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Osterklänge - Wer feiert die fröhlichsten Ostern?

- Gedicht von Karl Gerok

Osterklänge - Wer feiert die fröhlichsten Ostern?

1 Kor. 15, 55.
Der Tod ist verschlungen in den Sieg.

Willkommen, o fröhlicher Ostertag!
Nun klingt es wie Psalmen in Lüften,
Nun lebet, was welk und erstorben lag,
Nun grünt es auf Gräbern und Grüften;
Du Erde so sonnig, du Himmel so blau,
Ihr Wölkchen so licht und ihr Winde so lau,
Was lebt in der Luft und was webt auf der Au —
Wer feiert die fröhlichsten Ostern?

Vorüber wandl` ich am Gartenzaun:
Schon säumet mit Grün sich die Hecke,
Schon schwellen die Knospen so saftig brann,
Schon keimt`s in der heimlichsten Ecke:
Die Primel sie wärmt sich im sonnigen Schein,
Das Veilchen es duftet am schattigen Rain,
Und alle die Blümchen, sie stimmen mit ein:
Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Nun wall` ich hinaus ins besonnete Feld,
Da girrt es und schwirrt in den Zweigen,
Der Buchfink baut sich sein luftig Gezelt
Und die Lerche lobsinget im Steigen,
Und die Vögelein all auf dem Berg und im Thal,
Sie stimmen die Kehlen zum Frühlingschoral,
Sie grüßen mich munter und rufen zumal:
Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Doch hör` ich von ferne noch helleren Klang:
Die Kinder sie tanzen den Reihen,
Die dumpfige Stube verschloß sie so lang,
Nun spielen sie wieder im Freien;
Die munteren Füllen, entsprungen dem Stall,
Sie schlagen den Reif und sie werfen den Ball,
Sie tummeln sich lustig und rufen mir all:
Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Doch abseits an der Linde auf hölzerner Bank,
Da sitzet ein Paar, sich zu sonnen,
Die Tochter sie führet die Mutter, so krank,
Die heute dem Lager entronnen;
Wie wärmt ihr die Sonne das matte Gebein,
Wie schlürft sie die Lüfte, die labenden, ein,
Vier Augen die leuchten in seligem Schein:
Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Nun aber hör` ich in festlichem Chor
Vom Turme die Glocken erschallen,
Still tret` ich mit ein in das heilige Thor,
Da braust es durch dämmernde Hallen:
Der Herr ist erstanden aus Grabesnacht,
Der Tod ist verschlungen, der Sieg ist vollbracht,
Lobsinget, ihr Christen, und jauchzet mit Macht:
Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Und als ich trat aus dem Gotteshaus,
Da grünten die Gräber im Kreise,
Da sucht` ich mir eines, mein teuerstes, ans,
Dort stand ich und betete leise;
Da säuselt in Lüften ein seliger Klang,
Wie wenn sein Gefieder ein Engelein schwang,
Da tönt es hernieder wie Seraphsgesang:
Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

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