälen, Freiheit! Gleichhei
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Der Hummer

nach Li-tai-pe Trinke dreihundert
Becher guten Wein, Und du wirst der
Gattin Sorge ledig wie ein Junggeselle
sein. Groß ist die Zahl der Schmerzen,
und die Zahl der Becher klein
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Ad notam

Nachts bis drei Uhr Im Café wichtig tun
und dösen, Wenn ich eure Fratzen
seh, Wünsch ich mir den Bösen. Und
ihr schnüffelt Und ihr grunzt mit
gefurchten Mienen Ü
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Das Sinngedicht des persischen Zeltmachers

Neue Vierzeiler nach Omar
Khayyâm (Meinem Vater) Du leichter
Schatten, Wolkenschmetterling, Ich
fühle dich an meinen Wimpern
hängen. Der schwarze Schmerz, das
dunkle Ding,
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Der Landwirt Würstlein von Sebelsdorf

Patriotisches Gedicht Der Landwirt
Würstlein von Sebelsdorf, Ein Mann von
echtem Schrot und Schorf, Der hat den
rechten Fleck auf dem Mund, Der lockt
keinen Ofen vor d
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Christbaumfeier

Piano, Geige: Hupf mein Mädel
(forte), Im Christbaum zucken gelblich
ein paar Lichter, Und an die Rampe tritt
Kommis und Dichter Und stottert stockend
tannendufte Worte. Man trampelt:
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Melancholie

Schau, den Finger in der Nase Oder an
der Stirn, Zeitigt manche fette
Phrase Das geölte Hirn. Warum liebt
der die Erotik? Jener die Zigarrn? Der
die Aeropilotik?
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Berliner Ballade

Sie hing wie eine Latte Vom Schranke
steif und stumm. Am Morgen sah`s ihr
Gatte, Lief nach dem
Polizeipräsidium. »Meine Frau«, so
schrie er, »ist verschieden...« Doch d
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Schwindsüchtige

Sie müssen ruh`n und wieder
ruh`n, Teils auf den patentierten
Liegestühlen Sieht man in Wolle sie und
Wut sich wühlen, Teils haben sie im
Bette Kur zu tun. Nur mittags hocken k
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Proleten

Sieben Kinder in der Stube Und dazu ein
Aftermieter, Hausen wir in feuchter
Grube, Und der blaue Tag - o sieht
er Uns, verbirgt er sein Gesicht. Gebt
uns Licht, gebt uns Licht!
... weiterlesen


Sommerelegie

Sommer. Ich bin so müde. Alles noch
braun und leer. Förster mit Büchse und
Rüde. Jagd über Moore und
Meer. Möwen in silbernen Binsen. Alpen
gezahnt und gezackt.
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Sommerabende, ihr lauen

Sommerabende, ihr lauen, Bettet mich auf
eure Kissen, Laßt in Fernen,
dunkelblauen, Meiner Träume Wimpel
hissen. Stunden, die am Tag sich
placken, Feiern nächtlich froh v
... weiterlesen


Tango

Tango tönt durch Nacht und
Flieder. Ist`s im Kurhaus die
Kapelle? Doch es springt mir in die
Glieder, Und ich dreh mich schnell und
schnelle. Tango - alle Muskeln spannt
er.
... weiterlesen


Baumblüte in Werder

Tante Klara ist schon um ein Uhr mittags
besinnungslos betrunken. Ihr Satinkleid
ist geplatzt. Sie sitzt im märkischen
Sand und schluchzt. Der Johannisbeerwein
hat`s in sich. Alles jubelt und juchz
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Vater ist auch dabei

Und als sie zogen in den Krieg - Vater
war Maikäfer - Maikäfer flieg - Da
standen am Fenster die zwei, Vergrämt,
verhungert, Mutter und Kind, Tränen
wuschen die Augen blind: Va
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Trauercarmen in memoriam unserer plötzlich heimge

Unsere alte Katze ist verschieden, War
so sanft und gut. Ach, sie war des
Hauses Trost und Frieden, Und nun liegt
sie da in ihrem Blut. In Gestalt des
Lifts kam er geschlichen, Lau
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Vergib mir

Vergib mir. Ich tat, Was Gott allein zu
tun geziemt: Nahm deine Hand für meine
Hand, Dein Herz für meines. Mich
verwirrte Die schöne Nacht, Der
goldne Stern im S
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Drei wilde Gänse

Volkslied Drei wilde
Gänse, die flogen über See. Da schoß
der Jäger alle drei, und was einmal ins
Wasser fiel, kommt nimmer in die
Höh`. Dre
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Regenschirmparaden

Vor unserm Feldmarschall, dem
Ruppert:Wie manches Heldenherz da
puppert.Man sieht mit Schirmen und mit
StöckenVorbeimarschiern die alten
Recken.Mit achtzig und mit neunzig
Jahren
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Eifersucht

Vorzustellen: Michael Jaroschin -
untertänigst - ist mein
Name. Wohlgeboren, Hochgeboren auf dem
Berge Gaurisankar. Sah von oben stets
nach unten, von den Gletschern in die
Täler, Von den Wo
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Bürgerliches Weihnachtsidyll

Was bringt der Weihnachtsmann
Emilien? Einen Strauß von Rosmarin und
Lilien. Sie geht so fleißig auf den
Strich! Oh Tochter Zions, freue
dich! Doch sieh, was wird sie bleich
wie
... weiterlesen


Oberammergau in Amerika

Was unsern Christus Lang betrifft, So
hatte er sich eingeschifft, Um in
atlantischen Bezirken Fürs heilige
Christentum zu wirken. In Boston war er
hinterm Zaun Wie`n Gnu f
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Schneeflocken

Wende ich den Kopf nach oben: Wie die
weissen Flocken fliegen, Fühle ich mich
selbst gehoben Und im Wirbeltanze
wiegen. Dicht und dichter das
Gewimmel; Eine Flocke bin auch
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Der geistige Arbeiter in der Inflation

Wer nur den lieben Gott läßt walten
- Ich arbeite an einer Monographie über
die römischen Laren. Am Tage liege ich
im Bett, um Kohlen zu sparen. Ich werde
ein Honorar von drei Mark erhalte
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Die unendliche Woge

Wie des Meeres Wellen Auf und nieder
wellen: Also wogt unendlich mein
Verlangen, Dich zu fangen, zu
umfangen. Wie entflieh ich meinem
Wahne? Neige ich mich aus dem Kahne: Imm
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Ein junges Liebespaar sieht sich überrascht

Wie kam es, dass ich heut betroffen Im
Mondlicht stehen blieb? Die Pforte eines
Parkes sah ich offen, Ein Jüngling
hatte seine Freundin lieb. Im Buchsbaum
schwirrte eines Vogels
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Hamburger Hurenlied

Wir Hamburger Mädchen haben`s fein, Wir
brauchen nicht auf dem Striche sein. Wir
wohnen in schönen Häusern Wohl bei der
Nacht, Ahoi! Weil es uns Freude
macht. Es ko
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Leiferde

Wir leben ganz im Dunkeln, Uns blühen
nicht Ranunkeln Und Mädchen glühn uns
nicht. Wir sind von Gott verworfen Und
unter Schmutz und Schorfen Ist unsre
Brust mit Schwefel ausgep
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Die Ballade von den Hofsängern

Wir ziehen dahin von Hof zu
Hof. Arbeiten? Mensch, wir sind doch
nicht dof. Wir singen nicht schön, aber
wir singen laut, Daß das Eis in den
Dienstmädchenherzen taut. Jawoll.
... weiterlesen


Spaziergang

Über uns will es sich in den Zweigen
regen, Und ein hübscher Vogel macht
sich plusternd breit. Wird er jetzt wohl
Eier legen Oder was ist seine
Tätigkeit? Plötzlich hat`s auf
... weiterlesen


Gut Holz!

Zum 37. Stiftungsfest des Verbandes
deutscher Kegelsportvereine
Wer hat dich so hoch da droben - Das
Kegelspiel ist schon seit ewigen Zeiten
eine kulturelle Macht.
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Arabeske

Zuweilen stehe ich am Fenster. Es ist
schon Nacht. Das Gaswerk schweigt. So
viele zärtliche Gespenster Sind jetzt
in Lust sich zugeneigt. Am
Güterbahnhof rollen Züge. Ein
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