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Der Bivouac

- Gedicht von Ferdinand Freiligrath

Der Bivouac

Ein Feu`r im Wüstensande,
Zwei Gräben, ein Verhack,
Musketenpyramiden -
Ein Frankenbivouac!

Das sind die Grenadiere
Von Klebers Vorderhut.
Es sitzt, daß er sie schüre,
Der Feldherr an der Glut.

Auf müdem Knie die Karte,
Ruh`nd in der Flamme Schein,
So schlummert Bonaparte
Gemach am Feuer ein.

Und mit ihm auf Laffete
Und Mantel seine Schaar;
Es nickt an der Muskete
Der Schilderer sogar.

Schlaft zu, ihr müden Fechter!
Schlaft aus die letzte Schlacht!
Es halten stille Wächter
Um eure Gräben Wacht!

Laßt plänkeln Murad`s Reiter!
Laßt kommen Mann und Roß!
Es wollen seltne Streiter
Behüten euren Troß!

Es wacht für euch ein Meder,
Der mit aus Theben ritt;
Der in der Spur der Räder
Von Cyrus Sohne schritt.

Ein hoher Macedone
Tritt eurer Brüstung nah`,
Der Alexanders Krone
Beim Ammon funkeln sah.

Und sehet: noch ein Schemen!
Ein Kämpfer auf dem Nil,
Ein Führer von Triremen,
Der unter Cäsar fiel!

Die einst der Welt geboten
Auf sand`gem Wüstenfeld,
Sie schicken ihre Todten
Dem neuen Herrn der Welt.

Lebendig an`s Geloder
Der Flamme tritt das Grab;
Sie schütteln Sand und Moder
Von ihren Panzern ab.

Es funkeln die uralten
Gewaffen durch die Nacht;
Es wehn der Chlamys Falten
In alter, blut`ger Pracht.

Sie wehn um eine Stirne,
In der es kocht und gährt.
Der Held, als ob er zürne,
Tief athmend fährt an`s Schwert.

Er träumt: - in hundert Reichen
Erhebt sich ihm ein Thron.
Er zieht mit goldnen Speichen
Einher, wie Ammon`s Sohn.

Es jauchzt ihm tausendkehlig
Der glüh`nde Orient;
Derweil die Flamme mälig
Verglimmend niederbrennt.

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