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Gebundene Lob-Rede von der Edlen...

- Gedicht von Philipp von Zesen

Gebundene Lob-Rede von der Edlen...

...Hochnütz-und löblichen Kunst Buchdrückerey

Ich der ich flügen ließ vor zweyen Jahres-Zeiten
Die Feder in dein Lob und rühmte dich von weiten/
Du edle Drücker-Kunst/ bin itzund auch bedacht/
Wie doch dein ursprung nur werd` offenbahr gemacht:
Ich wil durch diesen Mund die blöden Menschen lehren/
Die noch nicht Menschen sind/ wie sie dich sollen ehren;
Durch diesen meinen Mund der sich was schwach befindt/
Drüm/ Clio/ ruff` ich dier/ du schönes Musen-Kind/
Komm/ komm und hilff mir auff; flicht aus die güldnen Zöpffe/
Daß Zephyr spielen mag und ich die Kräffte schöpffe;
Wenn er von dier auff mich den feuchten Nectar weht/
So weiß ich daß es mier gewündscht von statten geht.
Komm balde/ denn ich wil von solchen Sachen reden/
Die höher seyn als hoch; nicht wie uns Arme Blöden
Der kleine Hertzen-Schütz aus Paphos fällen kann;
Nicht wie Callicrates der Kunst-erfahrne Mann
Sein Wunder-schiff gemacht; Wil nicht den Ruhm erlangen
Der Venus Bild/ das einst Apelles angefangen/
Nach ihm zu mahlen aus; Es soll Hymettus nicht/
Noch seine schönste Lust hier werden mein Gedicht;
Zumahl weil Maro sie mit seiner scharffen Zungen
An Minces ufer schon hat zweymahl hergesungen:
Ich wil auch sagen nicht von Cocos aus Zebuth/
Dem Wunder-Baum und Stamm/ von dem man Rebenblut/
Oehl/ Butter/ Linnewand und Essig kan geniessen/
Ja Zucker noch dazu: Auch wil ich nicht vergiessen
Die Thränen über dich/ du edles Vater-Land/
Das von sich selbsten itzt fast nicht mehr wird erkant/
So als es öde steht. Diß alles bleibt verschwiegen
Von mir auff dieses mahl; Ich laße mir genügen/
Wenn ich nur reden mag nach Zierligkeit von Dier/
Du edle Drücker-Kunst. Drüm/ Clio/ meine Zier/
Geruhe doch Entsatz und Worte zu zuschicken/
Wann mir der Mund besteht: Ach! laß mich doch erblicken
Dein Göttlich Angesicht; Dier fleh ich noch einmahl
Gib/ daß ich zieren mag mit Reden diesen Saal.
Komt auch und hört mir zu/ Ihr träfflichen Elbinnen/
Komm Hamburg/ komm heran und höre mein Beginnen/
Laß deine Schiffe stehn am blancken Elben-Stroom/
So lange/ biß ich das/ was noch Athen und Room/
Wie hoch sie flügen/ trotzt/ ursprünglich dier entdecket/
Die edle Drücker-Kunst/ vor der der Pabst erschrecket
Auff seiner Siebenburg: Laßt eurer Presse Ruh/
Ihr edlen Drucker Ihr und hört ein wenig zu/
Merckt/ merckt auff meine Wort/ weil ich vornemlich preise:
Die Götter-gleiche Kunst und ihren Ursprung weise;
Die euch zu Ehren setzt/ die euch berühmet macht/
Die alle Künstler trotzt und reisst hin aus der Nacht
Zur grauen Ewigkeit. Diß Lob laßt euch gefallen/
Das durch das Deutsche Reich anitzo wird erschallen/
und das üm desto mehr/ weil keiner diß gethan
Vor mir in dieser Stadt/ merckt auff/ nun fang` ich an.
Als vierzehn hundert Jahr und viertzig war verflossen
Nach unser Christ-Geburt/ war Gott der Herr entschlossen
Sein Wort zu breiten aus: Es war fast auff der Bahn/
Den Huß im Geiste sah/ der theure Wunder-Schwaan.
Der Keyser Albrecht starb der Ander so genennet/
Drauff Friederich der Dritt` als Keyser ward erkennet;
Im ebenselben Jahr ward uns die Drückerey
Von Gott geschenckt/ daß sie der Künste Mutter sey.
O Fürstin aller Kunst/ Du aller Lehrer Amme/
Durch dich hat Gott gezeigt im Dunckeln seine Flamme/
Die Fackel seines Worts. Wer hat dich dann erdacht?
Wer hat ein solches Werck mit kluger Hand gemacht?
Und wo ist das geschehn? Ists Phidias gewesen
Der Künstler von Athen? von dem man noch kan lesen/
Daß er Minerven Bild neun Klafftern hoch gemacht
Auß Gold und Helffenbein und in das Schild die Schlacht
Der Amazonen grub? Sol man es dier zumessen/
Lysippus/ weil nur dir dein König ist gesessen
Sein Bild zu bilden ab? Praxiteles vielleicht/
In dessen Venus sich/ dem keines sonsten gleicht/
Ein Jüngling hat verliebt? Hats Daedalus erfunden?
Der sonst das Labyrinth zur unglückhafften Stunden
Ihm selbst und seinem Sohn` in Creta hat gemacht/
Daraus er wiederüm mit Flügeln ward gebracht/
Die Kunst ihm angesetzt? Hastu es dann ersonnen/
Perillus? oder wie? hat sich von dir entsponnen/
Epeus/ diese Kunst? Ists Alcman ein Poet/
Der erste/ der ein Lied von Liebes-Lust anfäht?
Dem man so emsig folgt? Sol Palamedes lehren
Die schöne Drücker-Kunst/ von dem wir sehn und hören/
Daß er das Abece geordnet auff ein Schild?
Ists dann Pyrgoteles/ der Alexanders Bild
In Perlen graben mag? Nein/ nein! hier ist es keiner/
Die Deutschen übergehn die Griechen und Lateiner.
Schweig/ Anagallis/ still/ die du dein Ebenbild/
Das Ballen-Spiel erdacht: Ertichte was du wilt/
Du frische Thymele; Den Deutschen müsst ihr weichen
Ihr Künstler von Athen/ Ihr Griechen müsst verbleichen;
Du großes China du/ du rühmest dich ümsunst/
Auch hast du/ Franckreich/ nicht erfunden diese Kunst.
Ihr Niederländer ihr laßt euer Harlem schweigen/
Auch Welschland kan uns nicht den urerfinder zeigen.
Kommt/ nehmt uns dieses Lob: Johannes Guttenberg/
Ein Mann von edlem Stamm bringt auff das Drucker-Werck/
Zu Meyntz im Deutschen Reich; Er hilft mit scharffen Sinnen
Was Peter Schöfer hier und Faust zu erst beginnen;
Was sonst Hans Mäntelin zu Straßburg hat erdacht
und (wie man wil) von dar Hans Gense-Fleisch gebracht
An vorermeldten Ort/ Den billich wir erkennen
Vor unsre Schreiber-Stadt und Kirjath-Sepher nennen/
Weil da der erste Pfeil aus Dinten ward gemacht/
Weil Sie die Drücker-Kunst zum ersten ausgebracht/
Daß sie nunmehr bey uns so schön und herrlich blühet;
Da Guttenberg sich erst so trefflich hat bemühet;
Er macht` erst breite Schrifft und bracht es auch so weit/
Daß mit Verwunderung man drauff in kurtzer Zeit
Gedruckte Schrifften laß. Nun werden tausend Bogen
In einer Tages-Frist auch eher abgezogen/
Wenn nur die Schrifft gesetzt. Ging deine Schreiberey
Athen und Room so fort? da du in Wachs und Bley
Annoch die Zeit verderbt? Gings auch so wol von statten/
Ihr Alten/ wann ihr schriebt/ was euch gelehret hatten
Die Weisen von Athen? was Cicero/ Lucan/
Was Aristoteles/ der Mantuaner Schwan
und der von Sulm euch lehrt? O nein! ihr stoltzen Griechen/
Wie weis` ihr immer seyd/ nun möcht ihr euch verkriechen:
Seht/ seht der Deutsche schreibt so viel auff einen Tag/
Als einer unter euch im Jahre schreiben mag.
Wie elend war es nur: Ihr schriebt auff Wachs und Rinden/
Bis endlich einer kam und wies` euch armen Blinden
Papier und Pergamen. Der Reiche kont` allein
Was lernen dazumahl und Bücher kauffen ein
üm einen solchen Werth; Wer solt` itzt wol bezahlen/
Dier Triphon deinen Kraam/ nun darffstu nicht mehr pralen
Du großer Gordian/ du Tullius und Du
Tyrannion schleuß nur die Bücher-Schräncke zu.
Was war zu Heidelberg? wie viel geschriebne Sachen/
Was Bücher waren da? die manchen traurig machen
Durch ihren untergang? der Wald der Weißheit weicht
In Constantinus Stadt: Alphonsus auch verbleicht.
Der Deutsche zeigt itzt mehr durch sein so schönes Drücken/
Das ihm gegeben ward durch Gottes hohes Schicken;
Die Bücher werden mehr. Die edle Drückerey
Geht nun durch alle Welt und steht den Künsten bey.
Room weis itzt auch davon/ dahin sie mit sich führte
Zum ersten Ulrich Hahn und ihren Nutzen spürte.
In Franckreich hat zu erst Sixt Rüssinger gedrückt;
Ist also diese Kunst in kurtzen fortgerückt.
Viel Fürsten haben sie so sehr und hoch geliebet
und diese schöne Kunst mit eigner Hand geübet:
Es hat sie Friederich der Dritte so erhöht/
Daß auch der Drücker-Stand fast gleich dem Adel steht,
Er lässet ihnen zu vor andern Gold zu tragen/
Begnadigt sie so sehr und setzt sie auff den Wagen
Des adlichen Triumffs/ wie irgend einen Held/
Der seinen starcken Feind mit Ehr und Rühm gefällt;
Gibt ihnen freye Macht den offnen Helm zu führen/
Ein Adler muß zur Pracht des Setzers Wapen zieren/
Weil er sich schwingt empor/ nimmt Adlers-Flügel an
und fleucht mit mancher Schrifft zur grauen Lebens-bahn
Der Unvergängligkeit. Dem Drucker ist gegeben
Der nimmerschwache Greyff/ und dann ein Ball darneben/
Den er nach Druckers-Art in seinen Klauen führt
und so gantz adelich die Wapen-Felder ziert.
So wird ihr Stand verehrt. Sie werden von den Alten
Wie von den Jungen auch sehr lieb und wehrt gehalten/
Des Drückers Haus und Hoff ist frey in mancher Stadt
Daß mit gelehrten er offt gleiche Freyheit hat.
Diß hat das Heupt der Welt vor zweymahl hundert Jahren
Aus lauter Gnad und Gunst euch laßen wiederfahren;
Fürst Friedrich Wilhelm auch von Sachsen hielt euch werth/
Ein` eigne Drückerey zu haben Er begehrt:
Nam Drucker auff sein Schloß/ ließ schöne Schrifften giessen
und seine Gnad` und Gunst den Druckern auch geniessen.
Viel Fürsten wolten sehn/ was Faust und Guttenberg
Vor eine schöne Kunst und künstlich Wunder-Werck
Zu Meyntz herfür gebracht. Der Pabst auch selbst erstarrte
Vor diesem Feder-Kiel/ fürnemlich da er knarrte
In Luthers Schrifft so sehr/ daß auch gantz Room erschrack
und hörte seinen Knall. O seelig ist der Tag/
Da diese Schreiberey zum ersten ist erfunden!
Die Wunder-Feder die! o seelig seyn die Stunden/
Da Faust und Guttenberg zum ersten mahl gedacht
Auff diese Schreibe-Kunst! o seelig ist die Nacht/
Die Schlaffloß ging vorbey. Es muste so geschehen/
Weil Gott es längst zuvor der Wunder-Gott versehen;
Es solte Luthers Lehr in aller Welt ausgehn
Durch diese schöne Kunst und voll im blühen stehn.
Halt Clio/ meine Zier/ halt doch ein wenig inne/
Damit ich auff ihr Thun und Wesen mich besinne.
Wie geht es bey euch zu? Was habt ihr Drücker dann
In eurer Drückerey/ daß itzt ein jedermann
Mit Wunder schaut und siht? Was habet ihr vor Sachen/
Daß in so kurtzer Zeit ihr könnet Bücher machen?
Vors erste seh` ich hier Buchstaben die von Bley
Der Schrifften-Giesser macht/ so viel und mancherley
In kleinen Fächern stehn. Da ligt bey großen Lasten
Die allergröbste Schrifft in ihrem eignen Kasten:
Hier ligt Canon Versal/ Missal Antiqua dort/
Roman-Antiqua dann an einem andern Ort.
Bey Parion Cursiv kömmt Parion die Alte/
Die wohl beysammen stehn in einer Zeil und Spalte/
Die dritt` Antiqua folgt und Tertia Cursiv;
Dann bey der Mittel-Schrifft/ die etwas krümmer lieff/
Antiqua Mittel steht. Nun komm` ich zu den beyden/
In welchen Guttenberg den Cicero mit Freuden
Zum ersten hat gesetzt/ drüm sie auch heissen so
Nach ihm/ die Alte nun und Schieffe Cicero.
Seh` ich mich weiter üm/ so seh` ich eben liegen
Garmuth-Antiqua dort zu der man pflegt zu fügen
Cursiv/ doch nicht ümsonst. Was kleinre nun betrifft/
Findt man die neue schieff- und alte Jungferschrifft.
Diß seyn die Schrifften nun/ damit man pflegt zu drücken
Welsch/ Ungrisch und Latein/ zu denen sie sich schicken.
Nun fahr` ich weiter fort und setz` auch ordentlich
Dieselbe/ die gar schön zum Griechschen schicket sich.
Da pflegt man auch zu erst die grobe Schrifft zu haben/
Darnach die Cicero/ die etwas schmaal gegraben;
Dann auch das Corpus folgt/ so Garmuth sonst genenn
/und/ weil sie kleiner ist/ gar leichtlich wird erkennt
Auch hat man eure Schrifft und Puncten ihr Hebräer/
Die etwas schwerer ist/ dieweil im andern eher
Drey Blätter seyn gesetzt/ als hier ein eintzig Blat/
Denn sie was sonderlichs vor andern Sprachen hat.
Wie auch das Syrische; der Türcken Schrifft ingleichen;
Hier können wir auch sehn der Memphen Schreibe-Zeichen
Die gleich den Bildern seyn: Arabisch und so fort
Chaldäisch drücket man und was an jenem Ort/
Da sich zu früher Zeit des Himmels Buhlschafft schmücket
und aus dem Schlaaff-Gemach zum ersten mahle blicket/
Noch mehr vor Sprachen seyn; ja was der Welt bewust/
Das können alles wir im Drucke sehn mit Lust.
Zuletzt laßt uns die Schrifft der Deutschen auch berühren/
Die/ weil sie immer steigt/ viel neue Schrifften führen.
Erst findet man Canon gar zierlich grob und klein
Darnach ist Teuerdanck und Fibelschrifft gemein/
Wie auch gebrochne Schrifft/ so man die Dritte nennet/
Mit Tertia Fractur/ so leichtlich wird erkennet;
Die Grobe Mittel auch/ Schwabacher/ welche mann
Postillen Schrifft sonst heist und wol gebrauchen kann
Zur Mittel Schrifft Fractur: Hiernächst ist auch zu finden
Schwabacher Cicero und bleibet nicht dahinden;
Bald Cicero Fractur/ so Gabon auch sonst heist/
Vielleicht von dem der sie zum ersten mahl abreisst.
Hier siht man auch mit Lust Schwabacher Corpus liegen
und Corpus von Fractur so schön zusammen fügen;
Zuletzt die Jungferschrifft Fractur und was uns mehr/
Die schöne Nomperell/ Ihr Drücker/ wundert sehr/
Die Zieffern/ Röselein/ die groß- und kleine Noten/
Die Leisten/ Züg` und Stöck/ einfache Strich und Knoten/
Figuren allerhand auff Kupffer Holtz und Bley
und was man alles siht in dieser Schreyberey.
Diß seyn die Schrifften nun/ die aus den Fächern langet/
Ihr sätzer alsobald/ wenn ihr ein Werck anfanget
und setzt sie ordentlich ins Winckel-Maaß hinein/
so lange/ biß das Maaß mag voll an Schrifften seyn;
Dann nehmt ihr wiederüm heraus die vollen Zeilen
und setzt sie auff ein Bredt/ die ihr dann pflegt zu theilen
In gantze Blätter aus/ biß eine Form ist voll/
Dann legt ihr Rahmen drüm und/ wie ein Drücker soll/
Schließt ihr die Forme zu/ daß ihr sie könnet tragen
zur Pressen unverrückt nach eurem Wohlbehagen;
Setzt sie auff festen Grund/ tragt Farben alsobald
Mit zweyen Ballen auff/ treckt zweymal mit Gewalt
Den Bengel zu euch zu/ und wann der erste Bogen/
So Schöndruck wird genennt/ einmahl ist abgezogen/
Macht ihr den Wieder-Druck und ändert was versetzt/
Auch sonst nicht richtig ist; Drauff nehmet ihr zuletzt
Papier/ so schon gefeucht/ damit es Farbe fangen
und an sich nehmen kan; Eh nun ein Tag vergangen/
Habt tausend Bogen ihr ja mehr schon abgedrückt/
Die werden auffgehängt/ getrucknet und geschickt
Zu dem/ der sie verlegt; der ihren Nutzen spüret/
Wenn er sie durch die Welt in manche Länder führet:
Room lieset gantz bestürtzt/ was nun zu Wittenberg
Zum meisten wird gedrückt/ das edle Himmels-Werck.
Die Biblien seyn nun verdeutschet und gedrücket/
Daraus die Himmels-Lehr uns offenbahr anblicket/
So vor verborgen lag/ man wuste nichts von ihr
Biß endlich Luther kam und brachte sie herfür.
Die Bücher brechen aus/ die vor verschwiegen lagen/
Durch unsre Drückerey; Sie ist der rechte Wagen/
Der aus der Sterbligkeit die edlen Geister führt
Dahin/ wo niemand stirbt; wo man die Sternen rührt
und ewig ist bekant. Es kan nunmehr nicht tödten
Das unglück dieser Zeit die Edelen Poeten/
Ihr Nahme wird berühmt und bleibet nun dabey/
Daß keiner untergeht/ so lange Drückerey
Der edlen Tugend meldt. Daß in so kurtzen Zeiten
Die Deutsche Poesie erschallt auff allen Seiten/
Das macht die Drückerey/ die erstlich ausgebracht/
Was Opitz unsre Zier mit kluger Hand gemacht.
Gantz Deutschland ist bemüht/ auch in den grösten Kriegen/
Wie Wunder ist doch das! den andern abzusiegen/
Die Griechen stehn bestürtzt/ Homerus gantz erbleicht/
Horatius erblasst und Maro selbst entweicht
Vor unsrer Poesie; Die nun so hoch sich schwinget/
Daß Wiesen/ Berg und Thal vor Freuden wieder klinget:
Die Arten eurer Vers` ihr Griechen allzumahl
und Ihr aus Latien/ seyn nicht so viel an Zahl/
Als ich im Deutschen nur aus Jamben und Trochäen
Alleine machen kan: Ihr müsst es selbst gestehen/
Daß wir so schön als Ihr die Anapästen auch
Itzt haben auffgebracht/ daß nunmehr seyn im Brauch/
Wann wir die Arten all` in unsren Versen zählen/
Wohl funfftzig/ ja noch mehr/ daraus wir eine wählen
Nach Lust/ und schreiben dann was unser Hertze will/
Bald diß bald jenes Lied; Die Helden schweigen still
und hören selbsten zu; Der Helm muß niederliegen/
Der Harnisch ruht indeß/ wann unsre Verse siegen/
Sie werden so entzückt/ daß mancher WERTHER Held
Die Waffen nichts mehr acht/ sucht vor das Krieges-Zelt
Den edlen Helicon. Der Fortgang und das Steigen
Der Deutschen Poesie ist/ kürtzlich anzuzeigen/
Durch unsre Drückerey so eilend fortgebracht/
Daß itzt fast jederman ein Deutsch Getichte macht.
O edle Drückerey! Wo wolte man die Stunden
Nur immer bringen zu/ wenn du nicht werst erfunden:
Daß itzt so manches Buch ein jeder lesen mag/
Das vor verborgen war und schaute nicht den Tag/
Das kömmet her von dier. Nun kan ein jeder lesen/
Was Aristoteles und Tullius gewesen/
Wie weise Plato sey und was er uns gelehrt/
Wie sehr Severus auch den Flaccus hat geehrt
und sich vor ihm gefürcht: Wie hoch Trajan erhoben
Den jungen Plinius; Was dieser pflegt zu loben
und jener strafft und schilt. Die edle Wissenschafft
Der Weisen von Athen/ so längsten hingerafft/
Die lebet noch durch Dich/ und wird auch nun wohl bleiben/
So lange du bestehst. Was wir noch itzo schreiben/
Das wird den untergang auch niemahls sehen nicht/
So lange Drückerey/ der Tugend Glantz und Licht/
Noch funckelt auff der Welt. Ein Pferd siht bald von fernen/
Den Feind und reisst hindurch; so reisst sich zu den Sternen/
Durch alle Sterbligkeit mit uns die Drückerey/
Macht unsern Nahmen groß und steht den Künsten bey.
Ein Adler/ wann er sich bey kühler Lufft geschwungen
Zur rothen Sonnen hin/ trägt nachmahls seine Jungen
Auch eben so hinauff/ zu schärffen ihr Gesicht/
Daß sie gantz unverwandt das klare Wolcken-Licht
Auch könten schauen an: So werden wir getragen
Auch durch die Drücker-Kunst nach unserm Wohlbehagen/
Wo Phöbus uns bestrahlt/ zur blancken Himmels-Bahn;
Sie schwinget sich ermpor/ nimmt Adlers Flügel an
und führt uns aus der Nacht. Die sehr-verborgnen Sachen/
Die manchem Freud` und Lust bey schwerem unmuth machen/
Die lieset man durch Sie. Die Albern werden klug/
Die Blinden sehen nun den schrecklichsten Betrug.
Drüm soll man ehren die/ die unsre Drückereyen
Befördern noch itzund/ auff die sich manche freuen;
Die aus der Niedrigkeit gedencken da hinan/
Wo man betreten kan die Sternen-liechte Bahn
Der unvergängligkeit. Man solte dier zu Ehren/
Du edler Guttenberg/ dein edles Werck vermehren/
Man solte noch itzund mit Gold in Demant-Stein
Dein Lob und deine Kunst/ wie billich/ schreiben ein.
Wo ist dein Denckmahl dann? Wo ist die Ehren-Seule?
Wo ist die Ehren-Schrifft? Ich sehe keine Zeile/
Kein Denck-Mahl ist auch hier/ kein Zeichen seh ich nicht/
Das dier ein eintzig Mensch zu Ehren auffgericht/
Wann einer diese Kunst gezeigt vor vielen Jahren/
Da noch Athen und Room in vollem Wachsthum waren/
So hätte man sein Bild wohl gar zum Gott gemacht
und zu dem Tempel hin mit Hertzens-Lust gebracht.
Wie hätten diesen wohl die Sindier geehret/
Der ihnen diese Kunst die Drücker-Kunst gelehret?
Sie hätten ihm gewiß was sonderlichs erdacht/
und bey der andern Welt ein ewigs Lob gemacht.
Was aber thut man dir? Nun ob dir gleich zu Ehren
Diß alles nicht geschehn/ so kan man doch noch hören
Dein Lob in aller Welt/ daß du ein Göttlich Werck
uns habest auffgebracht/ du edler Guttenberg.
Es wird auch wol dein Lob/ weil Menschen seyn/ bekleiben/
Dein Nahme nicht vergehn/ so lange man wird schreiben/
So lang` uns ein Magnet die Zeit und Stunde sagt/
und zeigt wo Wind und Fluth das schwache Schiff hinjagt/
Auch wohl bey finstrer Nacht. Man wird an dich gedencken/
So offt man alle Müh und Sorgen wird versencken
In manches schönes Buch/ so lang` in vollem Schein
die güldne Sonne steht/ wird deine Kunst auch seyn.
Nun weil mein schwaches Schiff den sichern Hafen sihet/
So werff ich Ancker ein und bin itzund bemühet
Zu enden mein Gedicht auff dessen Nahmens Ehr/
Der uns geführet hat und führt je mehr und mehr.
Hier denck ich auff dein Lob und dieses zu beschreiben/
Soll itzt und immerfort mein Geist bemühet bleiben/
O Gott du Quell der Kunst; du Gnaden-Vater Du/
Dir dancken wir anitzt und loben immerzu
Dein großes Gnaden-Werck; daß Du uns hast gewiesen
Die edle Drücker-Kunst/ die noch nicht gnug gepriesen
So als sie würdig ist: Hast sie zweyhundert Jahr
Erhalten und gemehrt/ Du hast uns hell und klar
Durch sie dein Wort geschenckt. Ach! Vater/ laß doch scheinen
Die Fackel deines Worts; Erhalte sie den Deinen
Noch ferner hell und klar. Erzeig` uns deine Gunst/
Laß blühen für und für die edle Drücker-Kunst.
Ach! gib uns doch einmahl den lang-gewüntschten Frieden/
Ach! Vater bistu dann/ Ach! bistu dann geschieden
Von deiner Christenheit? Ach! hörestu denn nicht/
Was itzt dein liebes Volck in letzten Zügen spricht?
Ach! höre/ höre doch/ und laß uns einmahl blicken
Dein Gnaden-Angesicht/ daß wir uns auch erquicken
und loben Dich dafür/ Ach! nim das schwere Joch
Von unsern Achseln hin: Ach! höre/ höre doch!

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