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Einholung

- Gedicht von Rudolf G. Binding

Einholung

Ich komme zu dir wie ein Falter der Ferne.
Ich komme zu dir wie das Licht toter Sterne.
Ich komme zu dir wie zum Leibe der Odem.
Ich komme zu dir wie der Same zum Boden.

Ich giere nach dir wie der Pfeil nach dem Blute,
der Dolch nach dem Herzen. Und durch meine Liebe
verwandert ein Schakal. Verwunschene Triebe
der Seele, des Leibes, o Balsam und Rute.

Ich bringe dir hundert verklagende Nächte,
zerwartete Tage, verzitterte Wochen.
Ich bringe dir Namen im Traume gesprochen
und leeres Erwachen und Trugbild. Und brächte

dir Tod alles Lieblichen das ich erstickte,
den Gürtel der Qualen, das Joch des Sichbiegens,
Gespinste der Trauer, den Pfahl des Erliegens,
das Dunkel des Harmes in das ich verstrickte.

Und stürze mit allem darin ich versinke
verstöhnt an die Brust dir. O wirreste Stunde
der Sehnsucht, der Klage, bis an deinem Munde
ich wieder mich stille, ich Kraft mir ertrinke.

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