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Herr der unbesinnten Geister

- Gedicht von Rudolf G. Binding

Herr der unbesinnten Geister

Herr der unbesinnten Geister,
Mächte die sich wild gestalten
willentlich zu überwalten –
Erde, spüre deinen Meister.

Dass Natur nicht ungebändigt
frei entspringe in den Raum,
schmiede Menschenhand verständigt
ihr den kaum gekühlten Zaum.

Donnernd rauschen Kräfte nieder,
andere umkreisen leise.
Lauschst du dich in ihre Lieder,
bist du Herrscher ihrer Kreise.

Alle Wellen müssen dienen.
Unbeständig sind die Sterne.
Und du wirst in fernste Ferne
und nimmst ihre Kraft von ihnen.

Aber heimlich noch im Innern
rührt sich sehnend ein Verschwommenes
und – ein liebeskrank Erinnern –
erbst du schwächlich Überkommnes.

Manche werden daran sterben.
Doch von dem was du gewesen
ringend musst du, Mensch, genesen
um dich siegend selbst zu erben.

Sollst nicht in dem All der Sonnen
dich allfühlend untergehn,
musst in Menschenleid und –wonnen
Menschentum gegen Allwelt stehn.

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