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Der junge Veteran

- Gedicht von Karl Simrock

Der junge Veteran

Lustig tanzen, fröhlich singen
Hört ich in des Schenken Haus,
Lüstets mich hineinzuspringen:
Kam vor Tag nicht mehr hinaus.
Wär wohl länger noch geblieben;
Solche Freude mag ich lieben!
Mädchendienst und blutgen Strauß.

Waren Dirnen viel beisammen,
Blum an Blum, ein schöner Kreiß.
Steht man doch nicht gleich in Flammen,
Wenn man klug zu prüfen weiß.
Nur die Eine mit den Blicken
Aller Herzen zu bestricken
Sah ich kaum, so ward mir heiß.

Sollt ich drum vor dir verzagen,
Feuerauge, Rabenhaar?
Fühlt ich auch die Pulse schlagen,
Bot ihr keck die Rechte dar.
Niemals tanzt ich so wie heute,
Und es sprachen alle Leute:
Schauet an das schöne Paar.

Munter flogen wir den Reigen,
Blick in Blick und Brust an Brust.
Einen Seufzer hört ich steigen
Mitten in des Tanzes Lust.
`Gott, was mag sie so bewegen?
War ein Bräutigam zugegen?
Ach, wie groß wär der Verlust!`

Und dem Tanze folgt ein zweiter,
Folgt ein dritter, vierter gar:
Doch auf einmal schrie: `Nicht weiter!`
Der erzürnten Dörfer Schar.
`Darf der Fremde sich erlauben
Just der Schönsten Herz zu rauben,
Die noch Keinem günstig war?`

Und in wüthendem Gedränge
Brach es rings zum Kampf hervor,
Doch im tollsten Handgemenge
Klang mir jenes Wort ins Ohr.
Vielgewandt, noch jüngst ein Krieger,
Blieb ich doch am Ende Sieger,
Denn ihr Blick hielt mich empor.

Jetzt ihr klugen Bauersleute,
Heikengleiche, schwache Schar,
Jetzt verkauf ich meine Beute,
Und dann — ja, ich mach es wahr —
Darf der Fremde sich erlauben
Just der Schönsten Hand zu rauben,
Die noch Keinem günstig war.

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