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Episteln - III.

- Gedicht von Justinus Kerner

Episteln - III.

3.
Blick` aus deinem Fenster, Liebe!
Schaue über die blauen Berge:
Denn dort will ich an den Himmel
Dir ein licht` Gemälde malen.

Steigen aus der Näh` und Ferne
Hohe Berge an den Himmel,
Stürzen helle, kühle Quellen
In ein blumicht, grünes Tal.

Stützt der Wanderer im Tale
Auf den Stab sich, einzuatmen
Jugend, Freiheit, Liebe, Kraft.

Steht gelehnt an einen Felsen,
Unter Laub und Rebenblüte
Dort ein kleines Haus verborgen,
Steh` ich vor dem kleinen Haus.

Kommt vom Bache, Kräuter tragend,
Dort ein liebes, junges Wesen,
Bist du es – die Meine längst.

Ist kein Lauscher mehr zu fürchten,
Drück` ich dich, du süßes Wesen!
An ein treues Herz voll Liebe,
Offen vor des Himmels Aug`.

Aber weh! o wehe, Mädchen!
Siehst du dort nicht jenen Raben?
Ächzend fliegt er durch den Himmel
Und verlöscht mit schwarzem Fittich
Mein Gemälde, weh! o weh!

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