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Von der Straße aus

- Gedicht von Max Beilhack

Von der Straße aus

Rot strahlend sinkt die Sonne,
Sie mag wohl schläfrig sein.
Da steht in Lust und Wonne
Am Fenster ein Mägdelein.

Sie hauchet auf die Scheiben
Ein Fleckchen klein und rund,
Drauf einen Namen zu schreiben;
Beseligt lächelt ihr Mund.

Und finster wird’s auf den Gassen
Und finster im Kämmerlein,
Rings hüllet Lieben und Hassen
Ein gleiches Dunkel ein.

Die Wagen rollen ferne,
Von Nacht und Nebel verdeckt,
Das Licht in der Laterne
Am Haus wird angesteckt.

Die Abendwinde treiben
Ihr Spiel mit dem kleinen Licht,
Und oben drückt an die Scheiben
Die Jungfrau ihr Gesicht.

Trüb ist geworden ihr Sinnen,
Sie starrt zum Licht hinab,
Vom beeisten Fenster rinnen
Zwei lichte Straßen ab.

Die Tränen-Straßen stammen
Vom Auge der blassen Maid –
Wie liegt doch so nahe beisammen
Die Freude und das Leid.

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