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Ruhe in der Geliebten

- Gedicht von Ferdinand Freiligrath

Ruhe in der Geliebten

So laß mich sitzen ohne Ende,
      So laß mich sitzen für und für!
      Leg deine beiden frommen Hände
      Auf die erhitzte Stirne mir!
      Auf meinen Knien, zu deinen Füßen,
      Da laß mich ruhn in trunkner Lust;
      Laß mich das Auge selig schließen
      In deinem Arm, an deiner Brust!

Laß es mich öffnen nur dem Schimmer,
      Der deines wunderbar erhellt;
      In dem ich raste nun für immer,
      O du mein Leben, meine Welt!
      Laß es mich öffnen nur der Thräne,
      Die brennend heiß sich ihm entringt;
      Die hell und lustig, eh ich’s wähne,
      Durch die geschloßne Wimper springt!

So bin ich fromm, so bin ich stille,
      So bin ich sanft, so bin ich gut?
      Ich habe dich - das ist die Fülle!
      Ich habe dich - mein Wünschen ruht!
      Dein Arm ist meiner Unrast Wiege,
      Vom Mohn der Liebe süß umglüht;
      Und jeder deiner Athemzüge
      Haucht mir in’s Herz ein Schlummerlied!

Und jeder ist für mich ein Leben!
      Ha, so zu rasten Tag für Tag!
      Zu lauschen so mit sel’gem Beben
      Auf unsrer Herzen Wechselschlag!
      In unsrer Liebe Nacht versunken,
      Sind wir entflohn aus Welt und Zeit:
      Wir ruhn und träumen, wir sind trunken
      In seliger Verschollenheit!

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