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Und wieder schaute ich

- Gedicht von Rudolf G. Binding

Und wieder schaute ich

Und wieder schaute ich. Da warest du die Sphinx,
die unersättliche, verlockenden Gesichts,
die stille Würgerin, die lautlos rings
vollstreckt das Urteil eines Weltgerichts,
die für ihr Rätsel Menschenopfer heischt,
die Herzen aus lebendigen Busen frisst,
in Hirne krallt und langsam sie zerfleischt.

Du gönnst den Leibern ihrer Tage Frist
zum Hohne nur, und wenn sie sterben müssen
nach fürchterlicher Vergewaltigung
ist ihre Seele schon der Brust entrissen,
sie fallen seelenlos ins Gras wie Dung.

Du aber nimmst sie stummt und keine Fragen
erlaubst du nach dem Rechte deiner Fron.
Zu leiden sind sie da und still zu tragen.
Du weilest ihnen stumm den kalten Lohn,
den Lohn de Dirnen, Lohn erkaufter Liebe,
Gold Gold und Gold und niemals die Erhörung,
kein Lächeln der Errettung, nur Betörung,
Wahn eines Lohns und gestillte Triebe.

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