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Sternkunde

- Gedicht von Albert Knapp

Sternkunde

Du selighelles, goldnes Augenspiel,
Das alle Höhen wunderbar durchzückt!
Ahnt meiner Seele kleines Maaß, wie Viel
Vom Himmel auf die Erde niederblickt?
Mit Löwen, Bären, Schwan und Adler mißt,
Mit armen Thieres-Namen unser Sinn,
Was deine Pracht dem Staubgebor`nen ist,
Und denkt darüber oft in`s Hohe hin,
Daß er die Legionen deiner Macht
Nun unter Bild und Namen hat gebracht. —
Doch wenn das hehre Evangelium,
Damit wir`s fassen, menschlich mit uns spricht,
Mit ird`schen Namen zeugt vom ew`gen Licht,
Steh`n tausend weise Leute grimmig stumm:
`Denn Mündigen und Starken ziemt das nicht!`
Die Sterne taufen sie als Schwan und Bär,
Im Leu`n und Stier sind sie bewandert sehr;
Des Schützen Bogen haben sie gespannt,
Und Sirium in Windeln schon gekannt. —
Doch, daß des Vaters ew`ges Ebenbild
Herniedersteig` als Menschensohn so mild,
Damit der Mensch in seinem engen Bann
Die höchste Liebe schau`n und fassen kann:
Das soll nur Fabel und Erdichtung seyn! —
Geht, edle Weisen, die Bedingung ein:
Tauft mir allwissend eure Sternlein um
Mit wahren Namen, — nun, so will ich gern`
Im hohen, theuren Evangelium
Den Wesen - Namen suchen unserm Herrn!

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