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IV. Die Schnee- und Winterzeit - I.

- Gedicht von Albert Hoefer

IV. Die Schnee- und Winterzeit - I.

1.

Wenn Lotus dorrt, von Thau bereift,
Der Lödhra blüht, der Reis reift,
Mit junger Zweige frischem Grün
Beginnt der Winter einzuziehn.

2.

Hochbusige Reizende
Schmücken nicht mehr des Busens Rund
Mit Kränzen krokusfarbnen
Kühl wie Mond, von Blumen bunt.

3.

Legen fortan um die Arme
Weder Spangen noch Armband;
Um den Busen kein Tüchlein,
Um die Hüfte kein seiden Gewand.

4.

Schmücken nicht mehr die Hüfte
Mit goldenem Gürtel perlenhell,
Nicht der Füße Lotus
Mit hanfasangbesiegender Schell.

5.

Salben sich die Glieder,
Schminken`s Gesicht aufs Beste —
Vom Haupte duftet nieder
Moschus — zum Freudenfeste.

6.

Wenn Wonne ihnen aufgieng
Und nach der Liebe Lust und Weh
Erbleicht die zarte Wange:
Dann lächeln sie, erblickend
Der Lippe eingedrücktes Mal
Vom Kuß, verschämt und bange.

7.

Erblickt der Winter Morgens früh
Die reizende Hochbusige,
Ihr Weh sein Herze gar beengt:
Er weint und an die Spitzen, sieh!
Der frischerschloß`nen Gräser er
Des fall`nden Thaues Tropfen hängt.

8.

Fluren, die im Reise wogen,
Von Gazellenweibchenschaaren überzogen,
Mit der Vögel süßem Sang
Machen dem Herzen wohl und bang.

9.

Seen, wasservogelreich,
Welche blühende Lilien schmücken,
Ruhig fließend, spiegelgleich,
Hoch der Männer Sinn entzücken.

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