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Empfängnis

- Gedicht von Anton Wildgans

Empfängnis

Und wie er spähend gegen Mittag sah,
Erhob sich aus dem Korn, das goldgesponnen,
Ein junges Weib und blickte tief versonnen
Zum Himmel auf, der satt war, schwer und nah..
Dann schüttelt sie aus ährenblondem Haar
Geknickte Halme, die sich drin verfangen,
Und beut der Sonne ihre braunen Wangen,
Der steilen Brüste traubengleiches Paar -

Da fühlt er, wie sein Blick sich rot umqualmt,
Und reckt sich auf und bleckt die blanke Kraft
Seines Gebisses, das den Schrei zermalmt,
Den brünstigen nach ihrer Jungfernschaft.
Und naht ihr jäh und hat die herbe Pracht
Mit hartem Griff an seine Brust gedrängt -
Und wie sein Knie sich zwischen ihre zwängt,
Da beißt sie ihn, so daß er gurgelnd lacht
Und keucht und lacht in kurzen rauhen Schlägen ...

Ein dunkles Wölkchen, plötzlich riesengroß,
Wächst, schwillt blitzzuckend in der Erde Schooß
Und löst sich auf in stummen, heißen Segen ...

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