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An dieselbe

- Gedicht von Justinus Kerner

An dieselbe

(Bei Übersendung der vierten Auflage der
»Seherin von Prevorst«, im Oktober 1846.)

Hier kommt das Buch vom Markte schwer verhöhnt,
Zum dritten Male durch den Markt gedrungen.
Wenn mich das Lied mit Blumen hat gekrönt,
Hat Dornen mir dies Buch ums Haupt geschlungen.

Wohl heilig ist der Blumenkranz fürs Lied,
Doch jenem, der des Innern Tiefen glaubte,
Für seinen Glauben kämpfte nimmer müd`,
Ist heiliger der Dornenkranz im Haupte.

Mit solchem tret` ich jetzt zum erstenmal
Vor Dich; o laß die Dornen Dir gefallen! –
Des Winzers Jubel schweigt auf Berg und Tal,
Die Feste ruhen in des Königs Hallen.

Und sieh! in meines Gartens stillem Raum
Fällt Blatt um Blatt vom Baum, wo Du gesessen, –
Ein lichtes Bild aus einem Frühlingstraum,
Einmal geträumt und nimmer zu vergessen.

Da sang der Vogel, duftete die Flur.
Wie war Dein Auge licht, wie licht der Himmel!
Lenz, Sommer, Herbst verschwanden, die Natur
Ins Innre flieht aus irdischem Getümmel.

Doch herrlicher erglänzt der Sterne Pracht,
Ging Vogelsang und Blumenduft zu Ende.
Der Winter naht, die stille Geisternacht,
In ihr leg` ich dies Buch in Deine Hände.

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