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Zwei Brüdern ins Album

1

Kastor und Pollux heißen ein Paar Ammoniten (der Vater
  Kann sie dir zeigen im Schrank); füglich vergleich ich sie euch,
Emil und Theodor. Denn brüderlich sieht man die schönen
  Immer gesellt. Freut euch! heute noch habt ihr euch so.

2

Fällt dir vielleicht in späten Tagen
Wieder ein, dies Stammbuch aufzuschlagen,
Und schaust dann auch dies Blättlein an,
Mit einem lieben Freund etwan,
Da sagst du von mir wohl dies und jenes,
Nicht allzu Schlimmes, noch allzu Schönes:
Er war im ganzen ein guter Mann,
Und uns besonders zugetan.
Ich hoffe denn auch insofern,
Er sitzt in einem guten Stern.
Meine Mutter schickt’ ihm einmal durch mich
Einen Gänsebraten säuberlich
Mit einem feinen Salat ins Haus,
Das schmeckte ihm ganz überaus.
Er meinte, das Gänsestopfen hienieden
Sei drum nicht absolut zu verbieten,
Es sei halt für ein Prälatenessen -
Kurz, rühmte den Imbiß ungemessen.
Deswegen ich gern glauben mag,
Es habe sein Herz bis diesen Tag
Weder den Braten, noch mich vergessen.


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Wispeliaden - Zwo ältere Gedichte

1
Der Kehlkopf  Der Kehlkopf, der im hohlen Bom
Als Weidenschnuppe uns ergötzt,
Dem kam man endlich auf das Trom,
Und hat ihn säuberlich zerbäzt,
Man kam von hinten angestiegen,
Drauf ward er vorne ausgezwiegen.

2
Die Streichkröte  Die Kröte, die einst mutig strich,
Hat nun der blasse Tod ergriffen,
Daß ihr das Eingeweichse blich,
Die Volz dazu war nicht geschliffen:
Man rieb sie etwas mit dem Fuß,
Dieweil sie sterben muß!Τελος


Margareta

Ach, muß der Gram mit dunkelm Kranz
Noch erst unschuldge Schläfe schmücken?
So hoher Sinn in ungetrübtem Glanz,
Er würde minder uns entzücken?
Ich weiß es nicht, nur dies weiß ich allein:
So gleichst du dir, und also sind wir dein.

Könnt ich, o Seele, wie du bist,
Dich in den reinsten Spiegel fassen,
Was all dir einzig eigen ist,
Als Fremdes dir begegnen lassen!
Ja, fiele nur aus diesem Aug ein Blick,
Wie er uns traf, ins eigne Herz zurück:

Von selgen Schauern angeweht,
Scheu nahtest du dem namenlosen Bilde,
Wie einem Rätsel, das um Lösung fleht,
Daß eins im andern sich auf ewig stillte;
Doch ach, kaum hast du halb dich selbst erkannt,
Verkennst du dich, und hast dich abgewandt!


Die Soldatenbraut

Ach, wenns nur der Koenig auch wuesst,
Wie wacker mein Schaetzelein ist!
Fuer den Koenig, da liess, er sein Blut,
Fuer mich aber eben so gut.

Mein Schatz hat kein Band und kein’ Stern,
Kein Kreuz wie die vornehmen Herrn,
Mein Schatz wird auch kein General;
Haett er nur seinen Abschied einmal!

Es scheinen drei Sterne so hell
Dort ueber Marien-Kapell;
Da knuepft uns ein rosenrot Band,
Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.


Die Soldatenbraut

Ach, wenn`s nur der König auch wüßt`,
Wie wacker mein Schätzelein ist!
Für den König da ließ` er sein Blut,
Für mich aber ebensogut.

Mein Schatz hat kein Band und Kein` Stern,
Kein Kreuz, wie die vornehmen herrn;
Mein Schatz wird auch kein General, -
Hätt` er nur seinen Abschied einmal!

Es scheinen drei Sterne so hell
Dort übern Marien-Kapell:
Da knüpft uns ein rosenrot Band,
Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.


Apostrophe

Als der Verfasser unter ein paar alten Eichen verschiedene Gedichte las, worin
Rückerts geniale Formen auf eine geistlose Weise nachgeahmt und überboten waren

Ihr mehr als tausendjährigen,
Eichbäum, ihr rauh-moos-härigen!
Ihr, fröhlichen, spitzöhrigen
Waldteufeln angehörigen!
Ihr lang von wutbeflissenen
Nordstürmen wild zerrissenen!
Nun angeweht von weichlichen
Mailüftchen, unvergleichlichen;
Und euer Fuß, der tüchtige,
Den grimmig der bergschlüchtige,
Von Felsen überpurzelte
Waldstrom so gern entwurzelte,
Beglänzt von Bächleins Schimmer nun,
Dessen Gesprächlein nimmer ruhn.
Von Grund des Herzens preis ich euch,
Und überglücklich heiß ich euch,
Daß ihr so hoch euch beide streckt
Und in so dicken Häuten steckt,
Daß, was ich euch in künstlichen,
So äußerst sprachverdienstlichen
Reimweisen eben vorgesungen,
Euch gar nicht an das Ohr gedrungen.


Mit einem Anakreonskopf und einem Fläschchen Rosenöl

Als der Winter die Rosen geraubt, die Anakreons Scheitel
  Kränzten am fröhlichen Mahl, wo er die Saiten gerührt,
Träufelt’ ihr köstliches Öl in das Haar ihm Aphrogeneia,
  Und ein rosiger Hauch haftet an jeglichem Lied.
Doch nur wo ein Liebender singt die Töne des Greisen,
  Füllet Hallen und Saal wieder der herrliche Duft.


Fußreise

Am frischgeschnittnen Wanderstab,
Wenn ich in der Frühe
So durch die Wälder ziehe,
Hügel auf und ab:
Dann, wie`s Vögelein im Laube
Singet und sich rührt,
Oder wie die goldne Traube
Wonnegeister spürt
In der ersten Morgensonne,
So fühlt auch mein alter, lieber
Adam Herbst- und Frühlingsfieber,
Gottbeherzte,
Nie verscherzte
Erstlings-Paradieseswonne.
Also bist du nicht so schlimm, o alter
Adam, wie die strengen Lehrer sagen:
Liebst und lobst du immer doch,
Singst und preisest immer noch,
Wie an ewig neuen Schöpfungstagen,
Deinen lieben Schöpfer und Erhalter!
Möcht` es dieser geben!
Und mein ganzes Leben
Wär` im leichten Wanderschweiße
Eine solche Morgenreise.


Bei der Marien-Bergkirche

Am Geburtstag des Freundes


O liebste Kirche sondergleichen,
Auf deinem Berge ganz allein,
Im Wald, wo Linden zwischen Eichen
Ums Chor den Maienschatten streun!

Aus deinem grünen Rasen steigen
Die alten Pfeiler prächtig auf,
An Drachen, Greifen, Laubgezweigen
Reich bis zum letzten Blumenknauf.

Und Nachtigall und Kuckuck freuen
Sich dein- und ihrer Einsamkeit,
Sie kommen jährlich und erneuen
Dir deine erste Frühlingszeit.

Der Wohllaut deiner Orgeltöne
Schläft, ach, manch lieben langen Tag,
Bis einmal sich dein Tal der Schöne
Deines Geläutes freuen mag.

Dort, wo aus gelbem Stein gewunden
Die Treppe hängt, ein Blumenkranz,
Vertieft sich heut in Abendstunden
Mein Sinn in ihre Zierde ganz.

Sieh! ihre leicht geschlungnen Glieder
Verklären sich in rotes Gold!
Und horch, die Spindel auf und nieder
Gehn Melodieen wunderhold!

Musik der hundertfachen Flöte,
Die mit dem letzten Strahl verschwebt,
Und schweigt - bis sie die Morgenröte
Des gleichen Tages neu belebt.


Die Elemente

Am schwarzen Berg da steht der Riese,
Steht hoch der Mond darueber her;
Die weissen Nebel auf der Wiese
Sind Wassergeister aus dem Meer:
Ihrem Gebieter nachgezogen
Vergiften sie die reine Nacht,
Aus deren hoch geschwungnem Bogen
Das volle Heer der Sterne lacht.

Still schaut der Herr auf seine Geister,
Die Faust am Herzen fest geballt;
Er heisst der Elemente Meister,
Heisst Herr der toedlichen Gewalt;
Ein Gott hat sie ihm uebergeben,
Ach, ihm die schmerzenreichste Lust!
Und namenlose Seufzer heben
Die ehrne, goettergleiche Brust.

Die Keule schwingt er jetzt, die alte,
Vom Schlage droehnt der Erde Rund,
Dann springt durch die gewaltge Spalte
Der Riesenkoerper in den Grund.
Die fest verschlossnen Feuer tauchen
Hoch aus uraltem Schlund herauf,
Da fangen Waelder an zu rauchen,
Und prasseln wild im Sturme auf.

Er aber darf nicht still sich fuehlen,
Beschaulich im verborgnen Schacht,
Wo Gold und Edelsteine kuehlen,
Und hellen Augs der Elfe wacht:
Bruenstig verfolgt er, rastlos wuetend,
Der Gottheit grauenvolle Spur,
Des Busens Angst nicht ueberbietend
Mit allen Schrecken der Natur.

Soll er den Flug von hundert Wettern
Laut donnernd durcheinander ziehn,
Des Menschen Huette niederschmettern,
Aufs Meerschiff sein Verderben spruehn,
Da will das edle Herz zerreissen,
Da sieht er schrecklich sich allein;
Und doch kann er nicht wuerdig heissen,
Mit Goettern ganz ein Gott zu sein.

Noch aber blieb ihm eine Freude,
Nachdem er Land und Meer bewegt,
Wenn er bei Nacht auf oeder Heide
Die Sehnsucht seiner Seele pflegt.
Da haengen ungeheure Ketten
Aus finstrem Wolkenraum herab,
Dran er, als muessten sie ihn retten,
Sich schwingt zum Himmel auf und ab.

Dort weilen rosige Gestalten
In heitern Hoehen, himmlisch klar,
Und fest am goldnen Ringe halten
Sie schwesterlich das Kettenpaar;
Sie liegen aengstlich auf den Knieen
Und sehen sanft zum wilden Spiel,
Und wie sie im Gebete gluehen,
Loest, wie ein Traum, sich sein Gefuehl.

Denn ihr Gesang toent mild und leise,
Er ruehrt beruhigend sein Ohr:
O folge harmlos deiner Weise,
Dazu Allvater dich erkor!
Dem Wort von Anfang muss du trauen,
In ihm lass deinen Willen ruhn!
Das Tiefste wirst du endlich schauen,
Begreifen lernen all dein Tun.

Und wirst nicht laenger menschlich hadern,
Wirst schaun der Dinge heilge Zahl,
Wie in der Erde warmen Adern,
Wie in dem Fruehlingssonnenstrahl,
Wie in des Sturmes dunkeln Falten
Des Vaters goettlich Wesen schwebt,
Den Faden freundlicher Gewalten,
Das Band geheimer Eintracht webt.

Einst wird es kommen, dass auf Erden
Sich hoehere Geschlechter freun,
Und heitre Angesichter werden
Des Ewigschoenen Spiegel sein,
Wo aller Engelsweisheit Fuelle
Der Menschengeist in sich gewahrt,
In neuer Sprachen Kinderhuelle
Sich alles Wesen offenbart.

Und auch die Elemente moegen,
Die gottversoehnten, jede Kraft
In Frieden auf und nieder regen
Die nimmermehr Entsetzen schafft;
Dann, wie aus Nacht und Duft gewoben,
Vergeht dein Leben unter dir,
Mit lichtem Blick steigst du nach oben,
Denn in der Klarheit wandeln wir.


Am Walde

Am Waldsaum kann ich lange Nachmittage,
Dem Kukuk horchend, in dem Grase liegen;
Er scheint das Tal gemaechlich einzuwiegen
Im friedevollen Gleichklang seiner Klage.

Da ist mir wohl, und meine schlimmste Plage,
Den Fratzen der Gesellschaft mich zu fuegen,
Hier wird sie mich doch endlich nicht bekriegen,
Wo ich auf eigne Weise mich behage.

Und wenn die feinen Leute nur erst daechten,
Wie schoen Poeten ihre Zeit verschwenden,
Sie wuerden mich zuletzt noch gar beneiden.

Denn des Sonetts gedraengte Kraenze flechten
Sich wie von selber unter meinen Haenden,
Indes die Augen in der Ferne weiden.


Die Anti-Sympathetiker

An Justin Kerner.

Von lauter Geiste die Natur durchdrungen,
Wie würde sie nicht durch den Geist bezwungen?
Wenn sich getrennte Kräfte wiederkennen,
Auf ein Erinnrungswort entbrennen,
Die Krankheit weicht, das Blut sich plötzlich stillt:
Sie leugnen’s, ob es gleich, du weißt, kein Wunder gilt.
Laß die Schwachmatiker nur immer räsonieren,
Und rechn’ es ihnen allzu hoch nicht an!
Denn, wenn sie Gott und die Natur bornieren -
Es streckt sich keiner länger als er kann.


Der Petrefaktensammler

An zwei Freundinnen

Einmal noch an eurer Seite,
Meinen Hammer im Geleite,
Jene Frickenhauser Pfade,
Links und rechts und krumm und grade,
An dem Bächlein hin zu scherzen,
Dies verlangte mich von Herzen.
Aber dann mit tausend Freuden
Gleich den Hügel auf zu weiden,
Drin die goldnen Ammoniten,
Lias-Terebratuliten,
Pentakrinen auch, die zarten,
Alle sich zusammenscharten, -
Den uns gar nicht ungelegen
Just ein warmer Sommerregen
Ausgefurcht und abgewaschen,
Denn so füllt man sich die Taschen.
Auf dem Boden Hand und Knie,
Kriecht man fort, o süße Müh!
Und dazwischen mit Entzücken
Nach der Alb hinaufzublicken,
Deren burggekrönte Wände
Unser sonnig Talgelände,
Rebengrün und Wald und Wiesen
Streng mit dunkeln Schatten schließen!
Welche liebliche Magie,
Uns im Rücken, übten sie!
Eben noch in Sonne glimmend
Und in leichtem Dufte schwimmend,
Sieht man schwarz empor sie steigen,
Wie die blaue Nacht am Tag!
Blau, wie nur ein Traum es zeigen,
Doch kein Maler tuschen mag.
Seht, sie scheinen nah zu rücken,
Immer näher, immer dichter,
Und die gelben Regenlichter
All in unser Tal zu drücken!
Wahrlich, Schönres sah ich nie.

Wenn man nur an solcher Stätte
Zeit genug zum Schauen hätte!
Wißt ihr was? genießt ihr beiden
Gründlich diese Herrlichkeiten,
Auch für mich genießet sie!
Denn mich fickt’ es allerdinge,
Wenn das rein verlorenginge.
Doch, den Zweck nicht zu verlieren,
Will ich jetzt auf allen vieren
Nach besagten Terebrateln
Noch ein Stückchen weiterkratteln;
Das ist auch wohl Poesie.


Heimweh

Anders wird die Welt mit jedem Schritt,
Den ich weiter von der Liebsten mache;
Mein Herz, das will nicht weiter mit.
Hier scheint die Sonne kalt ins Land,
Hier deucht mir alles unbekannt,
Sogar die Blumen am Bache!
Hat jede Sache
So fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht.
Das Bächlein murmelt wohl und spricht:
Armer Knabe, komm bei mir vorüber,
Siehst auch hier Vergissmeinnicht!
- Ja, die sind schön an jedem Ort,
Aber nicht wie dort.
Fort, nur fort!
Die Augen gehn mir über!


An Fräulein Luise v. Breitschwert

Auf ein Bilderbuch mit Illustrationen zu dem Stuttgarter
Hutzelmännlein, von ihr in Schwarz ausgeschnitten

O eine kleine Welt voll Leben! Kenn ich sie?
Den schwachen Umriß jener Träume, wie?
So konntest du ihn fassen, halten, schärfen?
- Sie müssen leibhaft sein! nun zweifl’ ich selber nicht,
Da sie, bestrahlt von deinem Licht,
Entschiedne, holde Schatten werfen.

Freund Kerner legte sich, im Reiseschattensinn,
Ein Album an, da quetscht er Dintendolken drin,
Und zeichnet jeden Klecks nach seiner Phantasei
Mit wen’gem aus und freut sich wie ein Kind dabei:
Wird der nicht Augen machen, wenn er sieht,
Wie anders dir der Spaß geriet!

Doch ach, was biet ich nun der Künstlerin dagegen,
Wenn nicht etwa die Lau sich wird ins Mittel legen?
Der gute Curt möcht ich mit seinem Schatze sein:
Die Hälfte wenigstens, die goldne, wäre dein!


Zu Eröffnung eines Albums

Auf einen Geburtstag

Ein Album! Schneeweiß Pergamentpapier,
Und Schnitt und Decke schön verziert mit Golde!
Nicht wahr, wenn sich’s nur nicht so langsam füllen sollte,
Mit Sprüchen, Bildern, hundertfacher Zier?
Zur Hälfte wenigstens säh man es gar zu gern
Schon ausstaffiert, geistreich, von Damenhänden,
Und, hätten sie was Kluges drein zu spenden,
Zur Not wohl auch von dem und jenem Herrn;

Geduld, mein Kind! Es blicken diese Blätter
Dich heut wie deine künftgen Jahre an;
Die Muse weiht den ausgeworfnen Plan -
Wie er sich fülle, wissen nur die Götter!
Auch wird dies Buch von einem vollen Leben
Zuletzt doch nur ein schöner Auszug eben,
Und wieviel Holdes auf den Seiten steht,
Von Lieb und Freundschaft, sonnenhellen Tagen:
Was unsichtbar dazwischen geht,
Ist köstlicher als was die Blätter sagen.


Der Gärtner

Auf ihrem Leibrößlein,
So weiß wie der Schnee,
Die schönste Prinzessin
Reit`t durch die Allee.

Der Weg, den das Rößlein
Hintanzet so hold,
Der Sand, den ich streute,
Er blinket wie Gold.

Du rosenfarbs Hütlein;
Wohl auf und wohl ab,
O wirf eine Feder
Verstohlen herab!

Und willst du dagegen
Eine Blüte von mir,
Nimm tausend für eine,
Nimm alle dafür!


Die Herbstfeier

Auf! im traubenschwersten Tale
Stellt ein Fest des Bacchus an!
Becher her und Opferschale!
Und des Gottes Bild voran!
Flöte mit Gesang verkünde
Gleich des Tages letzten Rest,
Mit dem Abendstern entzünde
Sich auch unser Freudenfest!

Braune Männer, schöne Frauen
Soll man hier versammelt sehn;
Greise auch, die ehrengrauen,
Dürfen nicht von ferne stehn;
Knaben, so die Krüge füllen,
Und, daß er vollkommen sei,
Treten zögernd auch die stillen
Mädchen unserm Kranze bei.

Noch ist vor der nahen Feier
Süß beklommen manche Brust,
Aber weiter bald und freier
Übergibt sie sich der Lust.
Taut euch nicht wie Frühlingsregen
Lieblicher Gedankenschwarm?
Erdenleben, laß dich hegen,
Uns ist wohl in deinem Arm!

Wahrlich und schon mit Entzücken
Ist der Gott im vollen Lauf,
Schließt vor den erwärmten Blicken
Seine goldnen Himmel auf.
Amor auch hat nichts dawider,
Wenn sich Wang an Wange neigt,
Und der Mund, im Takt der Lieder,
Sich dem Mund entgegenbeugt.

Mädchen! schlingt die wildsten Tänze!
Reißt nur euren Kranz entzwei!
Ohne Furcht, denn solche Kränze
Flicht man immer wieder neu;
Doch den andern, den ich meine,
Nehmt, ihr Zärtlichen, in acht!
Und zumal im Mondenscheine,
Und zumal in solcher Nacht.

Laßt mir doch den Alten machen,
Der sich dort zum Korbe bückt
Und den Krug mit hellem Lachen
Kindisch an die Wange drückt!
Wie sein kleiner Sohn geschäftig
Sorge um den Zecher trägt
Und ihm mit der Fackel kräftig
Den gekrümmten Rücken schlägt!

Aber schaut nach dem Gebüsche,
Wo gedrungner Efeu webt,
Wie sich dort das träumerische
Marmorbild des Gottes hebt!
Lasset uns ihm näher treten,
Schließt mit Fackeln einen Kreis!
Flehet zu ihm in Gebeten,
Doch geheimnisvoll und leis.

Wie er lächelnd abwärts blicket!
Er besinnet sich nur kaum.
Herrlicher! dein Auge nicket,
Doch dies alles ist kein Traum;
Luna sucht mit frommer Leuchte
Dich, o schöner Jüngling, hier,
Schöpfet zärtlich ihre feuchte
Klarheit auf die Stirne dir.

Wie der Menschen, so der Götter
Liebster Liebling heißest du:
Selber Zeus rief seinem Retter
Herzliches Willkommen zu;
Dumpf ist des Olympus Dröhnen,
Aber wie melodisch Gold
Muß sein starres Erz ertönen,
Wenn dein Thyrsus auf ihm rollt.

Und eh Mars im Kriegerschwarme
Sich zur Ebne niederläßt,
Schließet er in seine Arme
Dich, wie die Geliebte, fest,
Fühlet nun an Göttermarke
Sich gedoppelt einen Gott,
Und es brüllt der Himmlisch-Arge
Todeslust und Siegerspott.

Wie dir alle dienen müssen,
Schmiegt auch Eros’ hohe Macht
Leise tot sich dir zu Füßen,
Oder schauert auf und wacht.
Und Apollo mit der Leier
Rufet Welt und Sternenbahn
Gern aus dem verklärten Feuer
Deines holden Wahnes an.

Vater! soll, zur Wut erhoben,
Jetzo mit zerschlagner Brust
Die Mänade um dich toben?
Fluchst du unsrer keuschen Lust?
Gib, o Fürst, gib uns ein Zeichen,
Daß wir deine Kinder sei’n!
Wundertäter ohnegleichen,
Laß ein Wunder uns erfreun!

Tritt in unsre bunte Mitte,
Oder winke mit der Hand,
Wandle drei gemeßne Schritte
Längs der hohen Rebenwand!
- Ach, er läßt sich nicht bewegen...
Aber, horcht, es bebt das Tal!
Ja, das ist von Donnerschlägen.
Horch, und schon zum drittenmal!

Selber Zeus hat nun geschworen,
Daß sein Sohn uns günstig sei.
So ist kein Gebet verloren,
So ist der Olymp getreu.
- Doch nach solcher Götterfülle
Ungestümem Überschwang
Werden alle Herzen stille,
Alle Gäste zauberbang.

Stimmet an die letzten Lieder!
Und so, Paar an Paar gereiht,
Steiget nun zum Fluß hernieder,
Wo ein festlich Schiff bereit.
Auf dem vordern Rand erhebe
Sich der Gott und führ uns an,
Und der Kiel, mit Flüstern, schwebe
Durch die mondbeglänzte Bahn!


Peregrina

Ausgeschmueckt ist der Freudensaal.
Lichterhell, bunt, in laulicher Sommernacht
Stehet das offene Gartengezelte.
Saeulengleich steigen, gepaart,
Gruen-umranket, eherne Schlangen,
Zwoelf, mit verschlungenen Haelsen,
Tragend und stuetzend das
Leicht gegitterte Dach.

Aber die Braut noch wartet verborgen
In dem Kaemmerlein ihres Hauses.
Endlich bewegt sich der Zug der Hochzeit,
Fackeln tragend,
Feierlich stumm.
Und in der Mitte,
Mich an der rechten Hand,
Schwarz gekleidet,
geht einfach die Braut;
Schoen gefaltet ein Scharlachtuch
Liegt um den zierlichen Kopf geschlagen.
Laechelnd geht sie dahin; das Mahl schon duftet.

Spaeter im Laermen des Fests
Stahlen wir seitwaerts uns beide
Weg, nach den Schatten des Gartens wandelnd,
Wo im Gebuesche die Rosen brannten,
Wo der Mondstrahl um Lilien zuckte,
Wo die Weymouthsfichte mit schwarzem Haar
Den Spiegel des Teiches halb verhaengt.

Auf seidnem Rasen dort, ach, Herz am Herzen,
Wie verschlangen, erstickten meine Kuesse den scheueren Kuss!
Indes der Springquell, unteilnehmend
An ueberschwaenglicher Liebe Gefluester,
Sich ewig des eigenen Plaetscherns freute;
Uns aber neckten von fern und lockten
Freundliche Stimmen,
Floeten und Saiten umsonst.

Ermuedet lag, zu bald fuer mein Verlangen,
Das leichte, liebe Haupt auf meinem Schoss.
Spielender Weise mein Aug auf ihres druckend
Fuehlt ich ein Weilchen die langen Wimpern,
Bis der Schlaf sie stellte,
Wie Schmetterlingsgefieder auf und nieder gehn.

III

Ein Irrsal kam in die Mondscheingaerten
Einer einst heiligen Liebe.
Schaudernd entdeckt ich verjaehrten Betrug.
Und mit weinendem Blick, doch grausam,
Hiess ich das schlanke,
Zauberhafte Maedchen
Ferne gehen von mir.
Ach, ihre hohe Stirn,
War gesenkt, denn sie liebte mich;
Aber sie zog mit Schweigen
Fort in die graue
Welt hinaus.

Krank seitdem,
Wund ist und wehe mein Herz.
Nimmer wird es genesen!

IV

Warum, Geliebte, denk ich dein
Auf einmal nun mit tausend Traenen,
Und kann gar nicht zufrieden sein,
Und will die Brust in alle Weite dehnen?

V

Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, zerruettet, unbeschuht;
Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit Traenen netzet sie der Fuesse Wunden.

Ach, Peregrinen hab ich so gefunden!
Schoen war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
Noch scherzend in der Fruehlingsstuerme Wut,
Und wilde Kraenze in das Haar gewunden.

Wars moeglich, solche Schoenheit zu verlassen?
- So kehrt nur reizender das alte Glueck!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!

Doch weh! o weh! was soll mir dieser Blick?
Sie kuesst mich zwischen Lieben noch und Hassen,
Sie kehrt sich ab, und kehrt mir nie zurueck.


Einer Reisenden

Bald an die Ufer des Sees, der uns von ferne die Herzen
  Lockt in jeglichem Jahr, Glückliche! kehrst du zurück.
Tag und Nacht ist er dein, mit Sonn und Mond, mit der Alpen
  Glut und dem trauten Verkehr schwebender Schiffe dazu.
Denk ich an ihn, gleich wird mir die Seele so weit wie sein lichter
  Spiegel; und bist du dort - ach wie ertrag ich es hier?


Des Schloßküpers Geister zu Tübingen

Ballade, beim Weine zu singen

Ins alten Schloßwirts Garten
Da klingt schon viele Jahr kein Glas;
Kein Kegel fällt, keine Karten,
Wächst aber schön lang Gras.

Ich mutterseelalleine
Setzt mich an einen langen Tisch;
Der Schloßwirt regt die Beine,
Vom Roten bringt er frisch.

Und läßt sich zu mir nieder;
Von alten Zeiten redt man viel,
Man seufzet hin und wieder;
Der Schöpplein wird kein Ziel.

Da nun der Tag gegangen,
Der Schloßwirt sagt kein Wörtlein mehr;
Neun Lichter tät er langen,
Neun Stühle setzt er her.

Als wie zum größten Feste
Auftischt er, daß die Tafel kracht:
Was kämen noch für Gäste?
Ist doch schier Mitternacht!

Der Narr, was kann er wollen?
Er macht sich an die Kugelbahn,
Läßt eine Kugel rollen,
Ein Höllenlärm geht an.

Es fahren gar behende
Acht Kegel hinterm Brett herauf,
Schrein: »Hagel und kein Ende!
Wer Teufel weckt uns auf?«

Und waren acht Studiosen,
Wohl aus der Zopf- und Puderzeit:
Rote Röcklein, kurze Hosen,
Und ganz charmante Leut.

Die sehen mit Ergetzen
Den edelen Karfunkelwein;
Gleich täten sie sich letzen
Und zechen und juchhein.

Den Wirt erbaut das wenig;
Er sprach: »Ihr Herren, wollt verzeihn:
Wo ist der Schoppenkönig?
Wann seid ihr denn zu neun?«

»Ach Küper, lieber Küper,
Wie machest uns das Herze schwer!
Wohl funfzig Jahr und drüber
Begraben lieget er.

Gott hab den Herren selig
Mit seiner roten Habichtsnas!
Regierete so fröhlich,
Kam tags auf sieben Maß.

Einst tät er uns bescheiden,
Sprach: ›Männiglich kennt mein Gebot,
Den Gerstensaft zu meiden;
Man büßet’s mit dem Tod.

Mit ein paar lausigen Dichtern
Traf man beim sauren Bier euch an,
Versteht sich, nudelnüchtern,
Wohl auf der Kugelbahn.

Kommt also her, ihr Lümmel!‹ -
Er zog sein’ Zauberstab herfür -
Wir stürzten wie vom Himmel -
Acht Kegel waren wir!

Jetzt ging es an ein Hudeln,
Ein’ hölzern’ König man uns gab,
Doch schoß man nichts wie Pudel,
Da schafften sie uns ab.

Nun dauert es nicht lange,
So zieht das Burschenvolk einmal
Aufs Schloß, mit wildem Sange,
Zum König in den Saal:

›Wir wolln dich Lands verweisen,
So du nicht schwörest ab den Wein;
Bierkönig sollt du heißen!‹
- Er aber saget: ›Nein;

Da habt ihr meine Krone!
An mir ist Hopfen und Malz verlorn.‹ -
So stieg er von dem Throne
In seinem edlen Zorn.

Für Kummer und für Grämen
Der Herre wurde krank und alt,
Zerfiele wie ein Scheinen
Und holt der Tod ihn bald,

Mit Purpur ward gezieret
Sein Leichnam als ein König groß;
Ein tief Gewölb man führet
Zu Tübingen im Schloß.

Vier schwarze Edelknaben
Sein’ Becher trugen vor der Bahr;
Der ist mit ihm begraben,
War doch von Golde gar,

Damals ward prophezeiet,
Wenn nur erst hundert Jahr herum,
Da würde der Thron erneuet
Vom alten Königtum.

So müssen wir halt warten,
Bis daß die Zeit erfüllet was;
Und in des Schloßwirts Garten
Derweil wächst langes Gras.

Ach Küper, lieber Küper,
Jetzt geige du uns wieder heim!
Die Nacht ist schier vorüber:
Acht Kegel müssen wir sein.«

Der Schloßwirt nimmt die Geigen
Und streicht ein Deo Gloria,
Sie tanzen einen Reigen -
Und keiner ist mehr da.


Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief -
wohl um die Elfe! -
und meint, es rief ihm aus dem Tal
bei seinem Namen die Nachtigall,
oder Silpelit hätt’ ihm gerufen.
Reibt sich der Elf’ die Augen aus,
begibt sich vor sein Schneckenhaus
und ist als wie ein trunken Mann,
sein Schläflein war nicht voll getan,
und humpelt also tippe tapp
durchs Haselholz ins Tal hinab,
schlupft an der Mauer hin so dicht,
da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
»Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
die Kleinen sitzen beim Mahle
und treiben’s in dem Saale.
Da guck’ ich wohl ein wenig ’nein!«
- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!


Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
`Elfe!`
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief -
Wohl um die Elfe -
Und meint`, es rief` ihm aus dem Tal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt` ihm gerufen.
Reibt sich der Elf die Augen aus,
Begibt sich vor sein Schneckenhaus
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nicht voll getan,
Und humpelt also tippe tapp
Durchs Haselholz ins Tal hinab,
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
`Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die Kleinen sitzen beim Mahle
Und treiben`s in dem Saale;
Da guck` ich wohl ein wenig `nein.` -
Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Guckuck! Guckuck!


Rat einer Alten

Bin jung gewesen,
Kann auch mitreden,
Und alt geworden,
Drum gilt mein Wort.

Schoen reife Beeren
Am Baeumchen bangen:
Nachbar, da hilft kein
Zaun um den Garten;
Lustige Voegel
Wissen den Weg.

Aber, mein Dirnchen,
Du lass dir raten:
Halte dein Schaetzchen
Wohl in der Liebe,
Wohl im Respekt!

Mit den zwei Faedlein
In eins gedrehet,
Ziehst du am kleinen
Finger ihn nach.

Aufrichtig Herze,
Doch schweigen koennen,
Frueh mit der Sonne
Mutig zur Arbeit,
Gesunde Glieder,

Saubere Linnen,
Das machet Maedchen
Und Weibchen wert.

Bin jung gewesen,
Kann auch mitreden,
Und alt geworden,
Drum gilt mein Wort.


An Eduard Weigelin

bisher Professor am KatharinenstiftBei seinem Austritt aus der Anstalt

Freund! dein heiterer Blick und deine gelassene Miene
Heißt uns die Klage des Abschieds sparen; doch tief in der Brust dir
Selber bewegt sich das männliche Herz. Wer möcht es ihm wehren?
Denn du verlässest das Haus, das dir wie dein eigenes lieb war,
Dem du die Blüte der Jahre geweiht im redlichen Tagwerk.
Aber glücklich genug, der still sich dessen bewußt ist!
Siehe, die Zeit kommt auch, da wir weggehn nacheinander,
Ungern jeder fürwahr, doch keiner mit besserem Ruhme,
Noch von treueren Wünschen der dankbaren Liebe begleitet.


An Karl Mayer

Dem gefangenen, betruebten Manne
Hinter seinen dichten Eisenstaeben,
Wenn ihm jemand deine holden Lieder
Aufs Gesimse seines Fensters legte,
Wo die liebe Sonne sich ein Stuendlein
Taeglich einstellt, handbreit nur ein Streifchen:
O wie schimmerten ihm Wald und Auen
Sommerlich, die stillen Wiesengruende!
O wie hastig irrten seine Schritte
Durch die tausend Lieblichkeiten alle,
Ohne Wahl, was er zuerst begruesse:
Ob das Doerflein in der Sonntagfruehe,
Wo die frische Dirne sich im Gaertchen
Einen Busenstrauss zur Kirche holet;
Ob die Truemmer, wo das Laub der Birke
Herbstlich rieselt aufs Gestein hernieder,
Drueberhin der Weih im Fluge schreiend;
Und den See dort einsam in der Wildnis,
Uebergruent von lichten Wasserlinsen.

Waer ich, waer ich selber der Gefangne!
Sperrten sie mich ein auf sieben Monde!
Herzlich wollt ich dann des Schliessers lachen,
Wenn er dreifach meine Tuer verschloesse,
Mich allein mit meinem Buechlein lassend.

Aber wenn doch endlich insgeheime
Eine tiefe Sehnsucht mich beschliche,
Dass ich trauerte um Wald und Wiesen?
Ha! wie sehn ich mich, mich so zu sehnen!
Reizend waers, den Jaeger zu beneiden,
Der in Freiheit atmet Waldesatem,
Und den Hirten, wenn er nach Mittage
Ruhig am besonnten Huegel lehnet!

Sieh, so seltsam sind des Herzens Wuensche,
Das sich muessig fuehlt im Ueberflusse.


Zu viel

Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.

Am Dorfeshang, dort bei der luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen -
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Daß all der Wonnestreit in dir sich schlichte!

Du, Liebe, hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, o Frühling, hilf die Liebe beugen!

Lisch aus, o Tag! Laß mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.


An einen kritischen Freund

der unzufrieden war, da der Verfasser neue Märchen schreiben wollte

Die Märchen sind halt Nürnberger War,
Wenn der Mond nachts in die Butiken scheint:
Drum nicht so strenge, lieber Freund,
Weihnachten ist nur einmal im Jahr.


Ein Stündlein wohl vor Tag

Derweil ich schlafend lag,
ein Stündlein wohl vor Tag,
sang vor dem Fenster auf dem Baum
ein Schwälblein mir, ich hört` es kaum -
ein Stündlein wohl vor Tag:

`Hör` an was ich dir sag`!
Dein Schätzlein ich verklag`:
Derweil ich dieses singen tu`,
herzt er ein Lieb in guter Ruh`,
ein Stündlein wohl vor Tag.`

O weh! nicht weiter sag`!
O still! nichts hören mag.
Flieg` ab, flieg` ab von meinem Baum! -
Ach, Lieb` und Treu` ist wie ein Traum
ein Stündlein wohl vor Tag.


Nixe Binsefuß

Des Wassermanns sein Töchterlein
tanzt auf dem Eis im Vollmondschein,
sie singt und lachet sonder Scheu
wohl an des Fischers Haus vorbei.

`Ich bin die Jungfer Binsefuß
und meine Fisch’ wohl hüten muß;
meine Fisch’, die sind im Kasten,
sie haben kalte Fasten;
von Böhmerglas mein Kasten ist,
da zähl’ ich sie zu jeder Frist.

Gelt, Fischer-Matz? gelt, alter Tropf,
dir will der Winter nicht in Kopf?
Komm mir mit deinen Netzen!
Die will ich schön zerfetzen!
Dein Mägdlein zwar ist fromm und gut,
ihr Schatz ein braves Jägerblut.

Drum häng’ ich ihr, zum Hochzeitsstrauß,
ein schilfen Kränzlein vor das Haus
und einen Hecht, von Silber schwer,
er stammt von König Artus her,
ein Zwergen-Goldschmieds-Meisterstück,
wer’s hat, dem bringt es eitel Glück:
Er läßt sich schuppen Jahr für Jahr,
da sind’s fünfhundert Gröschlein bar.

Ade, mein Kind!  Ade für heut’!
Der Morgenhahn im Dorfe schreit.`


Der Zauberleuchtturm

Des Zauberers sein Mägdlein saß
in ihrem Saale rund von Glas;
sie spann beim hellen Kerzenschein
und sang so glockenhell darein.
Der Saal, als eine Kugel klar,
in Lüften aufgehangen war
an einem Turm auf Felsenhöh’,
bei Nacht hoch ob der wilden See,
und hing in Sturm und Wettergraus
an einem langen Arm hinaus.
Wenn nun ein Schiff in Nächten schwer
sah weder Rat noch Rettung mehr,
der Lotse zog die Achsel schief,
der Hauptmann alle Teufel rief,
auch der Matrose wollt’ verzagen:
O weh mir armen Schwartenmagen!
Auf einmal scheint ein Licht von fern
als wie ein heller Morgenstern;
die Mannschaft jauchzet überlaut:
Heida! jetzt gilt es trockne Haut!
Aus allen Kräften steuert man
jetzt nach dem teuren Licht hinan,
das wächst und wächst und leuchtet fast
wie einer Zaubersonne Glast,
darin ein Mägdlein sitzt und spinnt,
sich beuget ihr Gesang im Wind;
die Männer stehen wie verzückt,
ein jeder nach dem Wunder blickt
und horcht und staunet unverwandt,
dem Steuermann entsinkt die Hand,
hat keiner acht mehr auf das Schiff;
das kracht mit eins am Felsenriff,
die Luft zerreißt ein Jammerschrei:
Herr Gott im Himmel, steh uns bei!
Da löscht die Zauberin ihr Licht;
noch einmal aus der Tiefe bricht
verhallend Weh aus einem Mund;
da zuckt das Schiff und sinkt zu Grund.


An Clärchen

Die Freundin immer neu zu schmücken,
Ich seh es wohl, ist deine Lust;
Darfst du ins Haar den Kranz ihr drücken,
Des eignen bist du kaum bewußt.

Und deinen Augen zu gefallen
Erlaubt sie gern das müßge Spiel.
Ach täglich mehr gefällt sie allen,
Die allen schon zu sehr gefiel!

Du machst sie, wie dir’s auch gelungen,
Kaum lieblicher als je sie war,
Doch jede dieser Neuerungen
Bringt neue Sorge und Gefahr.

Heut ringeltest du Kinderlocken
Wie schön um Hals und Nacken ihr!
Ein Mädchen sieht das unerschrocken,
Allein bedenk, bedenke, wir!

Zwar muß vom Reiz ein Dichter leben,
Er heischt zurück was du versteckt,
Ihm bleibt der Pfeil ins Herz gegeben
Des Schönen, das ihn ewig neckt;

Nur höre auf, der Welt zu zeigen
Den Schatz, den sie uns schon mißgönnt!
Wer gern ein Kleinod hat zu eigen,
Es ist genug, daß er es kennt.


An Pauline

Die Neune, die zu ewgen Tänzen
Sich schwesterlich die Stirne kränzen,
Sie sollen, heißt’s, im Dämmerscheine
Der dichterischen Wunderhaine
Gar manches Mal dir gern begegnen
Und dich mit ihren Gaben segnen;
Nur daß du, was sie dir vertrauten,
Mit keiner Silbe läßt verlauten.
- Ob etwa sie, wie sie wohl pflegen,
Dir dieses Schweigen auferlegen?
Ich weiß, ein solcher Schatz, verschlossen,
Wird doppelt wonnig erst genossen,
Unendlich scheint er sich zu füllen,
Indem wir ihn der Welt verhüllen.
Drum, was die Freunde sagen möchten,
Es ziemt sich kaum mit dir zu rechten;
Wünscht mancher doch ein gleiches Glück
Unmutig oft sich selbst zurück!


Maschinka

Dieser schwellende Mund, den Reiz der Heimat noch atmend,
  Kennt die Sprache nicht mehr, die ihn so lieblich geformt
Nach der Grammatik greifet die müßige Schöne verdrießlich,
  Stammelt russischen Laut, weil es der Vater befiehlt.
Euer Stammeln ist süß, doch pflegt ihr, trutzige Lippen,
  Heimlich ein ander Geschäft, das euch vor allem verschönt!


Der Jaeger

Drei Tage Regen fort und fort,
Kein Sonnenschein zur Stunde;
Drei Tage lang kein gutes Wort
Aus meiner Liebsten Munde!

Sie trutzt mit mir und ich mit ihr,
So hat sie’s haben wollen;
Mir aber nagts am Herzen hier,
Das Schmollen und das Grollen.

Willkommen denn, des Jaegers Lust,
Gewittersturm und Regen!
Fest zugeknoepft die heisse Brust,
Und jauchzend euch entgegen!

Nun sitzt sie wohl daheim und lacht
Und scherzt mit den Geschwistern;
Ich hoere in des Waldes Nacht
Die alten Blaetter fluestern.

Nun sitzt sie wohl und weinet laut
Im Kaemmerlein, in Sorgen;
Mir ist es wie dem Wilde traut,
In Finsternis geborgen.

Kein Hirsch und Rehlein ueberall!
Ein Schuss zum Zeitvertreibe!
Gesunder Knall und Widerhall
Erfrischt das Mark im Leibe. -

Doch wie der Donner nun verhallt
In Taelern, durch die Runde,
Ein ploetzlich Weh mich ueberwallt,
Mir sinkt das Herz zu Grunde.

Sie trutzt mit mir und ich mit ihr,
So hat sie’s haben wollen,
Mir aber frissts am Herzen hier,
Das Schmollen und das Grollen.

Und auf! und nach der Liebsten Haus!
Und sie gefasst ums Mieder!
`Drueck mir die nassen Locken aus,
Und kuess und hab mich wieder!`


Gesang Weylas

Du bist Orplid, mein Land!
Das ferne leuchtet;
Vom Meere dampfet dein besonnter Strand
Den Nebel, so der Götter Wange feuchtet.

Uralte Wasser steigen
Verjüngt um deine Hüften, Kind!
Vor deiner Gottheit beugen
Sich Könige, die deine Wärter sind.


Der Liebhaber an die heiße Quelle zu B.

Du heilest den und tröstest jenen,
O Quell, so hör auch meinen Schmerz!
Ich klage dir mit bittern Tränen
Ein hartes, kaltes Mädchenherz.

Es zu erweichen, zu durchglühen,
Dir ist es eine leichte Pflicht;
Man kann ja Hühner in dir brühen,
Warum ein junges Gänschen nicht?


An einen Liebenden

Du klagst mir, Freund, daß immer die Mutter noch
Des schönen Kindes gleich unerbittlich sei.
  Geduld! noch leben wir im Jänner,
    Aber nicht stets wird der Eiswind schnauben.

Im Winkel, wo sich einsam des Daches Trauf
In morscher Rinne sickernd vereiniget,
  Hängt mannsdick, zuckerkandelartig
    Schimmernd ein sechsfach verwachsnes Monstrum.

Bald wehen laue Lüfte den Frühling her,
Dein Gartenbeet vergoldet der Krokus schon;
  Eidechslein sonnen ihr smaragdnes
    Kleidchen am bröckelnden Felsen wieder.

Grün wird das Wiesental, und der lichte Wald
Vertieft in Schatten schon sich geheimnisvoll,
  Die wilde Taube gurrt, der Jäger
    Schmückt sich den Hut mit dem jungen Zweige.

Blieb dann von jenem eisigen Ungetüm
Auch wohl die Spur noch? - Warte den Sommer ab.
  Im schlimmsten Fall, o Bester, denke,
    Daß noch des Wildes im Forste mehr lebt!


An Wilhelm Hartlaub

Durchs Fenster schien der helle Mond herein:
Du saßest am Klavier im Dämmerschein,
Versankst im Traumgewühl der Melodien,
Ich folgte dir an schwarzen Gründen hin,
Wo der Gesang versteckter Quellen klang
Gleich Kinderstimmen, die der Wind verschlang.
Doch plötzlich war dein Spiel wie umgewandt,
Nur blauer Himmel schien noch ausgespannt,
Ein jeder Ton ein lang` gehaltnes Schweigen.
Da fing das Firnament sich an zu neigen,
Und jäh daran herab der Sterne selig Heer
Glitt rieselnd in ein goldig Nebelmeer,
Bis Tropf` um Tropfen hell darin zerging,
Die alte Nacht den öden Raum umfing.

Und als du neu ein fröhlich Leben wecktest,
Die Finsternis mit jungem Lichte schrecktest,
War ich schon weit hinweg mit Sinn und Ohr;
Zuletzt warst du es selbst, in dem ich mich verlor.
Mein Herz durchzückt` mit eins ein Freudenstrahl:
Dein ganzer Wert erschien mir auf einmal.
So wunderbar empfand ich es, so neu,
Daß noch bestehe Freundeslieb` und Treu`,
Daß uns so sichrer Gegenwart Genuß
Zusammenhält in Lebensüberfluß!

Ich sah dein hingesenktes Angesicht
Im Schatten halb und halb im klaren Licht;
Du ahntest nicht, wie mir der Busen schwoll,
Wie mir das Auge brennend überquoll.
Du endigtest; ich schwieg. - Ach, warum ist doch eben
Dem höchsten Glück kein Laut des Danks gegeben?

Da tritt dein Töchterchen mit Licht herein:
Ein ländlich Mahl versammelt groß und klein,
Vom nahen Kirchturm schallt das Nachtgeläut,
Verklingend so des Tages Lieblichkeit.


An Wilhelm Hartlaub

Durchs Fenster schien der helle Mond herein;
Du sassest am Klavier im Daemmerschein,
Versankst im Traumgewuehl der Melodien,
Ich folgte dir an schwarzen Gruenden hin,
Wo der Gesang versteckter Quellen klang,
Gleich Kinderstimmen, die der Wind verschlang.

Doch ploetzlich war dein Spiel wie umgewandt,
Nur blauer Himmel schien noch ausgespannt,
Ein jeder Ton ein lang gehaltnes Schweigen.
Da fing das Firmament sich an zu neigen,
Und jaeh daran herab der Sterne selig Heer
Glitt rieselnd in ein goldig Nebelmeer,
Bis Tropf’ um Tropfen hell darin zerging,
Die alte Nacht den oeden Raum umfing.

Und als du neu ein froehlich Leben wecktest,
Die Finsternis mit jungem Lichte schrecktest,
War ich schon weit hinweg mit Sinn und Ohr,
Zuletzt warst du es selbst, in den ich mich verlor;
Mein Herz durchzueckt’ mit eins ein Freudenstrahl:
Dein ganzer Wert erschien mir auf einmal.
So wunderbar empfand ich es, so neu,
Dass noch bestehe Freundeslieb und Treu!
Dass uns so sichrer Gegenwart Genuss
Zusammenhaelt in Lebensueberfluss!

Ich sah dein hingesenktes Angesicht
Im Schatten halb und halb im klaren Licht;
Du ahntest nicht, wie mir der Busen schwoll,
Wie mir das Auge brennend ueberquoll.
Du endigtest; ich schwieg - Ach warum ist doch eben
Dem hoechsten Glueck kein Laut des Danks gegeben?

Da tritt dein Toechterchen mit Licht herein,
Ein laendlich Mahl versammelt Gross und Klein,
Vom nahen Kirchturm schallt das Nachtgelaeut’,
Verklingend so des Tages Lieblichkeit.


Auf einen Kirchturm

Ein Glockentonmeer wallet
Zu Füßen uns und hallet
Weit über Stadt und Land.
So laut die Wellen schlagen,
Wir fühlen mit Behagen
Uns hoch zu Schiff getragen
Und blicken schwindelnd von dem Rand.


Peregrina

Ein Irrsal kam in die Menschengärten
Einer einst heiligen Liebe.
Schaudernd entdeckt ich verjährten Betrug.
Und mit weinendem Blick, doch grausam,
Hieß ich das schlanke,
Zauberhafte Mädchen
Ferne gehen von mir.
Ach, ihre hohe Stirn
War gesenkt, denn sie liebte mich;
Aber sie zog mit Schweigen
Fort in die graue
Welt hinaus.

Krank seitdem,
Wund ist und wehe mein Herz.
Nimmer wird es genesen!

Als ginge, luftgesponnen, ein Zauberfaden
Von ihr zu mir, ein ängstig Band,
So zieht es, zieht mich schmachtend ihr nach!
- Wie, wenn ich eines Tags auf meiner Schwelle
Sie sitzen fände, wie einst, im Morgen-Zwielicht,
Das Wanderbündel. neben ihr,
Und ihr Auge, treuherzig zu mir aufschauend,
Sagte, da bin ich wieder
Hergekommen aus weiter Welt!


Denk` es, o Seele

Ein Tännlein grünet, wo,
Wer weiß! im Walde,
Ein Rosenstrauch, wer sagt,
In welchem Garten?
Sie sind erlesen schon,
Denk` es, o Seele,
Auf deinem Grab zu wurzeln
Und zu wachsen.

Zwei schwarze Rößlein weiden
Auf der Wiese,
Sie kehren heim zur Stadt
In muntren Sprüngen.
Sie werden schrittweis gehn
Mit deiner Leiche;
Vielleicht, vielleicht noch eh`
An ihren Hufen
Das Eisen los wird,
Das ich blitzen sehe


Wo find ich Trost

Eine Liebe kenn ich, die ist treu,
War getreu, solang ich sie gefunden,
Hat mit tiefem Seufzen immer neu,
Stets versöhnlich, sich mit mir verbunden.

Welcher einst mit himmlischem Gedulden
Bitter bittern Todestropfen trank,
Hing am Kreuz und büßte mein Verschulden,
Bis es in ein Meer von Gnade sank.

Und was ist’s nun, daß ich traurig bin,
Daß ich angstvoll mich am Boden winde?
Frage: »Hüter, ist die Nacht bald hin?«
Und: »was rettet mich von Tod und Sünde?«

Arges Herze! ja gesteh es nur,
Du hast wieder böse Lust empfangen;
Frommer Liebe, frommer Treue Spur,
Ach, das ist auf lange nun vergangen.

Ja, das ist’s auch, daß ich traurig bin,
Daß ich angstvoll mich am Boden winde!
Hüter, Hüter, ist die Nacht bald hin?
Und was rettet mich von Tod und Sünde?


Scherz

Einen Morgengruss ihr frueh zu bringen,
Und mein Morgenbrot bei ihr zu holen,
Geh ich sachte an des Maedchens Tuere,
Oeffne rasch,
da steht mein schlankes Baeumchen
Vor dem Spiegel schon und wascht sich emsig.
O wie lieblich traeuft die weisse Stirne,
Traeuft die Rosenwange Silbernaesse!
Hangen aufgeloest die suessen Haare!
Locker spielen Tuecher und Gewaender.
Aber wie sie zagt und scheucht und abwehrt!
Gleich, sogleich soll ich den Rueckzug nehmen!
Naerrchen, rief ich, sei mir so kein Naerrchen:
Das ist Brautrecht, ist Verlobtensitte.
Lass mich nur, ich will ja blind und lahm sein,
Will den Kopf und alle beiden Augen
In die Fuelle deiner Locken stecken,
Will die Haende mit den Flechten binden -
`Nein, du gehst!` Im Winkel lass mich stehen,
Dir bescheidentlich den Ruecken kehren!
`Ei, so mags, damit ich Ruhe habe!`


Und ich stand gehorsam in der Ecke,
Laecherlich, wie ein gestrafter Junge,
Der die Lektion nicht wohl bestanden,
Muckste nicht und kuehlte mir die Lippen
An der weissen Wand mit leisem Kusse,
Eine volle, eine lange Stunde;
Ja, so wahr ich lebe. Doch, wer etwa
Einen kleinen Zweifel moechte haben
(Was ich ihm just nicht verargen duerfte),
Nun, der frage nur das Maedchen selber:
Die wird ihn - noch zierlicher beluegen.


Zur Warnung

Einmal nach einer lustigen Nacht
War ich am Morgen seltsam aufgewacht:
Durst, Wasserscheu, ungleich Gebluet;
Dabei geruehrt und weichlich im Gemuet,
Beinah poetisch, ja, ich bat die Muse um ein Lied.
Sie, mit verstelltem Pathos, spottet’ mein,
Gab mir den schnoeden Bafel ein:
  `Es schlagt eine Nachtigall
  Am Wasserfall;
  Und ein Vogel ebenfalls,
  Der schreibt sich Wendehals,
  Johann Jakob Wendehals;
  Der tut tanzen
  Bei den Pflanzen
  Obbemeld’ten Wasserfalls -`
So ging es fort; mir wurde immer baenger.
Jetzt sprang ich auf: zum Wein! Der war denn auch mein Retter.
- Merkts euch, ihr traenenreichen Saenger,
Im Katzenjammer ruft man keine Goetter!


Zur Warnung

Einmal nach einer lustigen Nacht
War ich am Morgen seltsam aufgewacht:
Durst, Wasserscheu, ungleich Geblüt,
Dabei gerührt und weichlich im Gemüt,
Beinah` poetisch; ja ich bat die Muse um ein Lied.
Sie, mit verstelltem Pathos, spottet` mein,
Gab mir den schnöden Bafel ein:

Es schlagt eine Nachtigall
Am Wasserfall
Und ein Vogel ebenfalls,
Der schreibt sich Wendehals,
Johann Jakob Wendehals;
Der tut tanzen
Bei den Pflanzen
Obbemeld`ten Wasserfalls -

So ging es fort; mir wurde immer bänger.
Jetzt sprang ich auf: zum Wein! Der war denn auch mein Retter. -
Merkt`s euch, ihr tränenreichen Sänger:
Im Katzenjammer ruft man keine Götter!



Schlaflied

Einmal wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
daß ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?

Ohne daß ich hier wache und
Worte, beinah wie Augenlider,
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund.

Ohne daß ich dich verschließ
und dich allein mit Deinem lasse
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.


Ritterliche Werbung

Englisch

Wo gehst du hin, du schönes Kind?
Zu melken, Herr! - sprach Gotelind.

Wer ist dein Vater, du schönes Kind?
Der Müller im Tal - sprach Gotelind.

Wie, wenn ich dich freite, schönes Kind?
Zu viel der Ehre! - sprach Gotelind.

Was hast du zur Mitgift, schönes Kind?
Herr, mein Gesicht! - sprach Gotelind.

So kann ich dich nicht wohl frein, mein Kind.
Wer hat’s Euch geheißen? - sprach Gotelind.


Früh im Wagen

Es graut vom Morgenreif
In Dämmerung das Feld,
Da schon ein blasser Streif
Den fernen Ost erhellt;

Man sieht im Lichte bald
Den Morgenstern vergehn
Und doch am Fichtenwald
Den vollen Mond noch stehn:

So ist mein scheuer Blick,
Den schon die Ferne drängt,
Noch in das Schmerzensglück
Der Abschiedsnacht versenkt.

Dein blaues Auge steht,
Ein dunkler See, vor mir,
Dein Kuß, dein Hauch umweht,
Dein Flüstern mich noch hier.

An deinem Hals begräbt
Sich weinend mein Gesicht,
Und Purpurschwärze webt
Mir vor dem Auge dicht.

Die Sonne kommt. Sie scheucht
Den Traum hinweg im Nu,
Und von den Bergen streicht
Ein Schauer auf mich zu.



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