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Das Sechste Lied

- Gedicht von Philipp von Zesen

Das Sechste Lied

j.

Halt! du schöner Morgenstern /
Bleibe fern /
und du güldne Nacht-Laterne /
Halt der weissen Pferde Lauff
itzund auff;
Steht ein wenig still Ihr Sterne.

ij.

Gönne mier die süße Ruh /
Sonne / Du /
Laß uns doch der Liebe pflegen /
Laß den kühlen Reiff und Tau
Auff der Au
Noch ein wenig unsert wegen.

iij.

Ist doch meine Liebste mier
Sonn` und Zier /
Die mich itzund in den Armen /
In den zarten Armen weiß /
Die mein Preiß /
und mich also lässt erwarmen.

jv.

und du wunder-schönes Licht
Die ich nicht
Nach der gnüge kan beschreiben /
Laß der hellen Augen schein
bey mier seyn /
Biß der Tag die Nacht wird treiben.

v.

Wie hat mich dein rother Mund
Doch verwundt?
Das zweyfache Schild mich zwinget /
Das vor deinem Hertzen steht
Wie ein Beet /
Da der Liljen Pracht auffspringet.

vj.

Ach! entschlage dich ja nicht
Schönes Licht /
Dieser Lust in deiner Jugend /
Brauche deiner Liebligkeit
und der Zeit /
Schadt es doch nicht deiner Tugend.

vij.

Laßt uns immer freudig seyn;
Nacht und Wein
Reitzen uns itzund zum lieben;
Dann wann Liebe Nacht und Wein
bey uns seyn /
Kann uns Langmuth nicht betrüben.

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