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Nun kommen die Tage

- Gedicht von Rudolf G. Binding

Nun kommen die Tage

Nun kommen die Tage und werden dich richten:
Wir fragen, warum wandelst du noch im Lichten?
Du bist nicht. Du warst einst. Wir sagen dich tot.

Und du fühlst dass du starbst. Und du fühlst dass du lügst nur
wenn du sagst dass du lebst; und du heuchelst und trügst nur
wenn du lachst, wenn du weinst, wenn in Schaudern du liebst.

Doch die Liebe ist tot, nur dein Leib nicht begraben;
und willst doch im Leibe das Leben noch haben
das dir starb, weil du starbst, das dich ließ weil du’s ließest.

Ein ermordeter Traum ist der Freund den du hegst noch,
den du tot noch umarmst, den du tot dir umpflegst noch
umdüsterten Augs und verschlossenen Lids.

Denn es reden zu dir nur die Heere der Würmer,
das modernde Blatt und der schlafende Türmer
und dein Leichnam im Lichte: Du redest zu dir.

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