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Auf dem Rochusberge

- Gedicht von Wilhelm Genth

Auf dem Rochusberge

Ueber Berg und Thal zu schweifen
Diese ganze heil`ge Nacht,
Bis mit ihren Purpurstreifen
Mir ins Aug` die Sonne lacht,
Bin ich früh dem Haus entflohen,
Alles lag in tiefer Ruh,
Und so zog ich diesem hohen,
Gottgeweihten Berge zu.

Doch gestillt sind schon die Gluthen,
Weit und weiter stets zu ziehn:
Denn mir über`m Haupte fluthen
Hohe Himmelsmelodieen,
Während dort zu meinen Füßen
Jede Erdenseligkeit
Ihre Bilder mir mit süßen
Farben vor die Seele reiht.

Kaum vermag ich, hier zu schauen,
Und nur beten will ich hier.
Sterne über mir im Blauen,
Betet zu dem Herrn mit mir,
Daß er, die vom Himmel stammen,
Trotz der Erde Weh und Lust,
Mir der Dichtung hei`ge Flammen
Stets beschirme in der Brust.

Ha! sie kommt, die goldnen Lichter
Streifen schon den breiten Rhein,
Immer heller, immer dichter
Schließen ihn die Gluthen ein.
Inseln aus dem Strome tauchen,
Voll von Duft und voll von Ton,
Von den Morgenopfern rauchen
Alle ihre Buchten schon.

Und nun kommt das bunte Leben
Und der laute, frohe Tag,
Schiff und Wandrer, alle streben
Nahem, fernem Ziele nach.
Ich verweile und vertraue,
Alles ruh` in Gottes Hand,
Der, was stolz ich überschaue,
Mir ja gab zum Vaterland.

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