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Der Gustav-Adolfsbecher

- Gedicht von Karl Gerok

Der Gustav-Adolfsbecher

Am württembergischen Gustav-Adolfstag 1872.

Denn sonst ein alter Ehrenbecher,
Ein Silberkelch, ein Goldpokal,
Die Runde macht im Kreis der Zecher
Beim Tauffest oder Hochzeitmahl,
Da füllt man ihn auf seine Reise
Mit edlem Wein bis an den Mund,
Und wandert er zurück im Kreise,
Leer muß er sein bis auf den Grund.

Der aber, so allhier zu sehen,
Des alten Goldschmids Meisterstück:
Leer soll er jetzt von hinnen gehen,
Auf daß er kehre voll zurück,
Voll von gewicht`gen Liebesspenden,
Und Freunde, daß ihr`s recht versteht,
Hört, eh er kreist in euren Händen,
Woher er kommt, wohin er geht!

Woher er kommt? — zwar nicht von Thule,
Und doch nicht allzufern davon,
Von eines nord`schen Königs Stuhle,
Von unsrem großen Schutzpatron,
Dem stets an uusrer Tafelrunde
Unsichtbar steht sein Stuhl erhöht: —
Ein Erbstück ist er unsrem Bunde
Von Gustav Adolfs Majestät.

Die Sage spricht: im großen Kriege
Legt` ihn des frommen Königs Hand
Auf eines Kriegerkindes Wiege
Als Patenstück und Gnadenpfand;
Kein Becher für alltäglich Dürsten,
Ein festlich‘ Erbstück sollt` er sein,
Drum prägte man des Himmelsfürsten,
Des Dreimalheil`gen Bildnis ein.

Wer weiß, welch` bärt`ge Kriegerlippen
Ihn einst geleert bis auf den Grund;
Wer weiß, wie oft zu zücht`gem Nippen
Ihn angesetzt ein holder Mund;
Wer weiß, auf welchen Schicksalswegen
Er uns zum Erbteil ward beschert?
Genug, uns ist er dessen Segen
Dem Gold und Silber angehört.

Drum bleibt er auch dem Herrn ergeben
Und seines Reiches Dienst bestimmt:
Nicht ist`s das Purpurblut der Reben,
Was in der goldnen Höhlung schwimmt;
Nicht ist es um den Leib zu laben,
Daß man ihn einmal füllt im Jahr:
Nein, für der Liebe fromme Gaben
Beut er die Opferschale dar,

Und nimmt ein Engel ihn zu Händen
Und trägt ihn hin vom Opferschmaus
Und schüttet ihn in fernen Landen
Vor armen Glaubensbrüdern ans:
Wie sind sie neugestärkt im Glauben,
Wie macht sie unsre Liebe froh!
Kein Saft der allerbesten Trauben
Erquickte je die Herzen so!

So nehmt ihn hin, ihr biedern Zecher,
Und denkt, indes ihr ihn beseht, —
Den teuren Gustav Adolfsbecher, —
Woher er kommt, wohin er geht,    -
Und wenn ihr ihn zu Gottes Ehren
Gefüllt habt bis zum Rande voll,
Dann mög`t ihr froh die euern leeren,
— Er hat vollendet was er soll!

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