A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


zurück zu Karl Gerok

„Wer nicht wider uns ist, der ist für uns.“

- Gedicht von Karl Gerok

„Wer nicht wider uns ist, der ist für uns.“

Lukas 9, 49. 50.

Da antwortete Johannes und sprach:
Meister, wir sahen einen, der trieb
die Teufel aus in deinem Namen
und wir wehreten ihm, denn er folgte
dir nicht mit uns. Und Jesus sprach
zu ihm: Wehret ihm nicht, denn wer
nicht wider uns ist, der ist für uns.

Was wehret ihr den Brudernamen
Dem Jünger, der mit euch nicht geht?
Was lästert ihr den guten Samen,
Den eure Hand nicht ausgesät?
Ein großer Herr braucht manches Knechtes,
Viel Hände kämpfen für sein Reich,
Und im Gedränge des Gefechtes
Ist für euch, wer nicht wider euch.

Wohl sprach dereinst der große Meister:
„Wer nicht für mich, ist wider mich;“
Er kennt die Seinen, prüft die Geister,
Und nimmer täuscht sein Auge sich;
Doch nicht der Jünger seis, der richtet,
Der Knecht ist nicht dem Herren gleich,
Ihr seid dem mildern Wort verpflichtet:
Für euch ist, wer nicht wider euch!

Brauchts denn, um Christi Werk zu führen,
Ein pergamentenes Diplom?
Dämmt ihr nach euren hänfnen Schnüren
Der ewgen Gnade freien Strom?
Es fleugt der Geist auf Sturmesflügeln
Und geistet, wo er geisten will,
Und will er wo sein Werk besiegeln,
Bedarfs nicht euer Amtssigill.

Gibts keinen bessern Kampf zu kämpfen,
Als Wortgezänk und Silbenstreit?
Gilts nicht des Satans Macht zu dämpfen
In dieser letztbetrübten Zeit?
O grüßet froh als Bundsgenossen,
Wer unterm Banner Christi ficht;
Die dichten Glieder festgeschlossen!
Denn anders geht’s zum Siege nicht.

Soll denn der Erzfeind lieber siegen,
Eh ihr besiegt den Brudergroll?
Soll Zions Bau darniederliegen,
Eh dass der Nachbar helfen soll?
Ist dies das heilige Erbarmen?
Ist dies der stille, sanfte Geist?
Sind dies die Kleinen, Geistigarmen,
Die unser Meister selig preist?

Zwar wie mein Geist ihn fühlt und fasset,
So ist und bleibt er einzig mein,
Doch einst im höhern Licht erblasset
All meiner Erdenweisheit Schein;
Und sollt ich noch dem Bruder fluchen,
Der auch des Geists ein Fünklein spürt?
Nein, Frieden Allen, die da suchen
Die Straße, die gen Zion führt!

Blickt auf zu jenen Ätherfluren:
Ein jeder Stern hat eignes Licht,
Doch all die sel’gen Lichtnaturen
Sie stoßen und sie drängen nicht;
In seinen diamantnen Gleisen
Wallt jeder seinen stillen Gang,
Das Weltenurlicht zu umkreisen
Harmonisch in der Sphären Klang.

Schaut hin zu jenen Frühlingsfeldern,
Geht hin durchs bunte Blumenreich:
Wo ist in Gärten und in Wäldern
Ein Blättchen nur dem andern gleich?
Doch zankt die Rose mit den Nelken,
Die Eiche mit den Buchen nicht,
Ein jedes weiß, wir blühn und welken
In  e i n e r  Sonne mildem Licht.

„Wir blühn und welken,“ ja verwelken
Wird viel, was heute steht im Flor;
Auch eures Kirchturms Gebälken
Steht noch ein Tag des Zorns bevor;
Was Silber, Gold und Edelsteine,
Was Holz und Heu und Stoppel war,
Einst machts der Herr im Flammenscheine
Des Weltgerichts offenbar.

So wuchert still mit euren Pfunden,
Bis dass der Meister kommt nach Haus,
Und kaust die kurzen Arbeitsstunden
Für ewge Freudenernten aus;
Der hat dem Herrn wahrhaftig gehuldigt,
Der seinen Dienst am treusten übt,
Doch dass ein Knecht dem andern schuldigt,
Das ists, was Christi Geist betrübt.

Lass zwischen dein und meinen Hirten
Nicht ferner Zank und Hader sein *) ,
Ist doch, um alle zu bewirten,
Die große Erde nicht zu klein!
Ist doch kein bittres Haderwasser
Das süße Evangelium,
Kein Leibgericht für Bruderhasser
Des Liebesmahls Mysterium. –

O sieh die Torheit deiner Freunde,
Erhabnes Haupt, in Mitleid an,
Und bau dir selbst die Gemeinde
Nach deinem ewgen Meisterplan;
Und hälst du mit verklärten Seelen
Die himmlische Kommunion,
Dann lass auch unsern Feind nicht fehlen
Zur großen Brüderunion!

*) 1 Mose 13, 8.

Anzeigen


Anzeigen

Dies & Das

Abkürzungen - wichtige u. oftgesuchte Abkürzungen
Universitäten - deutsche Fach - und Hochschulen
Vornamen - Herkunft und Bedeutung von Vornamen
Zitate - umfangreiche Zitatdatenbank, Sprüche, Reime,...