A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Gedichte - Richard Dehmel


Äonische Stunde

(Alfred Mombert zu Ehren) Du
himmlischer Zecher! Noch ein Tropfen
Schwermut in meinem Glase, noch eine
Träne wild in meinem Herzen, glühte,
glänzte, doch du sangst
... weiterlesen

Anzeigen



Der letzte Traum

(zum Gedenken an Detlev v.
Liliencron) Es war am sechsten Abend,
und Gott sprach: Alles ist gut geworden.
Alles. Nur der Mensch: was ist der
Mensch? Er träumt wie Ich. Er
... weiterlesen


Empfang

Aber komm mir nicht im langen
Kleid! komm gelaufen, daß die Funken
stieben, beide Arme offen und
bereit! Auf mein Schloß führt keine
Galatreppe; über Berge geht`s, reiß ab
die Schle
... weiterlesen


Entführung

Ach! aus Träumen fahr ich in die graue
Luft, in die kalte starr` ich. Ach, dein
Samum war ich, du mein Ambraduft. Durch
die helle Wüste glühtest du dahin, und
... weiterlesen


Gärtnerspruch

Alle Frucht der Welt
ist nur des Keims Gewand.
Pflege das Land,
auf das dein Same fällt!
Mag Gott es hüten
vor tauben Blüten.


(aus: Der Kindergarten)
Die Schaukel

Auf meiner Schaukel in die Höh, was
kann es Schöneres geben! So hoch, so
weit: die ganze Chaussee und alle
Häuser schweben. Weit über die
Gärten hoch, juchhee, ich lass
... weiterlesen


Erwartung

Aus dem meergrünen Teiche neben der
roten Villa unter der toten
Eiche scheint der Mond. Wo ihr dunkles
Abbild durch das Wasser greift, steht
ein Mann und streift
... weiterlesen


Tief von fern

Aus des Abends weißen Wogen taucht ein
Stern; tief von fern kommt der junge
Mond gezogen. Tief von fern, aus des
Morgens grauen Wogen, langt der große
blasse Bogen
... weiterlesen


Ballade vom Volk

Bahnhofsgewühl; am Sperrgitter staut
sich`s. Schutzleute brüllen; und rings
glotzen
tausend Tiergesichter, Hundegesichter, Fuchsgesichter,
ein Wolfsgesicht, Schafsges
... weiterlesen


Venus Consolatrix

Da kam Stern Lucifer; und meine
Nacht erblaßte scheu vor seiner milden
Pracht. Er schien auf meine dunkle
Zimmerwand, und wie aus
unerschöpflicher Phiole durchflossen
Silberadern die C
... weiterlesen


Venus Pandemos

Das war das letzte Mal. Im Nachtcafe der
Vorstadt saß ich, müde vom Geruch der
schwülen Sofapolster und des
Punsches, der vor mir glühte, und vom
Frauendunst der feuchten Winterkleid
... weiterlesen


Stiller Gang

Der Abend graut; Herbstfeuer
brennen. Über den Stoppeln geht der
Rauch entzwei. Kaum ist mein Weg noch zu
erkennen. Bald kommt die Nacht; ich muß
mich trennen. Ein Käfer surrt an mein
... weiterlesen


Stromüber

Der Abend war so dunkelschwer, und
schwer durchs Dunkel schnitt der
Kahn; die Andern lachten um uns her, als
fühlten sie den Frühling nahn. Der
weite Strom lag stumm und fahl,
... weiterlesen


Drückende Luft

Der Himmel dunkelte noch immer; ich
fühlte tief bis in mein Zimmer der
fahlen Wolken vollen Schoß. Die Esche
drüben drehte schwer die hohe Krone um
sich her; zwei Blätter trieb
... weiterlesen


Drohende Aussicht

Der Himmel kreist, dir schwankt das
Land, vom Schnellzug hin und her
geschüttelt saust Ackerland um
Ackerrand, ein Frösteln hat dich
wachgerüttelt: die Morgensonne kommt.
... weiterlesen


Klarer Tag

Der Himmel leuchtet aus dem Meer; ich
geh und leuchte still wie er. Und viele
Menschen gehn wie ich, sie leuchten alle
still für sich. Zuweilen scheint nur
Licht zu gehn
... weiterlesen


Bleiche Nacht

Der Nebel staut sich, Hütten
dunkeln, Dorfgiebel huschen über
Lichtern hin, noch bleicher scheint die
Nacht; die jagende
Wagenkette, schwenkend, strafft
sich, die Maschine
... weiterlesen


Lied an meinen Sohn

Der Sturm behorcht mein Vaterhaus, mein
Herz klopft in die Nacht hinaus, laut;
so erwacht ich vom Gebraus des Forstes
schon als Kind. Mein junger Sohn, hör
zu, hör zu: in deine f
... weiterlesen


Bergpsalm

Der Sturm hat seine Schlangen
losgelassen. In langen Windungen zischt
Gras und Rohr und keucht der See ans
Land; die silberblassen zerwühlten
Weiden seufzen laut empor. Empor, empor!
Do
... weiterlesen


Waldseligkeit

Der Wald beginnt zu rauschen, den
Bäumen naht die Nacht; als ob sie selig
lauschen, berühren sie sich sacht. Und
unter ihren Zweigen, da bin ich ganz
allein, da bin
... weiterlesen


Beschwichtigung

Die Nacht wird kühl; mein Schauen
kriecht im Sand am Rand des Ozeans. Der
Mond vergießt sein fremdes Licht und
nimmt den Sternen ihren Glanz. Die See
rauscht. Was quäl ic
... weiterlesen


Der Stieglitz

Die Sonne blitzt, ein Distelfeld Belebt
die stille Mittagswelt; Im
starrgezackten Blättermeer Glühn
purpurlockig kreuz und quer Die
Blütenköpfe. Und durch den eisengraue
... weiterlesen


Am Ufer

Die Welt verstummt, dein Blut
erklingt; in seinen hellen Abgrund
sinkt der ferne Tag, er schaudert
nicht; die Glut umschlingt das höchste
Land, im Meere ringt die ferne Nac
... weiterlesen


Venus Perversa

Dort sitz nieder! sieben Kreuze zwischen
uns! und gönn mir`s: sei nicht
Tier! Sondern ich suche andere
Reize: Dich: komm, liebe dich vor
mir! Dich nur. Dich! nur deine
verschmach
... weiterlesen


Ideale Landschaft

Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn,
und eine hohe Abendklarheit war,
und sahst nur immer weg von mir,
ins Licht, ins Licht -
und fern verscholl das Echo meines Aufschreis.
Verhör

Du liegst sehr blaß in deinen weißen
Kissen, und deine matten Lippen sind
zerbissen; hattest du sehr viel Schmerz?
- `Ich weiß nicht mehr.` Du siehst
sehr träumerisch zur Zimm
... weiterlesen


Mannesbangen

Du mußt nicht meinen, ich hätte Furcht
vor dir. Nur wenn du mit deinen scheuen
Augen Glück begehrst und mir mit
solchen zuckenden Händen wie mit
Dolchen durch die H
... weiterlesen


Enthüllung

Du sollst nicht dulden, daß dein
Schmerz dich knechte; du bist so gern
vor Freude wild. Komm vor den Spiegel! -
Oh, wie schwillt dein düstres Haar, wie
lebt dein Bild, wie blüht dein
... weiterlesen


Verkündigung

Du tatest mir die Tür auf, ernstes
Kind. Ich sah mich um in deinem kleinen
Himmel, lächelnde Jungfrau; Du wirst
einst einen großen Himmel
hüten, Mutter mit dem Kind. Ich tu die
... weiterlesen


Befreit

Du wirst nicht weinen. Leise,
leise wirst du lächeln; und wie zur
Reise geb ich dir Blick und Kuß
zurück. Unsre lieben vier Wände! Du
hast sie bereitet, ich habe sie dir zur
Welt gew
... weiterlesen


Der Rächer

Durch die schlafende Lagune zieht ein
langer stiller Kahn seine Bahn; einsam
zieht er durch das Dunkel, durch das
sanfte Flutgefunkel, wie ein großer
schwarzer Schwan.
... weiterlesen


Immer wieder

Ehe wir uns trennen konnten, oh, wie
hielt mich dein Gesicht, sahen wir noch
Einmal, dicht, dicht an deinem mein
Gesicht, in den Winterwald zurück, wo
die Bäume sich noch sonnten
... weiterlesen


Unsre Stunde

Es dunkelt schon. Komm, geh nach
Haus. Komm! das
Kastanien-Blattgewühl streckt sich wie
Krallen nach uns aus. Es ist zu einsam
hier, zu schwül für uns. Denn sieh:
die Lin
... weiterlesen


Vierter Klasse

Es rollt und rüttelt und dröhnt und
dampft und klirrt und rasselt und
stürmt und stampft; an kreisenden
Feldern vorüber im Flug durch Pommerns
Ebne keucht der Zug. Ich schaue
... weiterlesen


Erntelied

Es steht ein goldnes Garbenfeld, das
geht bis an den Rand der Welt. Mahle,
Mühle, mahle! Es Stockt der Wind im
weiten Land, viel Mühlen stehn am
Himmelsrand. Mahle, Mühle
... weiterlesen


Im Regen

Es stimmt zu mir, es ist ein sinnreich
Wetter;mein Nacken trieft, denn Baum und
Borke triefen.Die Tropfen klatschen
durch die schlaffen Blätter;die nassen
Vögel tun, als ob sie schliefen.
... weiterlesen


Maifeierlied

Es war wohl einst am ersten Mai, viel
Kinder tanzten in Einer Reih, arme mit
reichen, und hatten die gleichen vielen
Stunden zur Freude frei. Es ist auch
heute erster Mai,
... weiterlesen


Im Fluge

Ganz in Eines flocht, o Gott, der
Tanz unsre bang beseligten
Gestalten; und ich sah, ihr schweres
Haar war ganz von dem einen Silberpfeil
gehalten. Und da hob sich schon ihr
Mund
... weiterlesen


Dichters Arbeitslied

Geh hin, mein Blick, über die grünen
Bäume! Da huscht ein Vogel, der nimmt
dich mit, Märchenvogel
Edelschwarz. Bleib nicht zu lange im
Reich der blauen Träume! Hier rasten Me
... weiterlesen


Orientalisches Potpourri

Gestern Nachmittag, meine braune
Geliebte, die du nach Ruhm begehrst vor
allen Frauen deines Volkes, saß ich in
einem Treibhaus, und von allen Palmen
und andern Gewächsen flogen mir ne
... weiterlesen


Erhebung

Gib mir deine Hand, nur den Finger,
dann seh ich diesen ganzen Erdkreis als
mein Eigen an! O, wie blüht mein
Land, sieh dir`s doch nur an! daß es
mit uns über die W
... weiterlesen


Nun erst

Hab Dank! wir waren Mann und Weib, es
ist geschehn; nun laß uns wieder
aufrecht gehn, allein und klar. Wir
wollen uns nicht trüb gebärden; wir
können nun erst Freunde werden,
... weiterlesen


Zuflucht

Hinterm Elternhaus am kleinen
Weiher, dicht umdunkelt rings von
Weidenruten, breitet eine Pappel ihre
schwanken Zweige nickend über Schilf
und Fluten. Seltsam heimlich ist`s an d
... weiterlesen


Staatsereignis

Hurrra, zum ersten Mal: Mutter, der
Peter, hurra, jetzt geht er! Kuck, ganz
alleinechen setzt er die Beinechen, ganz
wie zur Reichstagswahl, wie Onkel
Wackelpfahl! Aua,
... weiterlesen


Frecher Bengel

Ich bin ein kleiner Junge, ich bin ein
großer Lump. Ich habe eine Zunge und
keinen Strump. Ihr braucht mir keinen
schenken, dann reiß ich mir kein
Loch. Ihr könnt e
... weiterlesen


Abschied

Ich habe Alles euch gegeben, nun wollt
ihr auch das Letzte noch: nun soll ich
knechten auch mein Streben, zertreten
mich für euer Joch? Ich hab` in mir um
euch gerungen, f
... weiterlesen


An die Ersehnte

Ich habe dich Gerte getauft, weil du so
schlank bist und weil mich Gott mit dir
züchtigen will, und weil eine Sehnsucht
in deinem Gang ist wie in schmächtigen
Pappeln im April.
... weiterlesen


Fehdebrief

Ich hasse dieses
Mittelstraßenleben, ich will nicht eure
wohlgemeinten Reden, ich passe nicht in
euer Alltagsstreben, ich will das Glück
nicht, das da feil für Jeden! Ich habe

... weiterlesen


Ein Eisenbahner

Ich kann Eisenbahn-Zugführer
werden; nein, Lokomotivführer
lieber! Dann bin ich kleiner
Menschenknirps der größten Maschine
über, die tausend Pferdekraft stark
ist. Und
... weiterlesen


Ein Tierbändiger

Ich kann Tierbändiger werden, ich bin
den Bestien gut; sie würden gerne
Menschen sein, nur Qual ist ihre
Wut, drum sind ihre Augen so
traurig. So wie in Wahnsinn versunken
... weiterlesen


Begegnung

Ich sah dich schon. Im Sonnenschein beim
Roggenfeld am Wiesenrain stand wilder
Mohn; die Kelche blühten blutrot
breit, den Schoß voll blauer
Dunkelheit, und jäh aus einer
... weiterlesen


Venus Regina

Ich träumte, und ich wußte, daß ich
träume; ich träumte, eine Fürstin sei
gestorben. Barhäuptig, nur ein
spärliches Gefolge von Trauernden, so
stehn wir auserwählt in einem grau
... weiterlesen


Wellentanzlied

Ich warf eine Rose ins Meer, eine
blühende Rose ins grüne Meer. Und weil
die Sonne schien, Sonne schien, sprang
das Licht hinterher, mit hundert
zitternden Zehen hinterher. Als d
... weiterlesen


Bekenntnis

Ich will ergründen alle Lust, so tief
ich dürsten kann; ich will sie aus der
ganzen Welt schöpfen, und stürb ich
dran. Ich will`s mit all der
Schöpferwut, die in uns le
... weiterlesen


Am Scheideweg

Ich wollt dir die Stirn küssen und dir
sagen: hab Dank! Aber da war ein Licht
in deinen Augen wie Morgenglut auf
unerklommenen Bergwäldern; und dem
haben wir folgen müssen, schw
... weiterlesen


Glückwunsch

Ich wünsche dir Glück. Ich bring dir
die Sonne in meinem Blick. Ich fühle
dein Herz in meiner Brust; es wünscht
dir mehr als eitel Lust. Es fühlt und
wünscht: die Sonne scheint,
... weiterlesen


Der Fluß

In den abendgelben Fluß grub mein Ruder
schwarze Trichter; ohne Won und ohne
Kuß sahn wir auf die
Wellenlichter, sahn wir eine dunkle
Bucht still das kahle Ufer spiegeln, s
... weiterlesen


Rückblick

In diesem Jahr verlor ich einen
Freund. Hier unterm Nußbaum sprachen
wir uns aus. Das Laub wird gelb; es
wartet auf den Wind. Ist das der
Schluß? Hier unterm Nußbaum gab mir
ei
... weiterlesen


Venus Occulta

Ist das noch die große Stadt, dies
Geraune rings im Grauen? diese Männer,
diese Frauen, kaum erschienen, schon
verschwunden; und die Sonne steht so
matt wie ein kleiner, rotgewor
... weiterlesen


Predigt ans Großstadtvolk

Ja, die Großstadt macht klein. Ich sehe
mit erstickter Sehnsucht durch tausend
Menschendünste zur Sonne auf; und
selbst mein Vater, der sich zwischen den
Riesen seines Kiefern- und Eic
... weiterlesen


Novemberfahrt

Ja, lacht nur, lacht! am Wege da ihr
pelzvermummten Gaffer! Uns gab ein
heißres Blut, hahah, der Wein- und
Weiberschaffer! Und wenn wir etwas
zittrig sind und etwas rot die
... weiterlesen


Ein Märtyrer

Jetzt sollt ihr hören ein rauhes
Lied, von Frieden und Erbarmen leer! Der
Wintemachtsturm schreit im Ried und
peitscht das Schilf wie Heu umher; vor
seinem Schnauben erstarrt das Moor,
... weiterlesen


Sommerabend

Klar ruhn die Lüfte auf der weiten
Flur; fern dampft der See, das hohe
Röhricht flimmert, im Schilf verglüht
die letzte Sonnenspur, ein blasses
Wölkchen rötet sich und schimmert.
... weiterlesen


Venus Adultera

Komm, Schatz; komm, Katz; laß das
Wimmern! Nein, das darf dich nicht
bekümmern, daß ich nicht `treu` bin;
rück nur her! Komm, ich hab ein Dutzend
Seelen; wer kann all die Kammern zä
... weiterlesen


Letzte Bitte

Lege deine Hand auf meine Augen, daß
mein Blut wie Meeresnächte
dunkelt: fern im Nachen lauscht der
Tod. Lege deine Hand auf meine
Augen, bis mein Blut wie Himmelsnächte
funkel
... weiterlesen


Fitzebutze

Lieber ßöner Hampelmann, deine Detta
sieht dich an! Ich bin dhoß, und Du
bist dein; willst du Fitzebutze
sein? Tomm! Tomm auf Hatems dhoßen
Tuhl, Vitzlibutzki, Bli
... weiterlesen


Vitzlibutzli

Lieber ßöner Hampelmann, deine Detta
sieht dich an! Ich bin dhoß, und Du
bist tlein; willst du Fitzebutze
sein? Tomm! Tomm auf Haterns dhoßen
Tuhl, Vitzlibutzki, B
... weiterlesen


Die stille Stadt

Liegt eine Stadt im Tale, ein blasser
Tag vergeht; es wird nicht lange dauern
mehr, bis weder Mond noch Sterne, nur
Nacht am Himmel steht. Von allen Bergen
drücken Ne
... weiterlesen


Landung

Mein weißer Schwan vor mir, noch ziehn
wir leise auf dunkler Flut durch unser
Morgengrauen, zur blassen Ferne, wo die
Wellenkreise dem jungen Tage hoch
entgegenblauen. So lassen
... weiterlesen


Selbstzucht

Mensch, du sollst dich selbst
erziehen. Und das wird dir mancher
deuten: Mensch, du mußt dir selbst
entfliehen. Hüte dich vor diesen
Leuten! Rechne ab mit den Gewalten in
... weiterlesen


Dahin

Mit gesenkten Blicken durch die Menge
hin, durch die fremde dunkle Menge, eine
traumentstiegene Palme, kam die junge
Priesterin. Mit geschlossenen
Wimpern an den Altar
... weiterlesen


Chinesisches Trinklied

Nach Li-tai-po Der Herr Wirt hier -
Kinder, der Wirt hat Wein! aber laßt
noch, stille noch, schenkt nicht
ein: ich muß euch mein Lied vom Kummer
erst singen! Wenn der Kum
... weiterlesen


Herrliches Pärchen

Nein, wie sind wir herrlich beide! ich
mit meinem Räubersinn, du in deinem
Jägerkleide! Sonntag gehn wir auf die
Heide, süße
Lüneburgerin! Zwanzigtausend Schafe
schauen
... weiterlesen


Der Strauß

Nun nimm drei weiße Nelken du, mein
Weib. Und du. Geliebte, nimm diese drei
roten noch dazu. Und in die nickenden
Nelken tu ich eine dunkelgelbe
Rose. Seht: ist es nicht ei
... weiterlesen


Venus Primitiva

O daß der Kuß doch ewig dauern
möchte - starr stand, wie Binsen starr,
der Schwärm der Gäste o der Kuß doch
ewig, den ich auf die
Rechte, tanztaumelnd dir auf Hals und
Brüste preßte!
... weiterlesen


Nachtgebet der Braut

O mein Geliebter - in die Kissen bet ich
nach dir, ins Firmament! O könnt ich
sagen, dürft er wissen, wie meine
Einsamkeit mich brennt! O Welt, wann
darf ich ihn umschlingen!
... weiterlesen


Ansturm

O zürne nicht, wenn mein
Begehren dunkel aus seinen Grenzen
bricht, soll es uns selber nicht
verzehren, muß es heraus ans
Licht! Fühlst ja, wie all mein Innres
brandet, u
... weiterlesen


Vor Sonnenaufgang

Propheten der Sonne, der Morgen
graut! Was säumt ihr den Erdrand wie
Nebelscheuchen und beklagt euch über
die Nachtdünste? Hört doch die Hähne:
sie krähn in die Wolkenröte, und ih
... weiterlesen


Jesus bettelt

Schenk mir deinen goldnen Kamm; jeder
Morgen soll dich mahnen, daß du mir die
Haare kußtest. Schenk mir deinen
seidnen Schwamm; jeden Abend will ich
ahnen, wem du dich im Bade r
... weiterlesen


Wiegenlied für meinen Jungen

Schlaf, mein Küken; Racker,
schlafe! Kuck: im Spiegel stehn zwei
Schafe, bläkt ein großes, mäkt ein
kleines, und das kleine, das ist
meines! Bengel, Bengel, brülle
nicht, du v
... weiterlesen


Entbietung

Schmück dir das Haar mit wildem
Mohn, die Nacht ist da, all ihre Sterne
glühen schon. All ihre Sterne glühn
heut Dir! du weißt es ja: all ihre
Sterne glühn in mir!
... weiterlesen


Himmelfahrt

Schwebst du nieder aus den Weiten, Nacht
mit deinem Silberkranz? Hebt in deine
Ewigkeiten mich des Dunkels milder
Glanz? Als ob Augen liebend
winken: alle Liebe sei enthüll
... weiterlesen


Jetzt und immer

Seit wann du mein - ich weiß es
nicht; was weiß das Herz von Zeit und
Raum! Mir ist, als wär`s seit gestern
erst, daß du erfülltest meinen
Traum, mir ist, als wär`s seit imm
... weiterlesen


Schneeglöckchen

Sie ist erwacht, des Winters einzige
Blume. In Tod und Nacht träumte die
stumme Botin des Frühlings von Licht
und Leben. Wie sie sich heben alle die
sprießend
... weiterlesen


Ein Stelldichein

So war`s auch damals schon. So
lautlos verhing die dumpfe Luft das
Land, und unterm Dach der
Trauerbuche verfingen sich am
Gartenrand die Blütendünste des
Holunders; stumm nahm s
... weiterlesen


Blick ins Licht

Still von Baum zu Bäumen
schaukeln meinen Kahn die
Uferwellen; märchenblütenblau
umgaukeln meine Fahrt die
Schilflibellen, Schatten küssen den
Boden der Flut. Durch die
... weiterlesen


Nacht für Nacht

Still, es ist ein Tag verflossen. Deine
Augen sind geschlossen. Deine Hände,
schwer wie Blei, liegen dir so drückend
ferne. Um dein Bette schweben
Sterne, dicht an dir vorbei.
... weiterlesen


Die Reise

Tipp, tapp, Stuhlbein, hüh, du sollst
mein Pferdchen sein! Klipp, klapp,
Hutsche, du bist meine
Kutsche, wutsch! Wipp, wapp, zu
langsam; hott, wir fahren Eisenbahn!
... weiterlesen


Venus Mater

Träume, träume, du mein süßes
Leben, von dem Himmel, der die Blumen
bringt; Blüten schimmern da, die
beben von dem Lied, das deine Mutter
singt. Träume, träume, Knospe mein
... weiterlesen


Berückung

Und du kämest in mein Haus, kamst mit
deinen schwarzen Blicken; sah ich ferne
Palmen nicken, und du gabst mir deinen
Strauß. Gabst die zitternden
Narzissen, die wir in der
... weiterlesen


Nachruf an Nietzsche

Und es kam die Zeit, daß Zarathustra,
auferstanden, aus seiner Höhle
niederstieg vom Berge; und viel
Volkes küßte seine Spuren. Der Jünger
aber, der ihn liebte, stand vo
... weiterlesen


Durch die Nacht

Und immer Du, dies dunkle Du, und durch
die Nacht dies hohle Sausen; die
Telegraphendrähte brausen, ich schreite
meiner Heimat zu. Und Schritt für
Schritt dies dunkle Du,
... weiterlesen


Gruß

Und nähm` ich alle zarten Blüten und
schüttete sie über dich: sie könnten
alle nicht verschütten die Zartheit,
die Dich selbst umflicht. Wie
Aphroditen einst die Wellen -
... weiterlesen


Unterm jungen Birnbaum

Unterm jungen Birnbaum standest du. An
die ersten kleinen grünen
Früchte rührtest du entzückt mit
zartem Finger; letzte Blüten wehten um
dich nieder. Unterm jungen Birnbaum s
... weiterlesen


Ein Blütenblatt

Von deinen Tulpen fiel das erste
Blau. Es liegt am Fuß der stolz
geschwungnen Vase und lehnt sich auf am
gletscherblauen Glase, und drüber
flammt der Strauß mit dreizehn
Bränden. Und
... weiterlesen


Unterwegs

Vor meinem Lager liegt der
helle Mondschein auf der Diele. Mir war,
als fiele auf die Schwelle das
Frühlicht schon; mein Auge zweifelt
noch. Und ich hebe mein Haupt u
... weiterlesen


Meeraugen

Was will in deinen Augen mir das
dunkelvolle, fremde Weh, so tief und
schwer? Wie Stürme, die Ruhe suchten im
Schoß der grauen See. Versinken will,
versinken mir in
... weiterlesen


Helle Nacht

Weich küßt die Zweige der weiße
Mond. Ein Flüstern wohnt im Laub, als
neige, als schweige sich der Hain zur
Ruh: Geliebte du - Der Weiher ruht,
und die Weide
... weiterlesen


Wirrsal

Weine nicht, mein treues Weib! Jene
Andre, die mich auch liebt, die
beglückt wohl meinen Leib, aber Du hast
meine ganze Seele. Und du bist ihr
nicht verhaßt. Mußt du sie
... weiterlesen


Narzissen

Weißt du noch, wie weiß, wie bleich in
den Maiendämmerungen, wenn ich lag, von
dir umschlungen, dir zu Füßen
hingerissen, um uns schwankten die
Narzissen? Weißt du noc
... weiterlesen


Manche Nacht

Wenn die Felder sich verdunkeln, fühl
ich, wird mein Auge heller; schon
versucht ein Stern zu funkeln, und die
Grillen wispern schneller. Jeder Laut
wird bilderreicher, das
... weiterlesen


Radlers Seligkeit

Wer niemals fühlte per Pedal, dem ist
die Welt ein Jammertal! Ich radle,
radle, radle. Wie herrlich lang war die
Chaussee! Gleich kommt das achte Feld
voll Klee. Ich radle,
... weiterlesen


Der Arbeitsmann

Wir haben ein Bett, wir haben ein
Kind, mein Weib! Wir haben auch Arbeit,
und gar zu zweit, und haben die Sonne
und Regen und Wind. Und uns fehlt nur
eine Kleinigkeit, um so
... weiterlesen


Anno Domini 1812

Über Rußlands Leichenwüstenei faltet
hoch die Nacht die blassen
Hände; funkeläugig durch die weiße,
weite, kalte Stille stam die Nacht und
lauscht. Schrill kommt ein Geläute.
... weiterlesen


Aufblick

Über unsre Liebe hängt eine tiefe
Trauerweide. Nacht und Schatten um uns
beide. Unsre Stirnen sind
gesenkt. Wortlos sitzen wir im
Dunkeln. Einstmals rauschte hier ein
Stro
... weiterlesen


Nächtliche Scheu

Zaghaft vom Gewölk ins Land fließt des
Lichtes Flut aus des Mondes bleicher
Hand, dämpft mir alle Glut. Ein
verinter Schimmer schwebt durch den Wald
zum Fluß, und
... weiterlesen


Verklärte Nacht

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten
Hain; der Mond läuft mit, sie schaun
hinein. Der Mond läuft über hohe
Eichen, kein Wölkchen trübt das
Himmelslicht, in das die schwarzen Zack
... weiterlesen