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An J.S. (5)

- Gedicht von Josef Mauthner

An J.S. (5)

Als Chaumette die Religionen
Trotz des Weltenhohngelächters
Fegte von den lichten Thronen
Mit dem Mut des Gotverächters

Als Chaumette aus den verlornen
Mädchen um das Schönste freite
Und es dann zur auserkornen
Göttin der Vernunft entweihte,

Wollte er, daß Frankreich rase
Mit der Wut der Flagellanten,
Die in sündiger Extase
In der Wollust Gott erkannten.

Armer Schwärmer! die Canaille
Köpfte dich als Trugprofeten,
Sie vermochte bei der Taille
Deiner Freundin nicht zu beten.

Denn das Volk der Guillotine
War zu fromm und glaubenszünftig,
Und es blieb bei deiner Phryne
Reizen frostig und vernünftig.

Eine hätte aufgerüttelt
Rasch den Stumpfsinn der Franzosen,
Daß sie hätten abgeschüttelt
Ihrer Kindheit Unschuldrosen —

Eine hätte aller
Dome Andachtsvolle Schaar gelichtet,
Hätte neue Wahnphantome
In das Menschenherz gedichtet.

Diese Eine, die da einzig
Solche Wunder üben konnte,
Siebzehnhundert drei und neunzig
Sich noch nicht auf Erden sonnte!

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