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Schmerzesklänge

- Gedicht von Adolf Schults

Schmerzesklänge

1.

Deine Wangen seh` ich bleichen,
Schwinden Deinen Lebensmuth,
Und aus Deinem Blick entweichen
Deines Jugendfeuers Gluth.

Nur wenn einsam Du geweinet.
Strahlt Dein Aug` in hellerm Glanz:
Wie ein Licht aufflackernd scheinet
Eh` sein Strahl verlöschet ganz.

Was ist doch Dein Verschulden
Du armes, reines Herz,
Daß Du sollst ewig dulden
So tausendfachen Schmerz?

Daß Du so treu mich liebest,
Ist Deine einz`ge Schuld,
Und daß Du an mir übest
So himmlische Geduld.

Daß Du, wenn ich Dich quäle,
Mich an den Busen drückst,
Und mich, wie ich auch fehle,
Mit Deiner Huld beglückst.

3.

Du sitzest nun alleine —
Verlassen hab` ich Dich;
Du nennst Dich doch die Meine
Und härmest Dich um mich.

Du sitzest nun alleine —
Und weinst die Augen roth;
Du nennst Dich doch die Meine
Und brächt ich Dir den Tod.

Du sitzest nun alleine —
Und stürbest Du vor Leid:
Du nennst Dich doch die Meine
In alle Ewigkeit.

4.

Und wenn Du nun gestorben
In Liebesgram und Leid,
So hast Du wohl erworben
Die ewige Seligkeit.

Und aus den seligen Höhen
Schaust Du auf mich herab,
Und siehst mich einsam stehen
An Deinem frischen Grab.

Siehst mich verzweifelnd klagen,
Hinknieen am Grabesstein,
Und hörest dumpf mich sagen
In namenloser Pein:

`Hier liegt sie nun versenket,
Die stets mir Liebe bot,
Ich hab` ihr Herz gekränket,
Bin schuld an ihrem Tod!`

Doch nein, wenn Du gestorben,
Vergessen sollst Du mein;
Wenn Du Dein Grab erworben,
Dann sollst Du selig sein.

Und könntest Du mich sehen
In meinem großen Leid,
Dann wär` es wohl geschehen
Um Deine Seligkeit!

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