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Herbstliche Einkehr

- Gedicht von Anton Wildgans

Herbstliche Einkehr

Ein Epilog

Die Ebereschen haben noch die roten
Fruchtbüschel ausgehängt. Erloschen, grau
Und eingefallen, so wie eines Toten
Gesicht, ist schon die Erde, stumm die Au,
Frierend der Wald; auf schwarzen Wolkenbooten
Kommt Sturm gefahren, und der Reif fällt rauh,
Nichts mehr gemahnt in diesen finstern Tagen
An Blütenwirrnis und an Früchtetragen.

Da gilt es wiederum, sein Bündel schnüren
Und heimzukehren in gewohnte Stadt.
Da warten schon die lieben dunkeln Türen,
Die dich entließen, engen Raumes satt.
Die Lampe möchte glühen und verführen
Zu langem Wachen über Blatt um Blatt,
Zu lauschen in das unbedrohte Schweigen,
Aus dem hochquellend die Gedanken steigen.

Da kann es sein in atemleiser Stunde,
Daß aus der Bücher dichtgestellten Reihn
Wie aus dem Purpur heiliger Marterwunde
Mystischer Glanz aufbricht; denn, Schrein an Schrein,
Gibt dieser Bücher ernste Fülle Kunde
Von deiner Seele vielem Einsamsein,
Indessen draußen mit dem Bacchuskranze
Das Leben taumelte von Tanz zu Tanze.

Und wenn du einmal zugriffst, war nicht immer
Der Nachschmack bitter, das Besinnen Frost?
So blühe auf, summender Lampe Schimmer,
Gebinde alter Weisheit, strömet Most!
Duftende Gärung wittre durch das Zimmer:
Geist der Jahrhunderte! - Wer solchen Trost
Genießen darf und ihn zu nützen lernte,
Hat immer Frühling und hat immer Ernte.

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