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Abendfeier

- Gedicht von Friedrich Rückert

Abendfeier

1.

Ein Schein der ew`gen Jugend glänzt
Ins Erdenthal,
Die Höh`n mit Offenbarung kränzt
Der Abendstrahl.

Die Lerche singt der Sonne nach
Von hohem Ort,
Dann wird die Nachtviole wach
Und duftet fort.

2.

O wie mild der Abendrauch
Dort aus Hütten steiget!
Ob es wohl im Innern auch
Sich so freundlich zeiget?

Ob es in dem Innern auch
Dumpf und düster schweiget;
Sei zufrieden, daß der Rauch
Mild gen Himmel steiget.

3.

Vom Turme bläst ein Abendlied
In Abendlerchenchöre.
Was sagt es? daß ein Mensch verschied;
Daß nichts die Ruh` ihm störe!

Sei er geschieden sanft und rein,
Wie dort die Sonne scheidet,
Und ruh` in Friede wie der Hain
In Abendrot gekleidet!

4.

Die Schwalbe schwingt zum Abendliede
Sich auf das Stänglein unterm Dach:
Im Feld und in der Stadt ist Friede,
Fried` ist im Haus und im Gemach.

Ein Schimmer fällt vom Abendrote
Leis in die stille Straß` herein,
Und vorm Entschlafen sagt der Bote,
Es werd` ein schöner Morgen sein.

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