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In der Alhambra

- Gedicht von Johann Georg Fischer

In der Alhambra

In den Gärten der Alhambra
Wandelte die Herrlichkeit,
Rauschend durch den Glanz der Tage,
Flüsternd um die Abendzeit,
Muthig im Geräusch der Waffen
Und der ritterlichen Pracht,
Süß wie weiche Silberlauten
Im Genuß der Liebesnacht.

Höher als in diesen Räumen
Hat sich keine Brust gefühlt,
Schmeichelnder hat keinen Busen
Der Sierra Hauch gekühlt;
Und der maurischen Grandezza
Ruf erschallt so hoch und weit,
Daß er selbst den rauhen Nachbarn
Sprache, Sang und Sitte leiht.

Doch die Säulen sind gefallen,
Und die todte Stille lauscht
Wo`s von Festen, Liedern, Rosen
Und Gewändern sonst gerauscht;
Nur des menschenscheuen
Vogels Fittig in die Höfe zog,
Wo der königliche Falte
Schönen Händen einst entflog.

Zwar noch einmal ist`s geschehen
Daß die Freude wieder kam,
Als den Einzug ein Bourbone,
Jener fünfte Philipp nahm,
Und Grallada von den Reizen
Isabellens war entzückt.
Die mit einer kurzen Täuschung
Alten Glanzes es beglückt.

Doch auf immer aus den Hallen
Schwindet bald der Freude Stern,
Und der Erde Beben selber
Rüttelt an dem Felsenkern;
Wie die maurische vor Zeiten
Flieht die Christenmacht davon,
Und nicht Kreuz noch Halbmond rettet
Dieses stolze Jlion.

Aber Einen Glauben weiß ich,
Der vor keiner Macht entflieht,
Der auf jeder Größe Trümmern
Eine Schaar Bekenner zieht,
Die mit Lachen aus des Glückes
Abgelegtem Mantel schielt
Und des bunten Schauspiels,
letzte Rolle bis zu Ende spielt,

Den gespenstischen Sombrero
Trotzig in die Stirne drückt
Und verächtlich auf den Fremdling
Mit dem dunkeln Auge zückt;
Aber der gefallnen Größe
Erbschaft so geschäftig pflegt,
Daß mit Hochmuth sie die Lappen
Um der Glieder Blöße schlägt:

Bettler sind es, ohne Sorgen,
Ohne Arbeit, ohne Brod,
Könige, die es verachten
Sich zu kümmern um die Noth,
Die man drüben in Neapel
Nur die Lazaroni nennt,
Die man auch in der Alhambra
Als die jüngsten Gäste kennt;

Die am Indermeere wohnen
Und am Griechenarchipel,
Wo der Väter Enkel träumen
Ein versunkenes Juwel;
Wo am höchsten seine Wogen
Trug der Zeitengröße Strom,
Auf den schwülen Schädelstätten
Von Jerusalem und Rom.

Boten sind`s der Weltgeschichte,
Jedem Stolze beigesandt,
Ihm sein Gegenbild zu zeigen,
Sein Gemälde, umgewandt,
Und es ist das Größt` und Kleinste
Einer todten großen Zeit,
Daß so bittere Satyre
Bald auf ihrem Schutt gedeiht.

Könige im Bettlermantel!
Prediger besondrer Art,
Pochend hoch auf ihres Blutes,
Ihres Reichs Allgegenwart!
Allen Völkern? allen Zeiten
Eine Lehre, wahr und echt,
Könige im Bettlermantel,
Ein unsterbliches Geschlecht!

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