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Interieur

- Gedicht von Frieda Port

Interieur

Ein schmuckes Zimmerchen! Dir scheint es reich,
Weil Liebe Wunder thut. Ein wenig bleich
Dünkt mich indeß die junge Frau zu sein —
Ist sie es nicht, so täuscht der Dämmerschein.

Nun röchen auch die Flammen ihr Gesicht —
Ich schaut` ihr lang schon zu, sie merkt` es nicht.
Ich sah, wie sie den kleinen Schemel nahm
Und an den Ofen sich zu setzen kam.

Gar zierlich schichtete sie Span auf Span,
Und Zündete den Scheiterhaufen an;
Ich steh` am Fenster außen, und sie denkt
So vor sich hin, das braune Haupt gesenkt.

Nun mag der Gatte kommen, bald ist`s warm!
liebkosend schlingt sie ihren seinen Arm
Ums Töchterchen; das lehnt an ihrem Schoß,
Starrt in die Glut, mit Augen braun und groß.

Wenn einst dies Kind von heute, schon ergraut
In eignen Herdes Flammen Abends schaut,
Denkt es gewiß an dieser Armuth Glück,
Wie warm es bei der Mutter war, zurück.

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