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Curriculum philosophicum

- Gedicht von Karl Rudolf Hagenbach

Curriculum philosophicum

In goldpapier`ner Kappe,
Den Besenstiel zum Speer,
Mit einem Schild von Pappe
Zog Karl, der Held, einher.

Die Wangen, roch von Ziegel,
Von Kohlen schwarz der Bart,
Erschrak er, als im Spiegel
Er so sein Bild gewahrt`.

Fast wollt` er gar nicht glauben,
Daß er es selber sei,
Was thun doch nicht die Schrauben
Der eignen Narrenthei!

Zum Jüngling ward der Knabe,
Ade! Soldatenspiel,
Die ganze Zeughaushabe
Ward nun der Flammen Ziel.

Und hockend hinter`m Ofen,
Der Helm und Schild verschlang,
Reift` Karl zum Philosophen
Ein dutzend Winter lang.

Der alten Logik Regeln
Ward er bald übersatt,
Nun fing er an zu hegeln,
Daß eine Art es hatt`.

Abstraktes und Concretes,
Für sich und Anderssein,
Der Henker kaum versteht es,
Doch klingt es wunderfein.

Nicht länger mocht` er bergen
Der tiefen Weisheit Drang,
Strebt` in gelehrten Werken
Nach edler Meister Rang.

Schon sind die ersten Bogen
Des ersten Buchs gedruckt,
Von süßem Wahn betrogen
Er in das Büchlein guckt.

Da kriegt` er erst beim Lesen
Gewaltigen Respekt,
Daß solch ein kühnes Wesen
In seinem Hirn gesteckt.

Fast wollt` er gar nicht glauben,
Daß er es selber sei,
So mächtig sind die Schrauben
Der eignen Narrenthei.

Der Jüngling ward zum Manne,
Auf eignen Fuß gestellt,
Gelöst vom Formelbanne
Lag vor ihm da die Welt.

Wie fiel es ihm gleich Schuppen
Von seinen Augen jetzt,
Daß er bisher an Puppen
Den Kinderfilm ergötzt.

Und als er wieder schaute
In`s eigne Buch hinein,
Mein Gott! wie ihm da graute
Vor all den Närrenthein.

Fort! fort mit in den Ofen!
Dort, wo des Knaben Tand,
Ward auch des Philosophen
Schätzbares Werk verbrannt.

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