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Gedichte - Richard Dehmel

Äonische Stunde

(Alfred Mombert zu Ehren)


Du himmlischer Zecher!
Noch ein Tropfen Schwermut in meinem Glase,
noch eine Träne wild in meinem Herzen,
glühte, glänzte,
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Der letzte Traum

(zum Gedenken an Detlev v. Liliencron)


Es war am sechsten Abend, und Gott sprach:
Alles ist gut geworden. Alles. Nur
der Mensch: was ist der Mensch? Er träumt wie ... weiterlesen


Empfang

Aber komm mir nicht im langen Kleid!
komm gelaufen, daß die Funken stieben,
beide Arme offen und bereit!
Auf mein Schloß führt keine Galatreppe;
über Berge geht`s, reiß ... weiterlesen


Entführung

Ach! aus Träumen fahr ich
in die graue Luft,
in die kalte starr` ich.
Ach, dein Samum war ich,
du mein Ambraduft.

Durch die helle Wüste
glühtest du ... weiterlesen


Gärtnerspruch

Alle Frucht der Welt
ist nur des Keims Gewand.
Pflege das Land,
auf das dein Same fällt!
Mag Gott es hüten
vor tauben Blüten.


(aus: Der Kindergarten)


Die Schaukel

Auf meiner Schaukel in die Höh,
was kann es Schöneres geben!
So hoch, so weit: die ganze Chaussee
und alle Häuser schweben.

Weit über die Gärten hoch, juchhee,
... weiterlesen


Erwartung

Aus dem meergrünen Teiche
neben der roten Villa
unter der toten Eiche
scheint der Mond.

Wo ihr dunkles Abbild
durch das Wasser greift,
steht ein Mann und ... weiterlesen


Tief von fern

Aus des Abends weißen Wogen
taucht ein Stern;
tief von fern
kommt der junge Mond gezogen.

Tief von fern,
aus des Morgens grauen Wogen,
langt der große ... weiterlesen


Ballade vom Volk

Bahnhofsgewühl;
am Sperrgitter staut sich`s.
Schutzleute brüllen;
und rings glotzen tausend
Tiergesichter,
Hundegesichter,
Fuchsgesichter, ein Wolfsgesicht,
... weiterlesen


Venus Consolatrix

Da kam Stern Lucifer; und meine Nacht
erblaßte scheu vor seiner milden Pracht.
Er schien auf meine dunkle Zimmerwand,
und wie aus unerschöpflicher Phiole
durchflossen ... weiterlesen


Venus Pandemos

Das war das letzte Mal. Im Nachtcafe
der Vorstadt saß ich, müde vom Geruch
der schwülen Sofapolster und des Punsches,
der vor mir glühte, und vom Frauendunst
der feuchten ... weiterlesen


Stiller Gang

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.
Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.
Ein Käfer ... weiterlesen


Stromüber

Der Abend war so dunkelschwer,
und schwer durchs Dunkel schnitt der Kahn;
die Andern lachten um uns her,
als fühlten sie den Frühling nahn.

Der weite Strom lag stumm ... weiterlesen


Drückende Luft

Der Himmel dunkelte noch immer;
ich fühlte tief bis in mein Zimmer
der fahlen Wolken vollen Schoß.
Die Esche drüben drehte schwer
die hohe Krone um sich her;
zwei ... weiterlesen


Drohende Aussicht

Der Himmel kreist, dir schwankt das Land,
vom Schnellzug hin und her geschüttelt
saust Ackerland um Ackerrand,
ein Frösteln hat dich wachgerüttelt:
die Morgensonne ... weiterlesen


Klarer Tag

Der Himmel leuchtet aus dem Meer;
ich geh und leuchte still wie er.

Und viele Menschen gehn wie ich,
sie leuchten alle still für sich.

Zuweilen scheint nur ... weiterlesen


Bleiche Nacht

Der Nebel staut sich,
Hütten dunkeln,
Dorfgiebel huschen über Lichtern hin,
noch bleicher scheint die Nacht;
die jagende Wagenkette,
schwenkend, strafft sich,
... weiterlesen


Lied an meinen Sohn

Der Sturm behorcht mein Vaterhaus,
mein Herz klopft in die Nacht hinaus,
laut; so erwacht ich vom Gebraus
des Forstes schon als Kind.
Mein junger Sohn, hör zu, hör zu:
... weiterlesen


Bergpsalm

Der Sturm hat seine Schlangen losgelassen.
In langen Windungen zischt Gras und Rohr
und keucht der See ans Land; die silberblassen
zerwühlten Weiden seufzen laut empor.
... weiterlesen


Waldseligkeit

Der Wald beginnt zu rauschen,
den Bäumen naht die Nacht;
als ob sie selig lauschen,
berühren sie sich sacht.

Und unter ihren Zweigen,
da bin ich ganz allein,
... weiterlesen


Beschwichtigung

Die Nacht wird kühl; mein Schauen kriecht
im Sand am Rand des Ozeans.
Der Mond vergießt sein fremdes Licht
und nimmt den Sternen ihren Glanz.
Die See rauscht.

... weiterlesen


Der Stieglitz

Die Sonne blitzt, ein Distelfeld
Belebt die stille Mittagswelt;
Im starrgezackten Blättermeer
Glühn purpurlockig kreuz und quer
Die Blütenköpfe.

Und durch den ... weiterlesen


Am Ufer

Die Welt verstummt, dein Blut erklingt;
in seinen hellen Abgrund sinkt
der ferne Tag,

er schaudert nicht; die Glut umschlingt
das höchste Land, im Meere ringt
... weiterlesen


Venus Perversa

Dort sitz nieder! sieben Kreuze
zwischen uns! und gönn mir`s: sei nicht Tier!
Sondern ich suche andere Reize:
Dich: komm, liebe dich vor mir!

Dich nur. Dich! nur deine ... weiterlesen


Ideale Landschaft

Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn,
und eine hohe Abendklarheit war,
und sahst nur immer weg von mir,
ins Licht, ins Licht -
und fern verscholl das Echo meines Aufschreis.


Verhör

Du liegst sehr blaß in deinen weißen Kissen,
und deine matten Lippen sind zerbissen;
hattest du sehr viel Schmerz? -
`Ich weiß nicht mehr.`

Du siehst sehr ... weiterlesen


Mannesbangen

Du mußt nicht meinen,
ich hätte Furcht vor dir.
Nur wenn du mit deinen
scheuen Augen Glück begehrst
und mir mit solchen
zuckenden Händen
wie mit Dolchen
... weiterlesen


Enthüllung

Du sollst nicht dulden, daß dein Schmerz dich knechte;
du bist so gern vor Freude wild.
Komm vor den Spiegel! - Oh, wie schwillt
dein düstres Haar, wie lebt dein Bild,
... weiterlesen


Verkündigung

Du tatest mir die Tür auf, ernstes Kind.
Ich sah mich um in deinem kleinen Himmel,
lächelnde Jungfrau;
Du wirst einst einen großen Himmel hüten,
Mutter mit dem Kind.
... weiterlesen


Befreit

Du wirst nicht weinen. Leise, leise
wirst du lächeln; und wie zur Reise
geb ich dir Blick und Kuß zurück.
Unsre lieben vier Wände! Du hast sie bereitet,
ich habe sie dir ... weiterlesen


Der Rächer

Durch die schlafende Lagune
zieht ein langer stiller Kahn
seine Bahn;
einsam zieht er durch das Dunkel,
durch das sanfte Flutgefunkel,
wie ein großer schwarzer ... weiterlesen


Immer wieder

Ehe wir uns trennen konnten,
oh, wie hielt mich dein Gesicht,
sahen wir noch Einmal, dicht,
dicht an deinem mein Gesicht,
in den Winterwald zurück,
wo die Bäume sich ... weiterlesen


Unsre Stunde

Es dunkelt schon. Komm, geh nach Haus.
Komm! das Kastanien-Blattgewühl
streckt sich wie Krallen nach uns aus.
Es ist zu einsam hier, zu schwül
für uns.

Denn ... weiterlesen


Vierter Klasse

Es rollt und rüttelt und dröhnt und dampft
und klirrt und rasselt und stürmt und stampft;
an kreisenden Feldern vorüber im Flug
durch Pommerns Ebne keucht der Zug.

... weiterlesen


Erntelied

Es steht ein goldnes Garbenfeld,
das geht bis an den Rand der Welt.
Mahle, Mühle, mahle!

Es Stockt der Wind im weiten Land,
viel Mühlen stehn am Himmelsrand.
... weiterlesen


Im Regen

Es stimmt zu mir, es ist ein sinnreich Wetter;
mein Nacken trieft, denn Baum und Borke triefen.
Die Tropfen klatschen durch die schlaffen Blätter;
die nassen Vögel tun, als ob sie ... weiterlesen


Maifeierlied

Es war wohl einst am ersten Mai,
viel Kinder tanzten in Einer Reih,
arme mit reichen,
und hatten die gleichen
vielen Stunden zur Freude frei.

Es ist auch heute ... weiterlesen


Im Fluge

Ganz in Eines flocht, o Gott, der Tanz
unsre bang beseligten Gestalten;
und ich sah, ihr schweres Haar war ganz
von dem einen Silberpfeil gehalten.

Und da hob sich ... weiterlesen


Dichters Arbeitslied

Geh hin, mein Blick, über die grünen Bäume!
Da huscht ein Vogel, der nimmt dich mit,
Märchenvogel Edelschwarz.

Bleib nicht zu lange im Reich der blauen Träume!
... weiterlesen


Orientalisches Potpourri

Gestern Nachmittag, meine braune Geliebte,
die du nach Ruhm begehrst vor allen Frauen
deines Volkes, saß ich in einem Treibhaus,
und von allen Palmen und andern Gewächsen
... weiterlesen


Erhebung

Gib mir deine Hand,
nur den Finger, dann
seh ich diesen ganzen Erdkreis
als mein Eigen an!

O, wie blüht mein Land,
sieh dir`s doch nur an!
daß es mit uns ... weiterlesen


Nun erst

Hab Dank! wir waren Mann und Weib,
es ist geschehn;
nun laß uns wieder aufrecht gehn,
allein und klar.
Wir wollen uns nicht trüb gebärden;
wir können nun erst ... weiterlesen


Zuflucht

Hinterm Elternhaus am kleinen Weiher,
dicht umdunkelt rings von Weidenruten,
breitet eine Pappel ihre schwanken
Zweige nickend über Schilf und Fluten.

Seltsam heimlich ... weiterlesen


Staatsereignis

Hurrra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, jetzt geht er!
Kuck, ganz alleinechen
setzt er die Beinechen,
ganz wie zur Reichstagswahl,
wie Onkel ... weiterlesen


Frecher Bengel

Ich bin ein kleiner Junge,
ich bin ein großer Lump.
Ich habe eine Zunge
und keinen Strump.

Ihr braucht mir keinen schenken,
dann reiß ich mir kein Loch.
... weiterlesen


Abschied

Ich habe Alles euch gegeben,
nun wollt ihr auch das Letzte noch:
nun soll ich knechten auch mein Streben,
zertreten mich für euer Joch?

Ich hab` in mir um euch ... weiterlesen


An die Ersehnte

Ich habe dich Gerte getauft, weil du so schlank bist
und weil mich Gott mit dir züchtigen will,
und weil eine Sehnsucht in deinem Gang ist
wie in schmächtigen Pappeln im April.
... weiterlesen


Fehdebrief

Ich hasse dieses Mittelstraßenleben,
ich will nicht eure wohlgemeinten Reden,
ich passe nicht in euer Alltagsstreben,
ich will das Glück nicht, das da feil für Jeden!

... weiterlesen


Ein Eisenbahner

Ich kann Eisenbahn-Zugführer werden;
nein, Lokomotivführer lieber!
Dann bin ich kleiner Menschenknirps
der größten Maschine über,
die tausend Pferdekraft stark ist.
... weiterlesen


Ein Tierbändiger

Ich kann Tierbändiger werden,
ich bin den Bestien gut;
sie würden gerne Menschen sein,
nur Qual ist ihre Wut,
drum sind ihre Augen so traurig.

So wie in ... weiterlesen


Begegnung

Ich sah dich schon.
Im Sonnenschein
beim Roggenfeld am Wiesenrain
stand wilder Mohn;
die Kelche blühten blutrot breit,
den Schoß voll blauer Dunkelheit,
und jäh ... weiterlesen


Venus Regina

Ich träumte, und ich wußte, daß ich träume;
ich träumte, eine Fürstin sei gestorben.
Barhäuptig, nur ein spärliches Gefolge
von Trauernden, so stehn wir auserwählt
... weiterlesen


Wellentanzlied

Ich warf eine Rose ins Meer,
eine blühende Rose ins grüne Meer.
Und weil die Sonne schien, Sonne schien,
sprang das Licht hinterher,
mit hundert zitternden Zehen ... weiterlesen


Bekenntnis

Ich will ergründen alle Lust,
so tief ich dürsten kann;
ich will sie aus der ganzen Welt
schöpfen, und stürb ich dran.

Ich will`s mit all der Schöpferwut,
... weiterlesen


Am Scheideweg

Ich wollt dir die Stirn küssen
und dir sagen: hab Dank!
Aber da war ein Licht in deinen Augen
wie Morgenglut auf unerklommenen Bergwäldern;
und dem haben wir folgen ... weiterlesen


Glückwunsch

Ich wünsche dir Glück.
Ich bring dir die Sonne in meinem Blick.
Ich fühle dein Herz in meiner Brust;
es wünscht dir mehr als eitel Lust.
Es fühlt und wünscht: die Sonne ... weiterlesen


Der Fluß

In den abendgelben Fluß
grub mein Ruder schwarze Trichter;
ohne Won und ohne Kuß
sahn wir auf die Wellenlichter,
sahn wir eine dunkle Bucht
still das kahle Ufer ... weiterlesen


Rückblick

In diesem Jahr verlor ich einen Freund.
Hier unterm Nußbaum sprachen wir uns aus.
Das Laub wird gelb; es wartet auf den Wind.
Ist das der Schluß?

Hier unterm Nußbaum ... weiterlesen


Venus Occulta

Ist das noch die große Stadt,
dies Geraune rings im Grauen?
diese Männer, diese Frauen,
kaum erschienen, schon verschwunden;
und die Sonne steht so matt
wie ein ... weiterlesen


Predigt ans Großstadtvolk

Ja, die Großstadt macht klein.
Ich sehe mit erstickter Sehnsucht
durch tausend Menschendünste zur Sonne auf;
und selbst mein Vater, der sich zwischen den Riesen
seines ... weiterlesen


Novemberfahrt

Ja, lacht nur, lacht! am Wege da
ihr pelzvermummten Gaffer!
Uns gab ein heißres Blut, hahah,
der Wein- und Weiberschaffer!

Und wenn wir etwas zittrig sind
... weiterlesen


Ein Märtyrer

Jetzt sollt ihr hören ein rauhes Lied,
von Frieden und Erbarmen leer!
Der Wintemachtsturm schreit im Ried
und peitscht das Schilf wie Heu umher;
vor seinem Schnauben erstarrt ... weiterlesen


Sommerabend

Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,
im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
ein blasses Wölkchen rötet sich und ... weiterlesen


Venus Adultera

Komm, Schatz; komm, Katz; laß das Wimmern!
Nein, das darf dich nicht bekümmern,
daß ich nicht `treu` bin; rück nur her!
Komm, ich hab ein Dutzend Seelen;
wer kann all die ... weiterlesen


Letzte Bitte

Lege deine Hand auf meine Augen,
daß mein Blut wie Meeresnächte dunkelt:
fern im Nachen lauscht der Tod.

Lege deine Hand auf meine Augen,
bis mein Blut wie ... weiterlesen


Fitzebutze

Lieber ßöner Hampelmann,
deine Detta sieht dich an!
Ich bin dhoß, und Du bist dein;
willst du Fitzebutze sein?
Tomm!

Tomm auf Hatems dhoßen Tuhl,
... weiterlesen


Vitzlibutzli

Lieber ßöner Hampelmann,
deine Detta sieht dich an!
Ich bin dhoß, und Du bist tlein;
willst du Fitzebutze sein?
Tomm!

Tomm auf Haterns dhoßen Tuhl,
... weiterlesen


Die stille Stadt

Liegt eine Stadt im Tale,
ein blasser Tag vergeht;
es wird nicht lange dauern mehr,
bis weder Mond noch Sterne,
nur Nacht am Himmel steht.

Von allen Bergen ... weiterlesen


Landung

Mein weißer Schwan vor mir, noch ziehn wir leise
auf dunkler Flut durch unser Morgengrauen,
zur blassen Ferne, wo die Wellenkreise
dem jungen Tage hoch entgegenblauen.

... weiterlesen


Selbstzucht

Mensch, du sollst dich selbst erziehen.
Und das wird dir mancher deuten:
Mensch, du mußt dir selbst entfliehen.
Hüte dich vor diesen Leuten!

Rechne ab mit den ... weiterlesen


Dahin

Mit gesenkten Blicken
durch die Menge hin,
durch die fremde dunkle Menge,
eine traumentstiegene Palme,
kam die junge Priesterin.

Mit geschlossenen Wimpern
... weiterlesen


Chinesisches Trinklied

Nach Li-tai-po


Der Herr Wirt hier - Kinder, der Wirt hat Wein!
aber laßt noch, stille noch, schenkt nicht ein:
ich muß euch mein Lied vom Kummer erst singen!
... weiterlesen


Herrliches Pärchen

Nein, wie sind wir herrlich beide!
ich mit meinem Räubersinn,
du in deinem Jägerkleide!
Sonntag gehn wir auf die Heide,
süße Lüneburgerin!

Zwanzigtausend ... weiterlesen


Der Strauß

Nun nimm drei weiße Nelken du,
mein Weib. Und du. Geliebte, nimm
diese drei roten noch dazu.
Und in die nickenden Nelken tu
ich eine dunkelgelbe Rose.

Seht: ist ... weiterlesen


Venus Primitiva

O daß der Kuß doch ewig dauern möchte
- starr stand, wie Binsen starr, der Schwärm der Gäste o
der Kuß doch ewig, den ich auf die Rechte,
tanztaumelnd dir auf Hals und Brüste ... weiterlesen


Nachtgebet der Braut

O mein Geliebter - in die Kissen
bet ich nach dir, ins Firmament!
O könnt ich sagen, dürft er wissen,
wie meine Einsamkeit mich brennt!

O Welt, wann darf ich ihn ... weiterlesen


Ansturm

O zürne nicht, wenn mein Begehren
dunkel aus seinen Grenzen bricht,
soll es uns selber nicht verzehren,
muß es heraus ans Licht!

Fühlst ja, wie all mein Innres ... weiterlesen


Vor Sonnenaufgang

Propheten der Sonne, der Morgen graut!
Was säumt ihr den Erdrand wie Nebelscheuchen
und beklagt euch über die Nachtdünste?
Hört doch die Hähne: sie krähn in die ... weiterlesen


Jesus bettelt

Schenk mir deinen goldnen Kamm;
jeder Morgen soll dich mahnen,
daß du mir die Haare kußtest.
Schenk mir deinen seidnen Schwamm;
jeden Abend will ich ahnen,
wem du dich ... weiterlesen


Wiegenlied für meinen Jungen

Schlaf, mein Küken; Racker, schlafe!
Kuck: im Spiegel stehn zwei Schafe,
bläkt ein großes, mäkt ein kleines,
und das kleine, das ist meines!
Bengel, Bengel, brülle ... weiterlesen


Entbietung

Schmück dir das Haar mit wildem Mohn,
die Nacht ist da,
all ihre Sterne glühen schon.
All ihre Sterne glühn heut Dir!
du weißt es ja:
all ihre Sterne glühn in ... weiterlesen


Himmelfahrt

Schwebst du nieder aus den Weiten,
Nacht mit deinem Silberkranz?
Hebt in deine Ewigkeiten
mich des Dunkels milder Glanz?

Als ob Augen liebend winken:
alle Liebe ... weiterlesen


Jetzt und immer

Seit wann du mein - ich weiß es nicht;
was weiß das Herz von Zeit und Raum!
Mir ist, als wär`s seit gestern erst,
daß du erfülltest meinen Traum,

mir ist, als ... weiterlesen


Schneeglöckchen

Sie ist erwacht,
des Winters einzige Blume.
In Tod und Nacht
träumte die stumme
Botin des Frühlings
von Licht und Leben.

Wie sie sich heben
alle die ... weiterlesen


Ein Stelldichein

So war`s auch damals schon. So lautlos
verhing die dumpfe Luft das Land,
und unterm Dach der Trauerbuche
verfingen sich am Gartenrand
die Blütendünste des Holunders;
... weiterlesen


Blick ins Licht

Still von Baum zu Bäumen schaukeln
meinen Kahn die Uferwellen;
märchenblütenblau umgaukeln
meine Fahrt die Schilflibellen,
Schatten küssen den Boden der Flut.

... weiterlesen


Nacht für Nacht

Still, es ist ein Tag verflossen.
Deine Augen sind geschlossen.
Deine Hände, schwer wie Blei,
liegen dir so drückend ferne.
Um dein Bette schweben Sterne,
dicht an dir ... weiterlesen


Die Reise

Tipp, tapp, Stuhlbein,
hüh, du sollst mein Pferdchen sein!
Klipp, klapp, Hutsche,
du bist meine Kutsche,
wutsch!

Wipp, wapp, zu langsam;
hott, wir fahren ... weiterlesen


Venus Mater

Träume, träume, du mein süßes Leben,
von dem Himmel, der die Blumen bringt;
Blüten schimmern da, die beben
von dem Lied, das deine Mutter singt.

Träume, träume, ... weiterlesen


Berückung

Und du kämest in mein Haus,
kamst mit deinen schwarzen Blicken;
sah ich ferne Palmen nicken,
und du gabst mir deinen Strauß.

Gabst die zitternden Narzissen,
... weiterlesen


Nachruf an Nietzsche

Und es kam die Zeit,
daß Zarathustra, auferstanden,
aus seiner Höhle niederstieg vom Berge;
und viel Volkes
küßte seine Spuren.
Der Jünger aber, der ihn liebte,
... weiterlesen


Durch die Nacht

Und immer Du, dies dunkle Du,
und durch die Nacht dies hohle Sausen;
die Telegraphendrähte brausen,
ich schreite meiner Heimat zu.

Und Schritt für Schritt dies dunkle ... weiterlesen


Gruß

Und nähm` ich alle zarten Blüten
und schüttete sie über dich:
sie könnten alle nicht verschütten
die Zartheit, die Dich selbst umflicht.

Wie Aphroditen einst die ... weiterlesen


Unterm jungen Birnbaum

Unterm jungen Birnbaum standest du.
An die ersten kleinen grünen Früchte
rührtest du entzückt mit zartem Finger;
letzte Blüten wehten um dich nieder.

Unterm jungen ... weiterlesen


Ein Blütenblatt

Von deinen Tulpen fiel das erste Blau.
Es liegt am Fuß der stolz geschwungnen Vase
und lehnt sich auf am gletscherblauen Glase,
und drüber flammt der Strauß mit dreizehn ... weiterlesen


Unterwegs

Vor meinem Lager liegt der helle
Mondschein auf der Diele.
Mir war, als fiele
auf die Schwelle
das Frühlicht schon;
mein Auge zweifelt noch.

Und ich hebe ... weiterlesen


Meeraugen

Was will in deinen Augen
mir das dunkelvolle, fremde Weh,
so tief und schwer?
Wie Stürme, die Ruhe suchten
im Schoß der grauen See.

Versinken will, versinken ... weiterlesen


Helle Nacht

Weich küßt die Zweige
der weiße Mond.
Ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
als schweige sich der Hain zur Ruh:
Geliebte du -

Der Weiher ruht, und
... weiterlesen


Wirrsal

Weine nicht, mein treues Weib!
Jene Andre, die mich auch liebt,
die beglückt wohl meinen Leib,
aber Du hast meine ganze Seele.

Und du bist ihr nicht verhaßt.
... weiterlesen


Narzissen

Weißt du noch, wie weiß, wie bleich
in den Maiendämmerungen,
wenn ich lag, von dir umschlungen,
dir zu Füßen hingerissen,
um uns schwankten die Narzissen?

... weiterlesen


Manche Nacht

Wenn die Felder sich verdunkeln,
fühl ich, wird mein Auge heller;
schon versucht ein Stern zu funkeln,
und die Grillen wispern schneller.

Jeder Laut wird ... weiterlesen


Radlers Seligkeit

Wer niemals fühlte per Pedal,
dem ist die Welt ein Jammertal!
Ich radle, radle, radle.

Wie herrlich lang war die Chaussee!
Gleich kommt das achte Feld voll Klee.
... weiterlesen


Der Arbeitsmann

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,
mein Weib!

Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,
und haben die Sonne und Regen und Wind.
Und uns fehlt nur eine ... weiterlesen


Anno Domini 1812

Über Rußlands Leichenwüstenei
faltet hoch die Nacht die blassen Hände;
funkeläugig durch die weiße, weite,
kalte Stille stam die Nacht und lauscht.
Schrill kommt ein ... weiterlesen


Aufblick

Über unsre Liebe hängt
eine tiefe Trauerweide.
Nacht und Schatten um uns beide.
Unsre Stirnen sind gesenkt.

Wortlos sitzen wir im Dunkeln.
Einstmals rauschte ... weiterlesen


Nächtliche Scheu

Zaghaft vom Gewölk ins Land
fließt des Lichtes Flut
aus des Mondes bleicher Hand,
dämpft mir alle Glut.

Ein verinter Schimmer schwebt
durch den Wald zum ... weiterlesen


Verklärte Nacht

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;
der Mond läuft mit, sie schaun hinein.
Der Mond läuft über hohe Eichen,
kein Wölkchen trübt das Himmelslicht,
in das die ... weiterlesen



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Gedichte vom Autor Richard Dehmel

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