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Beweinung

- Gedicht von Rudolf G. Binding

Beweinung

Es weinten Mütter,
dass starben die Söhne,
dass starben die Männer.

Einst trugen den Keim sie,
hegten die Blüte –
nun müssen sie weinen
der fallenden Frucht.

Weint nicht ihr Mütter.
Früchte fallen im Wind
oder der Schnitter
tritt hinzu und schneidet sie ab.
Die Ernte
hat das Geschick
nicht in die Kraft
des Baumes gelegt.

Weint nicht ihr Mütter
fallender Söhne.
Was wären Siege
ohne den Tod von Helden?
Da ihr sie unter dem Herzen getragen,
habt ihr nicht manche selber gebetet:
„Lass mich, mein Schoß,
Helden gebären.“
Da standet ihr selber
heimlich im Bund gegen sie mit dem Tod.

Weint nicht ihr Mütter.
Immer verliert ihr.
Helden fallen
und Söhne gehen von Müttern.
Das sind alles
einfache Gesetze,
einfache Rechte,
Atem und Lidschlag
ungeheuren Geschehens.

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