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Nachgenuß

- Gedicht von Karl Lappe

Nachgenuß

Einmal wieder hat mich alter Zeiten
Süßer Rausch entzückt.
Einmal wieder haben deine Seligkeiten,
Freundschaft, mich beglückt.

Aus den Tagen meiner Blüthe schwebte
Mir ein Schatten her;
Nur ein Schatten von dem Bilde, das einst lebte:
Ach, es lebt nicht mehr!

Aber Balsam meinem wunden Herzen,
Linde Schmeichelluft,
Wieder anzufachen meines Lebens Kerzen
An dem Rand der Gruft.

Zwar auch schnell entflohn, wie jedes Glückes
Schimmer schnell entflieht,
Wie sich jedes Schöne, eilend, vor des Blickes
Sättigung entzieht.

Doch du bleibst mir, süßes Angedenken,
Froher Nachgenuß.
Dieser Born, der nicht versieget, soll mich tränken,
Wann ich darben muß.

Wann nun, fern vom heimischen Gefilde,
Sich kein Freund mir beut;
Dämmert ihr dann auf, ihr holden Lichtgebilde
Meiner bessern Zeit.

Ob sich dann, erwärmt von eurem Scheine,
Meine Kraft ermannt;
Ob mein Geist, getränkt von eurem Zauberweine,
Kühnre Flügel spannt.

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