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Der Husar von Auerstädt

- Gedicht von Adolf Friedrich

Der Husar von Auerstädt

Nach dem Tage war es von Auerstädt;
Verloren die preußische Ehre;
In alle Winde die Fahnen verweht;
Zerbrochen Waffen und Wehre;
Da lag bei Nacht in waldiger Schlucht
Zu kurzer Rast nach ermattender Flucht
Ein Trupp vom geschlagenen Heere.

Beim erloschenen Feuer am Boden schlief
So Offizier wie Gefreiter.
Nur einer wachte, der seufzte tief,
Ein Major der Blücherschen Reiter.
Er starrte tief in das Dunkel hinein
Und knirscht` in die Zähne: »Beim Ewigen, nein!
Ich folge der Flucht nicht weiter!

O daß mich keine der Kugeln traf,
Und tausende hört` ich doch pfeifen!
Nun läg` ich ruhig im ewigen Schlaf,
Statt ehrlos weiter zu schweifen,
Statt lebend zu schauen in Scham und Wut,
Wie fränkische Schergen durch Schmach und Blut
Mein Preußen zu Tode schleifen.«

Da wiehert sein Roß; er schwingt sich empor
Und spornt es zu rasender Schnelle.
So führt ihn der Pfad an des Städtleins Thor
Beim Dämmern der Morgenhelle;
Und dort vor dem Wirtshaus macht er Halt:
»Schaff Hafer dem Gaul! Bring Wein alsbald!
Was zögerst du, träger Geselle?«

Groß starrt ihm der Wirt entgegen. »Major,
Wo ließt Ihr Augen und Ohren?
Ihr spielt ums Leben. Das Lannessche Corps
Rückt eben herein zu den Thoren.«
Doch der Reiter schwingt sich vom Sattel und ruft:
»Wein her! In der graulichen Morgenluft
Ist mir das Blut wie gefroren.

Stoßt an! Auf besser kommende Zeit!
Daß ein Geist sie, ein neuer, durchzücke,
Ein Geist, der vom Joch die Gemüter befreit,
Von Selbstsucht, Dünkel und Tücke!« -
Nun leert er das Glas; nun schenkt er es voll;
Horch! Trommelwirbel, Kanonengeroll,
Dumpf dröhnend über die Brücke!

»Um Gott, Herr, wenn ich Euch raten mag,
Flieht, flieht, statt länger zu zechen!«
Doch lauter ruft jener. »Ein Hoch dem Tag,
Wo wir die Ketten zerbrechen,
Wo das würgende Schwert die Franzosen frißt,
Wo welsche Hoffart und welsche List
Erstickt in blutigen Bächen!

Und verströmen wir alle das Leben auch
Aus klaffender Herzenswunde,
Wir jubeln froh mit dem letzten Hauch
Entgegen der rächenden Stunde:
Heil, Deutschland, Heil! Steig auf verjüngt
Aus dem Boden, mit unserm Blute gedüngt
Und den Leichen der fränkischen Hunde!«

»Da sind sie!« jammert der Wirt totblaß,
»O spaltete gleich sich die Erde!« -
Doch der Reiter schleudert in Scherben das Glas
Und steigt kaltblütig zu Pferde;
Dann ruft er, die Doppelpistolen gespannt:
»Noch winkt dem Freien ein Vaterland!
Laßt sehn, ob zu teil es mir werde!«

Anrücken die Feinde mit klingendem Spiel;
Er sprengt auf dem schnaubenden Tiere
Der Front entgegen und wählt sein Ziel
Und streckt auf den Boden viere.
Da knattert die Salve; von Dampf umflort,
Stürzt Roß und Reiter zumal, durchbohrt
Von den Kugeln der Füsiliere.

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