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Düstere Ahnung

- Gedicht von Joseph Christian von Zedlitz

Düstere Ahnung

Mißtrau` nicht meinen Eiden,
Mißtraue meinem Glück;
Noch ist es Zeit, zu fliehen,
Noch kannst Du ruhig ziehen,
Nimm Deinen Ring zurück!
Mir träumt von nahen Leiden,
Drum besser ist`s, mich meiden!

Sieh` an der Stirn ein Zeichen,
Daran werd` ich erkannt;
Es deutet Kampf und Kriege,
Das hat an meiner Wiege
Ein Dämon eingebrannt!
Der kam aus dunkeln Reichen,
Ich werd` ihm nicht entweichen! – –

Einst, als die Schlacht entglommen,
Sah ich in Kampfesnoth
Einen Soldaten trinken,
Und als er trank, ihn sinken
Hin auf den Rasen, todt:
Er hatt`s nicht wahrgenommen,
Wie er den Schuß bekommen! –

Nun, weil ein Lächeln schweben
Du siehst um meinen Mund,
Und weil ich kräftig stehe,
Und hellen Blickes gehe,
Meinst Du mich kerngesund?
Ich aber fühl` ein Beben
In meinem tiefsten Leben! –

Drum warn` ich Dich, mein Leben!
Such` Dir ein bess`res Loos;
Mir macht mein Unstern bange,
Mir währt kein Segen lange,
Kein Glück zog ich noch groß;
Wenn ich`s erreicht, dann eben
Seh` ich`s von dannen schweben! –

Willst Du es dennoch wagen –
Nimm Hand- und Herzensschlag!
Laß denn vereint uns wandeln,
Und laß das Schicksal handeln
Und thun, was es vermag.
Was kommt in künft`gen Tagen,
Wohlan, wir wollen`s tragen! –

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